Die Menge an Krokodilstränen, die aus solchen Anlässen branchenweit schon geflossen ist, dürfte reichen, ganze Bäche zu füllen. In diesem Fall darf man es aber wohl tatsächlich glauben, wenn der Abteilungsleiter Marcel Fenske sagt: „Diese Entscheidung ist uns sehr schwer gefallen.“ Getroffen hat sie der Fußball-Landesligist TSV Bernhausen gleichwohl. Schlussstrich vonseiten des designierten Absteigers: Der Trainer Christopher Eisenhardt ist mit sofortiger Wirkung raus. Nach dem 1:3 am Samstag beim Tabellenletzten 1. FC Frickenhausen, der zehnten Niederlage in Serie, hat der Verein die Konsequenzen gezogen.
„Wir halten es für notwendig, jetzt einen neuen Impuls zu setzen“, sagt Fenske. Weniger, um in dieser Saison noch etwas zu retten, umso mehr aber im Hinblick schon auf die nächste. Dass es nach nur einem Jahr zurück in die Bezirksliga gehen wird, darüber gibt sich am Fleinsbach längst keiner mehr Illusionen hin. Das ist schon seit Wochen praktisch klar. Mittlerweile sahen die Verantwortlichen jedoch auch den weiteren Weg gefährdet. Blutleer hat sich die Mannschaft zuletzt präsentiert. Ergeben in ihr Schicksal, ohne Aufbäumen. So, dass es zunehmend schwer gefallen sei, sich vorzustellen, wie unter der bisherigen personellen Konstellation im Sommer ein belebender Neustart gelingen soll. „Der Output war nicht mehr da“, sagt Fenske, „und die Aussicht auf Besserung hat gefehlt.“
Rodrigues und Forzano auf der Bank
Freilich, zu berücksichtigen sind auch erschwerte Rahmenbedingungen. Aktuell war erneut ein gutes halbes Dutzend an Stammspielern nicht dabei. Immer dünner wurde in der Rückrunde die Personaldecke. Dass Eisenhardt zugleich eigentliche Fixgrößen wie den Keeper Luis Miguel Rodrigues und aktuell seinen Kapitän Michel Forzano auf die Bank beorderte? Begründung: wegen Formschwäche und weil er „mal etwas anderes probieren“ wolle. Es ist eine Begebenheit, die schließlich in die derzeitige Gemenge- und Stimmungslage passte. Zum Vorteil wurde es ihm im jetzigen Entscheidungsprozess eher nicht.
Insgesamt zahlen die Bernhausener und nun Eisenhardt den Preis für das Risiko, das sie nach dem Aufstieg eingegangen sind. Damals hatte der Filderclub auf größere Verstärkungen verzichtet und weitgehend weiterhin seinem Meisterteam samt aller Grünschnäbel das Vertrauen geschenkt – im Wissen, dass es damit auch schief laufen kann. Eisenhardt selbst steht nun als Beispiel für die Schnelllebigkeit des Geschäfts: Vor zwölf Monaten noch umjubelter Erfolgscoach, heute ohne Job. Das Aus für den Mann, der die „Veilchen“erstmals nach 35 Jahren wieder in die Landesliga geführt hat. Wichtig ist es Fenske denn auch, zu betonen: „Es war eine Riesenzeit mit ihm. Und dafür geht er für immer in die Bernhausener Geschichtsbücher ein.“
Fürs Erste eine interne Interimslösung
Richten sollen es nun aber andere. Für die verbleibenden fünf Spiele dieser Runde will der Tabellensechzehnte bis Dienstag eine „interne Interimslösung“ präsentieren. Gemunkelt wird über eine womöglich zeitweilige Beförderung Forzanos. Im Juli soll dann ein Nachfolger von außerhalb kommen. Wer, das bleibt für ein Gremium um Fenske sowie den neuen Spielleiter Danijel Baric und den Teammanager Joachim Epple zu klären.
Und Eisenhardt? Den hat die Nachricht von seiner Entlassung nach eigener Aussage kalt erwischt – „vom Zeitpunkt her sehr überraschend“. Klar, er kenne die Mechanismen. „Wenn du zehnmal nacheinander verlierst, wirst du eben in Frage gestellt“, sagt Eisenhardt. Aber: „Wir waren ja schon in der Planung für die kommende Saison.“ Sein Vertrag wäre noch bis 2024 gelaufen, fixiert unabhängig von der Klassenzugehörigkeit.
Was auch der Coach einräumt, zum Spiel vom Samstag: „Eine ganz schlechte Leistung.“ Eine, bei der nach Gegentreffern von Ismail Oguz (24.) und Tobias Haux (39./51.) auch das eigene Ehrentor von Ivan Matanovic (68.) nichts mehr schönte – und, wie man nun weiß, Eisenhardt nichts mehr half.
Bernhausener „Spieler des Spiels“
Nach diesem Auftritt: keiner. Die Rubrik bleibt mangels geeigneter Kandidaten ausnahmsweise unbefüllt.
1. FC Frickenhausen: Hellmann – Kendel, Max Volk, Tom Volk, Mensah – Haux, Claudio Portale, Novovic, Pirracchio – Ismail Oguz (62. Mert Oguz), Sergio Portale (70. Parrinello). TSV Bernhausen: Livancic – Atwi, Schock, Franc Cagalj, Alber – Stannull, Kristijan Cagalj – Folgmann (46. Bauer), Veseli, Altintas – Matanovic.