Die fünf Stuttgarter Staffeln der Kreisliga B verbergen allesamt interessante Geschichten. Foto: IMAGO/foto2press
Der Torhüter des SV Sillenbuch II glänzt mit Treffern, Tuna Spor Echterdingen rüstet auf und zwei Angreifer liefern sich ein irrwitziges Duell. Die Halbzeitbilanz der Kreisliga B.
In der untersten Liga des Fußballkreis Stuttgart/Böblingen ruht bis Anfang März noch der Ball. Die Hinrunde brachte bereits einige interessante Geschichten zutage. Die Halbzeitbilanz aller Stuttgarter Kreisliga-B-Staffeln.
Staffel 1. Nur ein einziges Stuttgarter Fußballteam ist in dieser Saison noch ungeschlagen: der SV Sillenbuch II. Nach dem Abstieg und einem Umbruch im Kader stellen die Sillenbucher die beste Offensive und stärkste Defensive der Staffel. 63 Treffern stehen nur 13 Gegentore gegenüber. Dabei steht Sillenbuchs bester Schütze, Jerry Nkamanyi, mit acht Treffern nur auf Platz zwölf der Torschützenliste. Die Tore sind auf das ganze Team verteilt. Bemerkenswert: Der eigentliche Stammkeeper des Spitzenreiters, Luis Kaltapanidis, lief in dieser Saison bereits viermal als Feldspieler auf und lieferte dabei fünf Tore und zwei Vorlagen. „Er ist ein Vollathlet“, lobt sein Trainer Necmi Keskin. Kaltapanidis habe als Stürmer wichtige Treffer für sein Team erzielt. „Er ist aber ein deutlich besserer Torhüter als Feldspieler“, sagt Keskin. Auch die beiden Ersatzkeeper Mats Endress und Luis Eisele hätten gute Partien gemacht. „Wir haben auf jeden Fall kein Torhüterproblem“, sagt der Coach. Generell passe die Zusammensetzung des Kaders aus jungen, talentierten Spielern und erfahrenen Akteuren. Auch deshalb traten die Sillenbucher in dieser Runde teils dominant auf und entschieden ihre Spiele bereits vorzeitig deutlich für sich. Der Höhepunkt aus Sicht des Sillenbucher Trainers: das Topspiel gegen den TSV Rohr II. Das Aufeinandertreffen mit dem damaligen Tabellenführer entschied der SV Sillenbuch II mit 5:0 für sich und kletterte damit selbst an die Spitze. Mittlerweile beträgt der Sillenbucher Vorsprung auf die Verfolger SV Rohr II und 1. FC Lauchhau-Lauchäcker fünf Zähler.
Das verlorene Spitzenspiel hängt den Rohrern noch nach. „Wir haben einfach einen schlechten Tag erwischt“, ärgert sich der Trainer Vasco Monteiro. Zudem verlor der TSV Rohr II gegen die Spvgg Möhringen (0:3) und Türkspor Stuttgart (1:4). „Wenn wir die Spiele gewonnen hätten, wären wir Tabellenführer“, sagt Monteiro. Sein Team hätte in den Partien seine Torchancen nicht genutzt und sei zu verspielt gewesen. In der Winterpause verstärken sich die Rohrer deshalb mit drei weiteren Offensivspielern. Einer von ihnen ist Volkan Seyfettin Agbal. Mit dem Angreifer, der bislang noch für die SGM VfL Kaltental/SV Heslach auflief, war Monteiro einst gemeinsam beim ASV Botnang. „Wir haben bislang keinen klassischen Neuner im Kader. Volkan ist ein erfahrener Stürmer, der diese Lücke schließt“, berichtet der Coach. Er soll mithelfen, das gesetzte Ziel Meisterschaft zu erreichen. Neben den Sillenbuchern schätzt Monteiro den Tabellenvierten Spvgg Möhringen II und den Tabellensechsten Spvgg Stetten II als Konkurrenten ein. „Sie sind neben Sillenbuch die stärksten Teams in der Liga“, weiß der Coach.
