Fußball-Kreisliga A Stuttgart/Böblingen, Staffel 1 Erneut eine Übermannschaft? Türkspor schießt auch den Vizemeister ab

Das nächste Türkspor-Ausrufezeichen. Auch im Duell der Titelfavoriten siegte der Bezirksliga-Absteiger klar. Im Bild: der Torschütze Erdem Akcan (rot) und der Botnanger Patrick Lehmann. Foto: Günter Bergmann

Nach dem dritten Spieltag sind nur noch zwei Mannschaften ohne Niederlage. Derweil feiert der TV Zazenhausen nach zwei Traumtoren einen überraschenden Derbysieg. Und beim Aufsteiger SV Prag Stuttgart wird ein Mann mit Doppelrolle zum Matchwinner.

Volontäre: Valentin Schwarz (vas)

Drei Spiele, neun Punkte, 17:2 Tore – Türkspor Stuttgart marschiert bislang eindrucksvoll durch die Staffel 1 der Kreisliga A Stuttgart/Böblingen. Am Sonntag hat auch der Vorjahreszweite aus Botnang beim Bezirksliga-Absteiger eine heftige Niederlage kassiert. Eben die Botnanger sowie der TSV Mühlhausen und der OFK Beograd Stuttgart mussten ihre ersten Punkteverluste der Saison hinnehmen. Zu den Gewinnern des Spieltags gehören derweil zwei Aufsteiger. Ein Blick auf alle Begegnungen.

 

TV Zazenhausen – TSV Mühlhausen 3:1 (0:1)

Nur rund zwei Kilometer sind es vom Gelände des TSV Mühlhausen zum Sportplatz in Zazenhausen – ein Derby par excellence. In der Vergangenheit herrschte bei den Aufeinandertreffen der beiden Nachbarn immer wieder eine hitzige Atmosphäre. Nicht so dieses Mal. „Wir konnten uns nach dem Abpfiff problemlos noch die Hand geben“, erzählt der Zazenhausen-Coach Armando Traini. Sein Mühlhausener Kollege Armend Mehmeti pflichtet ihm bei: „Das Spiel hatte Derby-Charakter, war aber sehr fair.“

Sportlich überraschte der zuvor punktlose TV Zazenhausen mit einer starken Leistung. Zwar ging Mühlhausen infolge eines Eckballs früh in Führung. Nach einer kurzen Schockphase habe seine Mannschaft dann aber „das Heft des Handelns in die Hand genommen“, sagt Traini. Dennoch musste er bis zur 76. Minute auf den Ausgleich durch den kurz zuvor eingewechselten Semih Atescan warten. Anschließend ging es hin und her. Der Mühlhausener Topstürmer Marcel Fidler, der in der Vorwoche viermal getroffen hatte, scheiterte im Eins-gegen-eins am glänzend parierenden Johann Renner.

Beinahe im Gegenzug versenkte Benedikt Scholpp den Ball technisch fein von der rechten Strafraumkante mit dem Außenrist im langen Eck. Anel Kurtovic – ein weiterer Joker – erzielte in der Nachspielzeit ebenfalls sehenswert per Direktabnahme die endgültige Entscheidung. „Unser Plan mit den Einwechslungen ist voll aufgegangen“, kommentiert Traini sein glückliches Händchen. Weniger gut ist die Stimmung dagegen bei seinem Gegenüber Mehmeti: „Wir müssen in der ersten Hälfte den Deckel drauf machen. Je länger das Spiel dann gedauert hat, desto hektischer wurden wir.“ Für sein Team setzte es damit nach zwei Siegen zum Auftakt die erste Saisonniederlage.

Tore: 0:1 Walz (13.), 1:1 Atescan (76.), 2:1 Scholpp (81.), 3:1 Kurtovic (90.).

