Fußball-Landesliga: 16. Spieltag MTV-Frustnachricht vor dem Kellerduell – und ein wütender Trainer Sarajlic

Wer liefert zum Abschluss? Die Trainer Slobodan Markovic, Björn Lorer und Predrag Sarajlic (von links) sind mit ihren Teams unter Zugzwang. Foto: Archiv/Günter Bergmann

Das Trio TSV Plattenhardt, MTV Stuttgart und TV Echterdingen steht zum Abschluss vor der Winterpause unter Zugzwang. Der Echterdinger Coach wählt eine ungewöhnliche Maßnahme.

Lokalsport : Franz Stettmer (frs)

Ende gut, alles gut? Nein, das sicher nicht. So viel steht schon vor dem letzten kompletten Spieltag dieses Kalenderjahrs fest. Dafür ist die Lage für alle drei Teams schlicht zu prekär. Immerhin aber haben der TV Echterdingen, der TSV Plattenhardt und der MTV Stuttgart an diesem Sonntag nun noch die Gelegenheit, sich mit positiven Signalen in die Winterpause der Fußball-Landesliga zu verabschieden – die beiden Letztgenannten dabei im direkten Abstiegskampf-Duell. Zuvor bittere Kunde für einen ihrer Kicker: Für ihn dürfte die Saison schon beendet sein.

 

TSV Plattenhardt – MTV Stuttgart (Sonntag, 14.30 Uhr)

Bis vor drei, vier Wochen wäre es noch der Krisengipfel schlechthin gewesen. Zwei Mannschaften im Pleiten-Pech-und-Pannen-Modus. Inzwischen haben sich die Dinge etwas relativiert. Aufatmen auf beiden Seiten – so kritisch die Tabellensituation bleibt, eine wieder Mut machende Trendwende scheint gelungen. Die Plattenhardter haben zuletzt aus vier Spielen sieben Punkte geholt und dabei gegen die Spitzenteams aus Köngen (2:2) und Eislingen (2:0) überrascht. Und der MTV? Nach zuvor sieben Niederlagen in Serie wirkten die beiden jüngsten Auftritte (5:3 gegen Sontheim, 0:0 in Köngen) wie Balsam auf wunden Spielerseelen.

Die spannende Frage für Sonntag ist nun: Wem der beiden gelingt es, den Aufschwung fortzusetzen? Wer rettet die Weihnachtsstimmung? Und für wen geht es gleich wieder zurück in den alten Frust? „Mit einem Sieg wären wir bei 20 Punkten. Damit ließe sich sagen: Insgesamt war dieses halbe Jahr nach dem Aufstieg in Ordnung“, sagt der Gastgeber-Trainer Slobodan Markovic. „Man braucht da nicht drumherum zu reden: Es sollte ein Dreier sein“, fordert derweil der Gäste-Gegenüber Björn Lorer, dies im Wissen: „Noch ist der Knoten nicht zu hundert Prozent geplatzt.“ Er und die Seinen werden definitiv auf einem Abstiegsplatz überwintern, doch bietet sich ihnen die Chance, den Abstand zum aktuellen Gegner auf drei Punkte zu verkürzen. Bedingung dafür: eben der erhoffte Auswärtserfolg.

Personell könnten die Voraussetzungen indes kaum konträrer sein. Hüben Markovic, der aus dem Vollen schöpft. Saisonpremiere zum jetzigen Rückrunden-Beginn: Erstmals hat er alle Spieler seines Kaders zur Verfügung. Auch der Kapitän Emre Göcer (nach Rotsperre) ist wieder eine Option. So verschärft sich der interne Konkurrenzkampf um die Startelfplätze. Aus der bisherigen zweiten Reihe machen laut Coach vor allem zwei Youngster Druck: Aaron Gruber und Othniel Boketsu. „Sie arbeiten gut und sind ganz nah dran“, sagt Markovic, „eigentlich hätten sie mehr Einsatzzeit verdient.“ Schon jetzt im Kellerduell?

Drüben dagegen hält für Lorer in rein personeller Hinsicht die Malaise unverändert an. Auch diesmal muss er improvisieren. Die größte Baustelle tut sich in der Innenverteidigung auf: Dort bricht nun auch noch Sebastian Oehme (privat verhindert) weg. Nicht nur das: Eine bittere Nachricht aus dem Lazarett kommt hinzu. Bei Egzon Sufaj wurde mittlerweile ein Knorpelschaden im Knie diagnostiziert. Die Tendenz: Der Routinier muss unters Messer, was wohl gleichbedeutend mit dem vorzeitigen Saison-Aus für ihn wäre.

Torhüter-Entscheidung wohl gefallen

Fürs Tor hofft Lorer noch auf eine rechtzeitige Gesundmeldung von Fabian Rottmann (grippaler Infekt). Nachdem der eigentliche Zweite-Mannschaft-Keeper zuletzt zweimal als Aushilfe überzeugte, verdichten sich die Anzeichen für eine dauerhafte Beförderung des 26-Jährigen. Auch, weil die Rechnung mit dem im Sommer als neue Nummer eins verpflichteten Khalil Lalo nicht aufgegangen ist. Zu schwankend waren dessen Leistungen. Zuletzt fehlte er zudem angeschlagen.