Staffel 2. Seit ihrem Zusammenschluss zur SGM TSV Steinhaldenfeld/SKG Max-Eyth-See vor sechs Jahren kreist der Club um den fünften Tabellenplatz in unterschiedlichen Staffeln der Kreisliga B. In dieser Saison schickt sich die SGM Steinhaldenfeld/Max-Eyth-See an, ganz vorne zu landen. Nach der Hinrunde steht die Spielgemeinschaft mit 37 Zählern punktgleich mit dem VfL Stuttgart an der Spitze. Eng verknüpft ist der Aufschwung mit dem Namen Gökhan Gümüssu. Der 36-Jährige trat im Sommer bei der SGM seinen ersten Trainerjob an. Gümüssu spielte in der Jugend bei beiden Vereinen und lief später in der deutschen und türkischen 3. Liga auf. „Er ist aus dem Profibereich, das kommt bei unseren Jungs gut an und motiviert sie zusätzlich“, berichtet der Spielleiter Joachim Schniepp. Nach einem guten Saisonstart ging der Spielgemeinschaft zum Ende der Hinrunde etwas die Luft aus. Zum Abschluss gab es eine 2:4-Niederlage gegen den SV Grün-Weiss Sommerrain. „Wir hätten gerne die drei Punkte mitgenommen und uns etwas abgesetzt“, sagt Schniepp. In der Rückrunde ist das klare Ziel: den Aufstieg sichern.
Sollte der Coup tatsächlich gelingen, bedeutet dies einen erneuten Strich durch die Rechnung des VfL Stuttgart. Die Cannstatter kämpfen nun in der dritten Saison in Folge um den Wiederaufstieg in die Kreisliga A. Nach Platz fünf scheiterte der VfL im vergangenen Jahr als Vizemeister in der Relegation am FC Reka Stuttgart. „Das war zwar ein schönes Spiel vor vielen Zuschauern, aber die Relegation ist nur schön, wenn man gewinnt“, sagt der Teammanager Peter Burkert. In diesem Jahr will der VfL Stuttgart die Relegation umgehen und direkt aufsteigen. „Aktuell sieht es ganz gut aus“, sagt Burkert. Zudem wolle man sich in der Winterpause noch verstärken. Doch schon jetzt ist der langjährige Teammanager mit der Arbeit der Mannschaft und des Trainerteams zufrieden. Besonders gefiel ihm das Topspiel gegen die SGM Steinhaldenfeld/Max-Eyth-See. „Am Ende geht es 3:3 aus, wir hatten aber Pech, dass wir kurz vor Schluss nur die Latte treffen“, berichtet Burkert. Er rechnet mit einem Dreikampf seines Vereins mit dem Spitzenreiter und dem aktuell Tabellendritten SKG Botnang. Auf deren rutschigem Kunstrasenplatz taten sich die Cannstatter im letzten Spiel vor der Winterpause schwer und verloren mit 0:3. „Ich denke, der Platz könnte ihr Vorteil sein, weil dort viele Mannschaften im wahrsten Sinne des Wortes ausrutschen werden“, sagt Burkert. Der erfahrene Fußballfunktionär hat zudem den Tabellenvierten TSV Plattenhardt III als Überraschungsmannschaft auf dem Zettel.
Staffel 3. Die Runde endete im wahrsten Sinne des Wortes mit einem Knall. Das Duell des HNK Slaven Stuttgart mit dem ASV Botnang II wurde kurz vor Schluss abgebrochen. Beim FC Reka Stuttgart kam es nach dem Duell mit der Spvgg Cannstatt II zu Ausschreitungen inklusive eines Polizeieinsatzes. Beide Partien haben vor dem Bezirkssportgericht ein Nachspiel. Das 3:3-Unentschieden zwischen dem FC Reka Stuttgart und der Spvgg Cannstatt II wird Bestand haben. Das beim Stand von 4:2 für den SV HNK Slaven Stuttgart abgebrochene Spiel wegen einer mutmaßlichen Tätlichkeit eines Botnanger Spielers und anschließender Rangelei zwischen Spielern und Zuschauern wird vom Sportgericht aller Voraussicht nach eine nachträgliche Spielwertung erhalten.
