Die Matchwinner der SKV: Angelo de Pilla (li.) traf dreimal, Aykan Seymen (re.) erzielte zwei Tore. Foto: Andreas Gorr
In einem packenden Spiel mit neun Toren schlägt die U23 der SKV überraschend den großen Favoriten Drita Kosova Kornwestheim. Trainer Tobias Germanus liefert die Erklärung.
Auch für Tobias Germanus war der Erfolg unerwartet. Foto: Andreas Gorr
„Das kam für alle überraschend“, lachte Germanus, betonte aber, der Sieg sei ein Erfolg des Willens gewesen, den seine Mannschaft erneut steigerte. „Dass am Ende neun Tore fallen, hätte ich bei der taktischen Einstellung meiner Mannschaft nicht erwartet“, erklärte der Trainer seinen klaren Matchplan: defensiv dicht machen, möglichst lange die Null halten und bestmöglich Nadelstiche setzen. Ähnlich hatte er auch versucht, den aktuellen Tabellenführer Renningen zu schlagen.
Silas Wöhr hält Rutesheim im schwieriger Anfangsphase im Spiel
Die Anfangsphase gehörte allerdings dem Favoriten, in den ersten 20 Minuten lief das Spiel nur auf ein Tor. Zwar kassierten die Gäste aus Rutesheim nach 18 Minuten durch Elvis Gashi per Kopf nach einer Ecke den ersten Gegentreffer, mehr ließ die SKV jedoch nicht zu, was laut Germanus auch an seinem Torwart lag. „Mit Silas Wöhr haben wir genau den richtigen Mann hinten drin gehabt. Er hat unsere Abwehr von hinten raus stabilisiert, Kommandos gegeben, die gegnerischen Angriffe durch herauslaufen und Stellungsspiel teilweise schon im Keim erstickt, also das war Gold wert“, schwärmte der Trainer über den 25-jährigen Wöhr, der normalerweise hinter Jan Göbel die zweite Kraft im Rutesheimer Landesliga-Team ist.
Landesliga-Schlussmann Silas Wöhr (li) bringt Erfahrung mit zur U23. Foto: Andreas Gorr
Nach dem Führungstreffer gelang es der SKV immer besser, die Räume für Drita Kosova eng zu machen und ihnen offensiv wenig Platz zur Entfaltung zu bieten. Germanus berichtete: „Wir haben gemerkt, dass Drita hinten immer wieder anfällig war. Sie waren auf Vollgas-Fußball aus und haben dadurch immer wieder die Defensive vernachlässigt.“ In Folge der Führung öffneten sich für die Gäste immer mehr Räume in der Kornwestheimer Defensive, die vor allem der schnelle Tomas Gioia über den rechten Flügel immer wieder attackierte und das mit großem Erfolg. Zweimal fand er noch vor dem Seitenwechsel Stürmer Angelo De Pilla, der den Ball im Tor versenkte (25./45.). „Wir waren dreimal vor dem Tor und zweimal haben wir tatsächlich auch den Ball im Tor untergebracht. Ich weiß nicht, ob wir jemals wieder so einen Sahnetag erleben, wir haben aus extrem wenig fast alles rausgeholt“, lobte der Trainer die starke Chancenverwertung seiner Schützlinge.
