Fußball-Landesliga Nächste Bernhausener „Sauerei“ im Sommer?

Fährt mit seinem Team zuversichtlich nach Neuhausen: Bernhausens Coach Roko Agatic. Foto: Günter Bergmann

Beim TV Echterdingen darf sich der Interimscoach neue Hoffnung auf eine Beförderung machen. Der TSV Plattenhardt und der MTV Stuttgart wollen gegen das Spitzenduo überraschen.

Es geht auf die Zielgerade im Fußballjahr 2025. An diesem Wochenende letzter Hinrundenspieltag, eine Woche später Abschluss und dann ab in die Winterpause. Während der TV Echterdingen, der TSV Plattenhardt und der MTV Stuttgart allesamt die Punkte gegen den drohenden Abstieg aus der Landesliga benötigen, will der TSV Bernhausen sich am anderen Ende, ganz oben, in eine gute Ausgangslage bringen, um beim Restart am ersten März-Wochenende 2026 weiter um den Titel mitmischen zu können.

 

TV Echterdingen – TSV Bad Boll (Sonntag, 15 Uhr)

War das tatsächlich die Wende? Die Hoffnung beim TV Echterdingen, ein insgesamt zappendusteres Sportjahr 2025 wenigstens noch mit einem ermutigenden Ende zu versehen, ist jedenfalls groß. Mit dem überraschenden 2:1-Auswärtssieg vor Wochenfrist beim Vizemeister Waldhausen sind die Chancen gewahrt, auf einem Nichtabstiegsplatz zu überwintern. Vorausgesetzt, die Gelb-Schwarzen legen nun in den beiden noch ausstehenden Heimspielen gegen den TSV Bad Boll und den FV Neuhausen nach. Damit ist man dann allerdings auch schon wieder bei einem Punkt, der mulmig stimmen könnte: zwei Heimspiele wie gesagt – allein diese Tatsache muss im Filderclub eigentlich zusammenzucken lassen.

Für die Gegner, so viel ist sicher, hat es in der jüngeren Vergangenheit kaum ein beliebteres Reiseziel gegeben als den Sportpark Goldäcker. Das Motto dort: Wer hat noch nicht, wer will noch mal? Willkommen im Selbstbedienungsladen. Von 14 Ligaspielen anno 2025 im eigenen Stadion haben die Echterdinger nur ein einziges gewonnnen (im September 1:0 gegen SV Böblingen) und elf verloren. „Ich hoffe, dass uns jetzt der Wechsel auf den Kunstrasen in der Spielweise entgegen kommt und wir diesen Fluch beenden können“, sagt der Nach-wie-vor-Interimstrainer Predrag Sarajlic. „Wenn alle die Tugenden beherzigen, die sie in Waldhausen gezeigt haben, wird uns das gelingen“, ist er überzeugt. Betonung freilich auf „wenn“. Allzu oft litt auch er schon unter der Wankelmütigkeit des eigenen Teams.

Für Sarajlic selbst wird es am Sonntag Spiel Nummer sechs als Verantwortlicher an der Seitenlinie – und ein siebtes, am Spieltag darauf, wird definitiv hinzukommen, wie inzwischen feststeht. Das hat der Verein in dieser Woche entschieden. Für danach bleibt unverändert ein großes Fragezeichen, geschuldet dem, dass die externe Suche nach einem neuen Coach bislang im Sand verlaufen ist. „Es ist auf dem Markt gerade sehr schwierig“, sagt der sportliche Leiter Sascha Härtenstein. Vom Wunschkandidaten Roko Agatic (TSV Bernhausen) haben die Echterdinger sich wie berichtet eine Absage eingehandelt. Bei der weiteren Ausschau will Härtenstein sich „nicht unter Druck setzen lassen“. Ein Zeitlimit sieht indes auch er: „Noch in diesem Jahr muss klar sein, wie es weitergeht.“ Sprich: tendenziell vor Weihachten. Einstweilen ergibt sich mit der Hängepartie ein Problem im Problem: Blockiert ist damit ein zweites Thema. Stichwort Verstärkungen für den Spielerkader. Wer wechselt schon zu einem Verein, bei dem er nicht einmal weiß, wie sein Trainer heißen wird?

