Nach ihren zuletzt deutlichen Siegen gehen der TSV Weilimdorf und der TSV Bernhausen mit Rückenwind in den 19. Spieltag der Fußball-Landesliga. Und beim stark lädierten MTV Stuttgart hätte sich der Trainer einen andere Aufgabe gewünscht als jene gegen den vermeintlichen Aufbaugegner aus Rohrau. Der Blick auf die Begegnungen am Sonntag.
TSV Weilimdorf – VfL Sindelfingen (Sonntag, 15.30 Uhr)
Zwar trennen die beiden Mannschaften satte elf Punkte, das Spitzenduell des Spieltages ist die Partie aber allemal: Der Erste empfängt den Vierten. „Es ist wichtig, dass wir das letzte Ergebnis bestätigen, und auch die Art, wie es zustande kam“, sagt der Weilimdorfer Trainer Manuel Fischer. Zur Erinnerung: In Bad Boll feierten die Seinen am vergangenen Wochenende einen 6:1-Kantersieg und profitierten dabei unter anderem von vier Wechseln in der Startelf. Ob sich Daniel Baierle, Samir Genc, Yasin Yilmaz und Patrick Härle gegen Sindelfingen nun erneut von Beginn an bewähren dürfen? „Am Samstagabend setze ich mich hin, würfle und schaue, was dabei raus kommt“, scherzt Fischer. „Nein, im Ernst: Wir warten das Training am Freitag ab. Da ist jeder eingeladen, sich noch mal zu zeigen.“
Prinzipiell sei er gut auf den Gegner vorbereitet, auch wenn das Hinspiel schon lange zurückliege. Jenes gewannen die Weilimdorfer mit 5:2. „Aber das sind jetzt ganz andere Voraussetzungen, samt anderem Trainer beim Gegner“, weiß Fischer. Unmittelbar nach der Pleite gegen den jetzigen Tabellenführer hatten die Sindelfinger Verantwortlichen die Reißleine gezogen und Roberto Klug wegen schwacher Ergebnisse vor die Tür gesetzt. Seitdem trainiert Maik Schütt das Team, das zum Jahresauftakt den Ligavize aus Waldhausen mit 1:0 besiegte. Vorsicht ist vor allem vor einem Spieler angesagt. Gianluca Gamuzza führt mit 16 Toren die Schützenliste der Staffel an.
Mit einem erneuten Sieg würde der TSV Weilimdorf seinen Vorsprung an der Tabellenspitze auf neun Punkte ausbauen. Sein schärfster Verfolger hat nach dem Ausstieg seines eigentlichen Gegners Donzdorf spielfrei. Freilich, für Fischer spielt das in von ihm gewohnter Manier keine Rolle: „Es macht keinen Sinn, früher als fünf Spieltage vor Ende auf die Tabelle zu schauen“, sagt er, aber fügt mit Blick auf den möglichen Aufstieg an: „Wir sind nicht dumm, wir sehen natürlich auch, dass wir eine gute Ausgangslage haben.“
Gute Nachrichten gibt es auch bezüglich des Weilimdorfer Kaders. Die gesamte Mannschaft ist vor dem Spitzenspiel an Bord, Fischer hat die Qual der Wahl. Vielleicht muss er also doch zum Würfelbecher greifen.
TSV Bernhausen – TSV Bad Boll (Sonntag, 15.30 Uhr)
Man höre und staune: Das bislang beste Team der Rückrunde empfängt den Zwölften des Klassements. Den vorgezogenen Auftakt der zweiten Saisonhälfte im Dezember gewannen die Bernhausener mit 4:0 in Böblingen, zum Jahresstart folgten furios das 5:1 gegen Bettringen und zuletzt das 6:0 beim MTV Stuttgart. Macht in der Summe neun Zähler und 15:1 Tore. Besonders die Demontage des Derby-Gegners durfte beim Aufsteiger die Fußballerherzen höher schlagen lassen. Dessen Trainer Roko Agatic bleibt aber auf dem Boden der Tatsachen: „Wir haben noch nichts gewonnen, außer ein paar Punkte.“ Kommen an diesem Sonntag drei weitere hinzu, wären es sogar nur noch drei Abstand zu Rang zwei – der dort platzierte SV Waldhausen hat, siehe oben, spielfrei, nun dann allerdings auch zwei Begegnungen weniger absolviert.
