Fußball-Kreisliga A Stuttgart, Staffel 1 Drei Tore in der Nachspielzeit! Croatia dreht Spitzenspiel kurios

Dominik Kajinic (rechts) war einer von drei Croatia-Torschützen in der Nachspielzeit. Foto: Günter Bergmann

Auch bei den weiteren Partien des neunten Spieltags gab es einige Last-Minute-Aufreger, Matthias Summer hadert schwer mit dem Schiedsrichter und der Uhlbacher Keeper spielte sogar 180 Minuten lang.

Lokalsport: Patrick Steinle (pst)

Der neunte Spieltag der Stuttgarter Kreisliga A, Staffel 1, stand im Zeichen des Topspiels zwischen Croatia und dem PSV Stuttgart, welches ein furioses sowie denkwürdiges Ende nahm. Darüber hinaus feierte der Aufsteiger SG West einen Überraschungssieg mit Bier und das Kellerduell fand keinen Sieger. Alle Spiele, mehrere Dreierpacks und die besten Traineraussagen finden Sie, wie jeden Montag, hier.

 

PSV Stuttgart – Croatia Stuttgart 3:4

Wer am vergangenen Sonntag das Spitzenspiel der Stuttgarter Kreisliga A, Staffel 1, besuchte, der wurde Zeuge einer denkwürdigen Partie. Der Tabellenführer Croatia Stuttgart reiste zum bis dato Drittplatzierten PSV Stuttgart. Bis in die Nachspielzeit hinein führten die Gastgeber mit 3:1, doch dann passierte eine Comeback-Story, die ihresgleichen sucht. Mit drei Treffern von Dominik Kajinic, Ante Nikic und Zdravko Culjak drehte Croatia das Spiel kurz vor dem Schlusspfiff innerhalb von nur fünf Minuten. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt der Trainer Damir Bosnjak, der wahrlich schon einige Fußballer-Jahre auf dem Buckel hat. „Es war pure Erleichterung und Zufriedenheit, weil die Jungs sich nicht aufgegeben haben.“

Auf der Gegenseite sitzt der Frust natürlich tief. „Es fühlt sich nach einer großen Leere an“, sagt der PSV-Co-Spielertrainer Francesco Bonanno, der die komplette Hinrunde mit einem Meniskusriss ausfällt. „Da ist ganz viel Pech dabei und die Kräfte haben nachgelassen, zu zehnt waren wir unsortiert.“ Den Torreigen eröffnete nämlich Jens-Uwe Niemeyer. Der PSV-Kicker wehrte einen Ball auf der eigenen Torlinie mit der Hand ab und sah dafür die rote Karte. Den anschließenden Elfmeter verwandelte Kajinic, der Rest der Geschichte ist bekannt.

Besonders bitter für den PSV: Mit der Führung im Rücken vergaben sie mehrmals die Vorentscheidung. Pfosten, Latte und ein stark aufspielender Croatia-Torhüter Mirko Perkovic vereitelten das Erhöhen des Ergebnisses. Den Gästen hat laut Bosnjak indes „im letzten Drittel der entscheidende Punch gefehlt“. Der Sieg bei den „Polizisten“ sei eine Bewährungsprobe für seine Mannen gewesen, nun blickt er überaus zuversichtlich in die nahe Zukunft: „In der restlichen Hinrunde sollten wir unsere Hausaufgaben machen. Ich gehe davon aus, dass wir keinen Punkt mehr liegen lassen in der Hinrunde.“

Tore: 1:0 Nimigean (33.), 2:0 Mulalic (38.), 3:0 Stavridis (48.), 3:1 Daniel Bosnjak (62.), 3:2 Kajinic (90.+2, Handelfmeter), 3:3 Nikic (90.+4), 3:4 Culjak (90.+7). Besonderes: rote Karte für Niemeyer (90.+1, PSV Stuttgart/Vereiteln einer Torchance durch Handspiel); Gelb-Rot für Eisentraut (90.+8, PSV Stuttgart)

