Fußball-Kreisliga A Stuttgart/Böblingen, Staffel 1 Ein Taktik-Kniff entzaubert den Favoritenschreck

Vertauschte Karten: Alexander Schweizer vom ASV Botnang überraschte die SG Stuttgart-West mit ungewohnter Spielanlage. Foto: Günter Bergmann

Der ASV Botnang greift in die Trickkiste und überrollt den Favoritenschreck, die „Jo-Jo-Jungs aus Untertürkheim“ setzen ihre ungewöhnliche Serie fort und ein Mittelfeldspieler versenkt zwei direkte Freistöße, aber scheitert vom Punkt.

Sport: Dominik Grill (grd)

Der neunte Spieltag der Kreisliga A, Staffel 1, endete mit unveränderten Positionen auf den ersten sechs Plätzen und einem Spitzenreiter, der sich – auch dank eines scorerfreudigen Offensivduos – weiterhin die Konkurrenz vom Leib hält. Hinter Türkspor untermauert der ASV Botnang die eigenen Aufstiegsambitionen, im Kellerduell gelingt dem MTV Stuttgart II der Befreiungsschlag. Das waren die acht Partien des neunten Spieltags.

 

ASV Botnang – SG Stuttgart-West 6:0

Die Entzauberung des „Favoritenschrecks“? Beim ASV Botnang erlebte die SG West ein Debakel, verlor nach starken Spielen gegen den SSV Zuffenhausen und Türkspor deutlich gegen den Favoriten. Botnang-Coach Alexander Schweizer hatte schon in der vergangenen Woche angekündigt, die Truppe aus dem Stuttgarter Westen nicht zu unterschätzen, und vorab gründlich recherchiert, um nicht den Stärken des Gegners in die Karten zu spielen: „Wir haben unter der Woche ein paar Sachen umgestellt, die haben aber im Training nicht so gut funktioniert wie im Spiel selber.“ Auch dank seines Taktikkniffs sah Trainer-Fuchs Schweizer eine starke Reaktion der Mannschaft auf das überraschend enge Spiel am vergangenen Spieltag gegen Schlusslicht SV Sillenbuch II. „Wir standen hinten extrem gut, haben quasi keine Chancen zugelassen, das war viel besser als gegen Sillenbuch“, sagte Schweizer, „und wie die Jungs das vorne gemacht haben, das war geisteskrank.“

Hüllte sich Schweizer noch etwas in Schweigen, was genau er aus der taktischen Trickkiste hervorzauberte, wurde Benedikt Goos, Trainer der Gäste, schon deutlicher: „Der hat uns gezielt gelockt und wir sind so ein wenig in seine Falle getappt.“ Die Botnanger hätten sich in ihrer Spielanlage eher abwartend gezeigt, waren weniger druckvoll als erwartet. Gleichzeitig habe man selbst eine „sehr schlechte Mannschaftsleistung“ gezeigt. „In den entscheidenden Situationen waren wir im Kopf zu langsam und teilweise hat einfach der Wille gefehlt.“ Von der ersten bis zur letzten Minute sei Botnang hochüberlegen gewesen, der Sieg gehe – auch in der Höhe – vollkommen in Ordnung.

Tore: 1:0 Ceesay (10.), 2:0 ilhan (12.), 3:0 Arich (23.), 4:0 Schweizer (83.), 5:0 Schweizer (87.), 6:0 Detloff (90.+4)

Besonderes: –

SG Untertürkheim – Türkspor Stuttgart 2:4

Die Akcan-Festspiele gehen weiter! Traf der Türkspor-Angreifer im vergangenen Spiel gegen den TV Zazenhausen doppelt, ließ er gegen die SGU einen Dreierpack folgen. Mit jetzt 13 Treffern thront er an der Spitze der Torjägerliste, bedanken darf er sich unteranderem bei Daniel Bosnjak, der ihm das 4:1 auflegte, und auf mittlerweile zwölf Saisonvorlagen kommt. Neben dem kongenialen Offensivduo habe die ganz Mannschaft eine ordentliche Leistung gezeigt, so Memik Erdogan, Trainer der Roten, „wir haben es gut runtergespielt, es war aber nichts Weltbewegendes“. Bei der Leistung des Gegners wird er schon deutlicher: „Die stehen zu recht so weit unten in der Tabelle.“ Vor allem mit dem eigenen Ballbesitz hätte die SGU nicht besonders viel anzufangen gewusst, der Defensivleistung zollte er aber Respekt: „Hinten haben sie ihre Sache gut gemacht und der Torwart war sehr stark.“

Auf der anderen Seite stellte ein Offensivmann seinen feinen Fuß gleich doppelt unter Beweis: Zweimal traf der Untertürkheimer Jannik Hinz per direktem Freistoß, der Foulelfmeter in der 86. Minute schien danach zu seinen einfacheren Übungen an diesem Nachmittag zu zählen – denkste! Er scheiterte an einem stark parierenden Hüsrev Kop, der den 4:2-Endstand festhielt.

