Trotz des nächsten Rekordes bremst Michael Schürg weiterhin. Foto: Andreas Gorr
Der Kreisliga A2-Spitzenreiter SpVgg Renningen schlägt die drittplatzierte Spvgg Weil der Stadt mit 9:0. Für Trainer Michael Schürg ist trotzdem noch nichts entschieden.
Sechs Spiele, sechs Siege, 39:1 Tore. Was sich liest wie eine Bilanz des FC Bayern München ist in Wahrheit die bisherige Rückrunde der SpVgg Renningen. Seit dem Restart Mitte Februar hat die Mannschaft in der Kreisliga A2 den Herbstmeister Drita Kosova Kornwestheim nicht nur entthront, sondern sogar auf sechs Punkte distanziert. Zuletzt ging es für die Mannschaft von Trainer Michael Schürg gegen Platz vier und drei in der Tabelle, einem 6:1 bei der Spvgg Warmbronn ließ der Primus nun ein 9:0 über die Spvgg Weil der Stadt folgen. „Das ist schon außergewöhnlich“, schmunzelte Schürg, dessen Team zum Auftakt in die Rückrunde bereits einmal neun Tore schoss, Rekordsiege für die SpVgg. Im Hinspiel hatte Schürg mit seiner Mannschaft 2:3 in Weil der Stadt verloren. „Das hat uns schon wehgetan, das hat an uns genagt damals“, erinnert sich der Trainer, eine Revanche ist gelungen, von Wiedergutmachung will er aber nicht sprechen. „Es gibt keine Wiedergutmachung, was kaputt ist, ist kaputt. Danach haben wir eine neue Serie gestartet“, meint Schürg, dessen Team seither kein Spiel verloren hat und eine Serie aus 14 unbesiegten Spielen aufweist.
Schürg zufrieden mit Auftritt und Entwicklung
Der Trainer, der oft auch nach Kantersiegen Kritikpunkte findet, zeigte sich dieses Mal „vollstens zufrieden“, auch die restlichen Ergebnisse in der bisherigen Rückrunde beeindrucken den ehemaligen Drittliga-Torjäger. Seine junge Mannschaft (die Startelf gegen Weil der Stadt war im Schnitt etwa 24 Jahre alt) zeigt sich gierig, Schürg lobte: „Hut ab vor der Leistung, dass sie bis zum Ende durchziehen und weiter auf die Tore gehen. Sie haben keinen Zweifel daran gelassen, wer als Sieger vom Platz geht.“ Die mit Schürgs Verpflichtung zum Saisonbeginn eingeschlagene Entwicklung zeigt sich in den Augen des Coaches immer besser, der Erfolg beflügelt dies zusätzlich. Die Gastgeber waren spielbestimmend und hätten laut Schürg auch 14 oder 15 Treffer erzielen können. Bereits in der fünften Minute verlängerte Oliver Schüle eine Freistoßflanke Justin Eberhardts von der linken Eckfahne am kurzen Pfosten per Kopf ins lange Eck. Die Gäste mussten auf Spielertrainer Roland Haizmann verzichten, der sich im vorigen Spiel gegen den SV Gebersheim verletzt hatte und die Partie beim Spitzenreiter nur von außen begleiten konnte. Ohne den Stabilisator in der Abwehr kassierten die Städter in der 15. Spielminute das zweite Gegentor, Cedric Wurmbrand erlief einen zu kurz geratenen Querpass von Kosov Ademaj und bediente Leon Kottucz, Renningens Mann der Stunde schloss mit einer Direktabnahme links unten ab.
Fünf Tore im ersten Durchgang
Den dritten Treffer legte Julius Böhler nach, einen Eberhardt-Freistoß aus dem rechten Halbfeld nickte er am langen Pfosten ein (29.). Nach seinem Dreierpack gegen Warmbronn in der Vorwoche legte Kottucz in der 43. Minute sein zweites Tor des Tages nach. Böhler fand den in der 30. Minute für Eberhardt eingewechselten Noa Geiger mit einem tiefen Traumpass, bei dem sich Spvgg-Spieler Sofianne Soltane verschätzte und die Kugel nicht mehr abfangen konnte. Geiger tauchte allein vor Gäste-Keeper Niclas Moser auf und legte uneigennützig auf den im Zentrum mitgelaufenen Kottucz quer, dieser brauchte nur noch einzuschieben. Renningen machte zwei Minuten später alles klar, Albion Maliqi fand mit einem Freistoß vom linken Flügel Böhler am langen Pfosten, nachdem zuerst Sofianne Soltane unter dem Ball hindurchsprang und anschließend Fabian Teutsch das Spielgerät verpasste und dann mit einer eingesprungenen Grätsche Ball und Gegner verfehlte. Böhler nagelte den Ball aus kurzer Distanz ins kurze Kreuzeck.
