Fußball-Landesliga „Bezirksliga-Niveau“ – Die Defensive des TV Echterdingen zerfällt erneut

Die Echterdinger Verteidigung um Kapitän Marvin Kuhn (rechts) hatte gegen Bad Boll oftmals das Nachsehen. Foto: Günter Bergmann

Der TV Echterdingen zeigt gegen den TSV Bad Boll eine desolate erste Hälfte und erlebt mal wieder ein Heimdebakel. Der Trainer des Fußball-Landesligisten stellt die Qualitätsfrage.

Sport: Marius Gschwendtner (mgs)

In der Halbzeitpause bewarb der Stadionsprecher des TV Echterdingen eine anstehende Comedy-Veranstaltung des Vereins. Doch viel zu lachen gibt es beim Fußball-Landesligisten aktuell nicht. Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt setzte es am Sonntagnachmittag gegen den TSV Bad Boll erneut ein 2:5-Heimdebakel.

 

„Wir zeigen dieses Schema schon die ganze Saison. Ein gutes Spiel und danach vergisst die Mannschaft, was sie gut gemacht hat“, ärgert sich der Interimstrainer Predrag Sarajlic. Nach dem überraschenden 2:1-Sieg gegen den Vizemeister Waldhausen vergangene Woche, folgte nun eine enorm schwache Leistung gegen den Tabellenfünften Bad Boll. „Es ist wie wenn die Mannschaft beweisen möchte, dass sie es auch wieder schlechter kann“, poltert Sarajlic.

Bereits nach sechs Minuten gingen die Gäste in Führung. Fabio Malerba traf nach einem Steckpass von Noah Ascherl. Zehn Minuten später erzielte Laurenziu-Gheorghita Biemel den zwischenzeitlichen Ausgleich. Der Mittelfeldspieler verwandelte einen Foulelfmeter sicher links unten (18. Minute). Zuvor war er nach einem langen Ball selbst von Gäste-Keeper Pascal Greschner ungestüm abgeräumt worden. Dann fiel die Echterdinger Verteidigung auseinander und die Gäste drehten auf. Erst ließ sich Leo Milutinovic zu einfach von Baran Ates im Strafraum abkochen, die Vorlage des Topscorers versenkte Trainersohn Francisco Römpfer zur erneuten Führung (27.). „Solche Fehler wie der von Milutinovic darf man sich in der Liga nicht erlauben“, ärgert sich der Trainer über die Situation. Wenig später wurde Malerba im eigenen Strafraum nur alibimäßig angegriffen, über Lenny Mändle landete der Ball bei Yannick Ruther, der auf 3:1 erhöhte (39.). Drei Minuten später stand Noah Ascherl nach einem Schuss an den Pfosten von Ruther richtig und konnte unbedrängt zum 4:1 einschieben (42.). „Das hat mit Verteidigen in der Landesliga nichts zu tun“, sagt der ehemalige Stürmer Sarajlic.

In der Halbzeitpause hielt sich der Coach bewusst zurück. „Nach so einer Halbzeit kann ich nichts sagen, sonst würde ich ausfällig werden“, sagt Sarajlic. Außerdem wollte er sehen, ob es seine Mannschaft überhaupt störe, dass sie so schwach gespielt hatte und hinten liegt. „In der Kabine hat nur die Mannschaft untereinander kommuniziert“, berichtet der Coach. Und die klare Aussprache zeigte zunächst Wirkung. Die Echterdinger kamen deutlich aggressiver aus der Pause. Was Bad Bolls Coach Pascal Römpfer nicht überraschte: „Sie hatten nichts mehr zu verlieren. Wir haben mit dem Ergebnis im Hinterkopf vielleicht auch einen Schritt weniger gemacht.“ In der Folge verkürzte der TV Echterdingen auf 2:4. Florian Dölker traf nach einem langen Ball von Kapitän Marvin Kuhn (61.).

Zwar keimte beim TV Echterdingen dadurch noch einmal etwas Hoffnung auf, die Gäste verteidigten jedoch abgeklärt und setzten immer wieder Nadelstiche. In der 87. Minute sorgte Ates mit seinem 13. Saisontor für die Entscheidung. Der Kapitän vollendete einen Konter seines Teams zum 5:2 (87.). „Wir hätten das Spiel schon früher entscheiden können. Der Sieg geht auch in der Höhe in Ordnung“, sagt Röpfer.

Sein Gegenüber Sarajlic blieb ratlos im Sportpark Goldäcker zurück. „Ich verstehe meine Mannschaft nicht. Man predigt der Mannschaft Etwas, im Training bekommen sie es dann hin, auf längere Zeit aber nicht. Irgendwann ist es dann auch eine Qualitätsfrage“, berichtet der Echterdinger Trainer. Sein Team habe auf Bezirksliga-Niveau gespielt. Dieser kommt der Verbandsliga-Absteiger immer näher. Mit zwölf Punkten stehen die Echterdinger weiter auf dem 14. Platz und damit auf einem Abstiegsrang.

Echterdingens „Spieler des Spiels“

Wesley Acholonu (Nominierungen: 1). Der Youngster versuchte nach seiner Einwechslung viel in der Offensive, wagte immer wieder Dribblings. Dem Stürmer der zweiten Mannschaft fehlt es aber noch an Abgeklärtheit und Durchsetzungsvermögen auf Landesliga-Ebene.

TV Echterdingen: Gaspar – Handanagic, Milutinovic, Kuhn, Ziogos (83. Lucov) – Oguz, Pirracchio – Dölker (67. Acholonu), Kalchschmidt – Biemel (46. Caliskan), Ajvazi.

TSV Bad Boll: Greschner – Caliandro (46. Suddoth), Caliskan, Gut, Mändle (90. Winter) – Seltenreich (90. Erceg), Malerba – Ascherl (79. Falzone), Ruther – Francisco Römpfer (85. Stefania), Ates.

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