Das von vielen herbeigesehnte Spitzenspiel der Staffel 2 der Fußball-Kreisliga A Stuttgart/Böblingen fand ein unrühmliches Ende, das bei allen nur Fragezeichen hinterließ. Das Sportliche rückte nicht nur deshalb in den Hintergrund. Der Blick auf das Duell SV Sillenbuch gegen TSV Jahn Büsnau und alle anderen Spiele der Staffel.
SV Sillenbuch – TSV Jahn Büsnau abgebrochen
Auch am Tag nach dem Spielabbruch des mit Spannung erwarteten Spitzenspiels herrscht Ratlosigkeit. „Es ist mir ein Rätsel. Ich kann gar nicht wirklich erklären, wie es dazu kam, weil ich es nicht verstehe“, sagt Dominik Lenhardt, Spielertrainer des TSV Jahn Büsnau.
Begonnen hatte die Begegnung zwischen dem Spitzenreiter aus Büsnau und dem als Tabellendritten in die Partie gegangenen SV Sillenbuch wie erwartet. Nach umkämpften 45 Minuten ging es mit einem gerechten 0:0 in die Halbzeitpause. Torjäger Cedric Hornung erzielte nach einem Konter in der 62. Minute das 1:0 für die Gäste.
Dann folgte ein Schockmoment, der das ganze Spiel auf den Kopf stellte. Um die 65. Minute landete Jan Ole Sohn nach einem Foulspiel in der Luft so unglücklich, dass er sich schwer verletzte. „Nach aktuellem Stand hat er sich das Sprunggelenk gebrochen und noch etwas am Schienbein“, sagt der Co-Trainer Nico Hering. Die genaue Diagnose steht jedoch noch aus. In der Folge war die Partie rund 25 Minuten unterbrochen, bis der Krankenwagen den Mittelfeldspieler abtransportiert hatte. Das Spiel wurde daraufhin wieder angepfiffen und lief weitere 20 Minuten weiter. „Insgesamt waren also 90 Minuten schon gespielt, aber der Schiedsrichter meinte, es werden noch weitere 30 Minuten nachgespielt“, berichtet Hering. „Alle, inklusive uns, obwohl wir zurücklagen, waren der Überzeugung, das kann nicht sein. Aber er wollte nicht mit sich reden lassen“, so Hering weiter. Jonas Fischer traf kurz darauf im Gestocher zum Ausgleich.
Dominik Lenhardt und sein Trainerkollege Zvonimir Topalusic suchten anschließend gemeinsam das Gespräch mit dem Schiedsrichter. „Er wollte aber weiter nicht mit sich reden lassen, nachdem wir uns mit Sillenbuch darauf geeinigt hatten, dass wir den Ball einfach liegen lassen, brach er die Partie ab“, berichtet Lenhardt nach wie vor fassungslos. „Wir sind gespannt, was jetzt passiert, weil für uns wäre es ein riesiger Schritt in Richtung Meisterschaft gewesen, wenn wir das Spiel gewonnen hätten.“
Michael Spörer, Bezirksvorsitzender des Verbandes, teilt auf Anfrage mit: „Es gab unterschiedliche Ansichten, wie viel nachgespielt werden sollte, der Schiedsrichter hatte sich subjektiv bedroht gefühlt und deshalb die Partie abgebrochen.“ Weshalb er jedoch keine vorgelagerten Maßnahmen zur möglichen Deeskalation ergriff, müsse noch geklärt werden. Die Beteiligten beider Lager streiten vehement ab, dass es eine bedrohliche Lage gegeben hätte. Wie nun verfahren wird, ob es beim 1:1 bleibt, es ein Wiederholungsspiel gibt oder die Partie für ein Team gewertet wird, soll das Sportgericht noch in dieser Woche klären.
Tore: 0:1 Hornung (62.), 1:1 Fischer (90. +4).
Besonderes: Spielabbruch beim Stand von 1:1 in der Nachspielzeit.
SV Hoffeld – SpVgg Möhrigen 4:1
Nutznießer der unklaren Situation ist der SV Hoffeld, der damit vorerst auf einen Punkt an Spitzenreiter Büsnau heranrückt. „Eine weitere schöne Momentaufnahme“, sagt Grigorios Dimoulatos, der Trainer des Aufsteigers. Mit einem Sieg im direkten Duell am Sonntag könnten die Hoffelder nach aktuellem Stand sogar die Tabellenspitze übernehmen.
Mit einer kleinen Leistungssteigerung im Vergleich zu den vergangenen Partien hat sich der Degerlocher Stadtteilclub gegen Möhrigen den verdienten Heimsieg geholt. Nach einem guten Start in die Partie führte der Tabellenzweite nach zwölf Minuten bereits mit 2:0. Beim zweiten Treffer, den Aziz Issa erzielte, profitierte er davon, dass mit Alieu Abalo kein gelernter Torhüter zwischen den Pfosten stand. Der ursprüngliche Angreifer, der sonst in der zweiten Mannschaft zum Einsatz kam, ersetzte den kurzfristig ausgefallenen Stammkeeper Ben Bartsch. Den Schuss von Peter Güth ließ Abalo nach vorne abprallen und Issa schob ins leere Tor ein. Bitter: Top-Torjäger Güth verletzte sich bei seinem Versuch ohne Fremdeinwirkung und musste genauso wie der angeschlagene erste Torschütze Lukas Höhn noch vor der Halbzeit vom Feld. Doch weder davon noch vom Anschlusstreffer von Etienne Friedrich ließen sich die Hoffelder sonderlich beeindrucken. Issa schoss mit weiteren zwei Toren den 4:1-Sieg heraus. „Für den Jungen freut es mich besonders, dass er nach einem kleinen Formtief direkt dreimal getroffen hat“, sagt Dimoulatos.