FSV Waldebene Ost II – ASV Botnang 1:6

Der ASV Botnang hat es schon wieder getan: Woche für Woche feiert das Team von Alexander Schweizer Kantersiege, diesmal war es ein 6:1 beim FSV Waldebene Ost II. Anders als zuletzt gab es jedoch keinen frühen Treffer, doch der Trainer lobt: „Die Jungs sind geduldig und hungrig geblieben.“ Noch vor dem Führungstor konnte Madi Ceesay zwei Flanken aus kürzester Entfernung nicht verwerten. „Er hätte uns die Halbzeitansprache deutlich einfacher machen können“, scherzt Schweizer. „In der zweiten Hälfte war unsere Durchschlagskraft sehr gut, wir hatten schöne Kombinationen mit viel Tempo.“

Als bester Schütze tat sich indes Ari Ilhan mit einem Dreierpack hervor. Es waren seine ersten Treffer in der Kreisliga A, in der Vorsaison spielte der 19-jährige Offensivmann noch in der A-Jugend, und zeigte sich nun von seiner besten Seite. Derweil mahnt Schweizer: „Wir dürfen es nicht für selbstverständlich nehmen, dass wir jedes Spiel so hoch gewinnen.“ Zu diesem klaren Ergebnis trug auch bei, dass die junge Waldebene-Truppe im zweiten Abschnitt durch schwindende Konzentration mehrere Fauxpas einbaute.

„Diese individuellen Fehler werfen uns immer wieder aus der Bahn“, moniert der Trainer Rene Seidel. Zu oft trafen seine Schützlinge falsche Entscheidungen, gingen beispielsweise in ein Dribbling anstatt einen Pass zu spielen. „Das wird eben bestraft.“ Die Zweitvertretung rutschte somit auf den 13. Platz ab, den ersten Abstiegsrang.

Tore: 0:1 Ilhan (25.), 0:2 Ilhan (60.), 0:3 Ceesay (65.), 0:4 Karakus (67.), 0:5 Ilhan (82.), 1:5 Stürner (90.), 1:6 Saager (90.+2). Besonderes:

TSV Weilimdorf II – TV 89 Zuffenhausen 3:5

Die Serie des TV 89 Zuffenhausen setzt sich fort: Auf eine Niederlage antwortet er mit einem Sieg in der Woche darauf. Auf die 0:2-Pleite in der Vorwoche gegen den Staffelprimus Croatia Stuttgart folgte nun ein 5:3-Auswärtssieg beim TSV Weilimdorf II. Großen Anteil daran hatte Marko Sorgic, der nach seiner Rotsperre zurückkehrte und nur kurz nach dem Seitenwechsel einen lupenreinen Hattrick erzielte. Sonderlob vom Trainer Yavuz Tepegöz gibt es dafür nicht, es sei schließlich die Aufgabe des jungen Stürmers. Aber: „Er macht seine Aufgabe gut und wird super von der Mannschaft unterstützt. Sie verstehen sich auch auf dem Feld perfekt.“

Gestartet waren die Gäste jedoch gar nicht gut, kassierten sie zunächst einen Gegentreffer. „Wir sind schwer ins Spiel gekommen, hatten wenig Bewegung und wenig Wille“, sagt Tepegöz. Dies besserte sich im zweiten Durchgang. „Wir haben das Glück erzwungen. Die Jungs hatten wieder Bock und Laune.“

Auch sein Gegenüber bestimmt die Minuten nach dem Pausentee als entscheidende Phase. „Die schnellen Tore nach der Halbzeit waren der Wendepunkt“, sagt Ali Yilmaz, der Trainer der Weilimdorfer. Seine Mannschaft gab sich derweil nie auf, hatte unter anderem durch Kevin Weber die Möglichkeit auf mehr Tore, der Stürmer scheiterte jedoch. „Ich hatte das Gefühl, es kann jeder Zeit etwas passieren“, sagt Yilmaz, der sich dennoch geschlagen geben musste.

Tore: 1:0 Bluthard (42.), 1:1 Genc (44.), 1:2 Sorgic (46.), 1:3 Sorgic (51.), 1:4 Sorgic (64.), 2:4 Hoffmann (75.), 2:5 Genc (80.), 3:5 Windhager (83.). Besonderes:

SSV Zuffenhausen – Sportfreunde Stuttgart 3:3

Ganz zum Schluss war es mal wieder Carmine Pescione, einer der beiden „Alten“ beim SSV Zuffenhausen, der nach einem Alleingang aus 17 Metern abschloss und so einen Punkt für sein Team rettete. Doch es hätte sogar noch mehr als das 3:3 gegen die Sportfreunde sein können. Pescione hatte nach seinem Ausgleichstreffer einen weiteren Abschluss, den der Gäste-Keeper Paul Gustav Gerz an den Pfosten lenkte.

