Fußball-Landesliga: Stuttgart/Filder-Teams Weilimdorfer Torhüter-Streit: der Vizemeister feuert seine Nummer eins

Ein Ende im Streit: Dominik Ferdek gehört nicht mehr zum Kader des TSV Weilimdorf. Foto: Archiv Günter Bergmann

Vor dem Favoritenduell in Maichingen herrscht bei den Nord-Stuttgartern hinter den Kulissen dicke Luft. Beide intern beteiligten Seiten erheben Vorwürfe. Derweil plagen den MTV Stuttgart und den TSV Bernhausen vor ihren Spielen Aufstellungssorgen.

Kurioser Zufall des Spielplans: Alle drei Stuttgart/Filder-Fußball-Landesligisten bekommen es an diesem Sonntag mit Staffelneulingen aus dem Kreis Böblingen zu tun. Die herausragende Begegnung ist jene zwischen den beiden Titelmitfavoriten GSV Maichingen und TSV Weilimdorf – wobei das rein sportliche Geschehen bei den Gästen jedoch durch ein internes Ärgernis überschattet wird. So hat der Vizemeister seine bisherige Nummer eins Dominik Ferdek aus dem Kader geworfen. „Unwiderruflich und endgültig“, wie der Trainer Manuel Fischer betont. Eine Maßnahme im Streit. Beide Seiten erheben Vorwürfe.

 

GSV Maichingen – TSV Weilimdorf (Sonntag, 15 Uhr)

Brauchen kann Fischer dieses Thema gerade in etwa so sehr wie eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt. Und am liebsten hätten die Weilimdorfer es ganz unter der Decke gehalten. Aber hilft ja alles nichts. Schließlich wäre es eh irgendwann aufgefallen: Wo eigentlich Dominik Ferdek ist? Die Antwort lautet: inzwischen nicht mehr im Urlaub – der Stammkeeper und Vizekapitän ist nach seiner vierwöchigen Auszeit zurück. Allerdings auch weiterhin nicht im Aufgebot. Und dort wird der 28-Jährige Stand jetzt fortan überhaupt vergeblich zu suchen sein. „Er gehört nicht mehr zum Kader. Die Entscheidung ist gefallen, diese Sache so zu lösen", sagt Fischer. Punkt, Ende, Abpfiff. Der Verein hat einem seiner bisher wichtigsten Leistungsträger den Laufpass erteilt. Es ist die finale Eskalation eines abrupt ausgebrochenen Torhüter-Streits.

Die ganze Geschichte in Kürze: Ferdek hatte sich wieder einsatzbereit gemeldet – bekam von seinem Coach aber eröffnet, dass er sich nun erst einmal hinten anstellen muss. Bis auf Weiteres nur ein Platz auf der Bank für ihn. Der Grund: Sein Stellvertreter, der Neuzugang Zacharias Vevelidis, hatte in der Zwischenzeit überzeugende Leistungen gezeigt, sodass Fischer aktuell keine Veranlassung für einen Wechsel zwischen den Pfosten sah. Das wollte Ferdek so nicht akzeptieren. Schon beim 4:3 am vergangenen Wochenende gegen den TSV Bernhausen war er deshalb eigeninitiativ nicht dabei. Und nach noch ein paar Nächten Schlaf über der Angelegenheit zog Fischer schließlich von sich aus einen Strich. „Ich hätte es mir natürlich anders gewünscht. Aber jeder entscheidet selber über sein Glück“, sagt er.

Von einer „großen Enttäuschung“ sprechen derweil sowohl der Spielleiter Michael Bachmann, der Fischers Weg „absolut nachvollziehen kann“, als auch Ferdek selbst. Jener sagt zur aktuellen Entwicklung: „Ich denke, mit einem Spieler, der für den Verein über Jahre hinweg so viel geleistet hat, geht man so nicht um." Er sei topfit aus dem Urlaub zurückgekehrt, habe eine Woche lang „top trainiert“ und habe dann zu seiner Überraschung zunächst aus der Zeitung von seiner Degradierung erfahren. Das folgende Gespräch am Abend habe Fischer „von oben herab geführt, als wäre ich ein A-Jugendspieler“.

So weit also das interne Beben – nach welchem nun freilich alle Weilimdorfer Bemühungen darauf ausgerichtet sind, sich wieder allein auf den sportlichen Teil zu konzentrieren. Zumal: Jener stellt sich bislang umso erfreulicher dar. 13 von 15 möglichen Punkten geholt, Tabellenplatz zwei. „So wollen wir weiter machen“, sagt Fischer. Wobei: in einer Hinsicht nicht. „Wir haben zuletzt zu viele einfache Gegentore gefressen“, moniert der Coach, dem voraussichtlich der nahezu gleiche Kader wie zuletzt zur Verfügung steht. Einzige Ausnahme: Dennis De Sousa Lourenco ist nach seiner Hochzeitsreise wieder da.

