Fußball Landesliga Beim TSV Heimerdingen zählen jetzt keine Ausreden mehr

Der TSV Heimerdingen mit Gabriel Fota (vo.) muss sich strecken, um den zweiten Abstieg in Folge zu vermeiden. Foto: Pressefoto Baumann

Der TSV Heimerdingen kämpft gegen den Abstieg – Sportdirektor Daniel Riffert erläutert, warum kein Neuzugang verpflichtet wurde und dass das Vertrauen in den Coach besteht.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

18 Punkte hat Verbandsliga-Absteiger TSV Heimerdingen auf dem Konto – wenn es dumm läuft, könnte der Club in die Bezirksliga durchgereicht werden. Sportdirektor Daniel Riffert hat Team und Trainer mit klaren Worten auf den Start im Jahr 2026 eingeschworen, der mit dem Spiel bei Tabellenführer FV Löchgau an diesem Freitag (19.30 Uhr) beginnt.

 

Herr Riffert, was treibt ein Sportdirektor in der Winterpause?

Für Fußballer ist Pause, aber für mich nicht. Mit der Abteilungsleitung bespricht man, wie war die Vorrunde, wie ist die Ausrichtung in der Rückrunde, wie ist die Sichtweise, was die neue Saison betrifft. Klar, probiert man in der Winterpause, noch den einen oder anderen Neuzugang zu bekommen.

Der TSV hatte zwei Abgänge, aber keine Neuzugänge.

Ein Neuzugang sollte schon Sinn machen im Winter. Wenn man einen Wechsel vollzieht, muss es die Mannschaft weiterbringen. Aber es ist halt auch so: Spieler, die sich im Winter anbieten, tun das sicher nicht, weil sie in ihren Clubs 15 Mal von Anfang an gespielt haben, sondern eher Ergänzungsspieler sind. Wir hatten einige Trainingsgäste, aber es war keiner dabei, wo wir überzeugt waren: Der bringt uns auf jeden Fall weiter.

Sportdirektor Daniel Riffert (re.) setzt auf die Rückkehr der drei Langzeitverletzen. Foto: Pressefoto Baumann

Und die Abgänge Marc Geist und Marco Wanes kann der TSV kompensieren?

Na ja, im Grunde haben wir mindestens zweieinhalb Neuzugänge. Filip Milos und Martin Kuchtanin kehren zurück – Filip hat in der Vorrunde gar kein Spiel gemacht, Martin eineinhalb. Sie waren in der Vorbereitung an Bord, und bei Lars Ruckh hoffen wir, dass er Ende März spätestens wieder eingreifen kann. Damit haben wir wieder viel Qualität am Start, die uns einfach gefehlt hat.

In der Vorbereitung gab es drei Siege, ein Remis und eine Niederlage ganz zu Beginn. lief, eine Niederlage gleich zum Auftakt, aber Welches Fazit ziehen Sie?

Die Vorbereitung ist immer schwierig einzuordnen. Man testet viel, man will jedem Einsatzzeit geben – aber teilweise sind Spieler ausgefallen, weil sie samstags mussten. Dann hatten wir mit zwölf, dreizehn Feldspielern relativ wenig Leute zur Verfügung. 

Und jetzt geht es zum FV Löchgau, dem ungeschlagenen Tabellenführer.

Es ist grundsätzlich egal, gegen wen wir spielen. Wir haben die Aussage getroffen, dass wir nicht absteigen wollen. Da zählen nur Punkte, egal wie der Gegner heißt. Wir haben 18 Punkte, jetzt gilt es, dass wir weitere Punkte einfahren, um so schnell wie möglich nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben.

Ist das vielleicht sogar so, dass man da das Team befreiter aufspielen kann, weil der Druck des Gewinnen-Müssens nicht ganz so hoch ist?

