Fußball-Landesliga Das „Lila Monster“ hat noch nicht fertig
Nach zwei tollen Jahren will der TSV Bernhausen den nächsten Entwicklungsschritt machen – mit einem weiteren Aufstieg? Der Trainer glaubt, dass sich im Kader manch einer wundern wird.
Nach zwei tollen Jahren will der TSV Bernhausen den nächsten Entwicklungsschritt machen – mit einem weiteren Aufstieg? Der Trainer glaubt, dass sich im Kader manch einer wundern wird.
Wer sich dieser Tage auf die Homepage der Fußballer des TSV Bernhausen begibt, der könnte leicht einem Irrtum unterliegen. Immer wieder stößt man dort auf den Begriff „Lila Monster“. Wer damit gemeint ist? Tatsächlich sind es die F-Juniorinnen und deren Begleitpersonal, die sich den lustigen Namen für ihre Mannschaft ausgedacht haben. Dabei würde er doch gerade wie maßgeschneidert auch für ein anderes Team passen. Monster sollen ja bekanntlich gefräßig und Furcht einflößend sein. Auf wen träfe dies aktuell mehr zu als die kickenden Männer des Filderclubs?
„Lila“ hat einen Lauf. Eigentlich schon seit zwei Jahren, seit der Verein abteilungsintern personell neue Strukturen geschaffen hat – und vor allem: seit der Trainer Roko Agatic heißt. Seitdem geht es in beeindruckender Weise nur noch in eine Richtung: bergauf. 2023/2024 Bezirksliga-Meister, 2024/2025 als Aufsteiger der beste Rückrunden-Teilnehmer und am Ende insgesamt auf Rang drei. Und nun, 2025/2026? Ist auch schon wieder ein rauschender Anfang gemacht. Zuletzt, am Dienstag, sind die Bernhausener mit einem 5:1 gegen die klassenhöhere TSG Hofherrnweiler furios ins Verbandspokal-Achtelfinale gestürmt. Von 14 Test- und Turnierspielen der Vorbereitungsphase gewannen sie zwölf und verloren kein einziges.
Insofern ist das Stimmenvotum der Konkurrenz vor dem Landesliga-Rundenauftakt an diesem Wochenende nur logisch. Als großer Meisterschaftsfavorit startet, ob er will oder nicht – richtig, der TSV Bernhausen. „Das müssen wir dann halt annehmen“, merkt dessen Spielleiter Thomas Otto schulterzuckend an – und ergänzt sogleich: „Eine Zielkorrektur werden wir deswegen nicht vornehmen.“ Die eigene Vorgabe lautet: Etablierung im oberen Tabellendrittel. Das Motto dabei: weniger Worte, lieber Taten. Oder, um es mit Agatic zu sagen: „Ich will immer der Beste sein und immer gewinnen.“ Diesen großen Ehrgeiz trage er ebenfalls schon immer in sich. Aber: „Dafür muss man erst einmal hart arbeiten.“
Dass einer der Seinen die Bodenhaftung verliert, das wird der Coach zu verhindern wissen. Seinen Führungsstil beschreibt Otto als „mit Zuckerbrot und Peitsche“. Abseits des Rasens durchaus Kumpeltyp, ansonsten Fordernder und Fördernder mit strenger Linie. Entstanden ist unter Agatic eine „zusammengeschweißte Truppe“, wie er es benennt. Teamgeist und Teamzusammenhalt als prägende Elemente. Nicht von ungefähr sind alle Stammkräfte geblieben, dies trotz teils attraktiver anderer Angebote.
Agatic selbst hat dabei das Signal gesetzt, indem er dem erneuten Abwerbeversuch des Nachbarn und inzwischen Oberliga-Absteigers Calcio Leinfelden-Echterdingen widerstand. Seine Spieler zogen nach, auch Schlüsselgrößen wie ein Filip Jordacevic, Mihael Tomic oder Oliver Lujic. Um den Defensivstrategen buhlten dem Vernehmen nach unter anderen die Oberligisten SSV Reutlingen und FSV 08 Bietigheim-Bissingen.
Wie befindet Agatic für sich so schön: „Ich bin hier in Bernhausen noch nicht fertig“, was sich für die aktuelle Entourage offenkundig überhaupt als Slogan nehmen lässt. Als nächsten Schritt in der zuletzt rasanten Entwicklung sieht der Trainer, dass der Kader nun noch verstärkt worden ist. Neun Zugänge sollen die Qualität in der Breite und damit den internen Konkurrenzkampf erhöhen. Fest steht für Agatic: „Wenn wir in ein paar Wochen komplett sind, keine Urlauber mehr haben, wird das personell sehr spannend.“ Da werde sich vielleicht „der ein oder andere wundern und auf der Bank finden, der jetzt noch gar nicht daran denkt“. In jedem Fall hat Agatic mehr Aufstellungsoptionen, ohne dabei einen Leistungsabfall befürchten zu müssen, als in der ja eh schon starken vergangenen Saison.
