Fußball-Kreisliga A Stuttgart/Böblingen, Staffel 2 Nach Acht-Tore-Spektakel: Sperre für den Makedonija-Trainer

Gesperrt: Zhivko Kolev darf wegen wiederholten sportwidrigen Verhaltens die kommenden zwei Spiele nicht an der Seitenlinie von MK Makedonija Stuttgart stehen. Foto: Archiv, Günter Bergmann

Das Sportgericht stellt ein Urteil zu. Rein sportlich kommt der dezimierte Tabellenführer Büsnau mit einem blauen Auge davon, ist man bei der Spvgg Stetten am Hadern und trifft ein Spieler von der Mittellinie.

Sport: Marius Gschwendtner (mgs)

Viel hat nicht gefehlt, und die Spitzenteams der Kreisliga-A-Staffel 2 wären am Sonntag bei den vermeintlich einfachen Gegnern gestrauchelt: Der Tabellenführer TSV Jahn Büsnau kam zu zehnt beim Schlusslicht Dagersheim mit einem blauen Auge davon. Und der KV Plieningen schob sich trotz einer schwachen Leistung auf Platz zwei. Für einen Trainer gibt es derweil sportrechtliche Konsequenzen. Der Blick auf die aktuellen Spiele.

 

TSV Dagersheim II – TSV Jahn Büsnau 2:3

Auf der letzten Rille hat der Spitzenreiter den Sieg über die Ziellinie gebracht und damit den Platz an der Sonne verteidigt. Eigentlich saß Marc Hetzel wegen einer Fersenverletzung nur für den Notfall auf der Bank. „Mit dem 2:2 trat dann dieser Notfall ein“, sagt der Spielertrainer Dominik Lenhardt – die letzte Wechseloption für Büsnau. Kurz darauf verletzte sich der Angreifer am Knie und musste raus. „Zeitweise waren wir nur noch zu neunt, weil sich auch unserer Linksverteidiger Nahuel Cascia Rica verletzt hatte“, erzählt Lenhardt. Der 20-Jährige stellte sich in den Sturm und feierte mit seinem Team in Unterzahl den 3:2-Siegtreffer durch Tom Kuhl.

„Fast wäre uns unsere katastrophale Chancenverwertung um die Ohren geflogen“, sagt Lenhardt. In der ersten Hälfte verpasste es der Titelfavorit, die 1:0-Führung auszubauen. Erst in den 54. Minute erhöhte Lenhardt per Abstauber selbst auf 2:0. Die Büsnauer, bei denen drei A-Jugendspieler zum Einsatz kamen, machten den Sack aber nicht zu „und es kam, wie es kommen musste“, meint der Spielertrainer. Ein Treffer aus einem Freistoß und ein Elfmeter nach einem missglückten Rückpass, und der Tabellenletzte drohte zum Stolperstein zu werden. „Dafür sind wir leider bekannt, dass wir den Gegner gerne mal unterschätzen und die Einstellung dann nicht passt“, sagt Lenhardt, dessen junges Team immerhin mit einem blauen Auge davon kam.

Beim kommenden Gegner ist ebenfalls Vorsicht geboten. Auch wenn der TV 89 Zuffenhausen II noch punktlos ist, dass der Aufsteiger mit den Topteams mithalten kann, hat er nicht zuletzt an diesem Wochenende gezeigt (siehe nächste Partie).

Tore: 0:1 Sebastian Lenhardt (11., Foulelfmeter), 0:2 Dominik Lenhardt (54.), 1:2 Karayel (74.), 2:2 Böyük (77., Foulelfmeter), Kuhl (88.).

Besonderes: –

TV 89 Zuffenhausen II – SV HNK Slaven Stuttgart 2:3

Es ist die mittlerweile alt bekannte Leier: Der TV 89 Zuffenhausen II spielt weitgehend gut, steht aber auch nach dem fünften Spiel in dieser Saison ohne Punkte da. Einen Fehlpass im Spielaufbau bestraften die Gäste vom SV HNK Slaven Stuttgart eiskalt zum 2:3 und brachten damit den Aufsteiger um den für den Kampf verdienten Lohn.

Nach dem frühen 0:2-Rückstand glichen Alexander Iatan und Maurizio Celico kurz vor der Halbzeitpause aus. „Wir haben die Anfangsphase komplett verschlafen“, sagt der Zuffenhausener Trainer Marc Bäuerle. „Wir haben uns aber gut zurückgekämpft und schöne Tore herausgespielt.“ Bis ein kleiner Fehler das Erarbeitete wieder zum Einstürzen brachte. „Man denkt sich Woche für Woche, das kann es doch nicht sein. Am Ende bringt uns das Schönspielen nichts, ein dreckiger Sieg und drei Punkte wären uns lieber“, sagt Bäuerle.

