Nach Platz zwei wollen die Weilimdorfer nun den nächsten Schritt tun. Für den scheidenden Trainer Manuel Fischer wäre es ein krönender Abschluss. Wird ein anderer Ex-VfB-Spieler sein Nachfolger? Derweil ranken sich um den Rivalen Donzdorf Rückzug-Gerüchte.

Lokalsport : Franz Stettmer (frs)

Der persönliche Aufgalopp ist schon einmal gelungen. An diesem Dienstag saß Manuel Fischer im Zug zurück aus Berlin, wo am Abend zuvor die diesjährige Baller- League-Saison begonnen hatte, die von den 2014er-Weltmeistern Lukas Podolski und Mats Hummels ins Leben gerufene Hallenfußballvariante. Mittendrin auch heuer wieder: der Ex-Profi Fischer, der somit auch im gereifteren Spieleralter noch seiner Lieblingsbeschäftigung frönen kann, der Kickerei. Beim 8:4-Sieg für sein dortiges Team Calcio Berlin war er gleich unter den Torschützen.

 

Vielleicht ist es ja ein gutes Omen für Fischers eigentlichen fußballerischen Job. In jenem ertönt nun ebenfalls in dieser Woche wieder der Anpfiff. Samstag, 15.30 Uhr, zuhause gegen den FV Neuhausen – mit dieser Begegnung starten der Trainer Fischer und der TSV Weilimdorf in der Landesliga in die zweite Saisonphase. Und vorab redet an der Giebelstraße erst gar keiner mehr um den heißen Brei herum. Das Ziel ist klar: Es soll diesmal der Aufstieg sein. Als Tabellenzweiter blasen die Nord-Stuttgarter zum Angriff.

„Ich hoffe auf ein großes Finale am letzten Spieltag“, sagt der Spielleiter Michael Bachmann. Dann, am 7. Juni, wenn der direkte Rivale SV Waldhausen zum Abschluss womöglich dramaturgisch perfekt in Weilimdorf gastiert, würde er mit den Seinen „sehr gerne den Meisterwimpel übernehmen“. Und Fischer fügt an: „Ich selbst will immer das Maximum.“ Seinen Spielern habe er gesagt: „Es wäre schade, wenn sie sich jetzt nicht für den Aufwand und die Entwicklung belohnen.“

Letztere ist in der Tat bemerkenswert. In nur eineinhalb Amtsjahren hat Fischer aus einer grauen Maus der Staffel ein hoch gewettetes Spitzenteam geformt. Als der heute 35-Jährige im Sommer 2023 den Trainerjob übernahm, hatten die Weilimdorfer erst auf den letzten Drücker den Klassenverbleib fix gemacht. Nach der dann letztjährigen Vizemeisterschaft nun gar erstmals den Sprung in die Verbandsliga zu schaffen, wäre die krönende Zugabe einer steil steigenden Leistungskurve – und für und von Fischer ein passendes Abschiedsgeschenk. Wie berichtet hört der Coach nach dieser Saison auf eigenen Wunsch auf. Als Nachfolgekandidat gilt Felix Luz (43, zuletzt Interimstrainer beim TSV Deizisau), einstiger Zweitliga-Profi in Augsburg und Oberhausen – und wie Fischer ehemaliger VfB-Spieler.

Nachfolgekandidat auf dem Trainerposten: Felix Luz, hier im Trikot der VfB-Traditionself. Foto: imago//Pressefoto Rudel

Letzterer will und wird, kein Zweifel, bis zum Schluss seiner Linie treu bleiben, die da lautet: akribisch arbeiten. Genährt sind die eigenen Hoffnungen durch die Personalsituation. Die Vorbereitungsphase bestritt der Titelanwärter nahezu verletzungsfrei, ausgenommen allein den Verteidiger Eldin Sadikovic (Achillessehnenreizung). Auch die vier Langzeitausfälle der Hinserie, Enis Küley, Maximilian Wojcik, Josip Biljeskovic und Utku Caca, befinden sich wieder im Training. Zudem erhöhen sich Fischers Aufstellungsoptionen durch vier Zugänge. Zumindest einer von ihnen sollte direktes Startelfpotenzial haben. In Sangar Aziz sieht Fischer „ein Puzzleteil, das uns noch gefehlt hat. Eines, das uns unberechenbarer macht“. „Er ist ein Unterschiedsspieler mit hoher individueller Qualität“, sagt er mit Blick auf den technisch versierten Offensivakteur, den er gut kennt. Siehe oben, Baller League. In jener sind Fischer und Aziz Teamkollegen.

Freilich: Der Weilimdorfer Angriff war auch bislang schon nicht von schlechten Eltern. Nicht von ungefähr haben die Rot-Weißen die mit Abstand meisten Tore aller Mannschaften der Staffel erzielt, 49 in 16 Spielen, im Schnitt gut drei pro Partie. Wehe den Gegnern, wenn sie ins Rollen kamen. Steigerungsbedarf erkennt Fischer eher in der Formkonstanz eines jeden Einzelnen. Hinweis dabei vor allem auf die beiden Ausreißer der Saison. Verloren hat das eigene Aufgebot bisher nur zwei Spiele, jene dann gleich richtig. Oder, wie Fischer sagt: „Teilweise haarsträubend.“ Im Derby beim MTV Stuttgart sowie im Gipfelduell beim Spitzenreiter JC Donzdorf setzte es jeweils ein 1:5.

Dass sich um jene Donzdorfer nun zunehmend Gerüchte ranken? Stichwort finanzielle Probleme. Stichwort ausgebliebene Gehaltszahlungen. Ja, ob der momentan Erste überhaupt den Spielbetrieb aufrecht halten können wird? Oder seine Mannschaft noch vor dem Wiederbeginn abmeldet?

Käme es so, fände Fischer dies „sehr schade“. Auch wenn es die eigenen Chancen natürlich nicht schmälerte. Ganz im Gegenteil. Derzeit sind Fischer und die Seinen zwar mit einem Punkt im Rückstand, die Konkurrenz legt sich aber schon einmal mit großer Mehrheit fest. Meister wird: der TSV Weilimdorf.

Personalien

Zugänge
Sangar Aziz (26, Mittelfeld, pausierte/zuletzt Calcio Leinfelden-Echterdingen), Admir Fajic (37, Tor, GSV Maichingen), Yasin Kadir Yilmaz (19, Mittelfeld, Türkspor Neckarsulm), Nikola Rangelov (24, Mittelfeld, OFK Beograd Stuttgart). Bereits während der Hinrunde: Riccardo Scarcelli (22, Mittelfeld/Calcio Leinfelden-Echterdingen).

Abgänge
Douglas Knappe (Umzug zurück nach Konstanz), Hakan Tepegöz (Fußballpause), Emir Ataman (eigene zweite Mannschaft). Bereits während der Hinrunde: Dominik Ferdek (nun GSV Maichingen), Felix Gerber (Fußballpause), Dino Mujcic (verletzungsbedingtes Karriereende).