Fußball-Landesliga: TSV Plattenhardt Trainersuche beendet – mit überraschendem Ergebnis
Der designierte Absteiger entscheidet sich für einen mutigen Weg – in der nächsten Saison übernimmt ein 35-jähriger Amtsnovize. Der Plan, der dahinter steht.
Der designierte Absteiger entscheidet sich für einen mutigen Weg – in der nächsten Saison übernimmt ein 35-jähriger Amtsnovize. Der Plan, der dahinter steht.
Eigentlich musste es ja fast so kommen. Was sonst hätte zu dieser Saison gepasst, die sich für die Landesliga-Fußballer des TSV Plattenhardt bisher schon als Jahr der unerwarteten Ereignisse überschreiben ließ. Wer etwa hätte gedacht, dass der ursprüngliche selbst ernannte Spitzengruppenkandidat auf einem Abstiegsplatz landen würde? Wer konnte erahnen, dass dieses vermeintlich stabil aufgestellte Konstrukt gleich vier Trainer innerhalb einer Meisterschaftsrunde verschleißt? Und so fügt es sich ganz gut ein, dass nun, in dieser Woche, auch die Suche nach dem nächsten neuen Coach mit einem überraschenden Ergebnis zu Ende gegangen ist.
Gesucht und gefunden: In Sascha Blessing übernimmt zur nächsten Saison ein Amtsnovize. Für den 35-Jährigen, bisher Co-Trainer beim Kreisliga-A-Tabellenführer SV Sillenbuch, wird es seine erste Station als Chef an der Seitenlinie. „Wir haben uns bewusst für den Weg mit einem jungen, hungrigen Trainer entschieden“, sagt der Abteilungsleiter Sascha Krammer. Für die verbleibenden zehn Spiele der aktuellen Wettbewerbsserie, in der es realistisch betrachtet allein noch um einen anständigen Abschied aus der Liga geht, fungiert Krammer nun selbst weiter als Interimscoach. Im Juli erfolgt dann der Cut: Neuanfang, alle Uhren auf Null. Der Einsteiger Blessing ist derjenige, der dabei als Frontfigur voranschreiten soll.
Nachdem der anfängliche Wunschkandidat Albert Lennerth (stattdessen B-Junioren Stuttgarter Kickers) wie berichtet abgesagt hatte, geriet laut Krammer schnell der gebürtige Ostfilderner in den Fokus. Umso mehr, als es gleich im ersten Sondierungsgespräch „matchte“, wie beide Seiten bestätigen. Die Erwartungshaltung an Blessing umreißt Krammer so: „Wieder ein Team aufbauen, das sich durch Teamgeist und Kameradschaft auszeichnet“. Diese Attribute kamen aus seiner Sicht zuletzt zu kurz. Individuelle Qualität ja, aber zu wenig mannschaftliche Geschlossenheit – Resultat siehe in der Tabelle. Die Amtsvorgänger Antonino Rizzo, Ingo Ramljak und Matteo Casisa kostete eine zunehmend zerfahrene Gesamtsituation den Job. Mit Blessing, so der Plan, möge nicht nur Kontinuität einkehren, sondern auch ein Mitspielen um den schnellen Wiederaufstieg möglich sein.
Hierfür folgen nun die Bastelarbeiten am Kader. Absehbar dabei, dass es auch beim kickenden Personal einen Umbruch gibt, auch wenn bislang lediglich ein Abgang sicher ist: Der Innenverteidiger Oliver Grun wechselt zum Noch-Staffelrivalen TV Echterdingen.
Wer kommen soll, wer bleiben soll, wer gehen darf, da redet auch Blessing bereits mit. Zumindest von den örtlichen Gegebenheiten her muss er sich nicht komplett neu orientieren: Von 2010 bis 2012 war er schon für zwei Jahre Spieler im Weilerhau. Es handelt sich also um eine Rückkehr. Seitdem hieß Blessings einzige Station SV Sillenbuch. Erst als Torjäger, dann, seit Sommer 2020, als Assistent des dortigen Coachs Zvonimir Topalusic. Dass Blessing am Ende dieser Saison geht, war aber bereits klar. Nachdem er mittlerweile die Trainer-B-Lizenz erworben hat, stand für ihn fest, dass er den nächsten Karriereschritt machen will. Die Frage war nur noch, wo.
Der Plattenhardter Anruf kam also gerade recht. „Für mich eine super Sache“, sagt Blessing, der in Nellingen wohnt und als Projektmanager beim deutschen Sparkassenverlag arbeitet.
Kurios: Seine Kickerkarriere begann Blessing als Torhüter. Die komplette Jugendzeit, beim SV Bonlanden, spielte er noch auf dieser Position, ehe er eher zufällig in seine dann langjährige Angreiferrolle wechselte. Überraschend sei dies damals geschehen – ebenso überraschend wie sein jetziges neues Engagement. Irgendwie schließt sich dann auch da der Kreis.