Zacharias Velvelidis zog vor Frust sein Trikot über den Kopf. Eben hatte der Torhüter des TSV Weilimdorf den Treffer zum 1:5-Endstand gegen den MTV Stuttgart kassiert. Der 20-Jährige schlug zuvor über den Ball und rutschte aus. Till Flach bedankte sich und schob die Kugel ins leere Tor für die Gastgeber ein.
Bereits zuvor machte Velvelidis im letzten Spiel des Kalenderjahres und gleichzeitig ersten Partie der Landesliga-Rückrunde bei den Gegentreffern drei und vier eine unglückliche Figur. Mal kam er zu zögerlich aus seinem Kasten und wurde umkurvt wie beim 3:1 von Michel-Angelo Triantafillou, mal klärte er den Ball nicht richtig wie beim 4:1 durch den nur wenige Sekunden zuvor eingewechselten Emin Dougarmagi. Mertcan Özocak traf zuvor zum 2:1.
Nach Spielende schnappte sich der Trainer Manuel Fischer seinen jungen Keeper und nahm ihn zur Seite. „Der Junge wird sich entwickeln und seinen Weg gehen, davon bin ich überzeugt. Aber aus solchen Situationen muss man lernen, gerade in dem Alter. Genau das habe ich letztlich zu ihm gesagt“, berichtet Fischer, der seinem Torhüter ansonsten eine starke Hinrunde attestierte. Was Fischer eher sauer aufstieß, war der Gegentreffer von Filip Primorac zum 0:1 nach einem Eckball kurz vor der Halbzeit. „Ich sage immer, Standards sind eine Einstellungssache“, erzählt Fischer. Im Kopf seien seine Spieler schon in der Pause gewesen. „Wir waren aber heute in vielen Details nicht aufmerksam genug, im Kopf viel zu langsam, ebenso im Spielaufbau. Das sind auch alles mentale Dinge, die sich heute durch die komplette Mannschaft gezogen haben“, sagt Fischer. Dazu häuften sich in kurzer Zeit so viele individuelle Fehler wie in der bisherigen Saison noch nicht.
Trotzdem geht Fischer nach einem starken Kalenderjahr 2024 seines Teams mit 70 Punkten aus 31 Ligaspielen positiv in die Winterpause und freut sich bereits auf die Vorbereitung auf den Rest der Saison. Auch wenn die Tabellenführung nun wackelt, da Verfolger Donzdorf am kommenden Samstag zum Nachholspiel gegen Rohrau antritt. „Ich wollte die Situation in der Tabelle in die Pause mitnehmen. Auch für das Selbstvertrauen, weil ich finde, dass wir das verdient hätten. Aber mit so einer Leistung halt keinesfalls“, sagt Fischer.
Denn ebenbürtig war der TSV Weilimdorf dem Tabellenfünften nur in der ersten Hälfte und knapp 15 Minuten nach der Pause, als Anthony Jeremy Raheem einen Foulelfmeter herausholte. Bastian Joas versenkte diesen sicher von sich aus im rechten unteren Eck. Ansonsten kontrollierten die Gastgeber mit ihrer leidenschaftlichen Verteidigung und ihrem schnellen Spiel in die Spitze die Partie. Der MTV Stuttgart setzte dabei vor allem auf ein effektives Mittel: lange Bälle hinter die Abwehrreihe. „Wir haben gewusst, dass Weilimdorf sehr hoch steht und dass dies eine Schwachstelle von ihnen ist. Deshalb haben wir uns im Voraus Gedanken gemacht, da schnell dahinterzukommen. Und es hat hervorragend geklappt“, sagt der Trainer des MTV Stuttgart, Björn Lorer, zufrieden.
Auch ohne den verletzten Torjäger und Kapitän Raphael Hahn bewies die Kräherwald-Elf dann Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor und machte aus beinahe jeder Chance ein Treffer. „Wir haben vorne Effizienz bewiesen, was mich sehr freut, weil wir das in dieser Saison öfters vermissen lassen haben“, meint Lorer.
Beschwingt von dem grandiosen Sieg freuen sich die Nord-Stuttgarter jetzt auf die die lange Pause. „Die Hinrunde war in Summe gut, auch wenn wir einige Schwankungen haben, die etwas zu Missstimmungen führen. Wir müssen einfach an Leistungen wie heute anknüpfen“, sagt Lorer.
MTV-„Spieler des Spiels“
Till Flach. Der Mittelfeldspieler machte den letzten Treffer. Lieferte ansonsten ein gutes und fleißiges Spiel ab. Eroberte viele Bälle, lief offene Räume zu und kreierte einige vielversprechende Situationen.
Weilimdorfs-„Spieler des Spiels“
Anthony Jeremy Raheem. Offensiv bemüht. Sorgte mit seinem Zug zum Tor und seiner Geschwindigkeit für den etwas umstrittenen Elfmeter. Defensiv wie seine Mitspieler dagegen mehrfach überlaufen worden.
MTV Stuttgart: Boroni – Janzen, Sufaj, Mägerle, Wiese (84. Baldi) – Flach, Primorac – Triantafillou (77. Dougarmagi), Özocak (90. Haist), Graham (79. Gaiser) – Lukic (57. Rudolph)
TSV Weilimdorf: Velevedis - Raheem, Sadikovic, Bozoglu, Milenkovic (65. Boukari) – Joas, de Sousa Lourenco (46. Küley), Apler (46. Hut) – Fara (75. Knappe), Offei (46. Krasniqi), Scarcelli