Vorzeitig am Ziel: die Fußballer des TSV Weilimdorf. Foto: Eibner-Pressefoto/Jani Pless
5:1 in Waldstetten – nun geht es erstmals in die Verbandsliga. Eine Party mit „Shalalala“, triefendem Trainer und einer Aussage des wichtigsten Spielers, die zuversichtlich stimmt.
Der Fluchtversuch misslang. Das Spiel war noch keine fünf Minuten beendet, als Manuel Fischer bereits von den Haar- bis zu den Zehenspitzen triefte. Bier, Sekt, Wasser – was alles er abbekommen hatte, vermochte der Trainer gar nicht mehr zu sagen. Gemessen an Klebegrad und Geruch, musste es eine Mischung sein, die jedem Barkeeper zur Ehre gereicht hätte. Aber egal. Man soll die Feste bekanntlich feiern, wie sie fallen. Und wenn nicht an diesem Abend, wann dann?
Seit Freitag, 20.49 Uhr ist es amtlich: Die Fußballer des TSV Weilimdorf steigen zum ersten Mal in die Verbandsliga auf. Ernsthaft zweifeln konnte ohnehin keiner mehr, mit einem 5:1-Auswärtssieg beim TSGV Waldstetten haben die Nord-Stuttgarter nun auch rein rechnerisch für endgültige Klarheit gesorgt. Oder, um es mit dem sportlichen Leiter Michael Bachmann zu sagen: „einen Traum wahr gemacht“.
Für den Trainer Manuel Fischer wurde es nass. Foto: Eibner-Pressefoto/Jani Pless
Bachmann hatte am Ende die bessere Option und Strategie als sein Coach, indem er sich erst einmal in einer der hinteren Ecken der Zuschauerränge „versteckte“. So blieb ihm die unfreiwillige Dusche erspart. Mangels Wechselklamotten im Gepäck, tat er mit einem Augenzwinkern in Richtung Mannschaft kund: „Die Jungs sollen sich hüten. Sie wissen, dass sie sonst mit mir Ärger kriegen.“ Hätte Bachmann vor zwei, drei Jahren jemand prophezeit, dass eben jene „Jungs“ für den Verein sportlich einmal dort stehen würden, wo sie nun tatsächlich stehen, er hätte sein Gegenüber wahlweise als durchgeknallt oder komplett ahnungslos eingestuft. Weilimdorf, das war eine graue Maus der Landesliga. Ein steter Außenseiter mit Abo für den Abstiegskampf. In den Coronajahren etwa hatte nur der zweimalige Saisonabbruch zur weiteren Klassenzugehörigkeit verholfen.
Der rasante Wandel begann mit der mutigen Beförderung des Ex-Bundesliga-Kickers Fischer anno 2023 zum damaligen Trainernovizen. Seitdem geht es steil bergauf. Erst, in der vergangenen Saison, mit der überraschenden Vizemeistererschaft. Nun, inzwischen bei weitem weniger unerwartet, mit dem nächsten Schritt gar auf Platz eins. In jenem sieht Fischer selbst „den verdienten Lohn für die von uns geleistete Arbeit“. In der Ich-Form zu sprechen, käme ihm dabei nie in den Sinn, bei ihm zählt stets das „Wir“, das Kollektiv. „Es ist wichtig, dass wir jetzt vorzeitig den Haken dran gemacht haben“, sagte er entsprechend, während die Seinen sich hüpfend in Sangeskünsten zwischen „Shalalala“ und „Olé, olé“ versuchten.
Die obligatorisch eigens angefertigten Meistertrikots hatte der Betreuer Eliott Varnju schon eine Viertelstunde vor Abpfiff aus dem Karton geholt. Zu diesem Zeitpunkt war in Anbetracht des Spielstands auch der Letzte im Stadion überzeugt: Jetzt kann nichts mehr schief gehen.