Während diese Entscheidung für den Tabellensechsten SV HNK Slaven Stuttgart, der nach Abstieg und Kaderumbruch keine Aufstiegsambitionen hegt, kaum Einfluss haben sollte, wäre eine negative Spielwertung für den ASV Botnang II ein herber Rückschlag im Aufstiegskampf. Die Bezirksliga-Reserve ist aktuell mit 32 Punkten Tabellenzweiter. Verfolger TSV Musberg II hat nur einen Zähler weniger. „Das ist die stärkste Kreisliga B, in der ich bislang war“, sagt der Botnanger Trainer Nico Lazarek. Der 34-Jährige spielt seit 2016 für die Botnanger und ist seit 2023 deren Spielertrainer. Seit dieser Saison hat sich der Angreifer ausschließlich auf seine Trainertätigkeit konzentriert. „Wir haben einen recht breiten Kader, der seit einigen Jahren so zusammenspielt“, berichtet Lazarek. Im vergangenen Jahr verpassten die Botnanger den Relegationsrang als Tabellendritter mit drei Punkten Rückstand, in dieser Saison soll es definitiv klappen. „Wir wollen den zweiten Platz in der Rückrunde absichern“, sagt Lazarek.
An ein Team wird wohl keiner in dieser Runde herankommen: den SV Tuna Spor Echterdingen. Der wiederbelebte Verein beendete die Hinrunde mit nur einer Niederlage und einem Unentschieden als souveräner Tabellenführer. Zur Rückrunde bekommt das ohnehin mit höherklassiger Erfahrung gespickte Team mit Emre Türköz und Volkan Candan zwei herausragende Verstärkungen. Türköz spielte zuletzt für den MTV Stuttgart in der Landesliga. Auch Candan war bei seiner letzten Station, dem FV Neuhausen, in der Landesliga aktiv. Zuvor lief der 36-Jährige für Balingen, Freiberg und Reutlingen in der Oberliga und für Calcio Leinfelden-Echterdingen in der Verbandsliga auf. „Sie sind die Übermannschaft, es wird schwer, an sie heranzukommen. Schenken wollen wir ihnen aber nichts“, verspricht Botnangs Coach Lazarek.
Staffel 4. Es ist das Duell der Ausnahmetorjäger, das die bisherige Runde der Staffel 4 geprägt hat. Sage und schreibe 33 Tore erzielte Leinfeldens Timo Bock in zwölf Spielen – und ist damit nicht einmal der beste Schütze seiner Staffel. Ziad Masoud überflügelt den acht Jahre jüngeren Angreifer um vier Treffer. 37 Mal netzte der 30-jährige Kapitän des SKV Palästina Al Q’uds Stuttgart bereits ein. Er ist damit deutschlandweit der elftbeste Torjäger in der 9. Ligastufe. Dabei sei es bislang gar keine gute Runde von ihm gewesen: „Ich habe in vielen Spielen mit einer Knieverletzung nur angeschlagen spielen können“, berichtet Masoud. Zudem seien viele Gegner kein wirklicher Maßstab. Gegen den SV Rot II traf er zwölfmal. Schon in der Saison 2022/23 erzielte Masoud 72 Tore, in der darauf folgenden Saison dann 66 Treffer. Danach zog es ihn für eine Saison in die Bezirksliga zum TV Echterdingen II. Aus zeitlichen Gründen kehrte er zu dieser Saison wieder zu seinem Herzensclub zurück. „Ich möchte mit diesem Verein unbedingt aufsteigen“, sagt er. Nach einem zwischenzeitlichen Tief und der daraus folgenden Trennung von Trainer Adjmal Hakimzade habe sich der Tabellenzweite wieder gefangen und zuletzt positive Leistungen gezeigt. Der mannschaftliche Erfolg steht für Masoud über allem: „Wenn ich am Ende Torschützenkönig werde, wir aber nicht aufsteigen, dann würde mich das brechen.“
Timo Bock möchte das persönliche Rennen um die Torjägerkrone gerne für sich entscheiden. „Ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung“, sagt der 22-Jährige. Er sei ein geborener Torjäger, der mit Schnelligkeit besticht und vor dem Tor eiskalt sei, berichtet er. „Es ist noch mal eine Steigerung zur vergangenen Saison. In dieser hatte ich 45 Tore erzielt. Den Rekord will ich definitiv knacken“, sagt Bock – und damit sein Team zum Aufstieg schießen. „Wir wollen auf jeden Fall aufsteigen. Wenn nicht direkt, dann sind wir gut genug, es auch über die Relegation zu schaffen“, sagt Bock. Nach zwei unglücklichen Niederlagen zum Saisonabschluss rutschte der TSV Leinfelden auf den dritten Tabellenplatz ab. Sollte der Aufstieg gelingen will der umworbene Torjäger definitiv bleiben. Sollte es nicht klappen, ist seine Zukunft offen. Im Sommer platzte ein Transfer zum Verbandsligisten Calcio Leinfelden-Echterdingen kurz vor dem Abschluss.