Zuffenhausens Trainer Armend Mehmeti freute sich über das Tor seines Angreifers, war zugleich aber enttäuscht ob des Auftritts seines Teams. „Es war kein gutes Spiel von uns, in der ersten Halbzeit haben wir gar nicht stattgefunden“, hadert er. „Wir hatten Glück, dass wir zur Pause nicht zurücklagen.“ Sowohl Todor Velikov als auch Ali Younis scheiterten nämlich am SSV-Schlussmann Laurentin Colompar, der erneut statt im Mittelfeld zwischen den Pfosten gefragt war. „Da war die Chancenverwertung miserabel“, konstatiert der Sportfreunde-Coach Fabio Criscuolo, stellt seinen Mannen aber ein gutes Zeugnis aus. „Wenn man die ganzen 90 Minuten betrachtet, ist der Frust sehr groß.“

Am Ende sei der Punktgewinn allerdings „mehr, als wir uns erhofft haben“, sagt Criscuolo. Vor allem zur Crunchtime machten die Gastgeber mächtig Druck. „Wir wussten, dass jede Sekunde ein Tor fallen kann.“ Die Sportfreunde stehen nun auf Rang neun der Tabelle, haben jedoch lediglich drei Zähler Vorsprung auf die Abstiegszone. Die Zuffenhausener bleiben als Fünfter die ersten Verfolger des Spitzen-Quartetts aus Croatia, dem TV 89 Zuffenhausen, Botnang und dem PSV.

Tore: 1:0 Gürbüz (55.), 1:1 Velikov (62.), 2:1 Akcan (64.), 2:2 Velikov (71.), 2:3 Amann (87.), 3:3 Pescione (90.). Besonderes:

TSV Mühlhausen – SG West 2:3

Die vermeintlich größte Überraschung schaffte derweil der Aufsteiger SG West. Zuletzt setzte es eine krachende 0:6-Klatsche gegen Zazenhausen, woraufhin die Spielertrainer Benedikt Goos und Senai Tasfaldet die Mannschaft anzählten. Dies scheint Früchte getragen zu haben, denn beim Tabellensechsten TSV Mühlhausen gewann die Sportgemeinschaft mit 3:2. Erst in der Nachspielzeit war es der kurz zuvor eingewechselte Jan-Philip Katzy, der den Ball im Winkel unterbrachte. „Wir waren alle außer uns, haben später bei uns auf dem Vereinsgelände noch ein Bier getrunken“, erzählt Tasfaldet. „Das hat unheimlich gutgetan, weil wir auch ein super Spiel gemacht haben.“

Seine Mannen und Mitspieler zeigten sich stark verbessert. „Ausschlaggebend war, dass wir gegen den Ball aggressiv und konsequent verteidigt haben, ganz anders als in den vergangenen Spielen“, sagt Tasfaldet. Sein Amtskollege auf der Mühlhausener Seite sah indes vermehrt Probleme bei seinen Schützlingen. „Wir machen in der Viererkette durchgehend Fehler“, sagt der Innenverteidiger Patrick Kessler, der sich nach einer Muskelverletzung noch schonte. Allen Gegentoren seien individuelle Fauxpas vorausgegangen.

Spielerisch sei es darüber hinaus ebenfalls kein Blickfang gewesen. „Wir hätten vom Spielverlauf her, nicht mehr als einen Punkt verdient gehabt, das war ernüchternd“, hadert Kessler, der eine zunehmende Verunsicherung bei seinen Spielern erkennt. „Ich bemerke erste Anzeichen von Druck im Kopf, der Abstand zu den Abstiegsrängen wird geringer.“ Sieben Punkte sind es derzeit noch auf die Abstiegszone. Dennoch beruft der Spielertrainer eine „kleine Krisensitzung“ mit allen Teammitgliedern ein.

