Fußball-Landesliga Trainer-Beben nun auch beim TSV Plattenhardt

Überraschender Ausstieg: der Trainer Slobodan Markovic. Foto: Günter Bergmann

Slobodan Markovic steigt überraschend aus und wechselt mit sofortiger Wirkung zum Staffelrivalen SV Böblingen. Die Hintergründe und wer im Weilerhau sein Nachfolger werden soll.

Lokalsport : Franz Stettmer (frs)

So etwas nennt man dann wohl vorweihnachtliche Bescherung. Das Dumme daran für den Fußball-Landesligisten TSV Plattenhardt: Es war an diesem Montag keine, die für festlich leuchtende Augen sorgt – sondern vielmehr eine, die die Abteilungsverantwortlichen vom Stuhl kippen lassen hat. Zu abendlicher Stunde hat der Trainer Slobodan Markovic seinen neuesten Plan kund getan. Und der lautet: Ich bin dann mal weg. Der 38-Jährige wechselt überraschend und mit sofortiger Wirkung zum Staffelrivalen SV Böblingen.

 

Hiernach erst einmal tief Luft holen und sich wieder hinsetzen. Daraus, dass dieser Schritt den Verein kalt erwischt, macht der Plattenhardter Fußballchef Sascha Krammer keinen Hehl. „Wir haben von nichts gewusst“, sagt er. Von Böblinger Seite habe es auf Chefebene keine Kontaktaufnahme gegeben. Und was im Weilerhau allemal irritiert: Markovic hat beim Kontrahenten offenbar bereits einen Vertrag unterschrieben, noch ehe sein bisheriger Verein überhaupt darüber informiert war, dass er geht. Gebunden hat er sich beim Tabellennachbarn für eineinhalb Jahre.

So kommt es, dass die Plattenhardter schlagartig mit in ein Bäumchen-wechsel-dich-Spiel katapultiert werden, bei dem sie sich bislang lediglich als interessierte Zuschauer gewähnt hatten. Seit Wochen bebt es in der Staffel. Trainersuche beim TV Echterdingen. Trainersuche beim TSV Bernhausen. Trainersuche beim VfL Sindelfingen. Trainersuche nun zuletzt eben auch in Böblingen. Der Hintergrund der beiden letztgenannten Begebenheiten: Die Sindelfinger hatten sich nach der Trennung von ihrem Coach Maik Schütt beim Stadtnachbarn bedient und von dort gerade erst den Ex-Vaihinger Thomas Siegmund als Nachfolger präsentiert. Jetzt geht der Schwarze Peter eine Station weiter, nämlich von Böblingen nach Plattenhardt.

Bei Markovic selbst hatten die Kreisstädter nach dessen Aussage bereits im November ein erstes Mal vorgefühlt. In den vergangenen drei, vier Tagen, ob des plötzlich aktuellen Handlungsbedarfs in seinem neuen Club, wurde das Werben akut. Und: Das vom dortigen Sportchef Ioannis Tsapakidis (zuvor in gleicher Funktion bei Calcio Leinfelden-Echterdingen) unterbreitete Lockangebot verfing. „Sportlich sehr attraktiv. Für mich ist es ein Schritt nach vorn“, sagt Markovic. Wenn auch erst auf den zweiten Blick. Im Klassement liegen sein Bisher- und sein Fortan-Team derzeit gleichauf. Beide mit 20 Punkten, beide im unteren Mittelfeld. Schon in der nächsten Saison streben die Böblinger aber ganz anderes an. Dann, so Markovic, wolle er dazu beitragen, mit dem Ex-Oberligisten „ganz oben anzugreifen“. Entsprechende Kaderverstärkungen seien in Aussicht gestellt.

Kurzum: Argumente, bei denen der Aufsteiger TSV Plattenhardt nicht hätte mithalten können. Inwieweit bei der Entscheidung zudem finanzielle Aspekte eine Rolle gespielt haben, sei dahingestellt. Während Krammer davon ausgeht, „dass es zu 80 Prozent das Thema Geld ist – seien wir mal ehrlich“, sagt Markovic: „Ja, auch in der Hinsicht verbessere ich mich.“ Aber das habe für ihn nicht den Ausschlag gegeben.

Groll will Krammer gleichwohl keinen hegen. Wohl auch, weil es seinem Naturell widerspräche. Schon immer ein Mann der eher harmonischen Töne, mag er seinem Hopplahopp-Aussteiger „nicht böse sein“. „Sportlich und fachlich hat er bei uns einen super Job gemacht“, sagt er, dies in insgesamt dreieinhalb Jahren auf Filderstadts Höhen. Erst als A-Jugendtrainer, dann als Zweite-Mannschaft-Trainer, dann als Erste-Mannschaft-Co-Trainer, dann seit September 2024 als Verantwortlicher für Team eins. In dieser letzten Periode erfüllte Markovic am Ende souverän den Pflichtauftrag des Wiederaufstiegs in die jetzige Spielklasse.

Was freilich bei aller Zufriedenheit über sein Wirken durchklingt: Statt ausschließlichem Erfolgsdenken hätte sich der ein oder andere um ihn herum mitunter etwas mehr Vereinsdenken gewünscht. Als Minus sieht Krammer es, dass unter dem Coach keine stärkere Integration der eigenen Nachwuchstalente gelungen ist. Zum überwiegenden Teil blieben für jene nur Statistenrollen im Kader. Ein Willy Vöhl und Tizian Beinschrodt etwa ziehen daraus die aktuellen Konsequenzen. Beide beabsichtigen mangels Einsatzzeiten einen leihweisen Wechsel zum Neckar/Fils-Bezirksligisten TSV Denkendorf. Dies war jedenfalls der Stand bis zum Markovic-Aus.

Steigt er nun zum Cheftrainer auf? Pierre Eiberger ist der Wunschkandidat. Foto: Günter Bergmann

Wer nun übernimmt? In dieser Hinsicht kann Krammer die Konkurrenz beruhigen. Die erste Idee der Plattenhardter Macher ist es nicht, nun ihrerseits bei den anderen zu wildern. „Eigentlich ist das Ganze ja nicht tragisch. Denn wir haben ja immer noch genügend Qualität und Wissen an Bord“, sagt Krammer. Die klare Tendenz geht zur Beförderung von Pierre Eiberger vom bisher spielenden Co-Trainer zum spielenden Cheftrainer – vorausgesetzt, der 34-Jährige will. Über die B-Lizenz verfügt er. Als Assistenten könnten unverändert Pascal Garziella und Heinz Haase fungieren. Bedenkzeit hat das Trio laut Krammer bis Anfang Januar. Gelegenheit, über die Festtage Dinge erst einmal sacken zu lassen. Dinge, mit denen keiner gerechnet hatte.

Für dann, im neuen Jahr, hat Krammer eine Gesprächsrunde anberaumt. In Präsenz, und nicht nur am Telefon. Die Markovic-Botschaften kamen aus dessen momentanem Serbien-Familienurlaub schmucklos über den Hörer – was dann aber irgendwie auch wieder zur heuer ganz anderen Platttenhardter Weihnachtsbescherung passte.

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