Fußball-Kreisliga A Stuttgart/Böblingen, Staffel 2 Beim KV Pieningen und TSV Jahn Büsnau brechen die Jubeldämme

Der neue Büsnauer Torhüter Simon Hochschein wehrte unter anderem einen Elfmeter ab – das Signal zur finalen Aufholjagd seiner Mannschaft. Foto: Günter Bergmann

Nach dem dritten Spieltag sind nur noch die Plieninger verlustpunktfrei – dies dank eines Last-Minute-Tors. Unterdessen sieht sich Ermis vom Fußballgott bestraft, trifft ein Sillenbucher vierfach und muss bei der Degerlocher Germania der Trainer als Keeper ran.

Aus fünf mach eins. Der alte und neue Tabellenführer KV Plieningen ist in der Kreisliga-A-Staffel 2 nach dem dritten Spieltag die letzte verbliebene Mannschaft mit makelloser Punkteausbeute. Den nötigen Sieg beim SV HNK Slaven Stuttgart tüteten die Plieninger erst spät ein und richteten hinterher ein Lob an den Gegner – für dessen Spielstärke. Und für dessen Rasenwart. Auf so manchem anderen Platz ging es holpriger zu.

 

GFV Ermis Metanastis Stuttgart – TSV Jahn Büsnau 3:3

Das Duell zweier bisher verlustpunktfreier Mannschaften hätte auch gut auf einer Theaterbühne stattfinden können. An Dramatik fehlte es jedenfalls nicht. 3:1 führte der Gastgeber bis zur 90. Minute und hätte noch höher führen müssen – Chancen gab’s genug, darunter ein Foulelfmeter. Dann schlug Büsnau zweimal zu. „Es wäre vermessen zu behaupten, dass das nicht glücklich war“, sagt Dominik Lenhardt, der Spielertrainer der Gäste.

Seine Mitspieler erkämpften sich den Ausgleich wahrhaftig. Von einem „Gestocher“ vor den Toren spricht Lenhardt. „Spielerisch ansehnlich war das nicht. Aber ein Zeichen unserer Moral. Wir sind die ganze Zeit angerannt.“ Ausgangspunkt: der von Simon Hochschein klasse parierte Strafstoß.

Für den Ermis-Vorsitzenden Panagiotis Moutas besiegelte der späte Ausgleich eine gefühlte Niederlage. „Der liebe Fußballgott weiß: Wenn du deine Tore nicht machst, wird das bestraft.“ Und doch zog Moutas Positives aus der Partie. Weniger als 48 Stunden nach dem 3:1-Sieg über den TB Untertürkheim in Runde drei des Bezirkspokal-Wettbewerbs hätten seine Spieler eine starke Leistung gegen einen starken Gegner gezeigt. Für Rafail Stavridis war es ein Spiel der gemischten Gefühle. Erst erzielte er das 1:1, dann folgten der verschossene Elfer und sein Platzverweis in der Nachspielzeit.

Tore: 0:1 Specht (17.), 1:1 Stavridis (34.), 2:1 Tolo (49.), 3:1 Söylemezgiller (51.), 3:2 Sebastian Lenhardt (90.), 3:3 Schmidt (90.+7).

Besonderes: Hochschein (Büsnau) wehrt Foulelfmeter von Stavridis ab (65.); Gelb-Rot für Stavridis (Ermis, 90.+4).

TV 89 Zuffenhausen – TSV Heumaden 3:5

Im dritten Saisonspiel bejubelte Adnan Shakir Mannan den ersten Saisonsieg. Dieser Erfolg jedoch war teuer erkauft, „sehr teuer“, wie der Heumadener Trainer präzisiert. Im Verletztenlager seiner Mannschaft wird der Platz langsam eng. Am Sonntag mussten auf der Schlotwiese in Zuffenhausen Christoph Reichle, Roni Toy und Thorsten Timmerevers, zuvor noch Torschütze, vorzeitig vom Platz – Reichle und Timmerevers mit dicken Knien, Teu mit ausgekugelter Schulter. Seine Verletzung zog eine halbstündige Spielunterbrechung nach sich. Zwar hat sich beim Kapitän Nico Floeter der Verdacht eines Bänderrisses aus der vergangenen Woche nicht bestätigt – Floeter konnte spielen und erzielte den 1:1-Ausgleich. Dennoch blickt Mannan bange den Diagnosen bei Reichle und Timmerevers entgegen.

Für seinen Amtskollegen auf Zuffenhausener Seite, Marc Bäuerle, brachte die Partie ebenfalls ein Déjà-vu der unangenehmen Sorte. Zum dritten Mal im dritten Spiel hielt der Aufsteiger aus dem Stuttgarter Norden gut mit und blieb dennoch ohne Punktgewinn. „Diesmal waren wir sogar die bessere Mannschaft. Aber das hilft nichts, wenn du dir zu viele Unzulänglichkeiten leistest“, bemängelt Bäuerle. Dessen Hoffnungen ruhen nun auf den Brüdern Vassilios und Angelo Ngrantsanlis. Der Abwehrchef und der Stammtorhüter sind aus dem Urlaub zurück.