Läuft es am Ende also etwa doch auf eine dauerhafte Beförderung Sarajlics hinaus? Laut Härtenstein „ist alles denkbar“. Sarajlic seinerseits betont, dass er unverändert bereit wäre. „Mein Interesse daran war und ist da“, sagt der 46-Jährige – und fügt an: „Ich tue weiterhin mein Bestes, es dem Verein möglichst schwer zu machen, an mir vorbeizugehen.“ Insofern: Zwei weitere gute Ergebnisse an den beiden anstehenden Wochenenden könnten doppeltes Gewicht haben – für die Tabelle samt interner Weihnachtsstimmung, nicht zuletzt aber auch für Sarajlic persönlich.

Nebensache dabei, dass im eh schon ausgedünnten Kader in Steffen Schmidt und Maric Lucov (beide grippaler Infekt) die nächsten Ausfälle drohen – während bei den Boller Gästen vor allem ein Spieler zur erhöhten Aufmerksamkeit mahnt. In Baran Ates bringt der Tabellensiebte einen der Topscorer der Staffel mit. Der frühere Junioren-Oberliga-Kicker des SSV Reutlingen steht bereits bei zwölf Saisontoren.

FV Neuhausen – TSV Bernhausen (Samstag, 14.30 Uhr)

Nicht nur der 2:0-Derbysieg über den TSV Plattenhardt hat den Fußballern samt Trainer und Betreuern des TSV Bernhausen geschmeckt. Auch das darauffolgende Spanferkel-Essen im Garten von Coach Roko Agatic. „Wir haben es richtig krachen lassen. Die Jungs haben es sich verdient, immerhin haben wir nun schon 30 Punkte“, sagt Agatic. Besagte Marke bedeutet aber nicht Zufriedenheit, sondern soll bis zur Winterpause auf 36 erhöht werden. Bedeutet: Siege auch in der letzten Hinrundenpartie beim Lokalrivalen FV Neuhausen und dann im ersten Rückrunden- und gleichzeitigen Spitzenspiel beim aktuellen Tabellenzweiten 1. FC Eislingen (ein Zähler vor Bernhausen).

Utopisch? Keinesfalls, die Mannschaft sei seit Wochen fokussiert, habe von den letzten sieben Partien alle außer einer gewonnen, konstatiert der Coach. Wobei er warnend den Zeigefinger hebt und sagt: jetzt Neuhausen, mehr interessiere aktuell nicht. Auch wenn der Gegner, dessen Vereinsgelände nur rund sechs Kilometer entfernt ist vom heimischen Fleinsbachstadion, mit 20 Punkten und Platz zehn lediglich im gesicherten Mittelfeld steht, warnt Agatic seine Kicker aus zwei Gründen. Erstens der Neuhausener Rasen, zweitens die durchaus vorhandene Qualität im Team – die Neuhausener stehen aus seiner Sicht zu weit hinten in der Tabelle.

Punkt eins wird immer wieder genannt, auch von vielen anderen Kontrahenten der Staffel. Der Untergrund an der Schloßstraße hat mit einem feinen „grünen Teppich“ gar nichts gemein, zählt eher zu der Kategorie „Vollacker“ . Dementsprechend ist eher Ärmel hochkrempeln als die feine Klinge angesagt – das weiß auch Agatic: „Vor allem bei den aktuellen Wetterverhältnissen ist der Platz schwer bespielbar, wir werden keinen schönen Fußball präsentieren können.“ Und in Sachen Qualität streicht der Bernhausener Coach vor allem die Offensivspieler Markus Fickeisen (fünf Saisontore) und David Govorusic heraus. Letzterer war in der Spielzeit 2023/24 im Dress des TSV Bad Boll bester Liga-Schütze mit 19 Toren und scheint nach einem Treffertief die Zielgenauigkeit wieder gefunden zu haben: Sein Zähler steht bei 13; nur der Eislinger Aykut Durna hat dreimal mehr getroffen. Auf die Sprünge hat ihm möglicherweise sein Teilzeit-Spielertrainer Ugur Yilmaz geholfen, ihn durch Tipps zum eiskalten Abschluss zurückgeführt. Yilmaz selbst war im Trikot des TV Echterdingen nämlich Govorusics Vorgänger als Liga-Torschützenkönig, aber mit 28 Treffern.

