Die Wut über das 3:4 bei Kevin Flaig (li.) und dem GSV Maichingen ist bei der SV Böblingen (in Blau) inzwischen verraucht: Dennoch wollen die Spieler alles tun, um sich mit einem positiven Erlebnis in die Winterpause zu verabschieden. Foto: Eibner/Daniele La Rocca
Spätherbst und Frühwinter sind beim Fußball so eine Sache. In vielen Fällen spielt man auf einem Acker, manchmal aber auch gar nicht. Dazwischen bewegt sich aktuell die SV Böblingen.
Michael Schwartz, Kevin Schuon, Andreas Reichert und Sascha Berger
28.11.2025 - 07:09 Uhr
Es ist dreieinhalb Monate her, da startete die Fußball-Landesliga, Staffel II, in die neue Saison. Der erste Gegner von damals ist nun beim Rückrundenauftakt auch der letzte in diesem Jahr, wonach vermeintlich direkt die Winterpause folgt.
Vielleicht aber auch nicht, denn das Wochenende drauf ist ein potenzieller Kandidat für das Nachholen von Begegnungen, die zuletzt dem Winter zum Opfer fielen.
Schon am Samstag (14 Uhr) fehlen den Ehningern mindestens eine Handvoll Leute. Lars Jäger und Jonas Horvat sind verletzt, Noah Sautter ist krank, Ender Özcan noch rotgesperrt und Stefano Meola im Urlaub. Falls die am 22. November ausgefallene Partie gegen den SV Waldhausen ersatzweise am 6. Dezember stattfindet, wären es dann noch mehr. „Viele sind da schon weg, es ist der Tag unserer Weihnachtsfeier, und außerdem merkt man ehrlicherweise, dass die Luft gerade extrem raus ist“, begründet Trainer Johannes Pfeiffer, weshalb ihm ein Ausweichtermin am 28. Februar lieber wäre.
Aber erstmal geht es nun gegen die Bad Boller, von denen die Gelb-Blauen im Hinspiel auswärts trotz überschaubarer Vorstellung einen 2:1-Sieg mitbrachten. „Damals habe ich direkt den Gedanken gehabt, dass die dieses Mal sicher nicht unten rumkrebsen werden“, erinnert sich Pfeiffer. Vor allem die zentrale Achse des Rivalen mit Baran Ates, Toni Suddoth und Melih Caliskan beeindruckte ihn: „Die haben Qualität und können für viel Furore sorgen, man sollte sie stets bewachen.“
In Bad Boll mühte sich der TSV Ehningen (in Neonblau) zu einem 2:1-Sieg: Im Rückspiel zu Hause wird Noah Sautter (vorne links) krank ausfallen. Foto: Eibner/Stefan Rosenfelder
Die Gäste agieren grundsätzlich im 4-3-3-System. „Wir müssen eng dran sein, weil die was mit dem Ball anfangen können“, nennt Pfeiffer ein mögliches Rezept dagegen. „Du darfst sie nicht einfach machen lassen und musst die Tiefenläufe verteidigen.“ Offensiv macht er sich keine Sorgen, „da sind wir immer gefährlich“. Er geht von einem Fifty-fifty-Duell aus, bei dem Kleinigkeiten entscheiden werden.
SC Geislingen – SV Böblingen
Genau wie die Böblinger waren auch die Geislinger am vergangenen Wochenende aufgrund der Witterungsverhältnisse zum Zuschauen verdammt. „Wir hätten das Derby gegen den VfL Sindelfingen gerne gespielt“, betont SVB-Trainer Thomas Siegmund. „Denn wir hatten nach der 3:4-Niederlage beim GSV Maichingen Wut im Bauch.“ Die ist jetzt zwar wieder ein Stück verflogen, „aber dennoch freuen wir uns, dass wir aller Voraussicht nach nochmal ran dürfen“. Denn der Coach möchte das Kalenderjahr natürlich mit einem Erfolgserlebnis beenden.
Die SVB trifft am Samstag (14.30 Uhr) bereits zum dritten Mal 25/26 auf den SCG. Nachdem sie im WFV-Pokal mit 7:9 nach Elfmeterschießen den Kürzeren gezogen hatte, gelang ihr im Punktspiel ein 2:1-Sieg. Auch diesmal rechnet Siegmund mit einer knappen Kiste. „Seit dem Trainerwechsel sind die deutlich stabiler.“ Zuletzt hat der kommende Kontrahent sogar drei Partien in Folge nicht verloren.
