Wie viel ein Platzverweis ausmachen kann, war am Tag der Deutschen Einheit in der Staffel 2 der Kreisliga A Stuttgart/Böblingen zu sehen. Kurioserweise drehten die Mannschaften – GFV Ermis Metanastis Stuttgart und Spvgg Möhringen – in Unterzahl auf und gewannen ihre Partien. Der Torjäger der vergangenen Saison ist auch in dieser Saison nicht zu stoppen. Ihm auf den Fersen ist ein junger Knipser. Der Blick auf die Spiele vom Donnerstag.
TV89 Zuffenhausen II – TSV Jahn Büsnau 3:7
Mehrfach-Tore-Packer gab es in der Partie Schlusslicht gegen Tabellenführer zwar auf beiden Seiten. Doch der Büsnauer Ballermann Cedric Hornung traf zweimal mehr ins Netz als sein Pendant Maurizio Celico auf der anderen Seite. Fünf Tore von Hornung bedeuten schon wieder die klare Führung in der ligainternen Schützenliste (11 Treffer). Obwohl sein Spielertrainer Dominik Lehnhardt mit einem Augenzwinkern meinte: „Es hätten auch zwei mehr sein können.“
Dabei benötigte der Torjäger vom Dienst gerade mal 14 Minuten, um einen lupenreiner Hattrick und die Vorentscheidung zugunsten des Tabellenführers herzustellen. Für diesen traf neben Hornung noch Philipp Neils, Ronaldo Ramadani bugsierte das Spielgerät ins eigene Netz.
Fast wäre es ein perfekter Spieltag für Büsnau geworden. Aufgrund des früheren Anpfiffs schauten die TSV-Akteure beim Verfolger Ermis gegen die Waldebene vorbei (siehe unten). „Nach dem 0:2-Rückstand haben wir auf einen Ausrutscher von Ermis gehofft, doch daraus wurde nichts, das griechische Team drehte das Spiel noch“, bedauert Lehnhardt.
Tore: 0:1 Hornung (6., Foulelfmeter), 0:2 Hornung (8., Foulelfmeter), 0:3 Hornung (14.), 0:4 Ramadani (28., Eigentor), 0:5 Neils (31.), 1:5 Celico (33.), 2:3 Celico (36.), 2:6 Hornung (61.), 3:6 Celico (76.), 3:7 Hornung (80.). Besonders: –
TSV Dagersheim II – SV Sillenbuch 1:3
Julien Boll macht da weiter, wo er zuletzt aufgehört hatte. Der Angreifer des SV Sillenbuch traf im vierten Spiel in Serie – zum insgesamt achten Mal. Mit seinem Freistoßtor zum 1:0 leitete der 19-Jährige den Sieg des SV Sillenbuch ein. Der auch nach dem Anschlusstreffer des TSV Dagersheim II zum 1:2 nie in Gefahr geriet. „Wir hatten das Spiel eigentlich so gut wie die ganze Zeit im Griff und sind im Gegensatz zum 4:4 am Wochenende diesmal ruhig geblieben“, sagt der Co-Trainer Nico Hering. Das 3:1 von Jonas Fischer sorgte dann wieder für entspannte Gesichter beim SV Sillenbuch.
„Es war ein wichtiger Sieg für uns, um weiter oben dran zu bleiben“, sagt Hering. Durch die Niederlage des KV Plieningen (siehe unten) springen die Sillenbucher sogar von Platz drei auf den Relegationsplatz zwei.
Tore: 0:1 Boll (16.), 0:2 Dovridis (38.), 1:2 Slag (55.), 1:3 Fischer (76.)
Besonderes: –
Sportfreunde Stuttgart – SV Hoffeld 0:2
Die Torhüterposition bei den Sportfreunden Stuttgart bleibt ein Problemfall. In den vergangenen drei Spielen hüteten drei unterschiedliche Keeper den Kasten. Gegen Hoffeld musste nun Trainer und Abwehrspieler Fabio Criscuolo zwischen die Pfosten. Zudem saßen nur drei Spieler auf der Auswechselbank. „Mit sechs bis sieben anderen Spielern, die sonst auch regelmäßig spielen, wäre es ein anderes Spiel gewesen“, sagt Hoffelds Trainer Grigorios Dimoulatos.
