Fußball-Kreisliga, Staffel 1 Nach Kampfspiel: Botnang kurz vor dem Ziel

Schwer zu stoppen: Botnangs Madi Ceesay (links) bereitete gegen den SSV Zuffenhausen das 1:1 vor. Foto: Günter Bergmann

Der Spitzenreiter kann schon mal den Sekt kaltstellen. Bei Türkspor greift indes ein Zuschauer zur Pfeife und der nächste Absteiger steht fest.

Sport: Dominik Grill (grd)

Ein Tag nach dem Pokaltriumph des VfB schwankt die Stimmung in der Fußball-Kreisliga A Stuttgart/Böblingen, Staffel 1, zwischen Katererwachen und Feierlaune. In einer hitzigen Partie triumphiert der ASV Botnang doch noch über den SSV Zuffenhausen, während die SG Untertürkheim dem SV Sillenbuch II in die Kreisliga B folgt. Bei Türkspor taucht kein Schiedsrichter auf und die zweite Garde des MTV setzt ihre unverhoffte Siegesserie fort. Der Blick auf die Begegnungen des 28. Spieltags.

 

ASV Botnang – SSV Zuffenhausen 3:1

Es ist fast geschafft! Nach dem Sieg gegen Zuffenhausen benötigen die Botnanger nur noch einen Punkt aus den letzten beiden Saisonpartien und ihnen ist die Meisterschaft nicht mehr zu nehmen. „Wir haben fest vor, den Sack nächste Woche zuzumachen“, kündigt Alexander Schweizer, Trainer des Spitzenreiters, an. Durch die Entscheidung des Sportgerichts (siehe unten) beträgt der Vorsprung auf den einzigen ernst zu nehmenden Konkurrenten,Türkspor, jetzt sechs Punkte.

Der Dreier gegen den Tabellendritten war indes hart erkämpft. Neben einer rabiaten Gangart zwischen den Mannschaften stand auch der Schiedsrichter im Fokus. „Er hatte das ganze Spiel über keine Linie“, konstatiert Schweizer, der im jungen Unparteiischen einen Mitgrund sah, dass die Partie besonders gegen Ende überkochte. Über den Gegner sagt er: „Der SSV hat eine sehr harte Marschroute. Wenig Konzept, wenig Fußball, sehr viel Härte.“ So musste Kapitän Mirlind Kamberi schon nach 27 Minuten mit einer Knöchelverletzung ausgewechselt werden. Spätestens ab dem Botnanger Ausgleich zum 1:1 durch Luis Steinbach lagen die Nerven blank. Zuffenhausen wollte den Ball nicht rausrücken, die Heimelf das Spiel schnell machen. In der folgenden Rangelei zog sich unter anderem Botnangs Yassine Arich eine Platzwunde am Kopf zu, spielte danach mit Verband. Mehrere Bankspieler beider Seiten stürmten zudem das Feld. Nach einer zehnminütigen Unterbrechung wurde das Spiel fortgesetzt. Prompt flog SSV-Spieler Rick Hachenbruch mit Gelb-Rot wegen Meckerns vom Platz, ehe Botnang am Ende einmal mehr per Comeback die Punkte eintütete.

Auf der anderen Seite ist sich Zuffenhausens Co-Trainer Nevzat Dursun sicher: „Spielerisch waren wir auf Augenhöhe, ein Punkt wäre mindestens drin gewesen.“ Genauso wie Schweizer haderte er mit Inkonsequenz des Schiedsrichters, kreidete vor allem den Pfiff zum Handelfmeter an. „Niemals war das ein Elfer.“ Botnangs Marvin Dickmann war’s egal, er schob zur späten 2:1-Führung der Gastgeber ein. „Wir wollten ihnen eigentlich die Meisterfeier nächste Woche verderben, aber Botnang hat es auch gut gemacht“, lautet Dursuns Fazit.

Tore: 0:1 Detloff (46./Eigentor), 1:1 Daniel Schweizer (75.), 2:1 Dickmann (90.+9), 3:1 Daniel Schweizer (90.+10)

Besonderes: Gelb-Rot für Zuffenhausens Hachenbruch wegen Meckerns (90.)

