Fußball-Landesliga Wegen Pokal-Affäre: der TSV Weilimdorf feuert seinen Trainer

Aus in Weilimdorf: der Trainer Holger Traub. Foto: Günter Bergmann

Nach dem überraschenden Aus von Holger Traub geht es mit einer Interimslösung in das Abstiegsendspiel am Samstag. Der Geschasste selbst spricht von einem „katastrophalen Zeitpunkt“ der Entscheidung.

An 33 Spieltagen dieser Saison war er der Chef. Ausgerechnet am entscheidenden letzten, dem kommenden Samstag, wird Holger Traub nun nur noch Zuschauer sein. Paukenschlag nämlich beim Fußball-Landesligisten TSV Weilimdorf: Die Nord-Stuttgarter haben sich überraschend und mit sofortiger Wirkung von ihrem Trainer getrennt. Auslöser ist nicht etwa die sportliche Situation, welcher zufolge der Verein nach wie vor um den Klassenverbleib bangen muss – zum Verhängnis wurde dem 43-Jährigen vielmehr ein Vorfall des vergangenen Wochenendes.

 

Wie berichtet hatte Traub die Fahrt zum letzten Auswärtsspiel der Runde beim TSV Buch (0:3) nicht mit angetreten. Der Coach, der seine Mannschaft in den vergangenen Monaten mit der viertbesten Rückrunden-Punkteausbeute der Liga in Richtung rettendes Ufer geführt hat, reiste stattdessen zum DFB-Pokalendspiel nach Berlin. Die Eintrittskarten dafür hatte er schon längere Zeit zuvor erworben, als noch der VfB Stuttgart zum möglichen Teilnehmerkreis gezählt hatte. In seinem Verein wertete man es nun so: lieber Privatvergnügen als Abstiegskampf mit dem eigenen Team. In einer kurzfristig einberufenen Sitzung zogen die Verantwortlichen um den Abteilungsleiter Tobias Nötzold und den Spielleiter Michael Bachmann am Montagabend die Konsequenzen. Ein Gespräch in der vergangenen Woche, in dem Bachmann den Übungsleiter noch von seinen Plänen hatte abbringen wollen, hatte keine Meinungsänderung bewirkt.

„Verein im Stich gelassen“

Sportlich, sagt Bachmann, könne man Traub im Laufe seiner insgesamt fast dreijährigen Amtszeit nichts vorwerfen – im Gegenteil. „Wir hätten zwar in der Hinrunde dieser Saison deutlich mehr Punkte holen müssen, aber wir hätten die Verbindung gerne auch in der neuen Runde fortgesetzt. Zumindest dann, wenn wir die Landesliga gehalten hätten und es auch Holgers Wunsch entsprochen hätte“, sagt er. Hierzu waren Gespräche direkt nach dem letzten Saisonspieltag geplant.

Dass der Kessel sich nun durch eine einzige Aktion derart aufgeheizt hat, höre sich zwar merkwürdig an, sei aber dennoch eine logische Konsequenz, betont Bachmann: „Wenn ich mich als Trainer für eine Aufgabe verpflichte, dann lasse ich meine Mannschaft und meinen Verein in so einer Situation nicht im Stich. Auch nicht im Amateurbereich, wo es nicht um viel Geld und nicht um Jobs geht“, sagt der Spielleiter.

Rettung am letzten Spieltag?

Traub selbst sagt: „Das war eine rein persönliche Entscheidung von mir. Ich war mir durchaus bewusst, dass sie im Verein Konsequenzen haben kann, aber ich würde sie auch mit dem jetzigen Wissen jederzeit wieder so treffen.“ Wie die Weilimdorfer Führungsriege reagiert hat, könne er nachvollziehen. Doch spricht er von einem „katastrophalen Zeitpunkt für den Rauswurf“. Wie gesagt: Es ist die finale Phase – jene, in der sich an der Giebelstraße die künftige Klassenzugehörigkeit entscheidet. Aktuell belegt die eigene Mannschaft den Relegationsplatz und hätte somit am 25. Juni im Kampf um den Ligaverbleib nachzusitzen. An diesem Samstag ist allerdings auch noch die direkte Rettung möglich. Dafür müssten die Weilimdorfer ihre Heimpartie gegen den Tabellendritten JC Donzdorf (15.30 Uhr) gewinnen und gleichzeitig einer der beiden Konkurrenten FC Blaubeuren oder SSG Ulm Punkte liegen lassen. Bachmann wird sich nach Bad Boll begeben, wo die Blaubeurener antreten und wo er am ehesten auf Schützenhilfe hofft.

Durdu übernimmt als Interimscoach

Beim eigenen Team übernimmt derweil Sahin Durdu als Interimscoach die Verantwortung. Er war für die kommende Saison bereits als neuer sportlicher Leiter verpflichtet worden. Traubs Assistent Dimitrios Liakidis ist dagegen ebenfalls raus. Er hat sich mit dem Geschassten solidarisiert und sein Amt zur Verfügung gestellt.

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