Der Möhringer Trainer Tobias Fuchs war trotz der Niederlage zufrieden mit dem Einsatz und der Leistung seiner Elf. „Wir müssen schauen, dass wir die Energie, die wir in dem Spiel gebracht haben, mitnehmen“, sagt Fuchs. Das Ziel sei es, so schnell wie möglich den Klassenverbleib unter Dach und Fach zu bekommen. „Wir versuchen jetzt am Sonntag gegen die Waldebene zu punkten. Wenn wir wieder so eine Leistung aufs Feld bekommen, dann wird es ein guter Nachmittag“, ist Fuchs überzeugt.
Tore: 1:0 Höhn (3.), 2:0 Issa (12.), 2:1 Friedrich (45. +2, Foulelfmeter), 3:1 Issa (70.), 4:1 Issa (90. +3).
Besonderes: Cakir (Möhringen) schießt Foulelfmeter über das Tor (44.).
TV 89 Zuffenhausen II – MK Makedonija Stuttgart 5:7
Platz drei hat jetzt vorerst der MK Makedonija eingenommen, der sich gegen den TV 89 Zuffenhausen II einen irren Schlagabtausch geliefert hat. Zwar war der designierte Absteiger aus Zuffenhausen gut in die Partie gestartet, lag aber nach 52. Minuten mit 0:3 zurück. „Die Spieler waren sich dann zu sicher und haben gedacht: Die hauen wir weg“, berichtet der Makedonija-Abteilungsleiter Jan Dimitrovski. Doch nichts da, der Aufsteiger kämpfte sich wieder heran und glich nach weiteren Gegentoren zum zwischenzeitlichen 5:5 aus.
„Dann haben wir uns wieder mal nicht clever angestellt“, berichtet der Zuffenhausener Trainer Marc Bäuerle. Kurz nach dem Ausgleich durch Andre Videira Teixeira verursachte der Tabellenvorletzte einen Foulelfmeter, den der einstige Rekordmann Aleksandar Stoilov zur erneuten Führung nutzte. Kurz vor Schluss setzte der Angreifer gegen die aufgerückten Zuffenhausener mit seinem dritten Treffer noch einen drauf. „Das Spiel war wieder mal sehr, sehr bitter für uns“, sagt Bäuerle. „Wir spielen immer ganz gut mit, zerschießen es uns dann aber hinten wieder selbst.“ 108 Gegentreffer sprechen dabei eine deutliche Sprache.
Bereits an diesem Dienstagabend hat der TV 89 Zuffenhausen II im Nachholspiel gegen den FSV Waldebene Stuttgart-Ost die wahrlich allerletzte Chance, die Rettung zumindest noch theoretisch möglich zu halten.
Tore: 0:1 Bajrami (33.), 0:2 Stoilov (41.), 0:3 Stoilov (52.), 1:3 Angeso (53.), 1:4 Martic (59.), 2:4 Angeso (66.), 3:4 Iatan (70., Foulelfmeter), 3:5 Tasev (72.), 4:5 Ljubez (73.), 5:5 Teixeira (77.), 5:6 Stoilov (84., Foulelfmeter), 5:7 Stoilov (90. +3).
Besonderes: Rote Karte für Fortuna (Zuffenhausen/90. +4, Beleidigung).
SpVgg Stetten – KV Plieningen 3:2
Die Geschichte hat sich wiederholt – diesmal nur andersherum. Rückblick: Ende Oktober trat die SpVgg Stetten nach acht Saisonspielen als einzige noch ungeschlagene Mannschaft beim KV Plieningen an und kassierte mit dem 0:2 die erste Saisonniederlage. Diesmal waren die Plieninger ohne eine Niederlage in der Rückrunde bei der SpVgg Stetten zu Gast und verloren nach acht Spielen ohne Pleite erstmals wieder. „Es fühlt sich natürlich komisch an nach so langer Zeit“, sagt der Plieninger Trainer David Gzim.
Insbesondere, weil in der zweiten Hälfte durchaus mindestens ein Unentschieden drin gewesen wäre. Nach der verdienten Stettener 2:0-Führung zur Halbzeit glichen die Gäste durch ein Tor von Zakaria Hussein und einen Elfmetertreffer von Noah Felthaus kurzzeitig bereits aus. „Wir hatten dann massiv viele Chancen und das Spiel so weit im Griff“, berichtet Gzim. Bei den Stettenern schwanden auf dem großen Naturrasenplatz nach und nach die Kräfte, doch bei einem der wenigen Entlastungsangriffe traf Julian Bega zum 3:2-Endstand. Im Stile von Arjen Robben zog der Mittelfeldspieler von der rechten Außenbahn in die Mitte und schlenzte den Ball ins Tor. „Wir hatten einfach ein bisschen Pech gehabt, dann geht eine solche Niederlage auch mal in Ordnung“, sagt Gzim.