Ich sage mal so: Wenn wir am vorletzten Spieltag dort spielen müssten, wäre das kein Unterschied. Es ist egal, ob das Spiel gegen den Tabellenführer am Anfang steht oder ob es erst in zehn Wochen stattfindet. Und es ist egal, ob es jetzt gegen den Aufstiegsaspiranten geht oder gegen ein Team, das weiter unten in der Tabelle steht. Natürlich wird es schwierig, aber ich hoffe, dass jeder Einzelne vom Trainerteam bis zu den Betreuer und Spielern kapiert hat, dass es für uns nicht mehr um schönen Fußball geht, sondern einfach um das knallharte Tagesgeschäft: Und das heißt Punkte holen.

Sind Sie überzeugt, dass alle wissen, worum es für den TSV Heimerdingen geht?

Natürlich denke ich das. Aber wir haben einfach nicht mehr viel Zeit, es sind nur noch 14 Spiele. Die Art und Weise, wie die Mannschaft auftritt, ist uns extrem wichtig. Wenn du unglücklich verlierst, alles reingeworfen hast, dann sagt keiner was. Es ist eine Einstellungssache, eine Willenssache. Wenn ein Gegner mal wirklich besser ist, sagt man auch nichts – aber bei uns zählen jetzt einfach keine Ausreden mehr.

Wie sehr greifen Sie ins operative Geschäft ein?

Ich haben schon letztes Jahr immer wieder mit dem Trainerteam und der Mannschaft gesprochen habe. Das muss man! Ich bin noch einer vom alten Schlag. Mich hat ein Trainer nicht brutal animieren müssen, wenn ich auf dem Platz gestanden bin, dann wollte ich das Spiel gewinnen und habe reingeworfen, was geht. Die Zeiten haben sich irgendwie geändert. Heute muss man mehr mit den Leuten sprechen.

Es gibt keine Trainerdebatte beim TSV: Die Verantwortlichen haben Markus Koch (2. v. li.) ihr Vertrauen ausgesprochen. Foto: Baumann/Alexander Keppler

Mit welchem Ziel?

Wie gesagt, da darf sich keiner rausnehmen, wir müssen jetzt liefern. Es geht darum, dass wir Konstanz reinbringen und nicht nur solche Eintagsfliegen liefern. Da hauen wir Satteldorf 5:0 weg und verlieren eine Woche später beim damaligen Schlusslicht Pleidelsheim mit 3:4. Es geht um den Verein. Ein Spieler kann angepisst sein, wenn er nicht spielt – dann aber auf den Trainer und nicht auf die Teamkollegen.

Wie eng ist Ihr Austausch mit Trainer Markus Koch?

Bei zwei von drei Trainingseinheiten bin auch ich anwesend, klar unterhalten wir uns regelmäßig. Auch Markus ist alles andere als zufrieden, wie es gelaufen ist. Aber so ist das Business in jeder Sportart: Es zählen nur Erfolge.

Martin Kuchtanin (li.) soll mit seiner Energie und Dynamik das Spiel des TSV beleben. Foto: Baumann/Alexander Keppler

Markus Koch hat das Vertrauen der Abteilungsleitung?

Wir sind schon vor der Winterpause in die Analyse gegangen sind und haben beschlossen, mit ihm in die Rückrunde zu gehen. Wäre kein Vertrauen mehr dagewesen, hätten wir schon im Winter reagieren müssen. Aber die Abteilungsführung kann nicht einfach nur zuschauen und hoffen, dass es vielleicht am letzten Spieltag oder am vorletzten Spieltag funktioniert – sowohl die Mannschaft als auch das Trainerteam müssen jetzt Ergebnisse liefern.

Wenn das nicht passiert, welche Maßnahme kann der TSV dann noch ergreifen? Könnte ein Daniel Riffert noch mal wie vergangene Saison als Coach einspringen?

Immer wieder wie ein Flummi reinspringen, wenn es nicht funktioniert, das mache ich nicht. Ich habe mit dem, was ich als Sportdirektor mache, genug zu tun – Stand jetzt haben wir keine Trainerdiskussion, aber wir müssen natürlich schauen, wie sich die nächsten Spiele entwickeln. Wir haben intensiv mit der Mannschaft und dem Trainerteam gesprochen. Wir haben klar gesagt: Wir haben noch 14 Spiele und wir wollen auch nächstes Jahr in der Landesliga spielen.

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