Was gibt es Neues von den Fußball-Landesligisten aus dem Bezirk Stuttgart? Wir blicken auf TSV Plattenhardt, TV Echterdingen, TSV Bernhausen, SV Bonlanden und TSV Weilimdorf.
SSG Ulm – TSV Plattenhardt (Sonntag, 15 Uhr)
Der Wunschkandidat war auserkoren, der Kontakt geknüpft. Seit dieser Woche ist jedoch klar: Aus der vom TSV Plattenhardt erhofften Zusammenarbeit wird nichts werden. Albert Lennerth hat sich anders entschieden. Der 50-Jährige steigt nicht im Weilerhau ein, sondern bei den Stuttgarter Kickers, wo er die aktuell noch in der Bundesliga spielenden B-Junioren übernimmt. Auf den Fildern hat Lennerth vor allem als einst langjähriger Bonlandener Oberliga-Kicker Bekanntheit erlangt. Zuletzt, bis Dezember, fungierte er ebenfalls in der Oberliga als Trainer, nämlich beim SSV Reutlingen.
„Schade, er war unsere erste Option“, sagt der Plattenhardter Abteilungsleiter Sascha Krammer, für den die Suche somit weitergeht. Einstweilen fungiert er nach der Entlassung von Matteo Casisa selbst weiter als Interimscoach – womöglich auch bis zum Ende der Saison, sofern sich kein passender kurzfristig einstiegsbereiter Nachfolger findet. Das Anforderungsprofil? Wert legen die Plattenhardter Verantwortlichen darauf, dass es kein bloßer Feuerwehrmann zwecks aktueller Rettungsmission sein soll. Der Plan ist, jemanden zu finden, der perspektivisch arbeitet und dann auch in der nächsten Saison als Chef an der Seitenlinie steht.
„Eine unserer letzten Chancen“
Bei der Frage danach, in welcher Spielklasse dies sein wird, gibt sich Krammer keinen Illusionen hin. Drei Spiele seit der Winterpause, drei Niederlagen, dadurch nun bereits sieben Punkte Rückstand zu Platz zwölf, der nach jetzigem Stand die Klassenverbleibmöglichkeit über die Relegation bedeutete – die Luft wird immer dünner. „Wenn man auf die Tabelle schaut, ist klar, dass die anstehende Begegnung eine unserer letzten Chancen ist“, sagt Krammer. Anders formuliert: „Verlieren wir auch dort, müssen wir für die Bezirksliga planen.“
Mut macht der zuletzt spielstarke Auftritt beim 0:2 gegen den TSV Bad Boll, bei dem es allein im Torabschluss mangelte. Was hingegen eher mulmig stimmen könnte: Bei der SSG Ulm handelt es sich um den Plattenhardter Angstgegner. Die beiden bislang letzten Begegnungen bei den Donaustädtern endeten mit krachenden Niederlagen: 0:4 und 0:5.
Noch offen ist, ob es für Fatmir Karasalihovic (nach Knieoperation) und Marc Hetzel (Zerrung) zurück ins Aufgebot reicht. Nach wie vor nicht dabei ist der Keeper Daniel Wagner (nach Knieproblemen nun für zwei Wochen im Urlaub). An seiner Stelle wird erneut der 18-jährige Willi Saubert zwischen den Pfosten stehen.
TV Echterdingen – SG Bettringen (Sonntag, 15 Uhr)
Wer als Echterdinger Fan auf den Spielplan schaut, dem könnte schon mal der Mund wässrig werden. Die Verfolgerduelle mit dem TSV Buch und dem JC Donzdorf, das Derby in Bernhausen – das alles wird der nächste Monat zu bieten haben. „Ja, der April wird heiß und scharf“, weiß der Trainer Giuseppe Iorfida und macht aus seiner eigenen Vorfreude keinen Hehl.
Allein, von der Reihenfolge ist es auch im Fußball immer noch so: erst die Pflicht, dann die Kür. Und jene weitaus unspektakulärere Pflicht will nun erst einmal an diesem Sonntag gemeistert sein: Aktueller Gegner ist der tief im Abstiegskampf steckende Tabellenfünfzehnte SG Bettringen. „Die haben den Kopf bereits halb unter Wasser“, sagt Iorfida. Vorsicht also. Entsprechend werde die Gegenwehr sein. Nachzufragen beim Nachbarn SV Bonlanden. Der kam vor Kurzem gegen denselben Kontrahenten auf eigenem Platz nicht über ein 1:1 hinaus.
