Dabei sah es zunächst ganz ordentlich aus. Die Echterdinger kämpften sich in einer an Höhepunkten armen Partie ins Spiel. Geislingen setzte die Gastgeber bereits früh und aggressiv unter Druck, der TV Echterdingen konnte sich jedoch immer wieder befreien und ließ ebenso wenige Torchancen zu. Aus einer der wenigen guten Möglichkeiten erzielte Laurenziu Biemel die 1:0-Führung für die Echterdinger. Der Schuss des Mittelfeldspielers wurde dabei von einem Gegenspieler noch unhaltbar abgefälscht. „Es gibt eigentlich keinen psychologisch besseren Zeitpunkt“, sagte der Echterdinger Interimstrainer Predrag Sarajlic zum Tor in der ersten Minute der Nachspielzeit.
Was aber dann in der zweiten Hälfte passierte, wird noch für ordentlich Gesprächsstoff sorgen bei den Echterdingern. Mit einer deutlich schwächeren Leistung holten sie den Gegner fast schon selber wieder in die Partie. „Alles, was die Mannschaft in der ersten Halbzeit gemacht hat, hat sie in der zweiten nicht mehr gemacht“, ärgert sich Sarajlic. Vom Engagement gegen den Ball, Ballsicherheit und dem Herausspielen von Torchancen war nichts mehr zu sehen. „Wir haben die Bälle nur noch planlos weggebolzt, das hat mit Fußball dann nichts mehr zu tun“, sagte der Coach. Für dieses Auftreten fordert er Antworten seiner Mannschaft: „Ich kann mir nicht erklären, wie man aus der Kabine kommen kann, und man hat plötzlich elf andere Spieler auf dem Feld. Das muss mir die Mannschaft erst mal erklären.“ Der Auftritt sei „bodenlos“ gewesen, schimpfte der Trainer. „Das ist zu wenig für die Liga.“
Die Geislinger nahmen die Echterdinger Einladung dankend an und wurden zunehmend besser. Mert Özdemir erzielte in der 55. Minute den Ausgleich. Eine Flanke landete beim eingewechselten Luca de Lucia, der mit dem Knie für den Geislinger Top-Spieler vorlegte. In der Folge waren es dann die Gäste, die auf den Siegtreffer drückten. Gelungen ist ihnen dieser aus einer ähnlichen Situation: Oladimeji Douye Adedapo flankte nach einem Sololauf auf Luca de Lucia, der diesmal für Lukas Ziegler vorlegte (86.). „Das war ein kleiner Schritt in die richtige Richtung“, sagte der Geislinger Trainer Sven Ackermann. Der vorherige U-19-Coach der Stuttgarter Kickers hatte erst vor kurzem das Team vom entlassenen Metin Kartal übernommen und seither die Defensive stabilisiert. Mit zwei Siegen aus vier Spielen ist der SC Geislingen damit auf den Relegationsrang geklettert – und hat damit den TV Echterdingen überholt.
Ex-Trainer Haug auf der Tribüne
Bei jenem hat der Rücktritt von Ex-Coach Valentin Haug, der die Partie auf der Tribüne verfolgte, nicht den erhofften Effekt gebracht. Die Echterdinger stecken weiter tief in der Krise und haben alle Hände voll zu tun. „Die Liste mit den Dingen, die besser werden müssen, ist lang“, sagt Sarajlic. Fraglich, ob der 46-Jährige derjenige sein wird, der langfristig diese Liste abarbeiten darf. Wie berichtet ist der Verein auf der Suche nach einem Nachfolger. Zuletzt wurde über eine Rückkehr von Karl-Heinz Fuhrmann gemunkelt. Vielleicht auch als Übergangslösung, weil der vermeintliche Wunschtrainer Roko Agatic nicht als Soforthilfe bereit steht? Agatic, aktuell beim TSV Bernhausen, hat dieses Gerücht fürs Erste vom Tisch gewischt.
Echterdingens-„Spieler des Spiels“
Laurenziu-Gheorghita Biemel. Erzielte mit seinem Freistoß den Treffer der Echterdinger. Zeigte ansonsten hin und wieder, dass er gut mit dem Ball umgehen kann.
TV Echterdingen: Duplys – Handanagic, Milutinovic, Kuhn, Ziogos (81. Lucov) – Schmidt, Oguz (85. Heinrich) – Özüdogru (45. +1 Kalchschmidt), Biemel (61. Pirracchio), Dölker (61. Acholonu) – Ajvazi
SC Geislingen: Sauter – Mayer, Schöll, Ivezic, Ahmeti (46. Luca de Lucia), Sönmez (85. Adedapo) – Dias Matos, Ziegler, Eyüpoglu – Damiano de Lucia (90. +2 Schmohl), Özdemir (88. Aljwir)