Die Stettener dagegen sind nach mehreren knappen Niederlagen glücklich und erleichtert über die drei Punkte. „Unterm Strich war es nicht unverdient für uns“, sagt der Trainer Erdinc Cakir. Vor allem in der ersten Hälfte waren die Gastgeber besser. „Wir haben jetzt ziemlich sicher nichts mehr mit dem Abstieg zu tun und wollen die kommenden Spiele ohne Druck angehen“, sagt er weiter. Klar ist bereits, dass der bisherige Co-Trainer Mike Pfisterer zur kommenden Runde aufhören wird. Der langjährige Kapitän Deniz Yalcin wird dann als spielender Assistent den ersten Schritt in Richtung Trainerjob machen.
Tore: 1:0 Burghardt (34.), 2:0 Bega (40.), 2:1 Zakaria Hussein (60.), 2:2 Felthaus (62., Foulelfmeter), 3:2 Bega (77.).
Besonderes: –
FSV Waldebene Stuttgart-Ost – FV Germania Degerloch 4:4
Es war ein trauriges Ende eines sonst spannenden und unterhaltsamen Spiels. Nach einem Zusammenprall in der Luft landete der eingewechselte Waldebene-Akteur Leo Tsiakmakis fünf Minuten vor Spielende heftig mit dem Gesicht voraus auf dem Rasen und brach sich dabei den Kiefer. Bis der Krankenwagen den stark blutenden Mittelfeldspieler abtransportiert hatte, war die Partie für mehrere Minuten unterbrochen. Fabio Filipe Moreira Pereira sah wegen eines vermeintlichen Ellenbogenschlages bei eben jenem fatalen Zweikampf die Rote Karte.
Zuvor waren die Degerlocher zweimal in Führung gegangen, gaben den Vorsprung jedoch aus der Hand und lagen zwischenzeitlich mit 2:4 zurück. Fabian Kuhn und Tibor Hofmann glichen noch einmal aus. „In der Schlussphase war Degerloch ein Tick besser“, gibt der Spielleiter des FSV Waldebene Ost, Christos Goulis, zu. Doch wieder einmal können die Degerlocher daraus kein Profit schlagen und spielen zum dritten Mal in Folge nur unentschieden.
„Man kann zwar einerseits sehen, dass wir immerhin einen Punkt holen, aktuell tut es aber schon mehr weh, dass wir kein Spiel gewinnen“, sagt der Co-Trainer Claudio Marques. Der FV Germania Degerloch kommt damit weiter nicht vom Relegationsrang weg und muss weiter fürchten, nicht doch noch auf einen direkten Abstiegsplatz zu rutschen.
Tore: 0:1 Pereira (9.), 1:1 Stahl (21.), 2:1 Schulz (30.), 2:2 Lemperle (41.), 3:2 Stahl (44.), 4:2 Schütz (52.), 4:3 Kuhn (60.), 4:4 Hofmann (70.).
Besonderes: Rote Karte für Moreira Pereira (Degerloch/84., Ellenbogenstoß).
TSV Dagersheim II – SV HNK Slaven Stuttgart 1:1
Die Situation beim SV HNK Slaven Stuttgart wird immer brenzliger. Noch immer hat das Team in diesem Kalenderjahr kein Spiel gewonnen und hat gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten nur ein Unentschieden geholt. Die als Absteiger feststehenden Dagersheimer haben damit erst ihren zweiten Punkt in dieser Saison sammeln können. „Es ist ein Katastrophe“, sagt der Slaven-Präsident Kristian Kera. „Wenn es so weiter geht, dann steigen wir ab.“
Nach dem Aderlass in der Winterpause ist das Team auf Platz elf abgestürzt. Der Vorsprung auf Germania Degerloch beträgt nur noch zwei Punkte, wobei der aktuelle Relegationsplatz-Inhaber noch zwei Spiele mehr zu spielen hat. Der TSV Heumaden hat bislang ein Spiel weniger bestritten und fünf Punkte Rückstand.
Wiedermal trafen die Kroaten das Tor nicht und brachten sich mit einem unbedrängten Eigentor selbst um die Punkte. „Es ist wirklich zum Verzweifeln, aber dann hat man es auch einfach nicht verdient“, sagt Kera.
Tore: 0:1 Ibrahimbegovic (41.), 1:1 Marcinkovic (70., Eigentor).
Besonderes: –
Sportfreunde Stuttgart – GFV Ermis Metanastis Stuttgart 0:3/kampflos
Das Spiel wurde bereits am Freitag von den Sportfreunden Stuttgart wegen zu wenig Spielern abgesagt. Die Begegnung wird somit mit 3:0 für den GFV Ermis Metanastis Stuttgart gewertet.