Trotz allem zeigte sich Christos Kolokotronis, der zusammen mit Alexander Erne das Trainergespann bei der SG Untertürkheim bildet, weitestgehend zufrieden mit seiner Mannschaft: „Unsere Jungs haben gekämpft, sich in die Zweikämpfe geworfen, aber sich am Ende nicht belohnt.“ Man habe ein junges Team, dem zum Teil noch die Erfahrung fehle, und das noch zusammenwachsen müsse – trotzdem habe es gegen den großen Favoriten die ein oder andere Chance gegeben. „Wir bestrafen die Fehler vom Gegner nicht, der Gegner aber unsere“, erklärte er die fehlende Abgeklärtheit, betonte aber auch: „Wir nehmen das Spiel als Ansatz für die nächsten Wochen, es hat gezeigt, dass wir uns vor keinem Gegner verstecken müssen.“

Tore: 0:1 Vrabac (25.), 0:2 Akcan (31., Foulelfmeter), 1:2 Hinz (33.), 1:3 Akcan (38.), 1:4 Akcan (65.), 2:4 Hinz (82.)

Besonderheiten: Kop (Türkspor) hält Foulelfmeter von Hinz (86., Untertürkheim)

TSV Uhlbach – SG Weilimdorf 2:3

Dass es in Uhlbach nicht einfach ist, zu spielen, bekam an diesem Sonntag auch die SG Weilimdorf zu spüren. Deren Trainer Philip Baltsios sprach von einem „etwas hitzigen Spiel“, samt zweier Elfmeter und teils aufgeladener Stimmung von den Zuschauerrängen. Nicht zufrieden ist er mit der Leistung des Unparteiischen, sah sein Team immer wieder benachteiligt: „Ich glaube, der Schiedsrichter hat sich von den Zuschauern ein wenig beeinflussen lassen.“ Umso stolzer ist Baltsios auf seine Jungs, die super gekämpft und sich am Ende den Sieg verdient hätten. Besonders in der ersten Halbzeit sei man sehr dominant aufgetreten, einzig an der Chancenverwertung habe es gemangelt.

Bei der Heimelf wollte Coach Tim Wagner nicht von einem hitzigen Spiel sprechen: „Es war nichts Wildes, insgesamt war es ein normales Fußballspiel.“ Natürlich sei es gerade gegen Ende noch mal etwas emotionaler geworden, „weil die eine Mannschaft unbedingt das 3:3 will, während die andere alles tut, um den Sieg zu halten.“ Dazu beigetragen haben dürfte der Schiedsrichter, der auch laut Wagner zwischenzeitlich den Faden verlor und sich die Fehlentscheidungen auf beiden Seiten häuften, der TSV-Trainer betonte aber: „Der Schiedsrichter ist nebensächlich, wir haben nicht wegen ihm verloren.“ War in der ersten Halbzeit noch Weilimdorf die deutlich bessere Mannschaft samt zahlreicher ungenützter Torchancen, haderte er mit der eigenen Zielgenauigkeit in den zweiten 45 Minuten: „Es war sehr unglücklich, wir hatten viele Chancen, haben aber einfach nichts getroffen.“

Tore: 0:1 Janik (31.), 1:1 Pilchowski (42., Foulelfmeter), 1:2 Janik (70.), 1:3 Kugiumtzidis (86.), 2:3 Menger (90.)

Besonderheiten: –

PSV Stuttgart – TV89 Zuffenhausen 2:1

Nach einem katastrophalen Saisonstart und seit dem Trainerwechsel bewegt sich der PSV Stuttgart Schritt für Schritt aus dem Tabellenkeller. Durch den knappen Sieg gegen den TV89 Zuffenhausen finden sich „die Polizisten“ nach dem neunten Spieltag erstmals auf einem Nicht-Abstiegsplatz wieder (12.). Trainer Damian Nagler, der sein fünftes Spiel an der Seitenlinie bestritt, sprach von einer spannenden Partie, das Ergebnis sei im Zustandekommen etwas glücklich, aber insgesamt gerecht gewesen: „In der ersten Halbzeit war das Spiel ausgeglichen mit Chancenplus auf Zuffenhausener Seite, in der zweiten Halbzeit waren wir besser und haben verdient gewonnen.“

