Fußball – Kreisliga A Zwischen Abstiegssorgen und Optimismus

VfBOEZ-Mittelfeldakteur Okan Turp (am Ball) versucht, seine Mitspieler in Szene zu setzen – trifft aber auch vorne. Foto: Robin Rudel

Der VfB Oberesslingen/Zell aus der Fußball-Kreisliga A ist als Drittletzter abstiegsgefährdet, aber der Zusammenhalt stimmt. Ex-Fußballprofi Okan Turp soll „das Team anführen“.

Reporter: Robin Kern (rob)

Stark gestartet und stark nachgelassen. So lässt sich der bisherige Saisonverlauf der Fußballer des VfB Oberesslingen/Zell zusammenfassen. Nach 25 Spieltagen rangiert der VfBOEZ mit 26 Punkten auf dem Abstiegsrelegationsplatz 14 und hat lediglich vier Zähler Vorsprung auf den Vorletzten FV Neuhausen II. Wer hätte damit vor der Saison gerechnet? Zumal es das Ziel des Teams war, im oberen Drittel mitzuspielen. Und der Saisonstart sorgte für Optimismus: Der VfBOEZ holte zwei Siege und ein Unentschieden aus drei Spielen, darunter ein 4:1-Erfolg gegen die TSG Esslingen 1:1-Remis gegen den VfB Reichenbach. Von Platz fünf am 3. Spieltag endete die Talfahrt zunächst auf dem drittletzten Rang.

 

„Die Cleverness und die Erfahrung fehlt dem jungen Team“

VfBOEZ-Spielertrainer Patrik Leovac braucht einen Moment, um die Gründe zu erläutern: „Grundsätzlich sind wir mit dem Saisonverlauf überhaupt nicht zufrieden. Uns sind wichtige Säulen im Team frühzeitig weggebrochen.“ Zum einen fiel sein Bruder Denis Leovac verletzungsbedingt aus. „Nach seinen zahlreichen Verletzungen darf und kann er kein Fußball mehr spielen. Da ist wirklich alles kaputt“, erzählt Patrik Leovac und ergänzt: „Die Cleverness und die Erfahrung fehlt unserem jungen Team in gewissen Spielmomenten. Wir befinden uns in einem Lernprozess.“ Dazu wird Routinier Alican Satsu, „der Vater geworden ist und keine Zeit mehr für den Sport hat“ fast nicht mehr auf dem Spielfeld zu sehen sein.

Und auch Patrik Leovac wollte selbst nach seiner Meniskusoperation in der Vorrunde „die Fußballschuhe an den Nagel hängen“. Seit zwei Monaten ist der Spielertrainer wieder auf dem Platz zurück, erzielte zuletzt ein Tor gegen den Spitzenreiter TSV RSK Esslingen und versucht mit allen Mitteln, das Team zu unterstützen. Die Verträge von Co-Trainer David Ulbricht und Coach Leovac wurden indes für die kommende Saison verlängert. „Der Verein liegt mir am Herzen und für mich war das ein Signal vom Vorstand, dass ich das Vertrauen habe. Und, dass mir auch die Zeit gegeben wird, die junge Mannschaft zu formen. Denn es wird dauern, bis wir wieder in den oberen Tabellenregionen angreifen können.“ Der Zusammenhalt im Team beim VfBOEZ stimmt jedenfalls sowie ist die Jugendarbeit des Clubs intakt. Und die meisten Spieler haben laut Leovac schon angekündigt, „auch im Falle eines Abstiegs zu bleiben“. Aber die weitere Kaderplanung für die kommende Runde „stockt derzeit aufgrund der Ungewissheiten etwas“.

„Die Tabelle lügt nicht“

Optimistisch stimmen derweil aber die vergangenen drei Spiele des VfBOEZ: Zwei Siege und eine knappe 4:5-Niederlage gegen den Spitzenreiter TSV RSK – machen den Verantwortlichen, Fans sowie Spielern Mut. Auch TSV-RSK-Spielleiter Thomas Schuler zollte der Leistung von Oberesslingen/Zell Respekt und betonte, „dass die Mannschaft den Klassenverbleib schafft. Sie ist gut und dürfte nicht so weit unten stehen“. VfBOEZ-Spielertrainer Leovac nimmt dieses Kompliment dankend an und sagt mit einem Lächeln dazu: „Das hören wir oft, aber die Tabelle lügt nicht.“ Dennoch macht Leovac in den vergangenen Spielen eine Leistungssteigerung bei seinem Team aus: „Die Mannschaft lebt und liefert, daher haben wir wenig Angst davor abzusteigen. Zuletzt haben wir drei starke Spiele abgeliefert und uns spielerisch verbessert.“

Einer, der dabei helfen soll, das Ruder herumzureißen, ist der 24-jährige Kapitän und Mittelfeldspieler Okan Turp, der zur Saison 2022/2023 vom damaligen Regionalligisten Rot-Weiss Essen zu seiner fußballerischen Heimat Oberesslingen/Zell zurückkehrte. Zuvor war er sogar als Profifußballer in der Türkei bei Fenerbahce Istanbul unterwegs. Trotz zahlreicher Angebote aus höheren Ligen blieb Turp aber über die Jahre dem VfBOEZ treu. Das freut vor allem seinen Coach Leovac, der ihm mehr Verantwortung geben will: „Er soll in meine Fußstapfen treten und das Team anführen.“

Richtungweisende Partie gegen die SG Eintracht Sirnau

Für den VfBOEZ steht am Sonntag (15.30 Uhr) nun erst einmal das richtungsweisende Heimspiel der Runde gegen den Abstiegs-Konkurrenten SG Eintracht Sirnau an. Die SGE bezwang zuletzt den Sechsten TV Unterboihingen mit 4:1 und damit am VfBOEZ vorbeizog. „Es ist schon komisch, mit Ausnahme des TSV Baltmannsweiler punkten auf einmal alle unteren Teams“, sagt Leovac und gibt die Marschroute vor: „Sirnau steht einen Punkt vor uns. Es wird eine spannende Partie, die wir gewinnen wollen und auch werden.“ Denn nur mit einer starken Saisonschlussphase kann der VfBOEZ den drohenden Abstieg noch verhindern.

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