Türkspor – SG Weilimdorf 4:2

Türkspor fährt die Punkte ein und wahrt die letzte Hoffnung auf die Meisterschaft. Jene ist freilich nur noch theoretischer Natur. „Dass Botnang in den letzten beiden Spielen zwei Mal patzt, glaube ich nicht“, sagt auch Memik Erdogan, Trainer der Roten. Obendrein hat das Sportgericht, wie erwähnt, das zu erwartende Urteil bezüglich des Spiels gegen den TV89 Zuffenhausen vor zwei Wochen gefällt: Wegen unzulässigen Einsatzes eines Jugendspielers auf Türkspor-Seite wurde das Spiel mit 3:0 für die Zuffenhausener gewertet. Sportlich hatten sich die Teams mit 2:2 getrennt, dem Tabellenvize wird also ein Punkt abgezogen. Der Rückstand auf den Spitzenreiter beträgt nunmehr sechs Punkte.

Gegen Weilimdorf hatte indes der Schiedsrichter beziehungsweise dessen Fernbleiben für kollektives Augenreiben gesorgt. „Zehn, fünfzehn Minuten vor Anpfiff haben wir uns gefragt: Wo ist der Schiri?“, erzählt Erdogan. Auch eine telefonische Rücksprache brachte keine Erklärung, also entschieden sich die Mannschaften einvernehmlich, einen Zuschauer und Türkspor-Vereinskollegen pfeifen zu lassen. „Er hatte glaube ich nicht mal Karten, die hat er aber auch nicht gebraucht“, meint Philip Baltsios, Trainer der Gäste. „Es war ein sehr faires Spiel von beiden Seiten und der Schiedsrichter hat einen super Job gemacht.“

Ähnlich sah es Erdogan, der ausführt: „Es war ein richtig gutes Kreisliga-Spiel. Weilimdorf hat es stark gemacht, aber am Ende hat unsere größere Erfahrung den Ausschlag gegeben.“

Indes laufen die Arbeiten am Kader auf Hochtouren: Mit Emre Tüter, Elmedin Sovtić und Emir Dogansoy gab der Verein jüngst die ersten Neuzugänge für die kommende Saison bekannt. Alle drei kommen vom Kreisliga-B-Ligisten Stuttgarter SC und sind als Perspektivspieler eingeplant. Zudem gibt es bislang – abgesehen von Fatih Özkahraman (als Spielertrainer zu Türkspor Nürtingen) – keine Abgänge.

Tore: 0:1 Marinovic (15.), 1:1 Capar (23.), 2:1 Akcan (27.), 2:2 Üblacker (67.), 3:2 Akcan (68.), 4:2 Capar (72.).

Besonderes:

SG Untertürkheim – SV Prag 3:4

Im Abstiegskampf fallen die nächsten Entscheidungen. Durch den Sieg beim Kellerkind macht der Aufsteiger aus Prag den Klassenverbleib quasi fix. Zwei Spieltage vor Schluss beträgt der Vorsprung auf den Relegationsplatz sechs Punkte, bei zudem deutlich besserem Torverhältnis. Gleichzeitig verpasst der Tabellenelfte dem Gegner aus Untertürkheim den endgültigen K.o.: Der Tabellenvorletzte kann sich nicht mehr retten, wird den bitteren Gang in die unterste Etage des Fußballs antreten müssen. „Das war die letzte Chance“, weiß auch Trainer Christos Kolokotronis. Im Spiel schienen die Hoffnungen bereits nach einer halben Stunde begraben. 0:3 lagen die Seinen bereits hinten, auch ein Aufbäumen in Hälfte zwei änderte am Ende nichts mehr. Erst vor einem Jahr aus der Bezirksliga abgestiegen geht es also im Direktverfahren in die Kreisliga B. Die Erklärung für den Absturz: „Wir haben im letzten Sommer 16 Spieler verloren. Mit einer komplett neuen Truppe war es in der Hinrunde schwierig“, konstatiert Kolokotronis. Hoffnung – auch für die Zukunft eine Etage tiefer – könnte aber die Spielzeit seit dem Jahreswechsel machen. „In der Rückrunde kann ich den Jungs keinen Vorwurf machen“, sagt der Coach.