Tore: 1:0 Angeso (11.), 1:1 Floeter (25.), 1:2 Maimone (53.), 1:3 Timmerevers (60.), 1:4 Asomah (67.), 2:4 Iatan (70.), 2:5 Maimone (77.), 3:5 Flemming (89.).

Besonderes: Gelb-Rot für Yildirim (Heumaden, 74.).

TSV Dagersheim II – FV Germania Degerloch 0:3

Das Ergebnis lässt es nicht vermuten, doch der erste Saisonsieg des FV Germania Degerloch war „eine knappe Kiste“. So bewertet es zumindest der Co-Trainer des Gastes, Claudio Marques, der sagt: „Es hätte auch 3:0 für den Gegner ausgehen können.“

Dass Dagersheim II stattdessen nach wie vor auf den ersten Torerfolg nach dem Aufstieg wartet, daran waren zwei Akteure maßgeblich beteiligt. Der eine war der Schiedsrichter Jan Begenat, der dem Team aus dem Kreis Böblingen ein selbst aus der Sicht von Marques klares Tor aberkannte. Der andere heißt Christian Bernhagen und ist in der Regel „nur“ Germania-Trainer, schlüpfte am Sonntag aber (wie bereits am 29. Spieltag der Vorsaison gegen den Meister TV Echterdingen II) in eine Zusatzrolle: die des Torhüters, der seinen Kasten gekonnt sauber hielt.

Die Personallage machte es notwendig. „Wir treten gerade mit dem letzten Aufgebot auf“, berichtet Marques, der bei den Degerlochern gleichzeitig Trainer der A-Junioren ist und mit Stolz sieht, wie sich seine in den Kader der Aktiven berufenen Schützlinge machen. Beispiel David Naumburger. Dessen drei Treffer im Pokalspiel unter der Woche beim TSV Birkach retteten die Germania ins Elfmeterschießen, das sie mit 9:8 gewann.

Tore: 0:1 Hofmann (55.), 0:2 Moreira Pereira (86.), 0:3 Mollo (90.+2).

Besonderes: –

Sportfreunde Stuttgart – Spvgg Möhringen 1:3

Eigentlich ist Tobias Fuchs ein Trainer, der eine aktive Mannschaft sehen will, den Willen und Drang, sich Chancen zu erarbeiten. Diese Erwartung warf der Coach der Spvgg Möhringen über den Haufen, als er am Sonntag den vom Regen gezeichneten Platz am Degerlocher Keßlerweg sah. „Wir haben entschieden, das Spiel einfach zu halten“, sagt er. Bedeutet: den Gegner kommen lassen, weniger mit dem Ball zu tun haben, hinten nicht viel zulassen und vorne zuschlagen, wenn sich die Gelegenheit ergibt.

Der veränderte Matchplan ging auf und brachte dem Gast den ersten Sieg nach zwei Auftaktpleiten gegen Mannschaften, die Fuchs am Saisonende oben in der Tabelle erwartet: HNK Slaven und Ermis Metanastis. „Das war wichtig für den Kopf gerade unserer vielen jungen Spieler“, sagt der Trainer.

Bei den Sportfreunden trauert der kickende Abteilungsleiter Reinhard Bohne einer verpassten Chance hinter, genauer: „der Riesenchance“, mit neun Punkten zu starten. Dazu fehlten dem Gastgeber allerdings vorne die Gefährlichkeit und hinten die Sicherheit. Was Bohne trotzdem auffiel und was ihm wichtig ist: „Unsere Teamleistung in dieser Saison ist sehr geschlossen. Das gilt es jetzt auch in der Niederlage zu zeigen.“

Tore: 0:1 Breitung (21., Handelfmeter), 0:2 Munz (29.), 1:2 Eichler (42.), 1:3 Munz (89.).

Besonderes: –

SV HNK Slaven Stuttgart – KV Plieningen 1:2

Ein Pass des eingewechselten Durim Jashari, ein Schuss von Noah Felthaus und ein klein wenig gütliche Mithilfe des Innenpfostens – diese Vorkommnisse in der Nachspielzeit entschieden eine ereignisreiche und attraktive Partie auf dem Fasanenhof zugunsten des KV Plieningen, woraufhin sich der Gastgeber die Haare raufte und beim Gast die Dämme in Richtung Jubelbad brachen. „Es sind alle Mann außer mir losgerannt“, berichtet der Plieninger Trainer David Gzim. Kein Wunder: Drei Punkte hatten er und die Seinen bei Slaven nicht eingerechnet.