Tore: 0:1 Müller (14.), 1:1 Krewenka (16.), 1:2 Klausmann (27., Foulelfmeter), 2:2 Becker (77.), 2:3 Katzy (90.+5). Besonderes:

TV Zazenhausen – TB Untertürkheim 3:3

Es scheint der Spieltag der späten Treffer gewesen zu sein. Untertürkheims Philipp Detloff hätte sich ebenfalls einreihen können, seinen Abschluss aus wenigen Metern parierte Zazenhausens Torwart Johann Renner jedoch mit starkem Reflex, sodass es beim 3:3-Unentschieden blieb. Den aus der Parade entstehenden Eckstoß durften die Gäste derweil nicht mehr ausführen, weil der Schiedsrichter die Partie bereits abpfiff – zum Unmut des TBU. Jenen äußerte Mergon Ramaj, indem er zum Unparteiischen sagte: „Das gibt doch Eckball.“ So zumindest die Erzählung seines Trainers Matthias Summer. Für die Aussage sah er die gelbe Karte. Da er bereits verwarnt war, wird er im kommenden Spiel fehlen. „Ich habe schon viel erlebt, aber da bin ich immer noch sprachlos“, sagt Summer.

Bereits zuvor sah er sich um zwei Elfmeter nach Fouls an Maurice Weber betrogen. „Wenn du so klar foulst, gibt es keine zwei Meinungen“, sagt der Coach. „Da kam Unmut auf.“ In einem „Spiel mit Aufs und Abs“ war er am Ende zufrieden mit dem Punktgewinn. Gleiches gilt für den Zazenhausener Trainer Emrah Uyar, der sich nach der Last-Minute-Parade seines Keepers glücklich schätzte.

„Am Ende des Tages ist das für beide zu wenig“, sagt er. „Wir hatten viel mehr Torraumszenen als der Gegner und auch ein Chancenplus sah ich bei uns, haben uns aber nicht belohnt.“ Besonders spektakulär war eine vergebene Möglichkeit von Lucas Berger, der zum Fallrückzieher ansetzte, jedoch am Tor vorbeizielte.

Tore: 0:1 Balija (12., Foulelfmeter), 0:2 Buckenberger (13.), 1:2 Buchholz (28.), 2:2 Berger (55.), 2:3 Balija (62.), 3:3 Berger (66.). Besonderes: Gelb-Rot für Ramaj (90.+4, Untertürkheim)

SV Grün-Weiss Sommerrain – TSV Uhlbach 1:1

Das Duell der beiden Letztplatzierten fand keinen Sieger und endete mit 1:1 – wodurch weder dem SV Grün-Weiss Sommerrain, noch dem TSV Uhlbach ein Befreiungsschlag gelang. In der Torschützenliste tauchen derweil nur Vertreter des Gastgebers auf: Elias Mayrs Führungstreffer konterte sein Mitspieler Emil Maier nur zwei Minuten später mit einem Eigentor. Er wollte zu seinem Torhüter Tim Fichter köpfen, welcher bereits aus seinem Kasten eilte, wodurch der Ball an ihm vorbei ins Netz ging.

Hinzu kamen vergebene Chancen von Marko Vasic und Benedikt Schulz, sowie „freie Schüsse aus dem Rückraum, da durfte gefühlt jeder mal“, erzählt der Sommerrainer Interimscoach Andreas Klein – jedoch ohne Erfolg. „Alles haben wir in der ersten Halbzeit vergeigt.“ Den Schlusspunkt setzte dann noch der spielende Co-Trainer Enrico Mosca, dessen Schuss kurz vor dem Abpfiff an der Querlatte landete.

An Slapstick-Einlagen und ausgelassenen Möglichkeiten legte ein Uhlbacher dann noch einen oben drauf: Lucca Ziegler scheiterte vom Punkt. „Wir hätten das Spiel gewinnen müssen, vor allem in der zweiten Halbzeit hatten wir ganz dicke Chancen“, resümiert der TSV-Trainer Yasin Bozkurt. „Das war der ausschlaggebende Punkt, dass wir die vergeben haben.“ Ziegler hatte noch einen Lattenschuss, Emre Bektas scheiterte im Eins-Gegen-Eins an Fichter. Eine besondere Leistung vollbrachte Uhlbachs Keeper Lars Niemann, der zuvor bereits über die volle Distanz bei der zweiten Mannschaft zwischen den Pfosten stand.

Tore: 1:0 Mayr (62.), 1:1 Maier (64., Eigentor). Besonderes: Sommerrains Fichter pariert Foulelfmeter von Ziegler (70.)

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