Die Marschroute mit Blick auf die kommende Saison: „Wir müssen schauen, dass wir so viele Spieler wie möglich halten.“ Immerhin wird der Trainer selbst den Untertürkheimern definitiv erhalten bleiben. „Der Verein schenkt mir das Vertrauen und dann kann ich die Mannschaft nicht im Stich lassen“, führt Kolokotronis aus.

Tore: 0:1 Kress (9.), 0:2 Kress (20.), 0:3 Raiser (30.), 1:3 Altogby (47.), 2:3 Wittmann (61., Foulelfmeter), 2:4 Raiser (75.), 3:4 Antoniou (90.+3).

Besonderes:

OFK Beograd – TV89 Zuffenhausen 6:2

In einem sportlich irrelevanten Spiel haben die Beograder noch mal eine Duftmarke gesetzt. Beim Kantersieg gegen den Tabellennachbarn trafen Nikola Lakovic und Ratko Milic jeweils doppelt, zudem brachte Ivan Percobic einen direkten Freistoß zum 2:0 im gegnerischen Tor unter. „Ich habe nicht erwartet, dass wir so hoch gegen Zuffenhausen gewinnen“, zeigt sich Coach Bojan Nikolic erwartet, „gerade nach dem schwachen Spiel gegen Mühlhausen.“ Jenes war am vergangenen Donnerstag mit 1:2 verloren gegangen. In Anbetracht des dünnen Kaders hatte er die eigentlich ausgemusterten Dimitrije Pantic und Nebojsa Turinski mobilisiert. Nicht mit von der Partie waren unter anderem Uros Babic, Nikola Kupresanin und Maksimilian Stevanovic. „Die Jungs haben richtig Charakter gezeigt und wollten von Anfang an gewinnen“, war der Trainer zufrieden.

„Wir haben quasi das ganze Spiel hergeschenkt“, erzählt derweil Yavuz Tepegöz, Trainer der Zuffenhausener. „Erst hat die Mannschaft Geschenke verteilt, dann der Schiri.“ Sei das dritte Gegentor noch klares Abseits gewesen, verschuldete der eigene Keeper Antonios Tsiouralis unter anderem ein Tor, ehe er – ohnehin angeschlagen – in der Pause ausgewechselt wurde. Aus Mangel an gelernten Keepern stand fortan Abwehrspieler Jörg-Andre Burkart im Kasten – und auf verlorenem Posten. Hier ein Patzer beim Fernschuss von Beograds Ratko Milic zum 4:1, da ein Kullerball-Treffer ohne eigenes Eingreifen (5:1); es war ein gebrauchter Tag. „Ich kann es ihm nicht übel nehmen, er hat keine Torwartausbildung“, sagt Tepegöz. Sein Spielfazit: „Das Ergebnis ist etwas hoch ausgefallen, aber insgesamt haben es beide Mannschaften entspannt runtergespielt.“

Tore: 1:0 Lakovic (30., Foulelfmeter), 2:0 Percobic (43.), 3:0 Lakovic (45.+1), 3:1 Tabar (48.), 4:1 Milic (49.), 5:1 Milic (60.), 6:1 Rade Lazic (64.), 6:2 Weiss (80.).

Besonderes:

TSV Mühlhausen – TB Untertürkheim 1:3

Der TB Untertürkheim hat den Klassenverbleib in der Tasche. Nach dem Sieg über Mühlhausen kann der Tabellenachte, der zwischenzeitlich auf Rang zwölf abgerutscht war, also auch in der kommenden Saison mit der Kreisliga A planen. Coach Ivo Ilijasevic ist die Erleichterung anzumerken: „Es ist ein mega Gefühl. Endlich ist die Anspannung, die wir in den letzten Spielen hatten, weg.“ Gegen die Mühlhausener erlebte er eine Partie mit Höhen und Tiefen. In Hälfte eins sah er einen starken Gegner, der mit einer verdienten Führung in die Pause ging. Dann aber sorgten die Seinen mit einem Doppelpack von Yannick Riess-Morales und Marvin Wolf per Handelfmeter für den Auswärtsdreier. „Wir haben die Tore gemacht und deswegen verdient gewonnen“, sagt Ilijasevic über das Spiel.