Wie sich beim Fußball manchmal die Wahrnehmung unterscheiden kann, zeigt Yavuz Tepegöz Einschätzung: „Wir waren klar die bessere Mannschaft, aber du musst die Tore machen“, sagte der Trainer der Zuffenhausener, der erneut von einer mangelhaften Chancenverwertung sprach. Doch nicht nur vor dem Tor, auch in ihrem Auftreten habe seiner Truppe die nötige Abgezocktheit gefehlt: „Wir sind zu nett, zu lieb, zu brav“, das habe der Gegner ausgenutzt. Manchmal fehle seinem Team das, was ihn persönlich als „Kicker der alten Schule“ auszeichne: Auch mal Kante zeigen – was Tepegöz kurzerhand selbst unter Beweis stellte. In der 76. Minute wechselte er sich selber ein, räumte wenig später einen Gegner ab, kassierte die Gelbe Karte. Seine Einschätzung: „Ich hätte mich schon früher einwechseln sollen, um ein Zeichen zu setzen.“

Tore: 1:0 Nimigean (61.), 2:0 Lechner (70., Eigentor), 2:1 Kuzu (81.)

Besonderes: –

SSV Zuffenhausen – TB Untertürkheim 6:2

Sie haben es wieder getan! Die „Jo-Jo-Jungs aus Untertürkheim“ setzen ihre Auf-und-Ab-Serie fort, auf den Sieg am vorherigen Spieltag folgte erneut eine Niederlage – es ist das Schema F, das seit Saisonstart die Punkteausbeute des TBU bestimmt.

Dabei war das Spiel über weite Teile deutlich spannender, als es das Endergebnis vermuten ließ. Bis zur 83. Minute führten die Zuffenhausener nur mit 3:2, dann brachen alle Dämme und die Heim-Elf erhöhte innerhalb weniger Minuten auf 6:2. Auch Erhan Atici, Trainer des SSV, sah lange Zeit eine sehr enge Partie: „Über 80 Minuten war es ein sehr packendes Spiel, TBU hat gut dagegengehalten, die waren stärker als erwartet.“ Unterm Strich ist er froh über die drei Punkte, zumal er die kommende Zeit zu den „Wochen der Wahrheit“ erklärte: „In den nächsten Spielen (unteranderem gegen ASV Botnang und TV89 Zuffenhauen) wird sich zeigen, ob wir oben dran bleiben, oder es eher in Richtung Mittelfeld geht.“

Bei den Gästen sprach ein zerknirschter Ivo Ilijasevic von einem unglücklichen Spiel: „Das Ergebnis ist nicht spielgerecht, es ist zu hoch ausgefallen“, sagte der TBU-Trainer, der ebenfalls über weite Strecken eine knappe Partie sah. Man habe kein schlechtes Spiel gemacht, agierte aber in einzelnen Situationen unglücklich, beispielsweise sei der Foulelfmeter zum 3:1 für die Zuffenhausener berechtigt, aber vom eigenen Spieler „unclever“ gewesen. Mit Blick auf den nächsten Gegner, den ASV Botnang, würde sich Ilijasevic über eine Fortsetzung des Punkte-Auf-und-Abs nicht beschweren: „Lieber mache ich die Serie weiter, als zweimal in Folge zu verlieren.“ Allerdings hätte er auch gegen ein Unentschieden nichts einzuwenden – es wäre das erste der Saison.

Tore: 1:0 Surasi Hamld (2.), 2:0 Hachenbruch (16.), 2:1 Höschele (32.), 3:1 Banseka (45.+2, Foulelfmeter), 3:2 Puppa (54.), 4:2 Banseka (83.), 5:2 Dursun (90.), 6:2 Ergin (90.+1)

Besonderes: –

MTV Stuttgart II – SV Sillenbuch II 2:0

Im Kellerduell gelang dem MTV Stuttgart II der langersehnte Befreiungsschlag. Nach zuletzt sechs Pleiten in Folge hatte man sich auf dem vorletzten Tabellenplatz wiedergefunden, drei Punkte vor dem gestrigen Gegner, SV Sillenbuch II. MTV-Trainer Valentin Mangold zeigte sich erleichtert: „Der Sieg war ganz wichtig und extrem befreiend, das war jetzt mal extrem notwendig.“ Das Spiel selbst sei von beiden Seiten nicht das schönste gewesen, „das war wohl auch der Tabellensituation geschuldet, man hat beiden Mannschaften die Nervosität angemerkt“, so Mangold, der einen ordentlichen Arbeitssieg seiner Elf sah.