Besonderes: –

OFK Beograd Stuttgart – SSV Zuffenhausen 1:5 (1:1)

Auch der OFK Beograd hat in einem Derby seine weiße Weste verloren. Das deutliche Ergebnis ist für den Zuffenhausener Trainer Erhan Atici allerdings etwas trügerisch: „Der Schlüsselmoment war für mich eine Szene in der 50. Minute. Da hat unser Torwart Marc Schuhmacher sehr gut gegen Bogdan Rangelov gehalten“, sagt Atici und fügt hinzu: „Wenn da das Tor fällt, nimmt das Spiel einen anderen Verlauf.“

In einer anfangs ausgeglichenen Partie hatte der Ex-Regionalligaspieler Rangelov, der vor der Saison von Calcio Leinfelden-Echterdingen gekommen ist, zunächst die Zuffenhausener Führung egalisiert. Dann kam die Parade von Schuhmacher – der Wendepunkt. Anschließend habe seine Elf dominant agiert, sagt Atici. Ein Sonderlob hat er für den Unparteiischen Etienne Stollsteimer übrig: „Es war ein Derby mit harten, packenden Zweikämpfen. Der Schiedsrichter hat das Spiel aber sehr gut geleitet.“ Nun freut sich Atici über den gelungenen Saisonstart mit sechs Punkten aus drei Spielen: „Die Euphorie ist auf jeden Fall da.“

Tore: 0:1 Surasi Hamld (35.), 1:1 Rangelov (42.), 1:2 Weinmann (53.), 1:3 Lauser (56.), 1:4 Surasi Hamld (61., Foulelfmeter), 1:5 Khamassi (78.).

Besonderes: –

Türkspor Stuttgart – ASV Botnang 5:1 (4:1)

Hochkarätig verstärkter Bezirksliga-Absteiger gegen ambitionierten Serienvizemeister: Mit Türkspor und Botnang spielten schon in Runde drei die zwei Topfavoriten auf den Aufstieg gegeneinander. Auf dem Platz machte Türkspor allerdings kurzen Prozess. Zur Halbzeit lag der Tabellenführer bereits souverän mit 4:1 vorne. „Da hat gegriffen, was wir uns vorgenommen haben“, sagt der Trainer Memik Erdogan zu den ersten 45 Minuten. Seine Mannschaft sei zu Beginn regelrecht überrannt worden, gesteht auch der Botnanger Kapitän Mirlind Kamberi ein. Er fügt hinzu: „Türkspor hat im Offensivbereich eine ziemlich hohe individuelle Qualität.“ Sein Trainer Alexander Schweizer sagt: „Alles in allem haben wir zurecht verloren.“

Trotz der deutlichen Führung wurde es in der zweiten Hälfte noch einmal hitzig. Aus Schweizers Sicht gab es mehrere Tätlichkeiten vonseiten Türkspors, die der Schiedsrichter nicht geahndet habe. Erdogan kritisiert dagegen, dass ein Zuschauer eine Betreuerin seines Vereins angegangen habe. Am Spielverlauf änderte sich jedoch nicht mehr viel. Türkspor bleibt damit weiterhin makellos und marschiert bislang mit einem Torverhältnis von 17:2 durch die Liga. Und Erdem Akcan führt nach seinem bereits fünften Saisontreffer zusammen mit dem Uhlbacher Noah Pilchowski die Schützenliste der Staffel an. Erste Indizien dafür, dass es auch in dieser Saison eine Übermannschaft gibt? Zuletzt sicherte sich Croatia Stuttgart mit einer nahezu makellosen Erfolgsbilanz den Titel.

Tore: 1:0 Vrabac (3.), 2:0 Koyuncu (21.), 3:0 Capar (38.), 4:0 Akcan (41.), 4:1 Kamberi (44.), 5:1 Kalkan (89.).

Besonderes: –

SV Sillenbuch II – SG Stuttgart-West 1:4 (0:4)

Profiteur der Niederlagen von Mühlhausen, Beograd und Botnang ist die SG Stuttgart-West. Das Team des Trainerduos Benedikt Goos und Senai Tasfaldet sprang durch seinen Sieg gegen Sillenbuch auf Tabellenplatz zwei. Zur Pause war an der Filderebene bereits alles entschieden. Zwischen der 23. und der 39. Minute erzielte West vier Treffer, darunter ein Doppelpack von Paul Kottmann. Mit sieben Punkten aus drei Spielen ist die Spielgemeinschaft neben Türkspor als einziger Verein der Staffel weiterhin ungeschlagen.