Die Echterdinger wollen es besser machen. Nach dem jüngsten 6:0 in Frickenhausen soll ein weiterer Sieg die gute gelb-schwarze Ausgangslage im Aufstiegsrennen festigen. Überhaupt war der Filderclub am vergangenen Spieltag ein Gewinner: Die Kluft zum Führungstrio der Tabelle beträgt auch aufgrund der anderen Ergebnisse lediglich noch vier Punkte.
Dölker vor dem Ausstieg
In seinem Kader hat Iorfida die Qual der Wahl. Auch der zuletzt krank fehlende Spielmacher Deniz Bulut ist wieder fit. Nach jetzigem Stand fehlt lediglich Nils Große Scharmann (nach Knieproblemen nun Bronchitis) nach wie vor. Die gleichwohl bittere Kunde: In Florian Dölker gibt ein Leistungsträger am Wochenende seine vorläufige Abschiedsvorstellung. Der Offensivmann verändert sich in Rahmen seines Polizeijobs beruflich für zwei Jahre nach Villingen-Schwenningen. Sein Spielerpass bleibt zwar in Echterdingen, doch wird Dölker höchstens noch sporadisch zur Verfügung stehen.
Dagegen ist ein anderer bereits definitiv auch über diese Saison hinaus voll und ganz dabei. Erstes Signal bei der Kaderplanung unter dem neuen sportlichen Leiter Zeljko Ljubinac: Der Torjäger Ugur Yilmaz, zugleich einer der beiden Co-Trainer, hat um ein Jahr verlängert. Weitere Bausteine will der Verein bis Ostern setzen.
SV Waldhausen – TSV Bernhausen (Samstag, 15.30 Uhr)
Bringen sie die Wende? Kommt mit ihnen beiden der im Abstiegskampf dringend benötigte Schub? Fest steht: Der TSV Bernhausen hat seit dem vergangenen Wochenende zwei Hoffnungsträger wieder an Bord. Der Abwehrchef Mahir Ege stand erstmals seit seinem Kreuzbandriss vor acht Monaten in der Startformation. Und im Fall des Torjägers Ivan Matanovic reichte es nach seiner Fußverletzung immerhin für ein 45-minütiges Comeback als Joker.
„Sie sind zwei Säulen unserer Mannschaft“, sagt der Trainer Christopher Eisenhardt. Klar: zwei Akteure, die nun nicht gleich wieder von null auf hundert sein können. Aber vielleicht helfen ja allein schon Präsenz und Ausstrahlung. Wichtig wäre es. Denn einerseits betont Eisenhardt mit Blick auf die Tabelle zwar tapfer: „Noch ist nichts aussichtslos. Noch ist nichts verloren.“ Andererseits weiß auch er: „Unsere Lage hat sich verschärft.“ Die Gefahr, dass das Abenteuer Landesliga nach nur einer Saison schon wieder vorbei sein wird, ist mit den beiden jüngsten Schlappen in Neresheim (0:4) und gegen den TSGV Waldstetten (1:4) deutlich gestiegen.
Für die Partie in Waldhausen lautet Eisenhardts primäre Vorgabe: „Fehler reduzieren.“ Zurück zu den Stärken der vergangenen Aufstiegssaison. In jener stellten die Bernhausener mit nur 29 Gegentoren in 30 Spielen die Abwehrfestung der Liga – diesmal, in der laufenden Runde, hat es bereits 44-mal im eigenen Kasten eingeschlagen, im Schnitt fast doppelt so oft.
Bitter: Der Youngster Samuel Böhmer fällt mit einem Bänderanriss im Sprunggelenk für mehrere Wochen aus. Ersetzen könnte ihn ein kurzfristiger nachträglicher Neuzugang: Der Angreifer Ali Al Hashimi hatte bereits vor Wochenfrist einen ersten Kurzeinsatz im lila Trikot. Der 19-Jährige, gebürtig und wohnhaft in Reutlingen, spielte in der Jugend unter anderem für Waldhof Mannheim. Zuletzt versuchte er sich beim österreichischen Drittligisten SC Imst. Am Fleinsbach überzeugte er nun als Trainingsgast.