Die ersten 45 Spielminuten, in denen die Mannschaft noch agiert hatte, als wäre sie mit angezogener Handbremse unterwegs? Geschenkt. „Mit Hälfte eins war ich gar nicht zufrieden“, sagte Fischer, was er denn auch mit gleich drei Spielerwechseln zur Pause dokumentierte. Im finalen Jubelmoment ließ dann aber auch er, der Perfektionist, Fünfe gerade sein und wollte „heute bestimmt nichts mehr meckern“.
Zumal: im zweiten Abschnitt war der Auftritt seiner Elf schließlich durchaus eines Titelträgers würdig. Aggressiv gegen den Ball, überfallartig im Tempo, zielstrebig im Angriff. „Wir wollten diese drei Punkte mit viel Energie und Leidenschaft“, wie es der Kapitän Bastian Joas beschrieb. Er selbst avancierte einmal mehr zum Spieler des Tages. Mit drei Treffern schraubte der 32-Jährige sein Saisontorekonto auf 27 und baute seine Führung in der Schützenliste der Staffel aus. Sein 1:0, vollstreckt nach einem Gassenpass von Samir Genc, gab dabei die Richtung vor (25.).
Dreifacher Torschütze: der Kapitän Bastian Joas. Foto: Eibner-Pressefoto/Jani Pless
Als belebendes Element erwiesen sich zudem die beiden Joker Tamer-Harun Fara und Daniel Baierle, die nach ihrer Hereinnahme mit je einem Tor und einer Torvorlage aufwarteten. Demgegenüber verkam der zwischenzeitliche Waldstettener Anschlusstreffer, bei dem Erdinc Bozoglu einen Flankenball von Jonas Kleinmann unglücklich ins eigene Netz verlängerte, zum bloßen Schönheitsfleck.
Was als spannendere Frage bleibt, ist, wie es mit dem Matchwinner Joas nun weitergeht. Während die Kollegen Fara und Bozoglu zu elf Spielern des Kaders gehören, die bereits definitiv auch in der nächsten Saison das Weilimdorfer Trikot tragen werden, steht ein Ja-Wort des wohl wichtigsten Leistungsträgers noch aus. Doch scheint Zuversicht berechtigt, wenn man einer aktuellen Aussage von ihm glauben darf. Diese lautete, mit von den mitgereisten Fans gebastelter Pappmeisterschale unter dem Arm: „Ich könnte gar nicht sagen, woran es hakt. Ich denke mal, wir sind da auf einem guten Weg.“
Einer, auf dem für Bachmann im Allgemeinen eines so oder so sicher ist. Stichwort Personalplanung. „Unser Credo bleibt immer gleich: Auf Teufel komm’ raus werden wir ganz bestimmt nichts tun“, kündigt der Fußballchef an. Vorgesehen sind zur bisherigen Mannschaft lediglich wenige punktuelle Verstärkungen. Etwa in der Abwehr, in der wie berichtet Lukas Zweigle (30) vom Noch-Oberligisten Calcio Leinfelden-Echterdingen als Wunschkandidat gilt. Nichts ändern werde sich, fügt der Spielleiter Sahin Durdu bekräftigend an, „am familiären Ambiente des Vereins“. 15 von derzeit insgesamt 27 Kickern sind schon drei Jahre oder länger dabei. Ein Fakt mit Seltenheitswert in der schnelllebigen Branche.
Für sämtliche Zukunftsthemen aber erst einmal ein paar Tage Aufschub. Für den Moment hatte Bachmann ans eigene Ensemble den Rat: „Genießen und die Sau rauslassen.“ Was die Mannschaft dem Vernehmen nach dann auch bis in die Morgenstunden hinein ausgiebig tat – der Coach Fischer mittendrin. Vorab hatte er sich zwecks Ausgehfähigkeit noch kurz eine zweite Dusche gegönnt. In diesem Fall nicht mit Bier oder Sekt, sondern ganz herkömmlich mit Leitungswasser aus der Brause.
Weilimdorfer „Spieler des Spiels“
Bastian Joas. Ein Flachschuss, ein Drehschuss, ein Abstauber – mit seinen Saisontoren Nummer 25 bis 27 unterstrich der Kapitän seinen Stellenwert für die Mannschaft. (Nominierungen: 5).