Der Sillenbuch-Coach Necmi Keskin war zwar terminbedingt nicht vor Ort. „Mein Spielführer und mein Co-Trainer haben mir aber berichtet, dass die Führung für den Gegner auch in der Höhe verdient war“, sagt er. Seine Mannschaft habe derzeit mit zahlreichen Ausfällen aufgrund von Urlaub und Verletzungen zu kämpfen. „Deshalb müssen wir einfach schauen, dass wir diese personell schwierige Lage ordentlich überstehen“, sagt Keskin.

Tore: 0:1 Müller (23.), 0:2 Papp (25.), 0:3 Kottmann (31.), 0:4 Kottmann (39.), 1:4 Iqbal (58.).

Besonderes: –

SG Weilimdorf – PSV Stuttgart 3:1 (2:1)

Für den PSV Stuttgart verläuft die Saison 2024/25 bislang alles andere als erhofft. Gegen den Aufsteiger Weilimdorf kassierten die Cannstatter die dritte Pleite in Folge. „Das ist ein klarer Fehlstart“, sagt der Trainer Nicola Pozorski. Vor Beginn der Runde hatte er einen Platz unter den Top vier ausgegeben. Nun ist der Vorjahresdritte jedoch erst einmal das Tabellenschlusslicht und die einzige Mannschaft, die weiterhin auf ihren ersten Punktgewinn warten muss. Deshalb müsse sich einiges verändern, sagt Pozorski. Den Kopf in den Sand stecken will er ob des schwachen Auftakts jedoch nicht: „Wir werden jetzt im Training arbeiten und hoffen, im nächsten Spiel gegen Prag die ersten drei Punkte einzufahren.“

Der Weilimdorfer Coach Philip Baltsios ist dagegen „hochzufrieden“ über den ersten Saisonsieg. „Das war die richtige Antwort nach dem Debakel in der Vorwoche“, sagt er. Gegen den TB Untertürkheim war die Spielgemeinschaft mit 2:8 unter die Räder gekommen. „Da haben wir für unsere mutige Spielweise bezahlt“, sagt Baltsios. Diesmal entschied er sich deshalb für eine vorsichtigere Herangehensweise: „Wir haben vor dem Spiel gesagt, wir nehmen jetzt die Außenseiterrolle an.“ Der Matchplan, sich auf das Verteidigen und Kontern zu konzentrieren, ging auch dank Chrisowalandis Kugiumtzidis auf. Dem Stürmer, der im Vorjahr 43 Tore zum Aufstieg beigesteuert hatte, gelang gegen den PSV sein zweiter Doppelpack nacheinander.

Tore: 1:0 Kugiumtzidis (17.), 2:0 Nedos (25.), 2:1 Klose (32., Foulelfmeter), 3:1 Kugiumtzidis (48.).

Besonderes: –

TV 89 Zuffenhausen – TSV Uhlbach 2:3 (0:0)

Ebenso wie der PSV Stuttgart findet sich der TV 89 Zuffenhausen früh überraschend in den unteren Tabellenregionen wieder. Der Trainer Yavuz Tepegöz sieht vor allem die schlechte Chancenverwertung als Grund für die zweite Niederlage im dritten Spiel: „Wir sind richtig gut reingekommen, aber haben hundertprozentige Gelegenheiten nicht genutzt.“ Nach einer torlosen ersten Hälfte entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Das 1:0 für der Gastgeber durch Marko Sorgic glich der Uhlbacher Torjäger Noah Pilchowski postwendend per Strafstoß aus.