Demgegenüber wartet ein Gegner im Krisenmodus – in seinem Fall nicht wegen personeller Turbulenzen, sondern infolge schlechter Ergebnisse. Nach gutem Saisonstart hat der Verbandsliga-Absteiger Maichingen an den vergangen drei Spieltagen dreimal verloren. Und das trotz aller individuellen Klasse in seinem Kader. Bauen kann der Fischer-Amtskollege Giuseppe Iorfida (zuvor TV Echterdingen) unter anderem auf drei Ex-Profis, namentlich Michael Deutsche (zuvor TSV Plattenhardt und ebenfalls TV Echterdingen), Shkemb Miftari (zuvor Calcio Leinfelden-Echterdingen) und Michael Klauß. Letzterer, inzwischen 37 Jahre alt, kickte einst für den VfR Aalen in der zweiten Liga.

TV Darmsheim – MTV Stuttgart (Sonntag, 15 Uhr)

Bei so vielen Ausfällen fällt es selbst dem Trainer des MTV Stuttgart, Björn Lorer, schwer, den Überblick zu behalten. Für die Partie in Darmsheim fehlen dem Landesligisten Raphael Hahn, Philipp Weippert und Fabio Baldi verletzt, Tilo Haist konnte erkrankt nicht trainieren, Götz Gaiser ist beruflich verhindert, und auch Stephan Wiese ist für das Wochenende nicht verfügbar.

Nicht nur sportlich wiegen die Ausfälle schwer, mit dem Kapitän Hahn und seinen Stellvertretern Weippert und Gaiser bricht auch die Führungsachse weg. „Wir haben viele junge Spieler, die noch geleitet werden müssen. Das macht es natürlich schwieriger, wenn die drei wichtigsten Anführer fehlen“, sagt Lorer. Als Ausreden möchte er diese Umstände aber nicht zählen lassen: „Die Mannschaft, die am Sonntag nach Darmsheim fährt, wird und soll in der Lage sein, drei Punkte zu holen.“

Der Gegner aus dem Sindelfinger Stadtteil steht noch ohne Punkte aus den ersten fünf Spielen am Tabellenende. Doch gerade das mache ihn so gefährlich, meint Lorer. „Angeknockte Boxer sind die gefährlichsten. Irgendwann werden sie ihre ersten Punkte holen“, ist er überzeugt und attestiert den Darmsheimern bislang couragierte Auftritte.

Keinen guten Auftritt zeigte das eigene Team am vergangenen Samstag bei der 1:3-Niederlage in Geislingen. „Das war in allen Bereichen zu wenig“, sagt Lorer. Gegen das Schlusslicht soll insbesondere der Spielaufbau besser gelingen – auch ohne eine Handvoll Leistungsträger.

TSV Bernhausen – SV Rohrau (Sonntag, 15.30 Uhr)

Der TSV Bernhausen wusste, worauf er sich in der Landesliga einlässt. Deshalb sei man darauf vorbereitet gewesen, dass es Phasen gibt, in denen es nicht so läuft, sagt der Trainer Roko Agatic. Und in eben so einer Phase stecken die Filderstädter nach drei Niederlagen in Folge momentan. Gegen den Böblinger Mitaufsteiger SV Rohrau soll wieder auf die Erfolgsspur eingebogen werden.

Die Stimmung sei gut und die Mannschaft voll fokussiert. Das Vertrauen in die eigene spielerische Stärke ist weiterhin da. Auf diese baut Agatic auch an diesem Sonntag. Dabei fordert er von seinen Spielern, gegen den voraussichtlich tief stehenden Tabellenvorletzten geduldig zu bleiben. In erster Line müsse sein Team jedoch die einfachen Fehler in der Defensive vermeiden. „Wenn wir die abstellen, dann können wir mit jedem Gegner in der Liga mithalten“, ist der Trainer überzeugt.

Die Defensive wird durch die Ausfälle des Sechsers Oliver Lujic und des Rechtsverteidiger Henry Alber, die sich im Duell mit dem TSV Weilimdorf (3:4) verletzten, allerdings weiter geschwächt. Hinzu kommt, dass Lukas Walz erkrankt nicht trainieren konnte. Und Erik Meinlschmidt fehlt nach seiner roten Karte noch einmal gesperrt. Wer sie ersetzen soll, will Agatic „aus dem Bauch heraus entscheiden“. Zuvor will er über seine Gedanken noch eine Nacht schlafen.

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