Im August 2024 gab es im Hinspiel ein 3:3 im Rutesheimer Sportpark Bühl gegen SU Neckarsulm: SKV-Kapitän Tobias Gebbert (re.) Foto: Andreas Gorr
Fußball-Landesligist SKV Rutesheim startet am Samstag in Neckarsulm in die Rückrunde, Trainer Christopher Baake weiß um das immens schwere Auftaktprogramm gegen drei Topteams.
Für den Landesligisten SKV Rutesheim beginnt das Fußball-Jahr an diesem Samstag (14 Uhr) mit der Partie bei Sport-Union Neckarsulm. Die Truppe von Cheftrainer Christopher Baake liegt als Tabellensechster mit 30 Punkten nur sechs Zähler hinter Spitzenreiter VfL Waiblingen und hat die Aufstiegsambitionen noch längst nicht zu den Akten gelegt. „Wir müssen nicht aufsteigen“, betont der 35-Jährige. Das Programm zum Start ist anspruchsvoll, im Negativfall spielt die SKV von April an nur noch um die goldene Ananas.
Herr Baake, der Start steht an – um mit den Worten von Ex-Profi Andreas Möller zu fragen: Haben Sie vom Feeling her ein gutes Gefühl?
Ja. (Lacht.) Vom Feeling her habe ich schon ein gutes Gefühl. Vorbereitung lief gut, deutlich besser als vergangene Saison – aber, um eine alte Fußball-Weisheit zu bemühen: Das alles interessiert am Samstag nicht mehr, da geht es auf dem Platz um drei Punkte.
26 Tore in acht Testspielen, die Offensive scheint gut in Schuss zu sein.
Ja, aber wir haben auch 15 Gegentreffer eingesammelt. Grundsätzlich stimmt es mich positiv, dass wir unser Spielsystem noch besser harmonisiert haben – wir sind enger zusammengerückt. Dafür haben wir viel Videoanalyse betrieben, um die Stärken wie die Schwächen besser zu erkennen. Die 26 Treffer zeigen, dass wir vorne variabler geworden sind und wir mehr Torchancen erarbeitet haben. Auf der anderen Seite steht, dass wir uns in den Testspielen viele kapitale Fehler geleistet haben. Nicht nur einmal musste der Gegner eigentlich gar nicht viel machen und kam zu einem Tor. Aber das war ein Stück weit einkalkuliert: Ich wollte, dass die Jungs von hinten mutig herausspielen, da kommt schon auch mal ein Fehler vor.
Kann man das Vermeiden von Leichtsinnsfehlern überhaupt trainieren?
Man kann den Jungs nur vermitteln, bei jedem Pass – und sei es der einfachste – zu 100 Prozent konzentriert zu sein. Gerade auch im Training, wo kein Druck herrscht. Wir treffen uns dreimal pro Woche zu 90 Minuten auf dem Platz und dabei fordere ich von Jungs: Ihr müsst vom Kopf her stets hellwach sein und volle Konzentration haben. Hat man eine solche Einstellung, spiegelt sich das auch am Wochenende beim Spiel wider.
Geht zuversichtlich in die Partie gegen SU Neckarsulm: Trainer Christopher Baake Foto: Baumann/Alexander Keppler
Hat das Team dann auch so fokussiert mitgezogen wie gefordert?
Absolut. Wir sind auch gut rausgekommen aus der Winterpause, das ist nach zwei Monaten ja auch immer ein bisschen eine Wundertüte – aber ich kann mich nicht beklagen: Die Spieler haben über die Feiertage und im neuen Jahr ihre Hausaufgaben gemacht, wir konnten gleich richtig starten und mussten keine läuferischen Defizite aufarbeiten.
Der Start, sei es zu Saisonbeginn oder nach der Winterpause, verläuft bei der SKV Rutesheim nicht selten holprig.