Rutesheimer trotzen schnellem Ausgleichstreffer
In der Pause unterstrich Germanus, dass die Mannschaft den Plan gut umgesetzt habe. Kornwestheims Spielertrainer Spetim Muzliukaj nahm zur Pause den 23-jährigen Erblin Mehana aus dem Tor, der mit dem Ball am Fuß mehrfach unsicher wirkte, und brachte für ihn den 36-jährigen ehemaligen Perouser Bezirksliga-Schlussmann Flamur Gashi. Es dauerte nur drei Minuten in Hälfte zwei, bis die Hausherren zum Ausgleich kamen. Erneut war es ein Standard, an dessen Ende Berkan Yürükoglu per Kopf traf. Die Schwäche bei Standards habe seine Mannschaft noch nicht überwunden, klagte Germanus: „Wenn die Bälle hoch reinkommen, haben wir noch so ein bisschen Angst.“
Vorsicht vor gegnerischen Standards, hier zeigt die SKV noch Schwächen. Foto: Andreas Gorr
Der frühe Ausgleich kam für den Trainer sehr ungelegen: „Dadurch haben wir Drita sicherlich den zusätzlichen Push gegeben haben, den wir eigentlich vermeiden wollten. Wir haben damit gerechnet, dass Drita definitiv nochmal alles in die Waagschale legt.“ Doch durch das weitere Voranpreschen der Gastgeber ergaben sich wiederum mehr Räume für die konterstarken Rutesheimer, die fünf Minuten später durch Aykan Seymen mit einem Abschluss von der Strafraumkante erneut in Führung gingen. In der Folge ließen die favorisierten Kornwestheimer einige große Chancen liegen, um die 60. Minute schoß Adrian Thaqi den Ball aus 2 Metern über das Tor.
Vier weitere Tore in den Schlussminuten
Die Schlussphase lieferte einige weitere Höhepunkte. Thaqi machte in der 73. Minute seinen Fehler wieder wett und erzielte nach einer Flanke den erneuten Ausgleich. Aus dem Nichts kam Rutesheim aber wieder zur Führung, Seymen erzielte in der 80. Minute ein „Tor, das man so vielleicht gar nicht schießen kann“, wie Trainer Germanus meinte. Eine Flanke nahm der 23-Jährige im Strafraum aus der Luft und knallte ihn flach links unten ins Tor. Damit jedoch nicht genug, nur drei Minuten später vollendete De Pilla einen Konter zum 5:3. Kornwestheims Joker Nexhati Hallimi setzte in der ersten Minute der Nachspielzeit den Schlusspunkt, den Sieg brachte die SKV jedoch ins Ziel.
Tobias Germanus lobt die Entwicklung seines Teams
„Ich glaube, am Ende wäre ein Unentschieden gerechtfertigt gewesen. Wir haben uns das Glück erarbeitet, die taktische Umsetzung der Mannschaft war fast perfekt. Ich bin unheimlich stolz auf die Mannschaft und freue mich, dass sie sich am Ende so belohnen konnte“, lobte Tobias Germanus, der am Montag einen trainingsfreien Tag spendierte.
Die Tore von Angelo De Pilla (li.) waren ein wichtiger Faktor. Foto: Andreas Gorr
Der Rutesheimer Coach sah vor allem im Vergleich zum Hinspiel gegen Drita Kosova eine deutliche Steigerung seiner Mannschaft, die mit den Rückschlägen im Spiel deutlich besser umging als im vorherigen Saisonverlauf. Die junge Mannschaft wächst immer weiter zusammen, zeigt laut Germanus deutlich mehr Entschlossenheit als zu Saisonbeginn. Auch der Trainer selbst betonte, nach der offensiven Herangehensweise im Hinspiel habe er gemerkt, dass er für den sportlichen Erfolg gegen Kornwestheim diesen Plan verändern musste.
Gelingt in Weil der Stadt der nächste Coup?
„Weil der Stadt muss sich warm anziehen“, lachte Germanus mit Blick auf den Tabellendritten, bei dem Rutesheim in der kommenden Woche gastiert. Allerdings muss der Coach der SKV personell umstellen, Silas Wöhr wird nicht zur Verfügung stehen. „Weil der Stadt wird sicher ein ganz anderer Gegner“, mahnte der Trainer und betonte, dass der Rutesheimer Sieg im Hinspiel eine andere Situation darstellte. Für sein Team spräche, dass auch der kommende Gegner hin und wieder personelle Probleme aufweise, meinte der Herbstmeister-Besieger Tobias Germanus.