Das Hinspiel gegen Bad Boll verloren die Filderstädter noch mit 1:4. Die Ausgangslage ist heuer aber nicht nur bei ihnen, sondern auch beim ambitioniert in die Saison gestarteten Gegner eine andere. Jener hat nach seinem schwachen Rückrundenstart in dieser Woche den Trainer Fabio Morisco geschasst. Dessen bisheriger Co-Trainer Matthias Seidl sowie der Torwarttrainer Timo Schöffel übernehmen den Posten.
„Das neue Trainerteam will natürlich einen positiven Schock für die Mannschaft. Ich bin gespannt, was uns erwartet“, sagt Agatic, der auch unterstreicht: „Der Tabellenplatz von Bad Boll lügt. Ich weiß nicht genau, wie sie da unten reingerutscht sind, aber die haben eine starke Mannschaft.“
Unter der Woche hat sich auch bei der Bernhausener Belegschaft etwas getan. Nikita Levenko vom abgestürzten Spitzenreiter aus Donzdorf schloss sich dem Tabellenfünften an. „Er hat schon im Training gezeigt, was für ein Potenzial er hat, und er kann auf vielen Positionen spielen. Wir freuen uns“, sagt Agatic über den 28-jährigen Defensivmann. Die aktuelle Partie komme für den Neuen aufgrund von Trainingsrückstand aber wohl noch zu früh. Gleiches gilt für Mahir Ege und Julijan Milos, die nach ihren Verletzungen zumindest wieder im Aufgebot stehen könnten. Abgesehen davon kann Agatic aus dem Vollen schöpfen: „Ich krieg schon Kopfschmerzen beim Gedanken, wen ich aufstellen soll“, sagt der 44-Jährige lachend.
SV Rohrau – MTV Stuttgart (Sonntag, 15 Uhr)
Nach dem blamablen 0:6 gegen den TSV Bernhausen lautet die Mission beim Verein vom Kräherwald: abhaken, weitermachen und schleunigst wieder in die Spur kommen. Wer käme da gelegener als der in der Tabelle abgeschlagene SV Rohrau. Stichwort Aufbaugegner – oder etwa nicht? Björn Lorer, der Trainer des MTV Stuttgart, hadert: „Ich hätte mir lieber ein Team gewünscht, das weiter oben steht. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass wir manchmal Probleme kriegen gegen Mannschaften, die sehr kompakt stehen.“ Mit dieser Spielanlage rechnet er auch vonseiten des in dieser Saison noch sieglosen Schlusslichts. Raum für taktische Anpassungen bleibt am Sonntag aber ohnehin wenig: Die Stuttgarter werden mit einem Rumpfkader anreisen. Laut Rechnung des Coachs werden ihm voraussichtlich nur 13 Spieler zur Verfügung stehen.
Wegen Urlaubs werden unter anderen in Till Flach und Joel-Noah Graham zwei tragende Säulen des Teams fehlen – Letzterer würde wegen einer Handverletzung aber sowieso ausfallen. Darüber hinaus neu auf der Verletztenliste: der Abwehrspieler Götz Gaiser, der „zwei dicke Zehen“ hat. „Der kommt nicht einmal in einen Schuh rein, vielleicht sind sie gebrochen“, kommentiert Lorer und führt aus: „Es ist schon verrückt. Letzte Woche konnten wir noch drei Spieler an die zweite Mannschaft abgeben, und jetzt müssen wir den Kader zusammenkratzen.“
Die Vorzeichen könnten also besser sein – zumal die Bernhausen-Pleite natürlich noch nicht vergessen ist. „Ganz rosig war die Stimmung im Training nicht. So eine herbe und verdiente Niederlage sitzt schon ein paar Tage in den Köpfen“, sagt Lorer. „Aber es ist, wie es ist, und es komme, wie es wolle. Wir werden wegen diesem einen Spiel nicht vergessen haben, wie man Fußball spielt.“