Nach Masoud und Bock folgen indes vier Spieler des Tabellenführers GFV Omonia Vaihingen. Sinan Özkan (15 Tore), Dimitrios Mpuranis (10), Nicola Portoghese (9) und Sascha Beck (8) kommen zusammen auf 42 Treffer.
Staffel 5. Die Liga der zweiten Mannschaften: 14 Reserveteams tummeln sich in der Staffel. Nur ein einziges Team geht mit seiner ersten Mannschaft an den Start – der TV Cannstatt. Und ausgerechnet die Cannstatter sind es, die das Schlusslicht bilden. Das Team von Trainer Ali Yilmaz konnte nur einen Sieg einfahren. Gegen den TSV Uhlbach II gewannen die Cannstatter mit 8:4. Dies war der Höhepunkt für Yilmaz in einer sonst an Highlights armen Runde. Der Coach und Abteilungsleiter in Personalunion ist dennoch froh, überhaupt eine Mannschaft zu haben. Vor der Runde verabschiedete sich neben Trainer Arben Berisha auch nahezu die gesamte Mannschaft. Yilmaz stand nur noch mit einem einzigen Spieler da und begab sich auf Spielersuche. „Ich habe zuerst die Eltern unserer Jugendspieler angesprochen“, erzählt der gebürtige Österreicher. Sechs Väter konnte er so für sein Team gewinnen. Dazu überzeugte er ein paar Kicker, die sonst beim TV Cannstatt mittwochs nur zum Spaß gemeinsam spielen. Außerdem kontaktierte er ehemaligen Spieler. Am Ende stand eine einigermaßen schlagkräftige Truppe. „Mittlerweile haben wir wieder ordentlich Quantität“, sagt Yilmaz. Nun will der Inhaber der Trainer-B-Lizenz an der Qualität arbeiten. Hindernis: Einige Spieler seines multikulturellen Teams sprechen nur schlecht Deutsch. „Diese Spieler brauchen durch die Sprachbarriere noch mal länger, um zum Beispiel eine neue Taktik zu verstehen“, erklärt der ehemalige Co-Trainer des TSV Weilimdorf. Spielerisch habe sein zusammengewürfeltes Team es oft gar nicht so schlecht gemacht, bei Gegentoren aber bereits früh die Köpfe hängen lassen. Hinzu kam hin und wieder etwas Pech. „Das Gute ist, in der Rückrunde kann es nicht schlechter werden“, sagt Yilmaz und lacht.
Am anderen Ende der Tabelle steht die Sportvg Feuerbach II. Das Team von Trainer Rudolf Hoffmann führt mit 39 Punkten die Staffel an. Die Reserve des Bezirksliga-Absteigers liefert sich mit den beiden Zuffenhausener Teams einen Dreikampf. Der SSV Zuffenhausen II belegt mit 37 Punkten den Relegationsrang, Absteiger TV 89 Zuffenhausen II steht mit 34 Punkten auf Platz drei. Alle anderen Teams haben den Anschluss an die Spitzengruppe bereits verloren. Die SG Weilimdorf II (Platz vier) und der SC Stammheim II (Platz fünf) haben bereits neun Punkte Rückstand auf den Drittplatzierten.