Fußball-Kreisliga B Videobeweis und Polizeieinsatz nach Tumulten
Am letzten Spieltag dieses Kalenderjahres knallt es in der Staffel 3 der Fußball-Kreisliga B. Es drohen sportliche und juristische Konsequenzen. Ist ein genereller Trend wahrnehmbar?
Am letzten Spieltag dieses Kalenderjahres knallt es in der Staffel 3 der Fußball-Kreisliga B. Es drohen sportliche und juristische Konsequenzen. Ist ein genereller Trend wahrnehmbar?
Seit einigen Jahren wird in der Fußball-Bundesliga bei unklaren Situationen der Videobeweis zurate gezogen. Auch in der niedrigsten Stuttgarter Liga, der Kreisliga B, werden in den kommenden Tagen Videobilder zur Klärung herangezogen. Denn was sich rund um das abgebrochene Spiel in der Staffel 3 zwischen dem SV HNK Slaven Stuttgart und dem ASV Botnang II abgespielt hat, soll nun das Bezirkssportgericht klären. Dafür wollen die Gastgeber des SV HNK Slaven Stuttgart dem Gremium um den Vorsitzenden Marc Hetzel entsprechendes Material vorlegen.
Bekannt ist bislang nur, was der Schiedsrichter Georgios Potitsopoulos in seinem Bericht vermerkt hatte. Kurz vor Schluss soll es beim Stand von 4:2 für Slaven zu einer Tätlichkeit im Rücken des Referees gekommen sein. Mutmaßlich von einem Botnanger Spieler. „Als sich der Schiedsrichter umdrehte, lag ein Slaven-Spieler auf dem Boden und hielt sich das Gesicht“, berichtet Hetzel. Daraufhin stürmten Spieler, Betreuer und Zuschauer auf den Platz und sorgten für eine große Rangelei. Mehr als 40 Personen sollen sich unbefugt auf dem Spielfeld befunden haben, weshalb der Schiedsrichter die Partie vorzeitig abbrach.
„Wir erhoffen uns von der Auswertung der Videos Klarheit, was vorgefallen ist“, sagt Hetzel. Darüber hinaus wurden beide Vereine zu einer Stellungnahme aufgefordert. Gegenüber unserer Redaktion wollten sich beide Vereine bis zum Urteil des Bezirksportgerichts nicht dazu äußern.
Weil die Aktion außerhalb des Sichtfeldes des Unparteiischen stattfand, handelt es sich nicht um eine Tatsachenentscheidung. Das Sportgericht kann deshalb einen Spieler auch nachträglich sperren. Neben persönlichen Konsequenzen wird auch mindestens eine Mannschaft für den Abbruch bestraft. Die Spielwertung wird entweder einem der beiden Teams zugesprochen und mit 3:0 Toren und drei Punkten gewertet. Sollten beide Mannschaften für den Abbruch verantwortlich gemacht werden, gehen beide leer aus und beiden werden 0:3 Tore aufgebrummt.
Das 3:3 zwischen dem FC Reka Stuttgart und der Spvgg Cannstatt II bleibt dagegen bestehen, dennoch könnte das Spiel sportliche und juristische Konsequenzen nach sich ziehen. „Das Spiel lief normal ab, nach Schlusspfiff soll es eine Auseinandersetzung gegeben haben“, sagt Cannstatts Sportlicher Leiter Thomas Ippowitz. Der Schlusspfiff sei gleichzeitig der Gong zur ersten Runde gewesen, berichtet Hetzel. Denn wie der Fußballbezirk Stuttgart mitteilt, sollen sich nach Abpfiff jeweils ein Spieler beider Mannschaften geprügelt haben. Zuvor soll es zu Provokationen von Seiten der Cannstatter gekommen sein, die beim Abklatschen zur Eskalation führten.
Beide Spieler erhielten deshalb vom Schiedsrichter nachträglich die rote Karte und sind dadurch bereits gesperrt. Die Länge der Sperre legt das Bezirkssportgericht in den kommenden Tagen nach Auswertung der Berichte beider Teams fest. Der FC Reka Stuttgart reagierte auf schriftliche Anfragen unserer Redaktion nicht.
In diesem Fall beschäftigt sich auch die Stuttgarter Polizei mit den Vorkommnissen. Diese wurde nach der Auseinandersetzung zum Sportplatz an der Hirschsprungallee gerufen. Bei den eingetroffenen Beamten wurde eine Anzeige gegen Unbekannt aufgegeben. Ein Zuschauer soll den Schiedsrichter beleidigt und bedroht haben. Weil die Person jedoch nicht mehr ausgemacht werden konnte und die anschließende Fahndung ebenfalls nicht erfolgreich war, ermittelt der Polizeiposten Zuffenhausen weiterhin.
Konkrete Zahlen über etwaige Ausschreitungen in der bisherigen Runde aller Stuttgarter Fußballligen liegen Bezirkssportgerichts-Chef Hetzel noch nicht vor. Einen Anstieg habe er bislang nicht wahrgenommen, jedoch habe nach seinem Gefühl nach jedoch die Intensität der Ereignisse zugenommen. „Wir haben zuletzt kaum Spielabbrüche zurücknehmen müssen, weil sie unverhältnismäßig gewesen sind, was zeigt, dass es dann schon ordentlich zur Sache geht“, sagt Hetzel.