Fußball-Landesliga Spitzenspiel, Frust-Diagnose – und eine A-Jugend-Aushilfe im Tor?

Sorgenkinder vor dem vierten Spieltag: der Bernhausener Kapitän Ivan Matanovic, der Echterdinger Abwehrrecke Marc Mägerle und der MTV-Torhüter Khalil Lalo (von links). Foto: Günter Bergmann

Die Vorschau zum 4. Spieltag: TSV Bernhausen, TV Echterdingen, MTV Stuttgart, TSV Plattenhardt. Für einen geht es um die Tabellenführung, für zwei um ein Ende der Null auf dem Konto.

Lokalsport : Franz Stettmer (frs)

Ja, es ist erst der vierte Spieltag der Saison. Und dennoch: Für die Stuttgart/Filder-Teams der Fußball-Landesliga hält dieser am Sonntag bereits eine erste Spitzenbegegnung und zwei Krisenduelle bereit. Während der TSV Bernhausen zum Kräftevergleich zweier noch verlustpunktfreier Kontrahenten nach Ehningen fährt, kämpfen der TV Echterdingen und der MTV Stuttgart gegen die Null auf ihrem Konto. Dagegen kann der Aufsteiger TSV Plattenhardt sein Vorhaben, nach zwei Auswärtssiegen nun auch zuhause Zählbares zu verbuchen, vergleichsweise entspannt angehen.

 

TSV Ehningen – TSV Bernhausen (Sonntag, 15 Uhr)

Drei Spiele, neun Punkte. Beide Gegner haben bislang das Maximum erreicht. An diesem Sonntag kann dies nun höchstens noch für einen von ihnen gelten. Und wer das sein soll, daran lässt Roko Agatic keinen Zweifel. „Wenn man drei Siege in Folge hat, will man auch den vierten“, sagt der Bernhausener Trainer. Zumal es im aktuellen Fall noch etwas zu begradigen gilt. In der ja auch schon starken vergangenen Saison der Fleinsbach-Kicker gab es lediglich zwei Widersacher, gegen die sie komplett leer ausgingen: Der eine war der spätere Meister TSV Weilimdorf – und der andere, richtig, der TSV Ehningen. Einmal 0:3, einmal 2:4. „Das Hinspiel war eines unserer schlechtesten, seit ich hier bin. Und in der Rückrunde war dann die Luft schon draußen“, erinnert sich Agatic.

Neue Saison, neue Chance. Im jetzigen Lauf stimmt den Coach zusätzlich zuversichtlich, dass er nach der Rückkehr aller Urlauber inzwischen eine breite personelle Auswahl hat. So muss es auch keine Sorgen bereiten, dass hinter zwei Stammspielern Fragezeichen stehen, namentlich dem Torhüter Matej Livancic und dem Kapitän Ivan Matanovic. Der Erstgenannte hat schon zuletzt beim 3:1-Sieg gegen den MTV Stuttgart gefehlt, nachdem er sich wie berichtet im Training einen Finger gebrochen hatte. Ob es nun mit Tape und Spezialhandschuh bereits wieder für ein Comeback reicht, soll sich kurzfristig entscheiden. Sonst käme erneut der Neuzugang Kristian-Krassimir Alexandrov (26, zuvor Ersatzmann beim Verbandsligisten SV Spielberg) zum Einsatz. Und Matanovic? Mal schauen. Ein Risiko will Agatic nach dessen Wadenverletzung jedenfalls nicht eingehen. Die Tendenz ist: eher Pause und richtig auskurieren, bevor der Routinier sonst womöglich länger ausfallen wird.

Sicher nicht dabei ist nur Henry Alber, der nach einem Schlag aufs Knie noch auf das Ergebnis einer MRT-Untersuchung wartet – wohingegen Mikail Gümüssu nach mehrwöchiger Rotsperre erstmals wieder zum Aufgebot gehört.

Der erwähnte Kontrahent Ehningen hat am vergangenen Spieltag mit einem 5:0 beim TV Echterdingen aufhorchen lassen und führt die Tabelle an. „Viel Qualität“, sagt Agatic mit Blick auf den Gastgeber, „eine spielerisch sehr gute Mannschaft“. Und: eine, die ihre Stärken wie die Bernhausener selbst im schnellen Umschaltspiel hat. Gute Vorzeichen also für ein echtes Spitzentreffen – auch wenn gerade erst mal vierter Spieltag ist und das Klassement somit noch eine begrenzte Aussagekraft hat.

