Fußball-Landesliga: TSV Bernhausen Das Aufsteigerderby als „Herzinfarktspiel“
Der Fußball-Landesligist TSV Bernhausen trotzt dem Chancenwucher und fährt gegen den FV Neuhausen mit 3:2 den neunten Sieg der Rückrunde ein.
Der Fußball-Landesligist TSV Bernhausen trotzt dem Chancenwucher und fährt gegen den FV Neuhausen mit 3:2 den neunten Sieg der Rückrunde ein.
Nach dem Abpfiff musste Roko Agatic, der Trainer des TSV Bernhausen, erst einmal durchschnaufen. „Herzinfarktspiel“, war sein knappes Urteil über den 3:2-Heimsieg im Fußball-Landesliga-Derby gegen den FV Neuhausen. Dabei klingt das Ergebnis spannender, als es das Spielgeschehen selbst war. Unterhaltsam, ja, aber über weite Strecken waren die Bernhausener die überlegene Mannschaft und ließen auch am Ende nicht mehr viel anbrennen. Strapaziert wurden Agatics Nerven vor allem durch die fahrlässige Chancenverwertung. „Das war keine gute Leistung heute“, haderte der Coach, „wir müssen hier den Sack vor der Pause zu machen.“ Bestes Rückrundenteam bleiben die Seinen jedoch auch so.
Dabei schien das Visier zu Beginn der Partie auf dem Naturrasen des Fleinsbachstadions hervorragend eingestellt. Schon nach drei Minuten besorgte Erik Meinlschmidt per herrlichem 20-Meter-Volley die frühe Führung gegen den Mitaufsteiger. Doch im Anschluss segelte Bogdan Rangelov völlig freistehend an einer Flanke vorbei und landete ein Abschluss im Fünfmeterraum am Querbalken. Erst in der 31. Minute erzielte der Startelf-Rückkehrer Ivan Matanovic das überfällige 2:0 für die „Veilchen“ – unter gütiger Mithilfe des gegnerischen Torhüters Tim Brückner, der eine Hereingabe von Bernhausens Mihael Tomic nicht entscheidend klärte.
Es waren solche Patzer einzelner Spieler, die beim Spielertrainer der Gäste für Kopfschütteln sorgten: „Auf dem Papier haben wir die zweitbeste Defensive der Liga“, rätselte Ugur Yilmaz, „diese vielen individuellen Fehler sind sehr ungewöhnlich für uns.“ Erst 32 Tore kassierten die Seinen bislang, lediglich der SV Waldhausen weist eine noch bessere Defensivbilanz auf (27 Gegentreffer). Schließlich war es Kalle Maier, der per Handelfmeter zum Anschluss traf und Neuhausen einen noch glücklichen Halbzeitstand bescherte (34.).
In Hälfte zwei drohte sich die Bernhausener Großzügigkeit in puncto Torquote dann vollends zu rächen. Der Gegner kam bissig aus der Kabine, Bernhausen schien überrumpelt – und endlich fruchtete Neuhausens Spielansatz. Mit zwei schnellen Kontakten überbrückte der Tabellensechste das halbe Spielfeld und Nico Schmid netzte zum 2:2 ein (59).
Agatics Elf musste sich darauf erst einmal berappeln, ehe sie wieder die größeren Spielanteile verzeichnete. Dann schließlich die für Yilmaz symptomatische Szene: „Der Gegner marschiert durch den Strafraum, wir sind viel zu passiv, und sie machen ohne Gegenwehr das Tor“, beschreibt er die Situation, in der der eingewechselte Mehmet Karakus zum Sieg für Bernhausen traf (68.).
Mit dem Dreier festigen die Gastgeber ihren dritten Tabellenplatz. Und ein echtes Spitzenteam gewinnt dann eben auch solche Spiele, weiß Agatic. „In der Hinrunde hätten wir so eine Begegnung noch verloren“, ist er sich sicher, „da sind wir jetzt weiter.“ Die Entwicklung stimmt also bei den Filderstädtern – im aktuellen Kalenderjahr gleicht sie gar einem kometenhaften Aufschwung. „Mit der Hinrunde bin ich nicht zufrieden, aber die Rückrunde ist top“, zieht Agatic drei Spieltage vor Ende ein erstes Resümee.
Was mit dem ein oder anderen Punkt mehr in der ersten Saisonhälfte wohl noch möglich gewesen wäre? Vier Zähler beträgt aktuell der Rückstand auf die zweitplatzierten Waldhausener, die zudem ein Spiel weniger absolviert haben. All zu viele Gedanken an eine etwaige Chance noch auf den Relegationsplatz möchte Agatic nicht verschwenden. „Wir wollen die drei restlichen Spiele gewinnen. Und selbst wenn nicht – mein Gott, wir haben unser Ziel Klassenerhalt schon erreicht“, sagt der Coach.
Julijan Milos. Strahlte im Zentrum des Bernhausener Spiels große Sicherheit aus und zeigte defensiv wie offensiv eine engagierte Leistung. Milos war schwer vom Ball zu trennen und initiierte mehrere aussichtsreiche Spielzüge. (Nominierungen: 1) TSV Bernhausen: Livancic – Topal (46. Karakus), Ege, Lujic, Meinlschmidt – Gjuraj (46. Gümüssu) – Alber, Milos (90. Sterian), Tomic (83. Ajvazi), Rangelov (90. Frenzel Medina) – Matanovic. FV Neuhausen: Brückner – Wanner, Schestakow, Potsolidis, Arslan (81. Stickel), Renz – Schmid, Herzog (62. Deutscher), Plattenhardt, Maier (84. Schenk) – Yilmaz.