Und wie soll die Gastgeber-Offensive gestoppt werden? „Im Viererketten-Verbund, der steht aktuell ganz stark“, verrät Agatic, der auf den unveränderten Kader der vergangenen Wochen zurückgreifen kann, was aber nicht bedeute, dass auch die Startelf unverändert bleibe.

Bleibt noch die Frage nach der nächsten „schmackhaften Sauerei“, sprich dem nächsten Spanferkel-Essen für seine Mannschaft. „Vielleicht im Sommer, wenn die Jungs es schaffen, den Titel zu holen“, sagt Agatic mit einem Augenzwinkern.

TSV Plattenhardt – 1. FC Eislingen (Samstag, 14.30 Uhr)

Erst der Spitzenreiter TSV Köngen, dann der Viertplatzierte TSV Bernhausen und nun der Zweitplatzierte 1. FC Eislingen – geballter und schwerer könnte das Programm für den Aufsteiger Plattenhardt wohl kaum sein. Immerhin, dem Klassenprimus trotzten die Kicker vom Weilerau einen Zähler ab. „Warum soll es dann nicht auch gegen Eislingen klappen?“, stellt Plattenhardts Trainer Slobodan Markovic die Frage. Zweckoptimismus? „Keineswegs“, sagt der Coach mit Überzeugung. Vielmehr die logische Folge aus den vergangenen beiden Partien. Nicht nur beim 2:2 in Köngen, sondern auch vor Wochenfrist gegen Bernhausen habe das Team bewiesen, „dass wir sehr gut mithalten können und aktuell alle in guter Form sind“. Und diese beiden Auftritte, wenn auch nur mit einem Punkt garniert, hätten bei seinen Akteuren eine positive Wirkung hinterlassen. Er habe bei ihnen mehr Sicherheit erkennt; sie würden selbstbewusster auftreten. Entsprechend will Markovic auch an seiner Startelf von zuletzt festhalten.

Derweil bleibt noch zu klären, wie die Plattenhardter Eislingens 16-Tore-Mann und damit Ligabesten Aykut Durna an die Leine nehmen wollen. „Schon frühzeitig vor dem Tor die Angriffe klären, damit er gar nicht in Aktion gesetzt werden kann“, lautet Markovics Plan.

TSV Köngen – MTV Stuttgart (Samstag, 14.30 Uhr)

Siege machen mutig. Selbst wenn es, wie zuletzt, nur gegen das punktlose Schlusslicht FV Sontheim/Brenz war. Nach dem überraschenden 0:3-Hinterherrennen bewiesen alle Beteiligten des MTV Stuttgart Stehaufmännchen-Qualitäten und drehten die Partie in Hälfte zwei noch zum wichtigen eigenen 5:3-Erfolg – und beendeten die Talfahrt von sieben Niederlagen im Paket. Im Abstiegskampf ist man damit wieder bis auf vier Punkte am ersten Überlebensplatz dran. Dementsprechend sagt der MTV-Coach Björn Lorer mit Hinblick auf das Spiel beim Tabellenführer aus Köngen: „Wir fahren dort hin, um zu gewinnen. Die fünf Tore in einer Hälfte haben bei uns für ein gutes Gefühl gesorgt.“

In der vergangenen Wintervorbereitung gab es bereits das Aufeinandertreffen mit Köngen, damals war das Team des spielenden Ex-Oberliga-Akteurs Domenic Brück aber noch Bezirksligist. Endstand: 3:1 für die Kräherwald-Kicker. Aber: „Eine Mannschaft mit hohem Tempo, Ehrgeiz und vor allem pressingresistent“, erinnert sich Lorer an eine knifflige Angelegenheit. Und seitdem habe sich der Gegner punktuell auch noch verstärkt. Dennoch, den Sontheim-Flow will er mit den Seinen mitnehmen, zumal es wieder personell etwas aufwärts geht. Joel-Noah Graham (nach Rotsperre), Dominik Hug (war privat verhindert) und Din Redzic sind wieder dabei. Fraglich aber der Einsatz von Torhüter-Comebacker Carl-Anders Zimmermann. Dieser zog sich am vergangenen Spieltag nach einer Rettungsaktion kurz vor dem Abpfiff eine leichte Gehirnerschütterung zu. Auskuriert? Ja, schon, ob er jedoch spiele, entscheide der Keeper selbst, so Lorer. Winkt der 38-Jährige ab, dann kommt der Sommerzugang Khalil Lalo wieder zum Zug.

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