Vor zwei Wochen hatte der TSV Ehningen mit dem nicht gerade optimalen Rasen am Albtrauf seine Probleme. Dieser wird sich seither nicht gerade verbessert haben. „Wir müssen mit schwierigen Verhältnissen rechnen“, weiß Siegmund. Da auf dem eigenen Gelände die Rasenplätze gesperrt sind und der Kunstrasen durchgehend mit Jugendmannschaften besetzt ist, trainiert sein Team aktuell neben dem Stadion im Freibad. „Das ist als Vorbereitung auf den Acker, der uns erwartet, vielleicht nicht einmal schlecht“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Damit, dass sich in diesem Jahr die widrigen Umständen am Silberweg häuften, ist er allerdings überhaupt nicht glücklich.
FV Sontheim/Brenz – VfL Sindelfingen
Von der Papierform her betrachtet dürfte das am Sonntag (14.30 Uhr) für den VfL eigentlich eine klare Angelegenheit werden. Denn der noch sieglose Aufsteiger FV kassierte in den bisherigen 15 Partien bereits 49 Gegentreffer und holte lediglich einen Punkt.
Trotz des klaren 3:0-Hinspielerfolgs wird die Begegnung allerdings keinesfalls ein Selbstläufer. „Wir sind nach dem 1:1 von Sontheim/Brenz gegen Maichingen selbstverständlich gewarnt“, mahnt Sindelfingens sportliche Leiter Bastian Bothner, das Schlusslicht nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. „Wenn wir unsere Leistung abrufen, sind wir zwar fußballerisch überlegen, aber entscheidend wird sein, mit der richtigen Einstellung an die Sache ranzugehen und kämpferisch dagegenzuhalten.“
Nach Rücksprache mit den Gastgebern und dem Staffelleiter ist der Platz derzeit bespielbar, nachdem das Aufeinandertreffen zu Wochenbeginn noch auf der Kippe stand. Früher als erwartet stünde dann auch Tahir Bahadir nach seinem Platzverweis gegen den TV Echterdingen wieder zur Verfügung. „Da hat es sich gelohnt, Einspruch gegen die Sperre von sieben Spielen zu erheben“, so Bothner. Denn nach Vorlage entsprechenden Videomaterials wertete der WFV das Vergehen nur noch als unsportliches Verhalten und reduzierte die Zwangsauszeit auf zwei Partien. Von den Langzeitverletzten abgesehen, ist daher lediglich der Einsatz des angeschlagenen Rion Gashi noch fraglich.
TSV Köngen – GSV Maichingen
Das enttäuschende 1:1 beim Tabellenletzten Sontheim/Brenz hat der GSV abgehakt. „Wir haben es aufgearbeitet und thematisiert, jetzt geht der Blick nach vorne“, betont Trainer Thomas Wohland. Nach dem Schlusslicht wartet nun der Spitzenreiter, der schon das Auftaktspiel im Allmend gewinnen konnte.
Zuletzt stotterte der Motor des Aufsteigers aber gewaltig. „Das Team ist gut, die sind mit viel Euphorie gestartet. Sie stehen auch nicht zu Unrecht da oben“, nickt Wohland. Aber ihm ist auch die Bilanz der jüngsten drei Wochen nicht verborgen geblieben: 0:0 gegen den MTV Stuttgart, 0:6 beim 1. FC Eislingen, 2:2 gegen die TSVgg Plattenhardt. „Wir sind da also auch nicht chancenlos“, glaubt der Coach der Grün-Weißen. „Wir wollen dort gewinnen, um mit 20 Punkten in die Winterpause zu gehen.“
Soweit zur Theorie. Dafür muss aber einmal mehr die Defensive sicherer stehen. „Das Gegentor bei Sontheim/Brenz war nicht landesligareif“, räumt Wohland ein. „Wir müssen den Strafraum einfach mehr verteidigen wollen, das wiederholt sich von Woche zu Woche.“ Ausgerechnet in der Partie beim Primus fällt nun Innenverteidiger Anil Sarak mit einer Zerrung aus, dafür kehrt Kane Ehmke nach Sperre zurück, und auch Kevin Flaig steht wieder zur Verfügung. Michael Klauß, der zuletzt mit einer Zerrung ausgewechselt werden musste, dürfte ebenso mit dabei sein. „Bei ihm bin ich optimistisch“, hofft Wohland auf seinen Kapitän.