Terminiert ist im Übrigen mittlerweile das Pokalachtelfinale der „Veilchen“: Die Partie gegen den Regionalligisten SG Sonnenhof Großaspach wird am Mittwoch, 15. Oktober, 19 Uhr, auf dem heimischen Kunstrasen stattfinden.

TSGV Waldstetten – TV Echterdingen (Sonntag, 15 Uhr)

Wie verfährt man als Trainer, wenn der eigene Posten bereits zu wackeln scheint, die Mannschaft immer noch null Punkte auf dem Konto hat und dann ein Auftritt wie beim jüngsten 0:5 gegen den TSV Ehningen allen Beteiligten den Schrecken in die Glieder fahren lässt? Valentin Haug hat sich gegen die Knüppel-aus-dem-Sack-Variante entschieden. „Es wäre Unsinn, da jetzt auch noch draufzuhauen“, sagt der Coach. Stattdessen hat er versucht, in dieser Woche „die Köpfe der Spieler wieder freizukriegen“. Am Montag haben er und die Seinen erst einmal Fußballtennis gespielt.

Freilich, das mit dem Entlüften im Oberstübchen ist leichter gesagt als getan – das weiß auch Haug. Mittlerweile, nach dem nun ja schon seit Monaten anhaltenden Negativlauf, sei es halt so: „Ein Rückschlag auf dem Spielfeld, und es fängt sogleich in den Köpfen zu rattern an.“ Tenor: „Oh weh, jetzt geht es schon wieder schief.“

Insofern: ein Stück weit ein Teufelskreis. Ein Himmelreich für ein Erfolgserlebnis. Was umso dringlicher die Frage aufwirft: Gelingt nun in Waldstetten die Wende? Beginnt sonst nicht nur rund um den Verein, sondern auch intern eine ernsthafte Trainerdiskussion, nachdem die sportliche Leitung Haug wie berichtet gerade erst weiter das Vertrauen ausgesprochen hat?

Mit Blick auf den Gegner ist für Haug klar, dass „wir erneut eine ganz harte Nuss vor uns haben“. Ostalb, „dort war es schon immer schwierig“, weiß er, „immer kämpferisch, immer unangenehm, weil auch irgendwie immer kalt und regnerisch“. Es wird also viel Willen gefordert sein – dies gegen einen Kontrahenten, der in diesem Sommer vor allem mit zwei Neuverpflichtungen aufgebessert hat. Tim Schraml (32) stand einst im erweiterten Bundesliga-Kader des SC Freiburg und hat zuletzt in der Regionalliga für den 1. Göppinger SV gespielt. Und Dominik Pfeifer bringt aus seiner Zeit in Gmünd und Ilshofen Oberliga-Erfahrung ein.

Demgegenüber hat Haug in seiner Innenverteidigung eine Baustelle. Im Fall des Routiniers Marc Mägerle haben sich die Befürchtungen einer Frust-Diagnose bestätigt: ein Innenbandriss im Knie – für ihn dürfte die Hinrunde fast schon beendet sein. Da zudem der Kapitän Marvin Kuhn weiterhin im Urlaub weilt und Maric Lucov aus jenem soeben erst zurück ist, mithin entsprechend Trainingsrückstand hat, wird es eng. Lucov oder der vor Wochenfrist schließlich notgedrungen vom Mittelfeld in die Abwehrzentrale beorderte Steffen Schmidt dürfte dennoch die Ersatzoption sein.

„Die Personalsituation macht’s gerade nicht wirklich besser“, sagt Haug mit bitterem Lachen. Schon jetzt droht sich zu rächen, dass die Echterdinger lediglich mit einem quantitativ dünn aufgestellten Kader in die Saison gegangen sind, nämlich gerade mal 22 Mann.