Traditionell ist Rutesheim bei den Starts nie wirklich super, das kenne ich aus meiner Zeit als Spieler – warum auch immer das so ist. In dieser Hinrunde war ich jedoch ziemlich zufrieden, was die Leistungen betrifft – wir haben uns nur nicht belohnt, was die Punktausbeute angeht. Wir haben in der Vorbereitung alles dafür getan, jetzt erfolgreich zu starten.
Es geht gleich in die Vollen. In den ersten vier Partien trifft die SKV auf drei Topteams: Neckarsulm, Waiblingen und Ilshofen.
Vorn kämpfen sieben Mannschaften um den Aufstieg, Neckarsulm liegt als Siebter nur sechs Zähler hinter Spitzenreiter Waiblingen. Die wollen also auch noch ein Wörtchen oben mitreden, deshalb ist ein Sieg für die Sport-Union wie für uns eigentlich Pflicht. Wir haben nun drei Spiele gegen direkte Konkurrenten und danach sollten wir sehen, wohin die Reise für uns geht.
Karriereende in der Winterpause: Tobias Weiß (li.) Foto: Baumann/Alexander Keppler
Das geballte Programm, die volle Dröhnung – gut oder schlecht?
Es ist doch motivierend, gleich auf einen ambitionierten Gegner zu treffen mit vielen guten Spielern in den Reihen, da brauche ich keine Motivationskeule, mit der ich auf die Spieler einschlagen müsste – die brennen selbst darauf, sich zu beweisen. Ich als Spieler hätte es geil gefunden, dass es gleich richtig zur Sache geht.
Ich will ja nicht schwarzmalen, aber sollte die SKV zu wenig Punkten sammeln, wäre die Saison fast schon Ende März gelaufen.
Diesen Gedanken schiebe ich weit weg, den darf man nicht haben. Wenn es so kommt, dann ist es so und wir müssen die Situation annehmen. Aber noch mal: Dieser Gedanke darf sich gar nicht in den Köpfen einnisten. Jetzt geht es nach Neckarsulm und danach sehen wir weiter.
Sollte im Juni ein Aufstieg herauskommen ...
... würden wir ihn selbstverständlich mitnehmen. Wir sind nicht gezwungen aufzusteigen, aber als Sportler will man stets die Maximalausbeute – wenn es am Ende so käme, würden wir uns nicht beschweren. Die gesamte Liga ist sehr eng beisammen, auch die Abstiegskandidaten wollen erst geschlagen werden. Die werden auch Vollgas geben. Es kann eine verrückte Rückrunde werden.
Wie schmerzen das überraschende Karriereende von Tobias Weiß und die langwierige Verletzung von Janis Lamatsch?
Beide sind sehr gut ausgebildete Fußballer, aber sie haben aus verschiedenen Gründen nicht ganz so häufig gespielt, wir konnten das bereits entsprechend auffangen.
Fällt langfristig aus: Janis Lamatsch (re.) Foto: Andreas Gorr
Neuzugänge waren kein Thema?
Der Kader ist gut bestückt. Wenn im Winter ein Spieler auf Markt gewesen wäre, der uns sofort weitergebracht hätte, hätten wir ihn kaum abgewiesen. Das war nicht der Fall.
Das Führungsteam für die neue Runde steht: Sie bleiben Chefcoach, Co-Trainer Pascal Haug wird sportlicher Leiter, Gianluca Crepaldi kommt als spielender Co-Trainer, der Ur-Rutesheimer Alex Wellert wird Co-Trainer.
Es ist ein gutes Zeichen an die Spieler, dass bei der SKV Kontinuität herrscht, damit auch der Kern der Mannschaft bleibt und wir dann in der nächsten Saison eine gute Rolle spielen – in welcher Liga auch immer. Das ist eine hervorragende Personalkombination.
Pascal Haug hat Sie in der Hierarchie überholt und wir als sportlicher Leiter Ihr Chef. Für Sie komisch?
Das habe ich auch schon zu ihm gesagt. Ich hätte ihn auch gerne als Co-Trainer behalten, aber so ist das auch bestens.