So reagierte er bereits nach gut einer halben Stunde auf den unerwarteten Gegner. Für den nach einem Zusammenprall angeschlagenen Philipp Janle kam Joel-Konadu Hakelberg. Mit Aziz Issa anstelle von Patrick Haingartner brachte Dimoulatos zudem einen schnellen Dribbler auf den Flügel. „Ich habe gesehen, dass wir höher stehen können und mir fehlte außerdem die Dynamik im Spiel“, erklärt der Coach.
Früchte trug die Umstellung aber erst weitere 30 Minuten später in der zweiten Hälfte, als Thorsten Waldmüller per Volleyschuss die 1:0-Führung erzielte. Der eingewechselte Aziz Issa erhöhte in der 79. Minute dann zum 2:0-Endstand. „Es ist wichtig für uns, die Mitbewerber um den Klassenverbleib wie die Sportfreunde Stuttgart zu schlagen, damit wir möglichst früh nichts mit dem Abstieg zutun zu haben“, ist Dimoulatos froh über die drei Punkte.
Tore: 0:1 Waldmüller (62.), 0:2 Issa (79.)
Besonderes: –
GFV Ermis Metanastis Stuttgart – FSV Waldebende Stuttgart-Ost 3:2
Fußball ist die viel zitierte schönste Nebensache der Welt, kann einem aber auch manchmal den Schlaf rauben. Das musste Christopher Eisenhardt leidvoll ertragen. Dem Trainer des FSV Waldebene Stuttgart-Ost ging der Auftritt seiner Mannschaft bei der 2:3-Niederlage gegen den GFV Ermis Metanastis Stuttgart bis in den Schlaf nach.
Zur Halbzeit führte sein Team mit 2:0. Zudem sah Ermis-Mittelfeldspieler Kagan Söylemezgiller nach zwei verbalen Scharmützeln Gelb-Rot. „Ich hatte mir gehofft, dass er drauf bleibt“, sagt Eisenhardt. Denn der Platzverweis habe die Mentalität in den Gastgebern wachgerüttelt, das dem Waldebene-Team am meisten schade. „Wenn es mal ruppig wird, dann fallen wir um wie die Fliegen. Wir schaffen es dann nicht, dagegen zu halten“, sagt Eisenhardt. Das könne man nicht antrainieren, sondern liege am Charakter seiner Spieler, meint er. „Das 1:2 von Rafail Stavridis hat meinen Jungs dann den Stecker gezogen“, sagt der Trainer.
Panagiotos Karastergios per Foulelfmeter und Ahmed Shaafan Ahmed Al-Dosakee drehten die Partie. Ganz zur Freude des Vorstandsvorsitzenden Panagiotis Moutas: „Ich war selber überrascht, dass wir noch zurückgekommen sind. Aber das war sehr wichtig für uns.“ Denn das Spiel gegen einen direkten Konkurrenten um den Aufstieg in Unterzahl noch gedreht zu haben, zeuge von der hohen Qualität der Mannschaft, meint Moutas.
Die habe die Mannschaft des FSV Waldebene Ost auch, ist deren Trainer überzeugt. „Wir können das Talent gerade nicht abrufen. Deshalb müssen wir uns auch keine Hoffnungen auf Platz eins oder zwei machen. Wir müssen erst einmal wieder zurück in die Spur finden und nachhaltig um Punkte spielen“, sagt Eisenhardt.
Tore: 0:1 Barbato (4.), 0:2 Demir (44.), 1:2 Stavridis (60.), 2:2 Karastergios (62./Foulelfmeter), 3:2 Al-Gosakee (67.)
Besonderes: Gelb-Rot für Söylemezgiller (GFV Ermis Metanastis Stuttgart)
SV HNK Slaven Stuttgart – MK Makedonija Stuttgart 1:2
Ohne ihren gesperrten Trainer Zhivko Kolev hat MK Makedonija Stuttgart erneut für Furore gesorgt. Vier Tage nach der Aufholjagd zum 4:4 gegen Stetten drehte das vorübergehend von Kapitän Christian Ralevski betreute Team das Spiel gegen den SV HNK Slaven Stuttgart noch in den letzten Minuten.