MTV Stuttgart – GSV Maichingen (Sonntag, 15 Uhr)

Es ist nicht so, dass beim MTV Stuttgart Unruhe aufkommen würde. Dass widerspräche dem Naturell in einem Verein, in dessen Fußballabteilung die Unaufgeregtheit seit jeher an der Tagesordnung ist. Drei Spiele, null Zähler? „Keine Sorgen deswegen“, sagt der Trainer Björn Lorer dementsprechend – lässt aber zugleich an einem keinen Zweifel: „Sehr unbefriedigend ist das natürlich schon. Die Erwartungshaltung war eine andere.“ An diesem Sonntag, steht für ihn fest, „sollten wir nun langsam die Kurve kriegen“. Sprich: mit dem Punkten anfangen.

Optimistisch stimmen den Coach bei diesem Vorhaben vor allem zwei Komponenten. Zum einen, dass die Formkurve zuletzt nach oben gezeigt hat. Trotz 1:3-Niederlage in Bernhausen machten es die Seinen über weite Strecken ordentlich. Bis in die zweite Hälfte hinein führten sie beim Favoriten sogar, ehe sie das bis dahin Erarbeitete quasi selbst mit dem Hintern einrissen. Zwei krasse individuelle Fehler kippten die Begegnung. „Insgesamt aber hat das Spiel Mut gemacht“, sagt Lorer.

Zum anderen haben sich, so des Trainers Beobachtung, Personalsituation und Fitnesszustand der Beteiligten zuletzt gleichermaßen schrittweise verbessert. Für den aktuellen Spieltag bieten sich auch ein Daniel Mägerle und Michel-Angelo Triantafillou wieder als Startelfoptionen an. Zudem ist der Kapitän Raphael Hahn aus dem Urlaub zurück.

Bleibt allerdings ein kritischer Bereich: Wer steht im Tor? Der Neuzugang Khalil Lalo plagt sich mit Leistenbeschwerden – und ist derzeit eigentlich der einzige Keeper des Aufgebots. Sollte er tatsächlich ausfallen, muss sich Lorer etwas einfallen lassen. Die Lösung könnte Otto Birk heißen und aus der eigenen A-Jugend kommen. Carl-Anders Zimmermann, langjährige Nummer eins und inzwischen Torwarttrainer im Verein, hat jedenfalls bereits signalisiert, selbst wirklich nur noch im alleräußersten Notfall einspringen zu wollen.

Ein bisschen Sorgen also doch? Gutes Omen: Das bislang letzte Duell mit dem GSV Maichingen, in der Endphase der vergangenen Saison, gewann der MTV ebenfalls auf eigenem Platz furios mit 6:0.

TSV Plattenhardt – SC Geislingen (Sonntag, 15 Uhr)

Wer hätte es gedacht? Die bisherige Torfabrik wird zum Minimalisten. 1:0 beim MTV Stuttgart, 1:0 auch in Sindelfingen. Wer also wollte meckern? Ganz im Gegenteil. Mit sechs Punkten aus zwei Spielen liegt der Aufsteiger TSV Plattenhardt allemal im Plus. „Die bisherigen Ergebnisse sind gut für unser Selbstvertrauen. Und die Mannschaft kommt immer besser in den Rhythmus“, konstatiert der Trainer Slobodan Markovic. In diesem Stile soll es nun auch gegen den SC Geislingen weitergehen. Markovics Forderung an die Seinen: „Vorsichtig und clever sein. Erneut stabil und kompakt stehen.“ Auf dass es damit zum ersten Mal in dieser Saison auch auf eigenem Platz mit Zählbarem klappt.

In der Erfolgself von zuletzt wird es dabei nach jetzigem Stand nur eine Änderung geben. Nemanja Markovic, der Bruder des Trainers, kehrt nach Ablauf seiner Gelb-Rot-Sperre zeitlich passend zurück. Sein letztwöchiger Stellvertreter in der Abwehrzentrale, der Kapitän Emre Göcer, hat sich nun seinerseits in einen zweiwöchigen Urlaub verabschiedet. Außer ihm fehlt vom Kader nur Oliver Grun, der studienbedingt noch bis Mitte Oktober in Brasilien weilt.

Demgegenüber müssen die Gäste auf ihren Spielführer Malik Eyüpoglu und den Angreifer Damiano De Lucia verzichten. Beide kassierten am vergangenen Wochenende bei der überraschenden Geislinger 1:2-Heimniederlage gegen den TSV Köngen Platzverweise. Ein Aufsteiger hat also schon mal gezeigt, wie sich der vermeintliche Liga-Mitfavorit düpieren lässt. Werden die Plattenhardter der nächste sein?

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