Der Tabellenvorletzte MTV Stuttgart ist zuversichtlich in Sachen Klassenverbleib. Er baut auf einen Wiedereinsteiger und neue Torhüter.

Reporter: Torsten Streib (tos)

Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Dieser Allgemeinplatz kann in Bezug auf die Landesliga-Fußballer des MTV Stuttgart noch durch „ganz, ganz“ anders erweitert werden. Nachdem sich die Kicker vom Kräherwald in der vergangenen Saison auf den vierten Tabellenplatz verbessert gehabt hatten, war man vor dieser Runde auf den Geschmack gekommen. Oder wie es der Trainer Björn Lorer im Sommer ausdrückte: „Platz vier – klar, da besteht ja noch Luft nach oben.“ Aber wie gesagt, es ist ganz anders gekommen. Das aktuelle Zwischenzeugnis weist den vorletzten Platz aus, mit vier Punkten Abstand zum nach jetzigem Stand rettenden Ufer.

 

Die Gründe für die Talfahrt? Vielschichtig. „Wir dachten wohl, es geht nahtlos so weiter. Zudem sind viele 50:50-Spiele nicht auf unsere Seite gekippt, wie es in der Vorsaison der Fall war. Das Spielglück hat gefehlt“, sagt Lorer. Grundsätzlich hält er die Liga für stärker und leistungshomogener als zuvor. Mannschaften, gegen die man von vorneherein sechs Punkte einplanen könne, gebe es nicht mehr.

Im Detail war die Defensivarbeit zu fahrig, die Abwehr zu durchlässig. 47 Gegentreffer aus 16 Partien sind definitiv zu viel. Zu sorglos und in entscheidenden Phasen unkonzentriert wurde im hinteren Bereich agiert. Zudem entpuppte sich die Verpflichtung des Torhüters Khalil Lalo (inzwischen Kreisliga B, TV Neckarweihingen) als Nachfolger des starken Carl-Anders Zimmermann (nur noch Co-Trainer) als Missverständnis.

Und nun? Mit dem bisherigen Ersatzmann Heiner Kaschner sowie den Winterzugängen Niklas Wegner und Philipp Wagner ist laut Lorer die Position „wieder gut aufgestellt“. Wegner kam vom A-Kreisligisten SV Prag Stuttgart. Wagner pausierte, hatte zuvor sporadische Einsätze beim südbadischen Landesligisten SC Konstanz-Wollmatingen und ist aufgrund seines Referendariats in die Landeshauptstadt gezogen. Im Rennen um den Platz zwischen den Pfosten hat der 23-jährige Wegner die Nase vorn. In den Testspielen habe er das gehalten, was zu halten war, zudem würde für ihn sein fußballerisches Rüstzeug sprechen. „Bei Prag hat er häufig im Feld gespielt, dementsprechend können wir wieder von ganz hinten beginnen mit dem Aufbau“, sagt Lorer. Das sei die MTV-DNA, aber zuletzt nicht möglich gewesen.

Doch ein Torwart allein bildet noch kein Abwehrbollwerk. Dazu braucht es mehr. Und da haben die West-Stuttgarter in Filip Primorac einen Stabilitätsfaktor zum Wiedereinstieg überreden können. Aus beruflichen und privaten Gründen machte der 30-jährige defensive Mittelfeldmann mit Verbandsliga-Erfahrung eine Pause, hat aber nun den Ernst der Lage erkannt und hilft. „Er ist für uns ein ganz wichtiger Faktor“, sagt Lorer.

Auf dem Papier scheint Stabilität nun also vorhanden, doch gab es die auch schon in den Testspielen? Ein klares „Jein“ gibt es dazu vom Coach. Noch zu durchwachsen seien die Leistungen gewesen. Jedoch: Egal, was gewesen ist, es zählt von Sonntag (15 Uhr) an und speziell in den nächsten vier Spielen – großteils davon ohne die Stammkräfte Egzon Sufaj (Knorpelschaden/Saisonaus), Joel-Noah Graham und Till Flach (beide privat verhindert). Drei der Spiele sind Heimpartien, „da müssen wir ordentlich punkten und den Anfang raus aus der Krise machen“, weiß Lorer.

Zum Auftakt gegen den Tabellenzweiten Eislingen

Heimspiel eins nach dem Restart ist indes kein einfaches, kann aber zum Selbstvertrauen-Tanken bestens herhalten. Gegner: der Tabellenzweite 1. FC Eislingen. Ein Sieg und wer weiß, vielleicht kommt dann erneut alles ganz anders als man denkt – diesmal wieder zum Erfreulichen.

Personalien

Zugänge:
Filip Primorac (30, Mittelfeld, pausierte/zuvor MTV Stuttgart), Philipp Wagner (27, Torhüter, pausierte/zuvor SV Konstanz-Wollmatingen), Niklas Wegner (23, Torhüter, SV Prag Stuttgart), Tayfun Inal (29, Mittelfeld, pausierte/zuvor Sportvg Feuerbach).

Abgänge:
Junis Al-Tayeh (FC Hohenacker), Khalil Lalo (TV Neckarweihingen), Emre Türköz (Tunaspor Echterdingen).