Fußball-Landesliga Baustellen rund um den 100-Tore-Sturm

Das Aufgebot des TSV Plattenhardt für die Landesliga. Oben von links: Luka Gyselincks, Mark Hörz, Emre Göcer, Willy Vöhl, Othniel Boketsu, Nemanja Markovic, Ekrem Servi und Aaron Gruber. Mitte von links: Physiotherapeutin Julia Pausch, Abteilungsleiter Matthias Dieringer, Jamie Luke Straub, Tom Eichhorn, Tizian Beinschrodt, Trainer Slobodan Markovic und Torwarttrainer Heinz Haase. Unten von links: Danijel Zugac, Devrim Sefer, Fabijan Krpan, Kristian Grbic, Dario Blazek, Tim Dieringer und Aristidis Perhanidis. Foto: Günter Bergmann

Vor dem Saisonstart hat sich beim Aufsteiger TSV Plattenhardt in die „riesige Vorfreude“ ein mulmiges Gefühl gemischt. Vom Trainer ist in seinem Traumangriff Kreativität gefragt.

Lokalsport : Franz Stettmer (frs)

Wie lautete doch gleich die verbale Spitze, die der damalige FC-Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge einst in Richtung seines Starcoachs Ottmar Hitzfeld setzte? „Fußball ist keine Mathematik.“ Schade eigentlich, könnte man im Fall des TSV Plattenhardt anmerken. Denn ließe sich eins und eins so einfach zusammenzählen, welch Hochrechnung wäre möglich? Es wäre eine, bei der den eigenen Fans das Wasser schon einmal im Mund zusammenlaufen dürfte und die Konkurrenz wacklige Knie bekommen müsste.

 

Mit stolzen 115 Saisontoren haben die Filderstädter sich zum letztlich souveränen Landesliga-Wiederaufstieg geballert. Nach zweijähriger Absenz sind sie damit mehr oder weniger pflichtgemäß in jener Spielklasse zurück, die im Weilerhau dem vereinsinternen Selbstverständnis entspricht. Und in die am nächsten Wochenende beginnende neue Runde geht die Mannschaft nun mit einer Angriffsreihe, die rein zahlenmäßig ihresgleichen sucht: Zum amtierenden Schützenkönig Aristidis Perhanidis und dessen Nebenmann Ekrem Servi ist aus Vaihingen quasi als Topping auch noch das von diversen Vereinen umworbene Knipser-Toptalent Fabijan Krpan hinzugekommen. Ja, die Plattenhardter sind es, die das Rennen um den wohl begehrtesten Spieler ihrer bisherigen Staffel gemacht haben. Einzelbilanzen addiert, hat im Ligajahr 2024/2025 allein dieses erwähnte Trio zusammen 98-mal (!) eingenetzt. Wenn das also kein Versprechen ist. „Vorne“, sagt der Plattenhardter Fußballchef Sascha Krammer denn auch im Brustton der Überzeugung, „sind wir brutal stark aufgestellt“. Mit den „dortigen Jungs“, schätzt er, „werden wir unseren Spaß haben“.

Und dennoch: In die laut Krammer „riesige Vorfreude“ hat sich ein etwas mulmiges Gefühl gemischt. Schließlich hat die Vorbereitungsphase in eher ernüchternder Weise gezeigt, was im Prinzip eh jeder wissen musste: Allein im Sturm und noch weniger allein auf dem Papier gewinnt man keine Spiele. Von neun Testpartien hat das Aufgebot des Trainers Slobodan Markovic nur eine als Sieger beendet, wenigstens noch die letzte am Samstag mit einem 2:0 in Rutesheim. Ansonsten steht für Krammer die verstärkte Gewissheit: „Die Landesliga wird alles andere als ein Kinderspiel.“ Unstrittig ist für ihn spätestens jetzt aufgezeigt: „Gehen wir nicht in jede Begegnung mit 100 Prozent, werden wir nicht viel holen.“

Offensichtlich wurde gegen Kontrahenten aus der fortan eigenen Preisklasse, dass vor allem in den Bereichen Spieltempo, Handlungsschnelligkeit und Umschaltverhalten noch Luft nach oben ist. Vorbei die Zeiten, in denen die Plattenhardter eher gemächlich ihre Angriffswucht inszenieren konnten. Gegen früh pressende Gegner stotterte der Spielaufbau. Und: Nach Ballverlusten wirkte es mitunter so, als wäre das eigene Team noch dabei, Beine zu entknoten und Gedanken zu sortieren, als die andere Seite bereits den Turbo zündete.

