Fußball-Landesliga Ein Rückkehrer soll für den TV Echterdingen zum Retter werden

Vom ehemaligen Co-Trainer zum Chef: Daniel Heisig. Foto: Archiv/Günter Bergmann

Der Filderclub findet nach längerer Suche einen Übergangstrainer für den Rest dieser Saison. Derweil geht der bisherige Coach Sarajlic im Ärger. Sein Kommentar: „Unter aller Sau.“

Lokalsport : Franz Stettmer (frs)

Es war eine schwere Geburt – daraus machen die Verantwortlichen des Fußball-Landesligisten TV Echterdingen keinen Hehl. Offensichtlich wird dies schon allein dadurch, wie lange die Suche gedauert hat. Nun, gerade noch vor Weihnachten, ist das Thema doch noch vom Tisch. Wer die Gelb-Schwarzen als Übergangstrainer vor dem nächsten Abstieg retten soll? Die Antwort lautet: Daniel Heisig. Der einstige Assistenzcoach des Vereins kehrt für einen Sechs-Monate-Job zurück, diesmal in neuer Rolle als Chef an der Seitenlinie. Zugleich endet damit das Engagement des bisherigen Amtsinhabers Predrag Sarajlic. Letzterer geht im deutlichen Groll.

 

Doch von Misstönen will man zumindest auf Echterdinger Seite gerade nichts mehr hören. Dort gilt: Erleichterung, ein Fragezeichen, das allmählich auf Balkengröße angewachsen war, endlich behoben zu haben. „Jetzt haben wir eine Toplösung gefunden“, sagt der sportliche Leiter Sascha Härtenstein. Und offen räumt er ein: „Mir fällt damit eine Last von den Schultern.“ Schließlich wurde im Umfeld bereits geunkt, ihm und den Seinen gingen wohl die Ideen aus. So sehr die Verpflichtung des Bernhausener Erfolgstrainers Roko Agatic für die nächste Saison Knalleffekt gehabt hatte und hat, so sehr geriet die benötigte Zwischenlösung bis dorthin zur Hängepartie.

Nun also Heisig – und keiner der anderen Namen, die auf dem Kandidatenkarussell gekreiselt waren, vom Ex-Meistermacher Karl-Heinz Fuhrmann bis zum Zweite-Mannschaft-Trainer Sascha Blessing. „Wichtig ist, dass es einer ist, der das Umfeld kennt“, sagt Härtenstein, „einer, der nicht erst die Kabine suchen muss“. Oder, anders formuliert: jemand, der keine Eingewöhnungszeit braucht. Davon ist bei Heisig auszugehen, liegt sein Ausstieg an seiner Nun-wieder-Wirkungsstätte doch nur zweieinhalb Jahre zurück. Bis Sommer 2023 hatte er in den Goldäckern fünf Spielzeiten lang als Co-Trainer fungiert, zwei unter Christopher Eisenhardt, mit dem er seinerzeit zusammen vom TSV Weilheim gekommen war, drei unter Giuseppe Iorfida. Dann, nach dem größten Erfolg, dem Sprung in die Verbandsliga, hörte er aus zeitlichen Gründen auf.

Knapp bemessen ist die Zeit des mittlerweile 39-Jährigen auch heute noch. Sowohl beruflich bedingt als auch als inzwischen zweifacher Familienvater. Dennoch habe er „nicht lang überlegen müssen“, als die jetzige Anfrage kam. „Ich habe mich dort immer super wohl gefühlt“, sagt Heisig. Und: „Ich habe absolut Bock auf diese Challenge.“ Antreten wird er seine somit erste Station als Chefcoach mit dem vereinseigenen Hallenturnier am 4. Januar. Trainingsauftakt im Freien, mithin Beginn der Rückrunden-Vorbereitung, soll drei Wochen später sein, am 26. Januar. Der sportliche Auftrag formuliert sich mit Blick auf die Tabelle von selbst: „Da unten rauskommen“, sagt Härtenstein knapp. Nach einem durch und durch verkorksten Jahr 2025 steht der Verbandsliga-Absteiger auch eine Spielklasse tiefer wieder mitten im Abstiegskampf. Platz 13. Wäre jetzt Schluss, müssten die Echterdinger in die Relegation.

Nun Suche nach Verstärkungen für den Kader

Welches Kaderpersonal Heisig bei seiner Mission zur Verfügung haben wird, will man beim Filderclub nun als Nächstes klären. Nach dem Langzeitausfall von Marius Nita (Hüftoperation) und Furkan Özüdogru (Kreuzbandriss) sieht Härtenstein zumindest auf deren Positionen Handlungsbedarf. Hoffnungen ruhen zudem auf der Genesung dreier weiterer Patienten der Hinserie: Marc Mägerle, Caglar Celiktas und Merdan Babatas. „Wenn sie mal alle zurückkommen, haben wir ja gar keine so schlechte Truppe“, konstatiert Härtenstein.

Das hatte auch der bisherige Interimstrainer Predrag Sarajlic so gesehen. Er allerdings wird am Beweis auf dem Rasen nicht mehr mitwirken können. Mit der Heisig-Verpflichtung haben sich Sarajlics Hoffnungen auf eine dauerhafte Beförderung endgültig zerschlagen. Mit immerhin drei Siegen aus sieben Spielen hatte der 46-Jährige zwar persönliche Pluspunkte gesammelt. Doch als Minus standen die extremen Leistungsschwankungen unter ihm gegenüber. „Am Ende“, sagt Härtenstein, „waren wir nicht zu 100 Prozent überzeugt, dass uns das weiterbringt.“

Der bisherige Trainer Predrag Sarajlic (links) übt deutliche Kritik. Foto: Günter Bergmann

Eine Entscheidung, mit der Sarajlic hätte leben können. Was ihn stört, ist etwas anderes, „nämlich die Art und Weise“. Zu jener nimmt er kein Blatt vor den Mund: „Die ist unter aller Sau. So geht man mit niemand um.“ Schon in den vergangenen Wochen hatte Sarajlic ein internes Kommunikationsdefizit beklagt. Dass er vom Agatic-Transfer und den weiteren Plänen nach eigener Aussage dann ebenfalls erst aus dieser Zeitung erfuhr, macht für ihn das Maß voll.

Das von ihm längst erwartete Gespräch, in dem ihm vom Abteilungsleiter Phillip Wunsch und Härtenstein nun sein Aus mitgeteilt worden ist, soll im ziemlich frostigen Rahmen verlaufen sein. Sarajlics finaler Kommentar, inzwischen aus dem Urlaub in Serbien: „Mit solchen Leuten wollte ich eh nicht länger zusammen arbeiten.“ Träne vergieße er nur eine: wegen der Mannschaft. Bei der hat fortan ein anderer das Sagen.

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