Fußball-Landesliga: TSV Weilimdorf Der Spitzenreiter siegt im hitzigen „Drecksspiel“

Starker Auftritt: Riccardo Scarcelli (rot) schoss den Spitzenreiter Weilimorf in Führung. Foto: Günter Bergmann

Mit dem 3:2 gegen den VfL Sindelfingen bauen die Weilimdorfer ihren Vorsprung an der Tabellenspitze aus. Vor allem ein Spieler glänzt – und ein anderer prügelt am Ende den Ball unter die Querlatte.

Sport: Dominik Grill (grd)

„Drecksspiel“ – das war Manuel Fischers Kommentar beim obligatorischen Handschlag mit dem Trainer des Gegners nach dem Abpfiff, in diesem Fall Maik Schütt vom VfL Sindelfingen. Was der Coach der Landesliga-Fußballer des TSV Weilimdorf damit meinte? „Es war ein Drecksspiel wegen verschiedener Komponenten“, sagte Fischer wenige Minuten später. Nicht nur des heißen Kampfes wegen, den sich beide Mannschaften auf dem kleinen Kunstrasenplatz lieferten und aus dem die Nord-Stuttgarter mit einem 3:2-Sieg hervorgingen. „In solchen Spielen entsteht oft eine Dynamik, die nicht sein muss“, fand Fischer, „da wünsche ich mir vom Schiedsrichter klarere Entscheidungen.“ Am Ende dann aber eigentlich auch egal, denn unterm Strich bedeuten die drei Punkte aus dem Spitzenspiel einen nun satten Neun-Zähler-Abstand auf die zweitplatzierten Waldhausener, die an diesem Spieltag spielfrei hatten.

 

Besonders in den ersten 45 Minuten zeigte die Heimelf eine Leistung, die eines Spitzenreiters würdig war. War Aron Biedma-Andrades eben noch alleine vor dem Tor an Weilimdorfs Keeper Zacharias Velvelidis gescheitert, machte es Riccardo Scarcelli auf der anderen Seite besser. Der pfeilschnelle Linksaußen nahm einen weit geschlagenen Ball von Enis Küley mustergültig mit und legte die Kugel am machtlosen Maurice Zivny vorbei ins Tor (10.). Die Gäste aus Sindelfingen ließen sich davon nicht unterkriegen, liefen die Weilimdorfer hoch an – die in Person von Erdinc Bozoglu aber prompt zum 2:0 trafen (24.).

Wer danach einen ungefährdeten Sieg der Gastgeber erwartete, hatte die Rechnung nicht mit den kampfeslustigen Sindelfingern gemacht, die auf einen Toptorjäger zählen konnten, der auch am ruhenden Ball einen feines Füßchen hat: Gianluca Gamuzza schlug an diesem Nachmittag mehrere gefährliche Freistöße in den Strafraum. In Minute 33 fand einer davon den Kopf von Max Brendle, der zum für die Gäste relativ glücklichen 2:1-Halbzeitstand verkürzte.

„Wir hätten in der ersten Hälfte höher führen müssen“, haderte Fischer nach dem Spiel. Besonders sehenswert vergab Scarcelli vor dem Tor, als er einen Schuss von der Strafraumkante an den Querbalken setzte. Demgegenüber sagte Schütt: „Wir haben unheimlich gebraucht, um ins Spiel zu finden. Dann sind wir aber gut zurückgekommen.“

Feurige zweite Hälfte

Spätestens in Halbzeit zwei entwickelte sich ein Schlagabtausch auf Augenhöhe – befeuert von einem Patzer des Weilimdorfer Schlussmannes Velvelidis. Der konnte einen einfachen Ball im Fünfmeterraum nicht festhalten – und Gamuzza bewies neben seinem feinen Treter dieses Mal den richtigen Riecher. Er schob den Abpraller problemlos ins Tor (63.). Mit nun 17 Treffern führt er die Torjägerliste der Staffel an. Und was war mit Bastian Joas, der ihm mit 14 Toren im Nacken sitzt? Der Weilimdorfer Kapitän zeigte einmal mehr ein läuferisch und kämpferisch starkes Spiel, hatte aber gegen giftig verteidigende Sindelfinger mitunter einen schweren Stand.

Allgemein verfestigte sich der Eindruck: Dieses Gipfelduell wird durch Kampf und Einsatz entschieden. „Uns war klar, dass auf diesem kleinen Platz beide Mannschaften keine spielerischen Highlights setzen würden“, sagte Schütt. Und so passte der 3:2-Siegtreffer wie die Faust auf Auge: Im Strafraum-Chaos traten mehrere Spieler nach dem Ball, Sindelfingen bekam die Situation nicht geklärt. Schließlich fasste sich der eingewechselte Rinis Krasniqi ein Herz und prügelte den Ball unter die Latte (74.).

„Wir haben einen riesen Fight geliefert“ sagte Fischer abschließend. „Fehler sind menschlich, aber wichtig ist es, wie man zurückkommt. Und das haben wir geschafft.“

Weilimdorfer „Spieler des Spiels“

Riccardo Scarcelli. Ebnete mit seinem frühen Treffer den Sieg. Er machte besonders in schnellen Umschaltsituationen in der ersten Hälfte auf sich aufmerksam. Scheiterte mit einem Sonntagsschusses an der Latte. In der kämpferischen zweiten Halbzeit tauchte Scarcelli dann etwas ab und wurde kurz vor Schluss ausgewechselt. (Nominierungen: 2)

TSV Weilimdorf: Velvelidis – Raheem, Bozoglu, Milenkovic, Härle (71. Boukari) – Scarcelli (90.+1 De Sousa Lourenco), Küley, Yilmaz (63. Krasniqi), Genc (71. Aziz) – Joas, Baierle (63. Fara).

VfL Sindelfingen: Zivny – Bakacs, Schuckenböhmer, Maraslioglu, Brendle – Biedma-Andrades, Kubitzsch (77. Schmidt), Kasikci, Rasic (64. Behramaj) – Simao (86. Beurenmeister), Gamuzza.

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