Lalos Zukunft? „Darüber müssen wir intern noch sprechen“, sagt Lorer. Im Fall einer Trennung hätte der MTV in der Winterpause auf dem Spielermarkt auch nach einem weiteren Torhüter Ausschau zu halten. Für mehrere andere Positionen, insbesondere Abwehr- und Mittelfeld-Zentrale, will der Kräherwald-Club dies ohnehin tun.

In dieser Hinsicht wiederum eine Gemeinsamkeit mit dem Kontrahenten Plattenhardt. Auch er sucht. Markovics Wunsch lautet: „Zwei erfahrene Spieler“, in seinem Fall für die Sechserposition zur Entlastung des dortigen Strippenziehers Pierre Eiberger sowie für die Außenbahn. Zumindest den Abteilungsverantwortlichen beider Vereine wird also auch nach dem letzten Pflichtspiel 2025 dieses Wochenendes die Arbeit nicht ausgehen.

TV Echterdingen – FV Neuhausen (Sonntag, 14.30 Uhr)

Tief, tiefer, am tiefsten – gibt es dazu eigentlich noch eine Steigerung? Im Fall des TV Echterdingen ja. Auf dem nach unten offenbar grenzenlosen Stimmungsbarometer haben die Gelb-Schwarzen jedenfalls einen weiteren gefühlten Negativrekord erreicht. So sehr der 2:1-Auswärtscoup in Waldhausen neue Hoffnung aufkeimen lassen hatte, so sehr hat vor Wochenfrist das 2:5-Heimdebakel gegen den TSV Bad Boll allen Beteiligten sogleich wieder den Boden unter den Füßen weggezogen.

„Es ist gerade sehr deprimierend. Ich persönlich bin froh, wenn jetzt dann Winterpause ist“, sagt Phillip Wunsch, der Echterdinger Fußballchef. In eine ähnliche Kerbe schlägt der Nach-wie-vor-Interimstrainer Predrag Sarajlic, der nun zum Abschuss vor der Winterpause auf „ein wenigstens noch kleines Erfolgserlebnis“ hofft. Freilich: dies in der schmerzenden Gewissheit, dass sich kurzfristig an diesem gänzlich verkorksten Sportjahr 2025 des Filderclubs kaum noch etwas reparieren lässt.

Wunschs Devise lautet: „Jetzt dieses letzte Spiel noch herumkriegen, dann müssen wir uns nächste Woche zusammensetzen, alles bewerten und schauen, wie es weitergeht.“ Vor allem auch in der mittlerweile leidigen Trainerfrage. Ein Nachfolger für Sarajlic scheint trotz mittlerweile sechswöchiger Suche weiterhin nicht in Sicht. Für Sarajlics eigene Hoffnungen auf eine dauerhafte Beförderung dürfte die jüngste Darbietung seiner Elf der K.-o.-Schlag gewesen sein – obgleich dies von Vereinsseite noch keiner der Verantwortlichen so kund tun mag. Auch dem 46-Jährigen ist es nicht gelungen, die Mannschaft zu stabilisieren.

„Konstanz ist ein Fremdwort für die Truppe“, konstatiert der Coach selbst merklich angefressen. Bei der Ursachenforschung nimmt er kein Blatt mehr vor den Mund. Wie das krasse Leistungsgefälle von einer Woche zur anderen zu erklären ist? Heute pfui, morgen hui. Ersteres freilich viel zu selten. Scharf fällt Sarajlics Analyse aus: „Bei einigen Spielern ist es eine Einstellungsfrage – sie tun sich schwer, die benötigte Laufbereitschaft einzubringen. Bei anderen muss man dagegen auch die Qualitätsfrage stellen.“

In dieser Woche wartete Sarajlic mit einer ungewöhnlichen Maßnahme auf: Am Montag ließ er das Training ausfallen, nachdem klar gewesen war, dass lediglich neun Kicker zugegen gewesen wären. Alle anderen: verletzt, krank, schulisch verhindert oder beruflich verhindert. Nun droht auch noch der Ausfall des Torjägers Laurenziu Biemel (Wadenzerrung).

Somit also alles andere als gute Vorzeichen auch für das Kräftemessen am Sonntag mit dem Tabellenzehnten FV Neuhausen– und zugleich das Wiedersehen mit einem alten Bekannten. Trainer beim Gegner ist seit zweieinhalb Jahren Ugur Yilmaz. Jener Yilmaz, der die Echterdinger in der Saison 2022/2023 mit 28 Toren zum Verbandsliga-Aufstieg schoss. Was waren das noch für Zeiten in den Goldäckern! Welch Kontrast zur heutigen tristen Realität.

1. FC Eislingen – TSV Bernhausen (Samstag, 14.30 Uhr)

Vorschau zum Verfolgerduell siehe hier.

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