Anerkennung für den spielerischen Auftritt des Vorletzten kommt wieder mal vom gegnerischen Trainer: „Mich wundert es, dass sie unten drin stehen; sie haben eine richtig gute und spielstarke Mannschaft“, sagt Igor Kantar. Und wünscht dem Team möglichst bald viele Punkte. Nicht ganz uneigennützig, fügt er doch an: „Am besten gegen Teams, die in der Tabelle über uns stehen.“

Das sind aktuell immerhin vier Mannschaften. Was auch daran liegt, dass die Defensive der ambitionierten Kroaten weiterhin anfällig ist. 14 Gegentore schluckte der in Möhringen ansässige Club bereits, nur Zuffenhausen (22 Gegentore) und der Tabellenletzte Dagersheim (24 Gegentore) sind noch schlechter. Grund dafür ist laut Kantar die Nachlässigkeit seiner Spieler. Der Hoffnungsschimmer: In spätestens fünf Wochen wird der Abwehrboss Bilal Hussein zurückerwartet. Der 37-Jährige verletzte sich am dritten Spieltag gegen den KV Plieningen am Knie (Überdehnung der Außenbänder und Meniskusriss).

Tore: 0:1 Zakaria Hussein (4.), 0:2 Luka Mijic (9.), 1:2 Iatan (32.), 2:2 Celico (45.), 2:3 Zakaria Hussein (60.)

Besonderheit: –

SV Hoffeld – FSV Waldebene Stuttgart-Ost 1:3

Das Hoffelder Anrennen war umsonst, der FSV Waldebene Stuttgart-Ost ließ nichts mehr anbrennen. Dennoch sagt dessen Trainer Christopher Eisenhardt: „Wenn von den vielen Standards einer reinrutscht, hätte es noch mal eng werden können.“ So aber fuhr der Aufstiegsaspirant den zweiten Saisonsieg ein. Alle Tore fielen in der ersten Hälfte. Zum Ärger von Eisenhardts Gegenüber Grigorios Dimoulatos. Jener merkt an: „Mit der zweiten Hälfte bin ich zufrieden, mit unserer ersten nicht.“

Denn früh gingen die Gäste durch Rodolfo Celaya und Leon Renner in Führung. Und auf den Hoffelder Anschlusstreffer nach der verletzungsbedingten Auswechslung von Edward Azeta antwortete die Waldebene-Elf mit einem sehenswerten Distanzschuss von Luis Schütz in den Winkel. „Dieses Tor war natürlich bitter für Hoffeld“, befindet Eisenhardt. „Am Ende geht der Sieg auch in der Höhe völlig in Ordnung.“

Kurios: Drei von vier Spielen absolvierte der FSV Waldebene Stuttgart-Ost auswärts – und am Donnerstag folgt das vierte beim GFV Ermis Metanastis Stuttgart. „In der Hinsicht tut die Niederlage gegen Sillenbuch natürlich umso mehr weh“, sagt Eisenhardt über die bislang einzige Saisonpleite ausgerechnet auf eigenem Platz. „In der Rückrunde sieht es dann aber ja auch andersrum aus. Von daher passt es schon.“

Was auch gepasst hat, da sind sich beide Trainer einig, war die Leistung von Schiedsrichter Josip Juric. Der Reutlinger Unparteiische habe mit seinem Stellungsspiel und mit seiner Entscheidungsfindung überzeugt, findet Eisenhardt.

Tore: 0:1 Celaya (10.), 0:2 Renner (21.), 1:2 Güth (38.), 1:3 Schütz (42.)

Besonderes: –

SV Sillenbuch – MK Makedonija Stuttgart 4:4

Dass dieses Spiel ein besonderes werden würde, zeigte sich schon in der zweiten Spielminute. Danilo Mihajlovic sah, dass Sillenbuchs Torhüter Valentin Schulik zu weit vor seinem Gehäuse stand und hob den Ball von der Mittellinie ins Tor.

Doch dann spielten die Sillenbucher auf, drehten die Partie noch vor der Halbzeitpause und zogen nach dem Wiederanpfiff auf 4:1 davon. Das Problem: „Wir haben scheinbar gedacht, die Sache ist damit erledigt“, sagt der Spielleiter Hans-Georg Spies. „Uns hat dann der Fokus gefehlt, das einfache Tor zu schießen. Stattdessen wollten wir den Ball mit der Hacke noch mal zum Mitspieler auflegen.“

Doch erledigt war die Sache keineswegs. Innerhalb von acht Minuten stellten der Makedonija-Torjäger Aleksander Soilov mit einem Doppelschlag und Nikola Tasev den Spielverlauf kurz vor Schluss auf den Kopf. „Es ging wie eine Initialzündung durch die Mannschaft. Das Glück war auf unserer Seite, und jede Situation hat gesessen“, sagt der Gäste-Abteilungsleiter Jan Dimitrovski. Die Hintermannschaft der Sillenbucher leistete dabei kräftig Mithilfe. „Das hat gezeigt, dass uns in der Defensive die Stabilität fehlt“, sagt Spies.