Zunächst brachte Luka Mijic die Gastgeber in Führung. Trotz mehrerer Chancen verpasste es der SV HNK Slaven Stuttgart den Vorsprung auszubauen. In der 76. Minute kochten dann die Emotionen auf dem Feld hoch, weshalb Schiedsrichter Marius Steffen Hofmann das Spiel unterbrach und beide Mannschaften in ihre Strafräume schickte. Nach sechs Minuten Warten sei seine Mannschaft nicht mehr in die Partie gekommen, meint Igor Kantar, Trainer des SV HNK Slaven Stuttgart. Stattdessen drehten die Gäste das Spiel kurz vor Schluss durch Nikola Tasev (87.) und Denis Stosik (88.) innerhalb von einer Minute. „Wir sind selber Schuld. Wir hätten das Spiel schon viel früher entscheiden müssen“, sagt Kantar. „Ich weiß langsam nicht mehr, was wir tun sollen.“
Frust auf der einen Seite, grenzenlose Freude auf der anderen: „Die Energie, die so ein Sieg freisetzt, ist kaum zu beschreiben“, freut sich der Abteilungsleiter Jan Dimitrovski, dem einige Steine vom Herzen gefallen sind. Eine Bitte hat er an seine Spieler: „Das darf nicht so weiter gehen. Das kostet mich zu viel Kraft und Nerven.“
Tore: 0:1 Mijic (1:0), 1:1 Tasev (87.), 1:2 Stosik (88.)
Besonderes: –
TSV Heumaden – FV Germania Degerloch 2:2
Ein gerechtes Unentschieden der Tabellennachbarn. Zwar hatte Joel Asomah in der letzten Spielminute den Heumadener Siegtreffer auf dem Fuß, der Schuss des Mittelfeldspielers ging knapp daneben. „Wenn man den ganzen Spielverlauf anschaut, wäre es ein glücklicher Sieg gewesen“, sagt dessen Co-Trainer Akim Linke.
„Wir haben den Beginn komplett verschlafen und kassieren deshalb unglücklich das Gegentor“, sagt Linke. Kurz vor dem Pausenpfiff erzielte Adri Kryeziu mit einem Distanztreffer die Heumandener Führung. Zuvor hatte Michele Maimone in der 22. Minute ausgeglichen. In einem umkämpften, spielerisch schwachen Spiel verwandelte Marc Mollo in der 60. Minute einen Foulelfmeter zum Endstand.
„Wir haben immer noch einige verletzte Spieler, bis die zurückkommen, müssen wir uns durchkämpfen. Spielerisch läuft es bei uns dadurch gerade nicht“, sagt Linke. Auch so wollen die Heumadener weiter möglichst viele Punkte gegen den Abstieg sammeln.
Tore: 0:1 Hofmann (2.), 1:1 Maimone (22.), 2:1 Kryeziu (44.), 2:2 Mollo (60., Foulelfmeter)
Besonderes: –
KV Plieningen – Spvgg Möhringen 2:4
Nach der aufregenden Schlussphase brauchte Tobias Fuchs erst einmal einen Moment für sich. Zuvor war der Möhringer Trainer durch seine Coachingzone getigert und hatte gebannt zugeschaut, wie seine Spieler in Unterzahl den Sieg einfuhren. „Ich war körperliche komplett ausgelaugt und der Puls musste wieder runterkommen“, berichtet Fuchs. Zuvor hatte Nils Munz in der Nachspielzeit die entscheidenden beiden Tore erzielt.
„Eine richtig unnötige Niederlage“, findet der Plieninger Coach David Gzim. Seine Mannschaft habe das Spiel gemacht, sei aber nicht kaltschnäuzig genug vor dem Tor gewesen. Im Gegensatz zu Möhringen, das aus vier Chancen vier Tore machte. Durch zwei direkt verwandelte Freistöße von Noah Felthaus glichen die Plieninger immerhin zweimal aus.
Bitter für den KV Plieningen: Felthaus musste nach einem Zusammenprall mit Tobias Stolz mit einer Platzwunde am Hinterkopf ausgewechselt werden. „Das war bisschen ein Bruch in unserem Spiel. Noah war sehr, sehr gut drauf“, sagt Gzim. Ohne den Mittelfeldspieler fehlten dem nun Tabellenvierten die Ideen in der Offensive. „Wir sind nach dem Platzverweis hektischer geworden. Vielleicht dachten meine Spieler, in Überzahl müssen wir jetzt unbedingt gewinnen“, meint Gzim. Aus dieser Unkonzentriertheit schlug Möhringen mit zwei Kontertoren den entscheidenden Profit.
Tore: 0:1 Ottilie (7.), 1:1 Felthaus (14.), 1:2 Milojkov (42.), 2:2 Felthaus (53.), 2:3 Munz (90. +1), 2:4 Munz (90. +7)
Besonderes: Gelb-Rot für Möhringens Hanns-Georg Wagner (77.).