Vor allem zwei der Neuen haben bereits Pluspunkte gesammelt. Im Rechtsverteidiger Michael Henneh (22, vom Landesliga-Aussteiger Croatia Bietigheim) und dem Angriffsyoungster Jamie-Noah Demir sieht Agatic die Gewinner der Vorbereitung. Der 19-Jährige stürmte bisher in der A-Junioren-Bundesliga für Reutlingen, erhielt an der Kreuzeiche aber keinen Vertrag fürs Oberliga-Männerteam. Stattdessen schnappten die Bernhausener gerne zu. Gezeigt hat Demir sein Potenzial gleich beim besagten Pokalcoup dieser Woche, nämlich als Spieler des Spiels mit drei Torbeteiligungen.
Allgemein bleibt es im Aufgebot am Fleinsbach dabei: viel jung, viel hungrig, viel talentiert. Im 25er-Kader sind 16 Spieler U 23. Das Durchschnittsalter liegt bei lediglich 23,5 Jahren – was dann gleich noch einmal taugt, Hoffnungen zu nähren. Es ist mithin ein Konstrukt, das längst noch nicht im Zenit seines Schaffens steht, sondern über reichlich Perspektive verfügt.
Kurzfristig geht es nun aber erst einmal darum, die verheißungsvollen Vorzeichen mitsamt Top-Frühform auch in den Liga-Alltag zu transportieren. Etwas Sorgen macht Agatic vor dem Start am Sonntag (15.30 Uhr) zuhause gegen den Aufsteiger 1. FC Eislingen das Fehlen mehrerer Urlauber sowie seiner beiden Rotsünder, des Kapitäns Ivan Matanovic (noch zwei Spiele Sperre) und von Mikail Gümüssu (Sperre bis 31. August). Er selbst, der Coach, verabschiedet sich notgedrungen just jetzt für zwei Wochen auf Heimatreise nach Bosnien. Ließ sich nicht anders terminieren wegen des Berufs seiner Frau.
Gleichwohl ist Agatic überzeugt: „Wenn die, die da sind, alles auf den Platz bringen, dann wird es für jeden Gegner von uns sehr schwer.“ Dann klingt das erneut verdächtig nach „Lila Monster“. Und dann könnten die anderen mit ihren Tipps am Ende womöglich recht haben? Verbandsliga – das wäre eine Vereinspremiere für die Bernhausener. Und laut Agatic „eine sicher interessante“.
Zugänge
Dimitrios Vidic (FV Neuhausen), Manuel Kranz (SC Geislingen), Hrvoje Markic (FC Esslingen), Michael Henneh (NK Croatia Bietigheim), Kristian-Krassimir Alexandrov (SV Spielberg), Clemens Kofi Seddon (pausierte/zuletzt VfB Neckarrems), Luka Vlasic (Junioren SV Böblingen), Antun Stegl (Junioren SV Fellbach), Jamie-Noah Demir (Junioren SSV Reutlingen).
Abgänge
Daniel Frenzel Medina (TSV Musberg), Marvin Hellmann (Sportfreunde Dettingen), Mehmet Karakus (TV Echterdingen), Flon Ajvazi (TV Echterdingen II), Julian Schock (SV Bonlanden), Emre Topal (SV Kaisersbach), Nikita Levenko (Türkspor Nürtingen 73), Ali Karakoc (Karriereende/nun Co-Trainer).
Trainer
Roko Agatic (seit Juli 2023).
Saisonziel
Etablierung im vorderen Tabellendrittel der Liga (Platzierung in der vergangenen Saison: 3.). Meistertipp: SV Waldhausen, TSGV Waldstetten, TSV Ehningen.
Aufstieg
Der Meister steigt in die Verbandsliga auf. Der Vizemeister erhält die Chance, es ihm über Aufstiegsspiele und Relegation nachzutun. Deren Termine: 10. Juni, 13. Juni und 21. Juni 2026. In den ersten beiden Runden sind die Zweiten der vier Landesliga-Staffeln unter sich, ehe es in der finalen dritten gegen den letzten Nichtdirektabsteiger aus der Verbandsliga geht. Eher ein schlechtes Omen: In 20 Wettbewerbsjahren, in denen seit Einführung anno 2004 Relegation gespielt wurde, konnte nur dreimal der Landesliga-Staffel-2-Teilnehmer den Sprung nach oben feiern: 2007 der 1. FC Frickenhausen, 2009 der 1. Göppinger SV und 2023 der TV Echterdingen. In der vergangenen Saison scheiterte der SV Waldhausen im Endspiel an der TSG Tübingen mit 0:1.