Alexander Schweizer trug in den Schlussminuten einen inneren Disput mit sich selbst aus. Soll ich meinen Bruder vom Feld nehmen oder nicht? So hießen seine Gedankenspiele. Sein Bruder, namentlich Daniel, rang doch schwer nach Luft. Letztlich entschied sich der Coach des ASV Botnang für weiterspielen. Denn auch ohne den nötigen Dampf habe sein Bruder schon häufig bewiesen, dass er treffen kann. Welch gute Entscheidung. In der dritten Minute der Nachspielzeit war es eben besagter Daniel Schweizer, der zum 3:2-Siegtreffer im Nachholspiel gegen den TSV Uhlbach einnetzte. Schwerstarbeit musste der letztlich gefeierte Matchwinner nicht vollrichten – den Querpass von Louis Steinbach musste er nur noch einschieben.
Apropos Steinbach. Der Neuzugang vom Liga-Konkurrenten SG Untertürkheim stand ebenso in der Botnanger Startformation wie der fast zwei Meter große Abwehrhüne Will Ugarkovic, gekommen vom Bezirksligisten Union Heilbronn (Bezirk Franken).
Für die Uhlbacher war Schweizers Tor der Nackenschlag schlechthin und das Ende des gefühlt schon fest verbuchten Ertrags, hatte man doch bis zur 54. Minute durch Treffer von Joshua Menger und Janitz Wörner Alvarez mit 2:0 geführt und laut TSV-Spielertrainer Tim Wagner Möglichkeiten gehabt, „die Führung noch höher zu gestalten“. Binnen neun Minuten stellten Madi Ceesay und Claudius Saager das Resultat dann aber auf Gleichstand, wobei Wagner am zweiten Botnanger Treffer mit beteiligt war. Denn bei einem gewöhnlichen Schulter-an-Schulter-Zweikampf sei er stehen geblieben, sein Gegenspieler einfach daniedergesunken, und es ertönte ein Pfiff. „Der Elfmeter war lächerlich“, so der Verursacher Wagner. Sein Gegenüber Daniel Schweizer bewertete die Situation naturgemäß anders: „Ein 50:50-Elfmeter, der in der Kreisliga A gepfiffen wird, höherklassig aber nicht.“ Auch wenn die Seinen das Siegtor erst kurz vor Tore-Schluss erzielten, war dieses für den ASV-Coach keineswegs überraschend. „Ich habe auch bei 0:2 gemerkt, dass noch was geht.“
Trotz der schmerzlichen Last-Minute-Pleite hat den Uhlbachern das Duell mit dem Tabellenzweiten gezeigt: „Wir müssen keine Angst vor den Botnangern haben, empfangen diese in zwei Wochen voller Zuversicht zum Rückrundenauftakt“, sagt Wagner kämpferisch, der mit seiner Mannschaft im zweiten Teil der Runde noch einiges vor hat. „Auch wenn es zwölf Punkte Unterschied sind, traue ich der Truppe durchaus Rang drei noch zu.“ Dazu soll nach zehnmonatiger Australien-Tour der zurückgekehrte Torhüter Malte Klein beitragen.
Dass die Uhlbacher sich im Abschluss-Klassement weiter vorne wiederfinden werden, davon ist auch der ASV-Coach Schweizer nach der Nachholpartie überzeugt. „Die Uhlbacher haben eine junge, technisch starke Truppe. Ich war echt begeistert, wie sie sich gegen uns präsentiert haben“, lobt Schweizer, der weiß, dass das kommende Spiel in Uhlbach „eine heiße Angelegenheit wird, weil es auf dem Götzenberg immer eine heiße Angelegenheit ist“. Derweil hat der Tabellenzweite den Rückstand auf den Klassenprimus Türkspor Stuttgart auf drei Punkte verkürzt.
Tore: 0:1 Menger (44.), 0:2 Wörner Alvarez (51.), 1:2 Ceesay (54.), 2:2 Saager (63., Foulelfmeter), 3:2 Daniel Schweizer (90. +3).
Besonderes: –