Fußball-Landesliga, Staffel 2 Hoffnung im Landesliga-Tabellenkeller: Muss diesmal nur der Letzte absteigen?

Auch der MTV Stuttgart könnte von den in dieser Saison speziellen Gegebenheiten profitieren. Foto: Archiv Günter Bergmann

In der Staffel 2 kann es tatsächlich zu einem solchen Szenario kommen. Profitieren würde womöglich der MTV Stuttgart, aber auch vermeintlich bereits abgeschlagene Mitstreiter wie der VfL Kirchheim und der SV Neresheim. Wir erklären die möglichen Fälle.

Lokalsport : Franz Stettmer (frs)

Gewusst hat dies einst schon der Dichter Rilke: „Immer wenn du glaubst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her.“ Auch im aktuellen Abstiegskampf der Fußball-Landesliga? Fakt ist: Im Tabellenkeller der Staffel 2 könnte sich in dieser Saison ein unverhofftes Rettungsszenario ergeben, selbst für den einen oder anderen, dem das Wasser aktuell bereits bis Oberkante Unterlippe zu stehen scheint. Theoretisch möglich ist sogar ein Fall mit nur einem einzigen Absteiger – was man denn auch beim Stuttgarter Starter MTV Stuttgart mit Interesse verfolgen dürfte.

 

Die Kräherwald-Kicker treffen an diesem Samstag (15.30 Uhr) im Hinterbänkler-Duell zuhause auf den mit ihnen punktgleichen Mitaufsteiger FC Srbija Ulm. Mit einem Sieg würden sie ihren Kontrahenten im Klassement überholen und sich auf den zwölften Platz verbessern. Und dieser zwölfte Rang, das gilt unverändert, ist von unten betrachtet der erste, der definitiv zum Klassenverbleib reichen wird. Nach jetzigem Stand müssten die vier dahinter platzierten Teams den Weg in die Bezirksligen antreten.

Betonung allerdings auf „nach jetzigem Stand“. Dieser kann sich auch noch gehörig ändern, was daran liegt, dass es heuer deutlich größere externe Einflussfaktoren gibt als in bisherigen Jahren.

Die drei Einflussfaktoren

Punkt eins: das Geschehen in der übergeordneten Verbandsliga. Schaffen es dort an den verbleibenden drei Spieltagen die TSV Oberensingen und der TV Echterdingen ans rettende Ufer, reduziert sich die Absteigerzahl schon einmal auf drei. Wobei die Echterdinger aktuell allerdings einen Abstiegsplatz belegen.

Punkt zwei: die Relegation. Steigt der Vizemeister auf diesem Weg in die Verbandsliga auf und der Relegationsgegner heißt dabei nicht Oberensingen oder Echterdingen, wird in der Staffel ein Startplatz frei. Auch dies hätte einen Absteiger weniger zur Folge. Stand jetzt wäre der MTV-Stadtrivale TSV Weilimdorf der Teilnehmer, für den es Daumen zu drücken hieße. Die Nord-Stuttgarter belegen aktuell den zweiten Tabellenplatz.

Punkt drei: die bevorstehende geografische Umstrukturierung der Landesliga-Staffeln. Im Zuge der Bezirksreform fallen in der Staffel 2 nach dieser Saison wie berichtet die Donau/Iller-Teams weg, dafür kommen die bisher in der Staffel 3 beheimateten Mannschaften des Kreises Böblingen neu hinzu. Sollte die Zahl der qualifizierten Donau/Iller-Aussteiger am Ende größer sein als jene der qualifizierten Böblingen-Einsteiger, würde über einen nachträglich reduzierten Abstieg ein Ausgleich hergestellt. Im mittlerweile unwahrscheinlichen umgekehrten Fall würde die Staffel 2024/2025 dagegen mit Mannschaftsüberhang spielen.

Momentan ergäbe sich eine Pari-Situation. Sechs Teams da, sechs Teams dort. Auf der einen Seite Türkspor Neu-Ulm, FC Blaubeuren, TSV Buch, SSG Ulm, FC Srbija Ulm und der Aufsteiger SC Türkgücü Ulm als künftige Donau/Iller-Landesligisten. Auf der anderen Seite der Absteiger GSV Maichingen sowie TSV Ehningen, VfL Sindelfingen, SV Böblingen, TSV Darmsheim und der Aufsteiger SV Rohrau als Kreis-Böblingen-Landesligisten der nächsten Saison. Doch sind gerade auf der Böblingen-Seite Verschiebungen durchaus noch denkbar. Zum Beispiel, indem den Maichingern in der Verbandsliga auf der Zielgeraden der Klassenverbleib gelingt. Oder wenn sich von den Anwärtern Ehningen und Sindelfingen einer oder sogar beide als Aufsteiger nach oben in eben jene Verbandsliga verabschieden. Aktuell liegt das Duo in seiner Staffel nur knapp hinter dem Spitzenreiter Young Boys Reutlingen.

Summa summarum also, zugegeben, viel Hätte, Wäre, Wenn – aber auch nicht so unrealistisch, dass es als bloßes Graue-Theorie-Gespinst am Rechenschieber abzutun wäre. Treten mehrere der genannten Komponenten ein, könnte am Schluss, Mitte Juni, tatsächlich das eingangs angedeutete Kuriosum Wirklichkeit sein: nämlich mit nur einem einzigen Absteiger. Wenigstens diesen einen wird es in jedem Fall geben. Das sehen die Verbandsregularien als Pflicht-Mindestmaß vor. Schlechte Kunde damit also für den abgeschlagenen Tabellenletzten 1. FC Germania Bargau (16., elf Punkte): Für ihn wird sich kein Lichtlein mehr anknipsen lassen. Auch nicht getreu Rilke von irgendwo her. Für die anderen größten Wackelkandidaten namens SV Neresheim (15., 18 Punkte), VfL Kirchheim (14., 22 Punkte), MTV Stuttgart (13., 31 Punkte) und Srbija Ulm (12., 31 Punkte) dagegen womöglich schon.

Weitere Themen