Fußball-Landesliga Weilimdorfer Trainersuche beendet – mit einer faustdicken Überraschung

Doch kein Ausstieg: Manuel Fischer hat beim TSV Weilimdorf verlängert. Foto: Günter Bergmann

Der Nachfolger von Manuel Fischer zur neuen Saison heißt: Manuel Fischer. Warum der Erfolgscoach beim Tabellenführer nun doch weitermacht und welche zwei anderen Ex-VfB-Profis der Verein zuletzt stattdessen auf dem Zettel hatte.

Lokalsport : Franz Stettmer (frs)

Seit 24 Jahren ist Michael Bachmann als Funktionär beim TSV Weilimdorf tätig. In verblüfftere Gesichter als in dieser Woche hat der sportliche Leiter wohl noch nie geschaut. Es war der Abend, als die Verantwortlichen des Fußball-Landesligisten das Geheimnis lüfteten. Als die Mannschaft erfuhr, wer in der nächsten Saison ihr Trainer sein wird. Und größer hätte die Überraschung in der Tat kaum sein können. Der Nachfolger von Manuel Fischer heißt, Hokuspokus, Simsalabim – Manuel Fischer. Ein Salto rückwärts damit auf dem Chefposten an der Seitenlinie. Anders als seit Dezember eigentlich fix, hört der womöglich baldige Meistercoach nun doch nicht auf, sondern hat seinen Vertrag sogar um gleich zwei Jahre bis 2027 verlängert.

 

„Ein wichtiges Signal für den Verein“, findet dessen Vorsitzender Daniel Nötzold. „Wir sind glücklich“, ergänzt Bachmann, dessen Beharrlichkeit sich bezahlt gemacht hat. So recht hatte er sich in den vergangenen Monaten mit der Ausstiegsentscheidung seines Trainers nicht abfinden wollen. „Ich habe ja gesehen, wie er bei der Arbeit brennt“, sagt Bachmann. Vorige Woche unternahm er schließlich noch einmal einen Vorstoß – und zwar mit dem von ihm erhofften Ergebnis. Am Ende war es dann nur noch ein kurzer Weg vom inzwischen bereits wackelnden Nein zum jetzigen Knalleffekt-Ja.

Mit eingeflossen ist in die Weilimdorfer Bemühungen eine Bachmann’sche Erkenntnis – nämlich jene, dass „es nicht so einfach ist, für diese Mannschaft den Richtigen zu finden“. Nicht mangels Interessenten. Aber weil es, das hat die Erfahrung an der Giebelstraße gelehrt, schon jemanden mit speziellem Händchen braucht, um mit den Charakteren des eigenen Kaders klar zu kommen. Vorsichtig ausgedrückt: Das Team des aktuellen Tabellenführers gilt als schwierig. Deutlicher formuliert: Bis zu Fischers Amtsübernahme vor knapp zwei Jahren eilte dem Ensemble nicht von ungefähr der Ruf eines Chaotenhaufens voraus.

Fischer ist es gelungen, die dafür richtige Gangart zu finden, durchaus auch mit der nötigen Strenge. Er selbst hat einmal von klaren Leitplanken gesprochen, die er eingezogen habe. Sportlich haben die Weilimdorfer unter ihm eine rasante Entwicklung genommen, vom Dauer-Abstiegskandidaten zum plötzlichen Spitzenteam. Kompetenz und Autorität strahlt der 35-Jährige dabei allein schon dank seiner Vita aus. Die Worte eines ehemaligen Bundesliga-Spielers haben bei der kickenden Belegschaft allemal mehr Gewicht, als wenn Otto Normaltrainer seine Vorstellungen vermittelte.

Absage von Tobias Weis

Konkret zugetraut hätte Bachmann eine Weiterführung dieses Wegs auch zwei einstigen VfB-Kollegen Fischers. Die Idee mit Felix Luz scheiterte dann aber wie berichtet schon im Ansatz. Und mit Tobias Weis gab es zwar konkrete Gespräche, doch entschied sich jener der räumlichen Nähe wegen für einen Verbleib beim Bezirksligisten TSG Öhringen.

Umso größer die Erleichterung über Fischers Umdenken. Dieses schob der Verein schließlich mit einigen gewichtigen Argumenten an. So räumt er es seinem Coach ein, dessen ursprünglich vorgesehenen nächsten Karriereschritt dennoch zu forcieren, nun parallel. Stichwort etwaige Hospitanzen bei Clubs aus dem Profibereich. Stichwort Trainer-A-Schein, den Fischer im nächsten Kalenderjahr angehen will. Dass er dann voraussichtlich teils fehlen wird? „Wenn so etwas selbst ein VfB Stuttgart II mit seinem Trainer in der dritten Liga schafft, werden wir das wohl auch hinkriegen“, sagt Bachmann. Die ebenfalls vor der Verlängerung stehenden Co-Trainer Oliver Stierle und Patrick Härle würden, so der Plan, eben einspringen.

Außerdem sind da die „Ziele des Vereins, die mich überzeugen“, sagt Fischer selbst. „Mit denen kann ich mich zu 100 Prozent identifizieren.“ So ist der kollektive Wille demonstriert, dass das momentane Hoch nicht nur ein Zwischenhoch sein soll, sondern dass es nachhaltig aufwärts gehen möge. Auch strukturell. Fischer persönlich will in den nächsten Monaten etwa die Gründung einer bislang fehlenden A-Jugend mit vorantreiben.

Ein anderer Schritt, klar, soll der erstmalige Aufstieg in die Verbandsliga sein. Und zwar, auch das keine Frage, mittlerweile schon in dieser Saison. Wer zu einem solchen Zeitpunkt Erster ist, will auch Erster bleiben. Anfang der Woche hätte man in Weilimdorf noch gesagt: mit dem Spiel am Sonntag (15 Uhr) beim Schlusslicht Rohrau noch insgesamt acht Begegnungen bis zum hoffentlich großen Triumph – und auch bis zum Abschied des Trainers.

Nun weiß man: Den Teil nach dem „und“ kann man überraschend streichen. Den davor aber bitte nicht.

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