Eine Krise war es auch so schon. Doch inzwischen steht fest, dass es für den vermeintlichen Kreisliga-A-Titelanwärter FSV Waldebene Stuttgart-Ost nicht allein bei der überraschenden 2:3-Heimniederlage vom Sonntag gegen den Aufsteiger TV 89 Zuffenhausen II bleibt. Das Nachbeben: Der Trainer Christopher Eisenhardt ist mit sofortiger Wirkung raus. Der 40-Jährige hat entschieden, von seinem Posten zurückzutreten.
„Die Entscheidung ist mir sehr, sehr schwer gefallen“, sagt ein merklich angefasster Eisenhardt. „Ich mache es nicht für mich und meine Person, sondern für den Verein und für die Spieler. Ich bin überzeugt, dass die Mannschaft dringend einen neuen Impuls braucht.“ Nach sechs Spielen steht das als Aufstiegskandidat gehandelte Team mit bereits neun Punkten Rückstand zur Spitze lediglich auf dem zehnten Tabellenplatz. Die bislang magere Ausbeute: zwei Siege, ein Unentschieden, drei Niederlagen. Besonders die vergangenen zwei Pleiten gegen den GFV Ermis Metanastis Stuttgart, als seine Elf in Überzahl eine 2:0-Führung aus der Hand gab, sowie eben den krassen Außenseiter Zuffenhausen ließen Eisenhardt verzweifeln. „Die Leistung, die die Mannschaft in diesen Spielen gezeigt hat, konnte ich so nicht mehr akzeptieren“, sagt der Coach.
Von der Landesliga in die Kreisliga
So endet ein Engagement, das vor 15 Monaten verheißungsvoll begonnen hatte, unschön und abrupt. Angetreten war Eisenhardt als höherklassig erprobter Meistertrainer. Selbst einst Oberliga-Kicker, hatte er 2022 den TSV Bernhausen aus der Bezirks- in die Landesliga geführt, wurde jedoch in der Endphase der darauffolgenden Saison bei den Filderstädtern entlassen. Für viele überraschend heuerte er dann im Sommer 2023 beim Kreisligisten FSV Waldebene Stuttgart-Ost an – mit einem ehrgeizigen Ziel. Jenes lautete: „In spätestens zwei Jahren will ich auch hier die Bezirksliga erreicht haben.“ Dazu passte seinerzeit der beeindruckende Auftakt mit neun Punktspielsiegen in Folge, ehe in der Rückrunde aber die Konstanz verloren ging und Eisenhardt und die Seinen auf dem undankbaren zweiten Abschlussrang landeten. Schon damals, erzählt der Trainer, sei er ins Grübeln gekommen und habe er über einen Rücktritt nachgedacht.
Dann aber wollte er mit der Mannschaft in dieser Saison noch einmal einen neuen Anlauf in Richtung Aufstieg wagen. Die Vorbereitung verlief gut. Umso enttäuschender die jetzige Entwicklung. „Es hat sich wie Puzzleteile zusammengesetzt. Ich habe nicht mehr das Gefühl, dass die Spieler meine Vorstellung von diszipliniertem Powerfußball mit großem kollektiven Zusammenhalt umsetzen können“, sagt Eisenhardt. Bekannt ist der gebürtige Filderstädter überhaupt dafür, großen Wert auf Aspekte wie Disziplin und Teamgeist zu legen.
Von seinem Schlussstrich wurden die Verantwortlichen und die Spieler überrascht. „Es hat sich nicht abgezeichnet“, sagt der Spielleiter Christos Goulis. Die Ursachen für die aktuellen sportlichen Misserfolge sieht er hauptsächlich bei der Mannschaft, nicht beim Trainer. „Wir hätten sehr gerne mit ihm weiter gemacht, auch über die Saison hinaus“, sagt der Abteilungsleiter Thomas Christ. Am Trainer Eisenhardt habe man zu keinem Zeitpunkt gezweifelt. Einen Plan B gab es nicht. Die Nachfolge soll vorzugsweise intern geregelt und so bald wie möglich bekannt gegeben werden. Denkbar, dass die bisherigen Co-Trainer Henock Haile-Ghirma und Yavuz Selim Demir aufrücken. Der Spielleiter Goulis, direkter Vorgänger von Eisenhardt im Traineramt, kann sich aktuell nicht vorstellen, als Interimslösung einzuspringen.
Eisenhardt hingegen, der den Verein nach eigener Aussage im Guten verlässt und dem er für die kommende Aufgabe gegen MK Makedonija Stuttgart am Sonntag die Daumen drücke, möchte in den nächsten Wochen erst einmal Kräfte sammeln. Wie es für ihn dann weitergeht, ist unklar. Eines steht für ihn jedoch fest: „Ganz vom Fußball abschalten wird nicht gehen.“