Fußball-Landesliga Der begnadete „Linksfuß“ hört auf
Stürmer Michele Ancona wird seine Fußballerkarriere nach dieser Saison beim TSV Heimerdingen beenden. Beruf und Familie haben dann Vorrang.
Stürmer Michele Ancona wird seine Fußballerkarriere nach dieser Saison beim TSV Heimerdingen beenden. Beruf und Familie haben dann Vorrang.
Es wäre der perfekte Abschluss. Sollte es dem TSV Heimerdingen gelingen, in den beiden letzten Saisonspielen am Sonntag (15 Uhr) bei der Spvgg Satteldorf und eine Woche darauf im Heimspiel gegen die SG Oppenweiler-Strümpfelbach den Zwei-Punkte-Rückstand auf den TSV Crailsheim auf dem Relegationsplatz in der Landesliga wettzumachen, würde Michele Ancona noch einmal um den Aufstieg spielen. In die Verbandsliga – so wie 2019, als den Grün-Weißen dieses Husarenstück schon einmal gelang. Für Michele Ancona war dies der absolute Höhepunkt einer an Höhepunkten wahrlich nicht armen Karriere. Die nun in diesem Sommer ihr Ende finden soll.
„Ich bin gespannt, wie ich damit klarkomme. Ich spiele Fußball, seit ich denken kann“, erklärt der 35-Jährige, der schon in der vergangenen Saison überlegt hatte, die Kickstiefel an den Nagel zu hängen. Nun sieht der Vertriebsmitarbeiter der Firma Würth, der für die technische Gebäudeausrüstung bei Kunden zuständig ist, den richtigen Zeitpunkt für gekommen: „Meine beiden Söhne sind jetzt dreieinhalb und eineinhalb Jahre alt und meine Frau muss bald wieder in ihren Beruf im Einzelhandel mit Früh- und Spätschichten zurückkehren“, erläutert er seine Entscheidung.
Da passe es nicht dazu, dass er als Fußballer mit zunehmendem Alter seine Trainingsleistung erhöhen müsste, um das Fitnesslevel halten zu können.
Es gibt nicht wenige, die dem Mann mit dem begnadeten linken Fuß auch eine Karriere im Profibereich oder zumindest in der 3. Liga oder der Regionalliga zugetraut hätten. „Der Gedanke und entsprechende Angebote waren sogar da“, gibt Michele Ancona offen zu. Er habe jedoch immer den Fokus auf die Arbeit und entsprechende Fortbildungen gelegt. „Vielleicht war mir auch der Aufwand zu groß. Aber so, wie es letztendlich gelaufen ist, hat es auch großen Spaß gemacht“, ergänzt er. Mit dem Kicken angefangen hat Michele Ancona beim SV Bissingen, zusammen mit seinen beiden Brüdern Riccardo und Fabio und seinen Cousins Roberto und Luigi. Trainer war Vater Luigi.
Schon als A-Jugendlicher spielte er bei den Aktiven. In seiner ersten Aktivensaison wechselte er zum TSV Münchingen, wo schon Roberto und Luigi dem Ball hinterherjagten. „Dietmar Seethaler hat dort um ein paar alte Hasen ein junges Team aufgebaut“, erinnert sich Michele Ancona noch gut. Ein Jahr später wechselte er zum VfB Neckarrems in die Oberliga, zusammen mit Luigi und Roberto.
Während Luigi dort neun Jahre lang aktiv war, kehrte Michele nach nur einem Jahr zum TSV Münchingen zurück. „Es war eine verrückte Zeit mit Markus Koch als dem taktisch besten Trainer, den ich je hatte. Aber es gab auch enorm viel Trubel damals“, erklärt der 35-Jährige. Nach weiteren drei Spielzeiten mit dem TSV Münchingen wechselte Michele Ancona 2016 zusammen mit Coach Seethaler, seinem Cousin Roberto, Salvatore Pellegrino und Denis Schäffler im Paket zum TSV Heimerdingen. „Dietmar Seethaler hat es immer geschafft, eine extrem homogene Mannschaft zu formen“, findet er auch für seinen langjährigen Coach lobende Worte.
Den Aufstieg in die Verbandsliga über den mühevollen Umweg Relegations 2019 wird Michele Ancona nie vergessen. Zum Saisonausklang war ein Mallorca-Urlaub schon gebucht, den das Team nach Erfolgen gegen den SV Bonlanden (3:0) in der ersten Runde und den VfB Friedrichshafen (2:1) in Runde zwei auch antrat – nicht unbedingt zur Begeisterung von Coach Holger Ludwig.
Dafür kehrte das Team einen Tag früher als geplant zurück und Ludwig ließ seine Jungs im Abschlusstraining besonders viel laufen. „Da haben wir einiges wieder ausgeschwitzt“, meint Michele Ancona schmunzelnd, der den TSV Heimerdingen dann mit drei Treffern fast im Alleingang zum 4:2 über den VfL Nagold zum Aufstieg schoss.
Seine bitterste Erinnerung ist nicht sportlicher Natur, sondern hat mit seinem Bruder Fabio zu tun: Dieser brach wegen seiner Herzschwäche bei einem Auswärtsspiel in Rutesheim auf dem Spielfeld zusammen – unmittelbar neben seinem Bruder Michele. Zum Glück ging alles gut aus.
Für seinen jetzigen Coach und langjährigen Mitspieler Daniel Riffert ist Michele Ancona ein Spieler, der den Unterschied macht, einer der aussterbenden Art und ein Gewinn für jedes Team. „Wir werden alles dafür tun, um ihm einen besonderen Abschied zu bereiten“, verspricht Riffert.