Uhlbachs Spielertrainer Tim Wagner hatte den Foulelfmeter mit seiner ersten Aktion nach Einwechslung herausgeholt. „Da wurde ich klar getroffen“, schildert er die Szene aus seiner Sicht. Nur zwei Minuten später ging die Wagner-Elf durch Bjarne Petersen in Führung. Kurz vor Schluss gelang Pilchowski dann sein fünfter Saisontreffer, bevor Sorgic noch einmal verkürzte. Am ersten Sieg der Spielzeit für Uhlbach änderte das allerdings nichts mehr. „In den ersten beiden Spielen sind wir auch schon gut aufgetreten. Jetzt hat es endlich mal für drei Punkte gereicht“, sagt ein erleichterter Wagner.

Tore: 1:0 Sorgic (59.), 1:1 Pilchowski (64., Foulelfmeter), 1:2 Petersen (66.), 1:3 Pilchowski (85.), 2:3 Sorgic (90.).

Besonderes: –

SV Prag Stuttgart – TB Untertürkheim 2:1 (1:1)

Die Neulinge scheinen eine Klasse höher gut mithalten zu können. Neben Weilimdorf hat auch der SV Prag seinen ersten Dreier in der Kreisliga A eingefahren. „Sie haben es clever gemacht“, lobt der Trainer Ivo Iljasevic vom unterlegenen TB Untertürkheim den Gegner. Seinem eigenen Team misslang es, dem 8:2-Triumph aus der Vorwoche gegen Weilimdorf den zweiten Sieg über einen Aufsteiger nachfolgen zu lassen.

Dabei hatte die Partie für die Gäste eigentlich gut begonnen. Deren frühe Führung durch Sandro Vukic egalisierte Otis Raiser allerdings noch vor dem Pausenpfiff. Und knapp zehn Minuten vor Schluss traf der Prager Torschütze nach einem Standard dann erneut, diesmal zum umjubelten Siegtreffer. Kurios: Raiser spielt meist als Innenverteidiger, lief in dieser Partie jedoch zunächst als Stürmer auf. In der Halbzeit wechselte er wieder auf seine Stammposition.

Der Prag-Coach Frederik Bruder ist durchaus zufrieden mit der Leistung seines Teams: „Wir haben uns gut reingearbeitet und in einer offenen, hektischen zweiten Hälfte schließlich belohnt.“ Iljasevic hadert dagegen mit seiner Mannschaft: „Wir hätten unsere Chancen in der ersten Hälfte besser nutzen müssen. In der zweiten Hälfte haben wir dann zu wenig für das Spiel getan.“

Tore: 0:1 Vukic (11.), 1:1 Raiser (31.), 1:2 Raiser (81.).

Besonderes: –

SG Untertürkheim – MTV Stuttgart II 3:1 (0:1)

Ganz anders stellt sich die Gemütslage beim Stadtteilnachbarn des TB Untertürkheim dar. „Das war von der Tabelle her und für unser Gefühl richtig wichtig“, sagt dessen Trainer Alexander Erne nach dem Sieg über die Landesliga-Reserve des MTV Stuttgart. Der Bezirksliga-Absteiger hatte in den ersten beiden Partien mit zwei Niederlagen und zehn Gegentoren einen bitteren Start hingelegt. Nun also der Befreiungsschlag.

Allerdings sah es auch gegen den MTV zunächst nicht nach einem erfolgreichen Sonntag für die Spielgemeinschaft aus. „Die erste Hälfte war katastrophal von uns, da hat von hinten bis vorne gar nichts gepasst“, sagt Erne. In der Pause stellte er dann das System um. Außerdem wies er seine Mannschaft an, von nun an hoch zu pressen, statt weiterhin tief stehend zu verteidigen. Ein gelungener Schachzug: „Danach waren wir richtig gut drin und haben das Spiel bestimmt“, sagt Erne. Der entscheidende Akteur war letztlich der junge Angreifer Gabriel Osei, der den Ausgleich und das 3:1 erzielte. Das freut seinen Trainer ganz besonders: „Er hatte in den ersten beiden Spielen schon gute Gelegenheiten. Jetzt ist der Knoten bei ihm endlich geplatzt.“

Tore: 0:1 Debrah (26.), 1:1 Osei (71.), 1:2 Mourzidis (82.), 1:3 Osei (90.).

Besonderes: –

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