SV Bonlanden – JC Donzdorf (Samstag, 15.30 Uhr)
Sieg, Unentschieden, Niederlage: so die Ergebnisse 2023 des SV Bonlanden in chronologischer Reihenfolge. Folgt nun also wieder ein Sieg? Das wird sich am Samstag zeigen, wenn es im Heimspiel gegen den JC Donzdorf geht. Der Bonlandener Co-Trainer Roger Bay sieht den Gegner in Zugzwang und hofft darauf, dass das Ergebnis lange Zeit ausgeglichen bleibt, sodass die eigenen Erfolgschancen steigen. Defensiv verstecken werden sich die Filderstädter nicht.
„Man hat gesehen, dass wir mit Topteams mithalten können“, sagt Bay bezüglich der 2:5-Niederlage gegen den Tabellenzweiten TSV Buch am vergangenen Sonntag. Da hatten die Filderstädter in der ersten Halbzeit auf Augenhöhe agiert und ging mit einem Unentschieden in die Kabine. Auf diesen ersten Spielabschnitt gilt es nun aufzubauen.
Gegen Donzdorf zu gewinnen, „wären Bonuspunkte“, sagt Bay. Mit von der Partie wird Art Gashi sein, der seine Sperre aus dem Heimspiel gegen die SG Bettringen vor zwei Wochen abgesessen hat. Damals war er mit Rot des Platzes verwiesen worden, gleichzeitig hatte Bonlanden einen Strafstoß gegen sich kassiert. Da dies eine Doppelbestrafung darstellte, musste Gashi nun lediglich eine Partie aussetzen.
„Er bringt die nötige Aggressivität auf den Platz“, sagt Bay. Das erwarte er von der gesamten Mannschaft, da es im Abstiegskampf eng zugeht. Der Einsatz von Kapitän Andreas Pottmeyer ist aufgrund von Knieproblemen fraglich. Lasse Fröschle und Onur Aycil werden voraussichtlich krankheitsbedingt fehlen.
SV Neresheim – TSV Weilimdorf (Samstag, 15.30 Uhr)
Zwei Siege waren es zuletzt für den TSV Weilimdorf, nun steht am Samstag das Duell beim SV Neresheim an – mit einem Problem: Die Nord-Stuttgarter werden wahrscheinlich auf einem Naturrasenplatz spielen. „Wir sind eine Kunstrasen-Mannschaft, wir trainieren nie auf Rasen“, sagt der Trainer Holger Traub. „Wir sind die Distanzen nicht gewohnt und kriegen oft gegen Ende der Partie schwere Beine und Krämpfe.“
Außerdem kassiert sein Team auf Rasenplätzen zu viele Gegentore. Dem gilt es entgegenzuwirken. Enis Küley wird dabei jedoch nicht helfen können. Der Offensivspieler musste am vergangenen Spieltag beim 2:1-Sieg gegen die SSG Ulm bereits nach 23 Minuten ausgewechselt werden. Muskuläre Probleme im Oberschenkel machten ihm zu schaffen. Da noch immer eine Diagnose aussteht, wolle man kein Risiko eingehen. Darüber hinaus ist der Einsatz von Emir Ataman krankheitsbedingt fraglich.
Dabei sollte der Tabellenzwölfte gewinnen, will man den Anschluss an die Nichtabstiegsränge schaffen. Vier Punkte beträgt der Rückstand auf den einen Platz besser platzierten SV Bonlanden. Dass man nach diesem Spieltag in der Tabelle definitiv nicht höher stehen wird, interessiert Traub nicht. Der Weilimdorfer Coach beschreibt das Rennen im Abstiegskampf als ein Puzzle – man wolle das nächste Puzzlestück anlegen, es werde aber noch dauern, bis das Endergebnis zustande kommt.
Indes freut sich Traub auf ein Wiedersehen: Der Neresheimer Trainer Andreas „Bobo“ Mayer spielte von 2017 bis 2019 unter Traub beim 1. FC Normannia Gmünd. 2007 kam der Angreifer sogar auf zwei Einsätze für die TSG Hoffenheim in der zweiten Bundesliga.