In der Summe hält Krammer den eigenen Kader aber allemal für ligatauglich. Auch, weil einige der Jungen gerade die nächsten Entwicklungsschritte machen – Beispiel Tom Eichhorn (19), der zuletzt in der Innenverteidigung als Ersatz für Oliver Grun (acht Wochen Studienaufenthalt in Brasilien) persönliche Pluspunkte sammelte. Und auch wenn der ein oder andere Wunschtransfer gleichzeitig gescheitert ist. Von den umworbenen Denis Lübke (nun weiter 1. Göppinger SV), Luis Miguel Pereira Almeida (nun FC Esslingen) und Georgios Kaligiannidis (nun Calcio Leinfelden-Echterdingen) handelten die Plattenhardter sich Absagen ein. Auf Ausschau sind sie nun noch nach einem gestandenen Spieler für die Sechserposition.

Einstweilen ist der eingangs erwähnte Youngster Krpan der einzige Neue mit promptem Startelfpotenzial, wobei man sich beim Filderclub durch die ein oder andere unkende Stimme aus dem Umfeld nicht irritieren lassen mag. Tenor: Bei allem „Wow“ über diesen Wechselcoup – wo und wie will der Coach Markovic eigentlich alle seine Kanonen in einer Aufstellung unterbringen? Kann das überhaupt gehen?

Auch in dieser Hinsicht haben die Wochen seit Trainingswiederbeginn Aufschlüsse gebracht. Antwort: ja, es kann – irgendwie. Teils versuchte es Markovic mit einer offensiven Dreierreihe, teils mit einer Postenverteilung auf die Flügel oder die Zehn. Klar ist unabhängig davon: Die routinierte Achse auf dem Feld sollen weiterhin sein Bruder Nemanja als Abwehrchef, Pierre Eiberger und der Kapitän Emre Göcer im zentralen Mittelfeld sowie der Scorer Perhanidis bilden. Insbesondere den Letztgenannten nimmt Krammer in die Pflicht. „Er muss nun zeigen, dass er nicht nur der Bezirksliga-König ist, sondern auch in der Landesliga funktioniert“, sagt der Fußballchef mit Blick auf seinen Torjäger, in dessen sportlicher Vita ein Durchbruch auf Verbandsebene bislang fehlt.

Aber das kann sich ja nun wie gesagt ändern. Ein echter Gradmesser wird gleich das Auftaktspiel: Der Aufsteiger muss am Sonntag (15 Uhr) beim Vorjahresvierten MTV Stuttgart ran. Es soll Schritt eins sein auf dem Weg zum angepeilten einstelligen Tabellenplatz, mithin dem Klassenverbleib. „Pendeln wir uns in den nächsten zwei, drei Spielzeiten zwischen den Rängen sechs und zehn ein und haben nichts mit dem Abstieg zu tun, wäre ich sehr zufrieden“, sagt Krammer.

Wie viele Punkte es dafür brauchen wird, mal schauen. Die Tatsache, dass es zwar nur zwei, aber theoretisch auch bis zu sieben Absteiger geben kann, hat Krammer ein bisschen erschreckt. Und das wäre dann ja auch fast schon wieder Mathematik.

Weitere Infos

Zugänge
Fabijan Krpan (SV Vaihingen), Othniel Boketsu (FC Esslingen), Konstantinos Mylonas (eigene zweite Mannschaft).

Abgänge
Alperen Albayrak (spielender Co-Trainer Türkspor Nürtingen 73), Daniel Wagner (Karriereende).

Trainer
Slobodan Markovic (seit September 2024).

Saisonziel
ein einstelliger Tabellenplatz (Platzierung in der vergangenen Saison: 1. Bezirksliga Stuttgart/Böblingen).

Meistertipp
SV Waldhausen.

Abstieg
Möglich sind zwei bis theoretisch sieben (!) Direktabsteiger. Abhängig ist die Zahl davon, wie viele Mannschaften des Landesliga-2-Staffel-Gebiets aus der übergeordneten Verbandsliga absteigen. Zwei gilt, falls keine. Drei bei einem oder zwei relevanten Absteigern von „oben“. Bei jedem weiteren erhöht sich die Zahl entsprechend. Bestenfalls spielt also der Tabellenvierzehnte in der Relegation um den Klassenverbleib. Deren Termine: 13./14. und 21. Juni.

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