Auf der anderen Seite wartet man weiterhin auf den ersten Saisonsieg – oder zumindest mal wieder einen Punkt. Nach dem überraschend engen 3:4 am vorigen Wochenende gegen den ASV Botnang sprach Coach Necmi Keskin erneut von einem ärgerlichen Ergebnis. Seien beide Mannschaften in der ersten Halbzeit gleich stark gewesen, bedeutete das 0:1 durch MTVs Tyrese Brayton-Brown in der 59. Minute den bitteren Wendepunkt: „Aus meiner Sicht war das klares Abseits, auch die anderen Spieler haben aufgehört zu spielen.“ Danach habe man aufmachen müssen und schließlich das 0:2 kassiert. Trotz der Pleitenserie sei die Motivation in der Kabine ungebrochen, „die Stimmung ist ok, es gibt keine Stinkstiefel“, so Keskin, der mit Blick auf die Saison sagte: „Wenn es am Ende nicht reicht, kann man nichts machen, aber wir geben alles.“

Tore: 1:0 Brayton-Brown (59.), 2:0 Brayton-Brown (86.)

Besonderheiten: Foulelfmeter verschossen MTV Schwägerl (41.)

TSV Mühlhausen – SV Prag 1:0

Auch beim TSV Mühlhausen dürfte die Erleichterung nach dem neunten Spieltag groß sein. Hatte man die Saison noch mit zwei Siegen stark begonnen, folgten danach sechs Spiele ohne die drei Punkte. Gegen den SV Prag gelang also in einem engen Spiel die Kehrtwende. Auch Heim-Coach Armend Mehmeti betonte: „Für die Köpfe war es ein enorm wichtiger Sieg.“ Nicht nur die drei Punkte machten den Trainer froh, sondern auch die konzentrierte Defensiv-Leistung – erstmals in dieser Spielzeit stand hinten die Null.

Zu großen Teilen sei das Spiel ein Schlagabtausch auf Augenhöhe gewesen, so Mehmeti, der damit aber vor allem das intensive Mittelfeld-Geplänkel meinte, das von großem Einsatz und hoher Laufbereitschaft auf beiden Seiten geprägt war. „Spielerisch war es kein besonders gutes Spiel, über ein Unentschieden hätten wir uns auch nicht beschwert“, sagte Mehmeti, trotzdem habe man mit den eigenen Torchancen für einen verdienten Sieg gesorgt – auch wenn natürlich auch Glück dabei gewesen sei.

Tore: 1:0 Koutretsis (38.)

Besonderes: –

TV Zazenhausen – OFK Beograd 3:5

Einen Schlagabtausch – nicht nur im Mittelfeld, sondern besonders vor dem Tor – lieferten sich auch der TV Zazenhausen und OFK Beograd. Mit viel Leidenschaft und Herzblut steckte der aktuell Tabellen-Elfte aus Zazenhausen nie auf, rang dem Favoriten gehörig Respekt ab: „Ich weiß nicht, warum Zazenhausen so weit unten steht (in der Tabelle), die waren ein richtig guter Gegner“, sagte Beograd-Coach Bojan Nikolic nach dem Spiel. Die Partie sei „richtig hart“ und von intensiven Zweikämpfen geprägt gewesen. Hatte es anfangs noch „dummes Gelaber“ zwischen den eigenen Spielern gegeben, riss man das Spiel nach Ansage des Trainers an sich und holte einen verdienten Sieg, so Nikolic.

Auf der anderen Seite sieht die Gefühlslage wie so oft aus, wenn man als Underdog ein starkes Spiel gegen den Favoriten macht und trotzdem verliert. „Vor dem Spiel war klar: Wir müssen keine Punkte holen, können es aber“, sagte Zazenhausen-Trainer Armando Traini, „aber so ist das im Nachhinein natürlich bitter“. Vier der gegnerischen Tore seien nach krassen, individuellen Fehlern gefallen, von der großen Favoritenrolle Beograds sei während des Spiels dagegen wenig zu sehen gewesen. „Wenn wir viermal patzen und die viermal treffen, ist das natürlich auch Qualität“, lobte er aber den Gegner. Bei der eigenen Mannschaft habe die Einstellung gestimmt („Der Fight war super“), am Ende habe man sich mit den individuellen Patzern aber um den Lohn gebracht.

Tore: 0:1 Sijakovic (14.), 1:1 Meyer (20.), 1:2 Lakovic (29.), 1:3 Sijkakovic (53.), 1:4 Burazor (60.), 2:4 Atescan (61., Foulelfmeter), 3:4 Öztürk (81.), Sijakovic (82.)

Besonderes: –

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