Kontrastreich hingegen die Aussage des gegnerischen Trainers: „Es war ein absolut unverdienter Sieg für TBU. Sie haben es allein Marcel Janik zu verdanken, dass sie nicht haushoch verloren haben“, ist sich Armend Mehmeti sicher. Jener Torwart der Gäste habe mit zahlreichen Glanzparaden die Heimelf in schiere Verzweiflung getrieben. „Ich bin immer noch wütend und weiß selber nicht, wie wir dieses Spiel verlieren konnten“, lässt der Coach Dampf ab. Auch mit mehreren Entscheidungen des Schiedsrichters war er nicht einverstanden: „Er hat an sich kein schlechtes Spiel gemacht, aber uns bei einem Abseitspfiff und beim Elfmeter klar benachteiligt.“ Nichtsdestotrotz blickt er auf eine „überragende Rückrunde“ seiner Mannschaft, die sich ihren sechsten Tabellenplatz verdient habe und weitere positive Nachrichten parat hat: Mit Blick auf die kommende Saison bleibt – Stand jetzt – die ganze Truppe an Bord.

Tore: 1:0 Rück (45.+1), 1:1 Riess-Morales (63.), 1:2 Wolf (73., Handelfmeter), 1:3 Riess-Morales (82.).

Besonderes:

MTV Stuttgart II – PSV Stuttgart 6:1

Mit aller Macht drängen die Kräherwald-Kicker aus dem Tabellenkeller. Das 6:1 gegen „die Polizisten“ bedeutet den vorläufigen Höhepunkt einer Serie von vier Siegen in Folge. Aktuell muss sich der MTV II in der Formtabelle nur den Botnangern geschlagen geben. „Das Selbstvertrauen kommt wieder und wir nutzen besser unsere Chancen“, beschreibt Co-Trainer David Forderer den Höhenflug, zu dem gegen den PSV mit Fabio Baldi und Daniel Henschke auch zwei Spieler der ersten Mannschaft beitrugen. Forderer selbst stand dagegen nicht an der Seitenlinie, feuerte stattdessen zusammen mit Vereinskollegen in Berlin den VfB an. „Ich hab’ versucht, die Jungs am Sonntagmorgen zu überreden, früh loszufahren. Dann hätte es für den MTV noch gereicht“, erzählt Forderer gut gelaunt, „aber morgens um sechs ist das nach so einer Nacht ziemlich schwierig.“

Zwei Punkte beträgt aktuell der Rückstand auf den Relegationsplatz, das Momentum im Tabellenkeller ist indes klar auf Seiten des MTV. Allerdings stehen mit dem SSV Zuffenhausen und dem ASV Botnang zwei Liga-Schwergewichte im Restprogramm. Mit dem Mute der Verzweiflung sagt Forderer: „Wir wollen die beiden Spiele gewinnen, ansonsten haben wir wahrscheinlich kaum noch Chancen.“

Positives gibt es derweil in puncto Kaderplanung zu berichten. Unabhängig von der künftigen Klassenzugehörigkeit hat Stammkeeper Fabian Rottmann und dessen Ersatz, Jakob Soukop, für die kommende Saison zu gesagt. Gleiches gilt für Benjamin Zimmermann.

Für den PSV scheint es hingegen nur noch in eine Richtung zu gehen: abwärts. Nach der siebten Niederlage in Folge hat sich jetzt auch der jüngste Gegner vom Kräherwald an den Cannstattern vorbeigeschoben. Ebenso wie diesen trennen zwei Punkte den PSV vom Relegationsrang, bei allerdings deutlich schlechterer Tordifferenz.

Tore: 0:1 Mulalic (6.), 1:1 Schwägerl (32.), 2:1 Wachtmeister (34.), 3:1 Baldi (41.), 4:1 Brayton-Brown (53.), 5:1 Wachtmeister (55.), 6:1 Schwägerl (80.).

Besonderes:

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