Gzim selbst blieb nach dem Siegtor ruhig, wie seine Spieler zuvor ruhig geblieben waren – trotz des Rückstands, dem sie hinterherlaufen mussten. „Wir wussten: Wenn wir gegen eine solch spielstarke Mannschaft aufmachen, geht das nach hinten los.“ Ein Rasen im Topzustand erlaubte es den Slaven-Kickern immer wieder, ihre Gefährlichkeit aufblitzen zu lassen. Allein: sie standen am Ende mit leeren Händen da. Weil der Schiedsrichter ihnen zwei Tore aberkannte, weil Nikola Perikic ein unseliges Eigentor unterlief, weil der für gewöhnlich sichere Schütze Dino Dzakmic einen Elfmeter verschoss – und weil kurz vor dem Ende Noah Felthaus traf. Für Slavens Vereinschef Kristian Kera war es „ein Tag zum Vergessen. Bei uns ist einiges schiefgelaufen“.

Tore: 1:0 Sami Hussein (34.), 1:1 Perikic (69., Eigentor), 1:2 Felthaus (90.+1).

Besonderes: Dzakmic (Slaven) schießt Handelfmeter neben das Tor (80.).

SV Sillenbuch – SV Hoffeld 7:2

In der B-Jugend der Stuttgarter Kickers holte der Trainer Zvonimir Topalusic den Spieler Grigorios Dimoulatos einst in sein Team, am Sonntag trafen sich die beiden als Trainer wieder. Für Letztgenannten, den Coach des SV Hoffeld, war es im Duell des Aufsteigers beim Absteiger bei aller Wertschätzung gegenüber dem einstigen Mentor eine schmerzhafte Erfahrung. „Das hat weh getan“, sagt Dimoulatos über die 2:7-Niederlage, bei der seine Mannschaft das erste und das letzte Tor erzielte und dazwischen eiskalt für mehrere schwerwiegende individuelle Fehler bestraft wurde. Mit Vorwürfen an seine Spieler hielt sich Dimoulatos jedoch zurück. Weil ihm nur zwei etatmäßige Abwehrspieler zur Verfügung standen und einer der beiden, Cian Garvey, nach einer gerade erst überstandenen Erkältung noch nicht wieder ganz fit ist, musste er mächtig improvisieren.

Bei den Sillenbuchern machten sich das besonders zwei Akteure zunutze: Julien Boll und Jerry Nkamanyi wirbelten die geschundene Hoffelder Defensive kräftig durcheinander und erzielten sechs der sieben Treffer. „Wir haben die Effektivität gezeigt, die wir zuletzt zu oft haben vermissen lassen“, bekräftigt Hans-Georg Spies, der Spielleiter des Gastgebers. Dass seine Kicker erst einem Rückstand hinterlaufen mussten, missfiel ihm – „gegen stärkere Gegner sollte uns so was nicht passieren“. Auf den Ausgleich mussten die Sillenbucher Fans aber nur kurz warten. Und dann kam die Lawine ins Rollen.

Tore: 0:1 Waldmüller (7.), 1:1 Boll (8.), 2:1 Boll (15., Handelfmeter), 3:1 Nkamanyi (34.), 4:1 Nkamanyi (45.), 5:1 Boll (57.), 6:1 Boll (81., Foulelfmeter), 7:1 Dovridis (89.), 7:2 Ade (90.+2, Foulelfmeter).

Besonderes: –

Spvgg Stetten – FSV Waldebene Stuttgart-Ost 1:1

Intensiv ging’s zu auf der Weidacher Höhe in der Partie zweier hoch Eingeschätzter. „Viel Leidenschaft und Kampf“ sah der Stettener Trainer Erdinc Cakir auf beiden Seiten. Sein Amtskollege von den Höhen des Stuttgarter Ostens, Christopher Eisenhardt, stimmt zu – wenngleich es ihm an mindestens einer Stelle zu intensiv zuging. Nach einem Einsatz mit gestreckten Beinen von Sebastian Koksch gegen Pasquale Barbato forderten die Gäste glatt Rot. Für den Schiedsrichter Theodoros Chasekidis war es nicht einmal ein gelbwürdiges Foul.

Pikanterweise war es jener Koksch, der kurz vor der Halbzeitpause den Führungstreffer des Gegners durch Leandro Gagstätter egalisierte – beide Tore fielen nach individuellen Abwehrfehlern. Da in Hälfte zwei auf dem nicht sehr leicht zu bespielendem Geläuf keine weiteren Treffer mehr fielen, blieb es beim Unentschieden, das beide Trainer als leistungsgerecht bezeichnen. Die Stettener finden sich in der Tabelle nach drei Spieltagen mit fünf Punkten auf dem sechsten Rang wieder, der FSV Waldebene Ost direkt dahinter – mit einem Punkt, allerdings auch einer Partie weniger, nachdem Eisenhardts Kicker in der Woche zuvor spielfrei gewesen waren. Kurios: der erste Heimauftritt folgt für sie erst noch – am nächsten Sonntag gegen den SV Sillenbuch.

Tore: 0:1 Gagstätter (42.), 1:1 Koksch (44.).

Besonderes: –

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