Fußball-Landesliga: Stuttgarter Teams Weilimdorf angelt sich einen Fellbacher und einen Ex-Kickers-Spieler

Sahin Durdu, sportlicher Leiter beim TSV Weilimdorf, hat just die ersten beiden Sommertransfer fix gemacht. Foto: Günter Bergmann

Während die Weilimdorfer den ersten Transfer verkünden und um die Aufstiegsspiele kämpfen, steht für den MTV Stuttgart die Schlüsselpartie um den Klassenverbleib an. Derweil haben die Trainer beider Teams eine Entscheidung über ihre Zukunft getroffen.

Lokalsport: Patrick Steinle (pst)

Der höchstklassigste Verein der Landeshauptstadt, der VfB Stuttgart, entsendet nicht nur fünf deutsche Nationalspieler zur Europameisterschaft, sondern hat am Wochenende auch noch die Chance auf den Vizetitel in der Bundesliga. In der Regionalliga kämpfen die Zweitvertretung der Brustringträger sowie die Stuttgarter Kickers im Fernduell um den Aufstieg in die dritte Liga. Und die nächstbesten Teams aus der Neckarstadt? Die sind in der Fußball-Landesliga (Staffel 2) zu finden. Dort hat der TSV Weilimdorf den zweiten Platz weiter fest im Blick, dieser würde nämlich zu den Aufstiegsspielen in die Verbandsliga qualifizieren. Am anderen Ende der Tabelle möchte sich der Liganeuling MTV Stuttgart vor dem direkten Abstieg in die Bezirksliga retten. Hierfür wäre ein Sieg gegen den Tabellennachbarn FC Srbija Ulm von großer Bedeutung.

 

MTV Stuttgart – FC Srbija Ulm (Samstag, 15.30)

Geringer kann der Unterschied zwischen einem Nicht-Abstiegsplatz und einem Abstiegsplatz kaum sein. Zwar könnte dem MTV der derzeitige Rang 13 für den Staffelverbleib reichen – lesen Sie hierzu eine detaillierte Erklärung, wie viele Teams absteigen könnten – nach aktuellem Stand würde dieser aber im Gang in die Bezirksliga münden. Punktgleich und mit einer lediglich zwei Treffer besseren Tordifferenz steht der FC Srbija Ulm über dem Strich. Das Aufsteigerduell hat also Endspiel-Charakter. „Wer in diesem Spiel drei Punkte holt, hat die Pole Position. Das wäre ein Fingerzeig“, sagt der Stuttgarter Trainer Björn Lorer, der in der Begegnung indes „Teil zwei der Pflichtaufgaben“ sieht.

Vor Wochenfrist absolvierte seine Truppe Teil eins mit Bravour: Beim bereits sicher abgestiegenen Schlusslicht in Bargau gewann diese mit 6:0 – und das ohne den privat verhinderten Übungsleiter Lorer selbst. Bleibt er beim Kellerduell am Kräherwald diesmal also aus Aberglaube fern? Natürlich nicht. „Das war ein schöner Sieg, der gut getan hat, aber jetzt am Samstag kommt das wichtigste Spiel“, sagt er. „Es gibt keinen Grund, durchzuschnaufen.“ Auf Eventualitäten in der Abstiegskonstellation möchte er sich nicht verlassen.

A-Jugendlicher Biermann steht vor seinem Kader-Debüt

Im Hinspiel gewann der MTV in Ulm knapp mit 1:0 dank eines Treffers von Mertcan Özocak in der 22. Spielminute. „Srbija war spielstark, aber es haben sich Möglichkeiten im Umschaltspiel und beim Pressing ergeben“, erinnert sich Lorer. „Wenn wir es schaffen, einigermaßen fehlerfrei zu bleiben und defensiv stabil zu stehen, traue ich uns einen Sieg zu.“ Sah der Coach bereits das erste Aufeinandertreffen als ein umkämpftes an, wird es diesmal wohl kaum weniger intensiv ablaufen. In den Zweikämpfen müssen die Stuttgarter Fußballer voll da sein, wollen sie die Abstiegszone verlassen.

Zu jener kickenden Belegschaft wird auch erstmals Philipp Biermann gehören. Der A-Jugendliche, der in der U-19-Verbandsstaffel 15 Tore in 20 Spielen schoss, wird sein Kader-Debüt feiern. In der Offensive könnte sogar der erste Einsatz für die Aktiven herausspringen. Auch ein Grund dafür ist, dass dort Dominik Hug mit Schulterproblemen auszufallen droht. Hinter dem Einsatz von Joel-Noah Graham, Emre Türköz (beide Rückenschmerzen) und Jannik Mauch (krank) steht ein Fragezeichen.