Nicht nur wegen des späten Punktgewinns war die Freude bei Dimitrovski groß: „Ich bin dankbar für so viel Fußballunterhaltung.“ Auch weil endlich mal wieder allein der Sport im Vordergrund stand. Rund um die Begegnung, die wegen wiederholter Vorfälle bei Spielen von Makedonija unter Verbandsaufsicht stand, blieb es friedlich und ruhig. Was allerdings nichts daran ändert, dass den Trainer Zhivko Kolev inzwischen ein Sportgerichtsurteil ereilt hat. Er ist für die nächsten zwei Spiele gesperrt. Hinzu kommt eine Geldstrafe in Höhe von 200 Euro – beides wegen „sportwidrigen Verhaltenes“ während des Pokalspiels gegen den ASV Botnang. Zudem ist ihm bei einem Wiederholungsfall ein befristetes Verbot seiner Trainertätigkeit angedroht.

Tore: 0:1 Mihajlovic (2.), 1:1 Nkamanyi (31.), 2:1 Avdyli (42.), 3:1 Avdyli (61.), 4:1 Boll (63.), 4:2 Stoilov (81.), 4:3 Stoilov (84.), 4:4 Tasev (89.)

Besonderes: –

Spvgg Stetten – FV Germania Degerloch 2:2

Robin Hock hätte mit drei Toren als Matchwinner aus der Partie gegen den FV Germania Degerloch gehen können. Hätte – wenn nicht zwei Tore des Stettener Angreifers aberkannt worden wären. In der ersten Hälfte sah der Schiedsrichter Efkan Kamecemer eine Abseitsposition des 26-Jährigen Stürmers, in der zweiten Hälfte machte ein mutmaßliches Handspiel dem Torjäger einen Strich durch die Rechnung.

Darüber hinaus fehlte Hock und seinen Kollegen die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor, um beim Stand von 2:0 den Deckel drauf zu machen. „Das rächt sich dann am Ende“, sagt der Stettener Trainer Erdinc Cakir. Durch einen „Sonntagsschuss“ von Bruno Bras Silveira aus 25 Metern und durch Javier Couceiro Martin, der einen Eckball in der Nachspielzeit verwertete, glich der Gegner noch aus.

„Sauviel Dusel“ habe man gehabt, sagt Degerlochs Co-Trainer Claudio Marques. Immerhin, der nötige Einsatz sei nach der Halbzeitansprache da gewesen. „Spielerisch war es immer noch katastrophal, aber auch Stetten hat in der zweiten Hälfte nachgelassen“, sagt Marques.

Tore: 1:0 Dursun (6.), 2:0 Robin Hock (45.), 2:1 Bras Silveira (67.), 2:2 Couceiro Martin (90. +3)

Besonderes: –

Sportfreunde Stuttgart – KV Plieningen 3:4

Schwere Geburt für den nun Tabellenzweiten: Zwei Doppelpacker sicherten den Sieg für nicht überzeugende Plieninger. „Wir sind von Anfang an nicht richtig in die Partie gekommen und sind froh, dass wir schadlos und mit drei Punkten rausgekommen sind“, sagt der Trainer David Gzim.

Denn trotz einer 2:0-Führung in der ersten Hälfte und einem zwischenzeitlichen 3:1 fingen sich die Plieninger noch den Ausgleich. Erst Marc Schuchardt rettete mit seinem fünften Saisontor schließlich die drei Punkte auf dem ungewohnten Footballfeld der Stuttgart Scorpions. Die Partie wurde wegen Regens kurzfristig vom Naturrasen auf den nahe gelegenen Kunstrasenplatz verlegt. „Für uns gilt es jetzt, Mund abzuwischen und weiter zu machen. In zwei Wochen fragt eh niemand mehr nach dem Spiel“, sagt Gzim.

Auf der anderen Seite macht die Partie trotz der vierten Niederlage in Serie Mut. „Die Leistung hat gestimmt. Wir haben gesehen, dass wir auch gegen gute Mannschaften mithalten können, deshalb gehen wir optimistisch in die kommenden Begegnungen“, sagt der spielende Abteilungsleiter der Sportfreunde Stuttgart, Reinhard Bohne. Die Moral stimmt, bis zum Schluss warf die Mannschaft von Trainer Fabio Criscuolo alles rein. Bitter: In der Schlussphase wurde den Sportfreunden ein Abstimmungsfehler in der Verteidigung zum Verhängnis und kostete einen wertvollen Punkt.

Für kurzzeitige Diskussion sorgte die strittige Elfmeterentscheidung vor dem 2:0. Bohne sah kein klares Foul, und auch Gzim war sich nicht sicher: „Den pfeift vielleicht nicht jeder.“ Dass ein Betreuer sich dermaßen aufregte, dass er des Platzes verwiesen wurde, nennt Bohne „peinlich“ und will nicht näher darauf eingehen.

Tore: 0:1 Karas (24.), 0:2 Karas (38., Foulelfmeter), 1:2 Amann (39.), 1:3 Schuchardt (57.), 2:3 Sivaloganathan (61.), 3:3 Singh (82.), 3:4 Schuchardt (83.)

Besonderheit: –

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