Julius Böhler (li.) traf gleich dreifach. Foto: Andreas Gorr
5:0 zur Pause, Schürgs Mannschaft ließ jedoch auch nach dem fünften Treffer nicht nach. Die Hausherren blieben fokussiert und dominant, der Trainer erklärte: „Die Einstellung, die im Kopf gestimmt hat, haben wir auch in die Beine und auf den Platz bringen können. Vor dem Hintergrund, dass es ein Derby war und dass es der Tabellendritte ist, war nicht zu erwarten, dass es so deutlich ausgeht.“ Es ging allerdings sehr deutlich aus, in der 65. Minute trat Alim Kerim Göler einen Eckball von rechts, der Weil der Stadts Schlussmann Niclas Moser durch die Finger rutschen ließ. So hatte Julius Böhler aus einem Meter leichtes Spiel und schob zum 6:0 ein. Die letzten drei Treffer gebührten dem 20-jährigen Noa Geiger. In der 71. Minute drückte er einen Querpass von der Fünfmeterlinie ins freie Tor, in Minute 87 nickte der überschaubar große Kicker eine Flanke von Philipp Sachs vom linkten Flügel im Zentrum ein, nachdem er den Innenverteidigern Teutsch und Maximilian Scheele entwischt war. Zwei Minuten später setzte er den Schlusspunkt, nach einem Foul von Drilon Elshani an Joker Kaan Ekmen in halblinker Position schaltete Riccardo Ronny Bischoff am schnellsten und steckte auf seinen eingewechselten Kapitän Lucas Perez durch. Dessen Querpass schob Geiger im Zentrum ein.
Die SpVgg verfügt über viel Torgefahr
Dem Joker gelangen damit im 17. Saisonspiel seine ersten Tore. Trainer Schürg lobte die Laufwege seines Spielers, der sich vor allen drei Toren in die richtige Position brachte, sodass er jedes Tor mit dem ersten Kontakt erzielen konnte. „Da fährt dich niemand mit dem Fahrrad hin“, betonte Schürg, „wenn du es willst, musst du da hin laufen. Wenn du da hinläufst, besteht die Wahrscheinlichkeit, dass der Ball dorthin kommt und du das Tor machst.“ Geiger ist Renningens 16. Torschütze in dieser Spielzeit, davon haben zwölf Spieler drei oder mehr Tore erzielt. Darunter befindet sich auch Julius Böhler, der mit acht Toren aus 18 Spielen der gefährlichste Verteidiger der Liga ist. An seinem Beispiel erklärte Trainer Schürg die Überzeugung seiner Mannschaft, seine Spieler trauen sich viele Abschlüsse zu und machen entsprechend viele Tore. Exemplarisch lobte Schürg auch das fünfte Tor gegen Weil der Stadt, als Böhler am langen Pfosten auf seine Chance lauerte. „Als Stürmer freut es mich, wenn meine Spieler treffen“, sagte Schürg, der in seiner aktiven Karriere über 200 Tore schoss.
Kaan Ekmen (Mi.) kehrte auf den Platz zurück. Foto: Andreas Gorr
Der erfolgreichste Torjäger seines Teams ist in der laufenden Saison Kaan Ekmen, der in der Schlussviertelstunde eingewechselt wurde. Zuletzt lief der Stürmer am 15. Spieltag im Derby gegen den KSV Renningen auf, seither laborierte er an einer Schambeinentzündung. Nach einer Halbzeit für die zweite Mannschaft der SpVgg kam Ekmen nun wieder für die erste Mannschaft zum Einsatz. Schürg lobte seinen Spieler in den höchsten Tönen: „Kaan ist auch durch seine Mentalität wichtig für uns, den Einsatz hat er sich definitiv verdient.“ Selbst während seiner Verletzungspause kam Ekmen regelmäßig zum Training und feuerte seine Mitspieler von außen an. Inzwischen ist er wieder ins Training eingestiegen, Schürg berichtet, teilweise bis zu 22 Spieler im Training zu haben, was er als nicht selbstverständlich in der Kreisliga erachtet. Für den Saisonendspurt sei diese Auslastung perfekt, der Trainer kann aus dem Vollen schöpfen, der Konkurrenzkampf kommt für die letzten sieben Spiele sehr gelegen.
Meisterschaft schon sicher? Schürg bleibt fokussiert
Nach den deutlichen Erfolgen gegen die Verfolger stellt sich für Zuschauer die Frage, wer die SpVgg Renningen noch stoppen soll. Doch Schürg tritt auf die Bremse. Es könnten immer wieder unvorhergesehene Ereignisse passieren, der ehemalige Drittligaspieler führt das DFB-Pokalaus des FC Bayern gegen den Regionalligisten TSV Vestenbergsgreuth 1994 sowie die Niederlage im Champions-League-Finale gegen Manchester United 1999 als Beispiele an. „Ich trau dem Fußball nicht mehr, dafür habe ich zu viel erlebt“, mahnt der Ex-Stürmer. Er will sich weiterhin nur auf das nächste Spiel fokussieren, dieses bestreitet seine Mannschaft am 10. April (19 Uhr) gegen den SV Leonberg/Eltingen II.