Lorer machte zuletzt zudem Nägel mit Köpfen. „Ich habe mich entschieden, weiterzumachen“, sagt der Trainer, der seit 2020 das Sagen beim MTV hat. Er geht also ligaunabhängig in seine fünfte Saison am Kräherwald.

TSV Weilimdorf – SV Neresheim (Samstag, 15.30 Uhr)

Auch sein Pendant beim anderen Stuttgarter Landesligisten macht es ihm gleich. Manuel Fischer bleibt Trainer des TSV Weilimdorf und möchte weiter etwas im Verein aufbauen. Der Weg soll in die Verbandsliga führen, falls nicht in diesem Jahr, dann perspektivisch. „Ich möchte mich verstärken, auch in der Breite“, sagt der 34-Jährige mit Blick auf die kommende Transferperiode. „Es soll eine Truppe sein, die in beiden Ligen mithalten könnte.“ Dazu passt auch die erste Verpflichtung für die neue Runde: Der sportliche Leiter Sahin Durdu bestätigt, dass Luka Milenkovic vom Verbandsliga-Titelanwärter SV Fellbach kommt, bei dem der große Ausverkauf stattfindet. Finanzielle Nöte machen dies wie berichtet möglich.

Der 24-jährige Verteidiger absolvierte in dieser Saison 20 Partien und spielte bereits beim SGV Freiberg in der Oberliga (vier Einsätze) sowie beim VfB Stuttgart in der U-17-Bundesliga (ein Einsatz). „Er bringt Potenzial im fußballerischen Bereich mit und kennt die höhere Liga“, sagt Fischer. Die Unterschrift Milenkovics war jedoch nicht die einzige, die der sportliche Leiter Sahin Durdu einfing. Der TSV Weilimdorf hat darüber hinaus nämlich Emmanuel Apler verpflichtet. Aktuell läuft der 27-jährige Abwehrspieler für NK Croatia Bietigheim in der Bezirksliga Enz/Murr auf und blickt in seiner bisherigen Karriere auf 57 Oberliga-Partien zurück – für den FSV Bietigheim-Bissingen sowie die Zweitvertretung der Stuttgarter Kickers.

Der Verein an der Giebelstraße scheint also gewappnet für einen möglichen Aufstieg. Dass es mit diesem klappt, muss er aber noch ein paar Schritte gehen. Nach dem Zurückerobern des zweiten Tabellenplatzes am vergangenen Spieltag hört sich die Rechnung recht simpel an: Drei Siege in den verbleibenden Partien gegen Neresheim, bei der SSG Ulm und gegen Waldstetten – dann wäre der Relegationsplatz zwei sicher und es geht in die Aufstiegsspiele. Erster Schritt ist also das Heimspiel an diesem Samstag gegen die (nach aktuellem Stand) bereits als Absteiger feststehenden Neresheimer. Diese hatten zuletzt bei der 1:6-Schlappe gegen Bad Boll nur 13 Spieler im Kader, darunter auch den 43-jährigen Coach Andreas Mayer, der letztlich nicht zum Einsatz kam. Ende April musste er sich gegen Kirchheim noch selbst reaktivieren.

Mujcic fällt mit Knieverletzung aus

Leichtes Spiel also für den Tabellenzweiten aus dem Norden Stuttgarts? „Genau mit dieser Haltung dürfen wir nicht rangehen“, sagt Fischer. Beim 2:1 vor Wochenfrist in Kirchheim machten es die Weilimdorfer trotz bester Chancen lange spannend. „Wir müssen es schaffen, das Spiel früh auf unsere Seite zu ziehen. Wir müssen im Abschluss deutlicher sein und zielstrebiger agieren.“ Fischer, in seiner Profikarriere für seine Kaltschnäuzigkeit bekannt, fordert trotz der besten Offensivabteilung der Staffel darüber hinaus: „Wenn wir etwas erreichen wollen, müssen wir unsere Chancenverwertung weiterentwickeln, es geht um Konstanz.“

Einer, der zuletzt noch traf, wird indes vorerst nicht zur Verfügung stehen. Dino Mujcic verletzte sich in Kirchheim schwerwiegend am Knie. Eine genaue Diagnose steht noch aus, aber „das MRT-Bild ist da, es scheinen einige Dinge lädiert zu sein“, berichtet Fischer. Der Trainer macht derweil keinen Hehl daraus, dass er nicht gerade erfreut ist, dass in Maximilian Wojcik, Anthony Raheem und Patrick Härle drei Akteure am Pfingstwochenende privat verhindert sein werden. Die Langzeitverletzten Enis Küley, Utku Caca und Hakan Tepegöz fehlen ihm ebenfalls weiterhin.

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