„Mal schauen, ob wir heute gewinnen.“ Zwar waren zahlreiche Fans des SV Rohrau mit einer gewissen Erwartungshaltung auf den Fußballplatz gekommen, aber Zuversicht sieht anders aus. Dennoch: Gegen wen, wenn nicht den TV Darmsheim, sollte denn der erste Sieg in der Landesliga, Staffel II, gelingen?
Nach wenigen Minuten rieben die sich die Zuschauer verwundert die Augen. Der Gäu-Klub hatte die erste Möglichkeit durch Jonathan Fiscella, ehe ein Eckball von Noel Hellmann ungestreift zum 1:0 durchrutschte. Kurz danach gab es ein Lehrstück der Gäste, wie man schnörkellos erfolgreich ist. In der Mitte war Maurice Dreher frei und lochte zum 1:1 ein.
Gleich danach griff sich TVD-Keeper Alexander Dieterle an den Oberschenkel, für ihn musste Fabio Raizner in den Kasten. Derweil legte das Lokalduell in Sachen Unterhaltungswert zu. Hellmann überzeugte bei den Einheimischen im linken Mittelfeld, Kai Moser mit dynamischen Vorstößen. Auf der anderen Seite hatte Dennis Gauß Mühe, Maurice Dreher zu folgen. Eben jener Dreher, Fabian Schneider, Tino Dannecker und natürlich Simon Lindner sorgten in Verbindung mit Spielertrainer Daniel Knoll für ein Übergewicht der Auswärtsmannschaft.
Der Elfmeterpfiff für ein Foul an Darius Romanyuk kam zu diesem Zeitpunkt völlig überraschend, es folgte die erneute Führung der Hausherren durch Simon Kamm. Kein Grund zur Panik bei den Kickern vom Eichelberg. Erst setzte Felix Raith einen Kopfball knapp über den Querbalken, dann bewies Lindner seine Klasse im Abschluss mit dem Ausgleich. Die Rohrauer gerieten ins Schwimmen, Tino Dannecker spritzte in einen Querpass und netzte zum 2:3.
Die Darmsheimer setzten nach Wiederanpfiff nach. Ein Heber war zu hoch, später hatten Lindner und Dannecker die Vorentscheidung auf dem Fuß. In die Maschen traf allerdings Noel Hellmann mit einem Sonntagsschuss zum 3:3 – ein Treffer aus dem Nichts. Die Ballverluste auf beiden Seiten häuften sich, es entwickelte sich eine wilde Partie, in welcher der TVD defensiv zusehends die Ordnung verlor.
Hellmann konnte einen schon geklärten Ball zurückerkämpfen, sein Zuspiel erreichte den kurz zuvor eingewechselten Filip Jose Marques Moreira, und der erzielte frei vor dem Gehäuse das viel umjubelte 4:3. Der Kontrahent war nun gezwungen aufzumachen, Moser verpasste die Vorentscheidung. Romanyuk machte es wenig später beim nächsten Konter besser. Sein Schuss aus sieben Metern flutschte Raizner im kurzen Eck zum 5:3 durch.
Leon Kuonath sorgte mit dem 5:4 per Stirn für eine emotionale Schlussphase, ehe der erste Dreier in dieser Klasse für den Aufsteiger und baldigen Absteiger fix war. „Das fühlt sich heute ganz komisch an“, schmunzelte Coach Maximilian Geiger. „Vor allem waren wir effektiv.“
Die Steigerung im zweiten Abschnitt sei nichts Neues, das Umschalten in die Offensive vor dem dritten Treffer hingegen schon. „Nolle hat gegen seinen alten Verein ein Riesenspiel abgeliefert“, lobte er Hellmann. „Unser Schlussmann Lucas Kroker und die nötige Portion Glück taten ihr Übriges dazu. Pech hatten wir in dieser Runde nämlich schon genug.“
Sein Gegenüber Daniel Knoll wusste, dass die Begegnung für den neutralen Zuschauer bestimmt einen hohen Unterhaltungswert hatte. „Wir selbst hatten genügend Chancen, und es kann nicht sein, dass man mit vier Toren in der Fremde verliert.“ In einem Derby müsse es auch mal wehtun, bemängelte er mangelnden Einsatz. „Es waren die Kleinigkeiten, die gefehlt haben.“
SV Rohrau: Kroker (1,5), Hellmann (1), Geiger (2/61. Marques Moreira 2), D. Gauß (3), Franz (2), S. Kamm (2), J. Fiscella (2,5), Colmsee (2/84. Widmayer), Romanyuk (1,5/80. Müsel), Moser (1,5), Tajik (2,5/69. Kallab).
TV Darmsheim: Dieterle (10. Raizner 2,5) Knoll (2/73. Kuonath), Deichsel (2), Schroth (2,5), T. Schneider (2,5/77. Link), Lindner (2), Raith (2/73. Siegle) Lang (2/77. Völler), Dreher (1,5), Dannecker (1,5), F. Schneider (2).
Tore: 1:0 (4.) Hellmann, 1:1 (9.) Dreher, 2:1 (30. Foulelfmeter) S. Kamm, 2:2 (33.) Lindner, 2:3 (35.) Dannecker, 3:3 (56.) Hellmann, 4:3 (65.) Marques Moreira, 5:3 (73.) Romanyuk, 5:4 (88.) Kuonath.
Zuschauer: 280.
Bruddelometer: 1 = granadamäßige Leischdung, 2 = des daugt ebbes, 3 = et so guat.