Plauderten über alte Zeiten: Die ehemaligen Fußballer haben viele Anekdoten zu erzählen. Foto: Jürgen Renner
Einmal im Monat treffen sich ehemalige Fußball-Amateurligaspieler im Hildrizhausener Sportheim, um in Erinnerungen zu schwelgen – und sie geben so manche launige Anekdote zum Besten.
Jürgen Renner
18.02.2026 - 18:06 Uhr
Eigentlich öffnet das Sportheim des TSV Hildrizhausen täglich erst um 11.30 Uhr. Doch für den Frühschoppen der ehemaligen Kicker, die einst in der I. und II. Amateurliga dem runden Leder nachgejagt sind, macht die Pächter-Familie extra eine Stunde früher auf. Denn an jedem ersten Donnerstag eines Monats treffen sich die Fußball-Legenden aus dem Kreis Böblingen zum Stammtisch.
Die Idee dafür hatte vor fast sieben Jahren Hans Gries, der mit seinem Tor im WFV-Pokal-Endspiel dafür gesorgt hatte, dass der TV Gültstein 1975 im DFB-Pokal gegen Borussia Mönchengladbach antreten durfte. Er trommelte ehemalige Weggefährten zusammen, schließlich war Gries unter anderem Trainer beim VfL Sindelfingen, der SpVgg Aidlingen und eben seinem Heimatverein TV Gültstein.
Fußball-Stammtisch zieht ins Sportheim des TSV Hildrizhausen um
Das erste Treffen fand im Mai 2019 in Herrenberg statt. Als sich herausstellte, dass die Ex-Fußballer von VfL Sindelfingen, GSV Maichingen und SV Böblingen auch gerne dabei wären, aber ein Lokal in der geografischen Mitte bevorzugten, fiel die Wahl auf das Hausemer Sportheim.
Zuletzt waren knapp 20 alte Kämpen vor Ort, Hans Gries selbst fehlte diesmal. Dafür kamen die beiden ehemaligen Böblinger Torhüter Klaus Haustein und Rainer Dinkelacker zum Stammtisch. Haustein war Mitte der 60er-Jahre der Keeper der Kreisstädter. „Früher haben wir teilweise auf einem Sandplatz trainiert und gespielt. Danach war ich total dreckig, habe nur die Schuhe ausgezogen und bin mit den Klamotten unter die Dusche gestanden“, erinnert er sich.
Durch das Hechten sei die Hüfte an beiden Seiten aufgeschürft gewesen. „Deswegen hat meine Frau gesagt, dass die Söhne nicht Fußball spielen dürfen“, schmunzelt Haustein. Geholfen hat die Bitte der Gattin nichts, denn Jörg und Achim Haustein erbten die Leidenschaft des Papas, waren aber Feldspieler.
Auch bei Gegnern war der Sandplatz gefürchtet. „Ich weiß noch, dass wir in der I. Amateurliga die VfB Stuttgart Amateure zu Gast hatten. Als die erfuhren, dass nicht auf Rasen gespielt wird, ging bei denen die Kinnlade runter“, verrät Klaus Haustein.
Sein Nachfolger zwischen den Pfosten wurde Rainer Dinkelacker, der Jahre später als Torwarttrainer in Südafrika Karriere machen sollte. Er fand ein Rezept, um dem Sandplatz aus dem Weg dem Weg zu gehen: „Ich habe manchmal auch im Freibad neben dem Stadion auf Rasen trainiert.“
Zwei ehemalige Böblinger Torhüter: Rainer Dinkelacker (li.) wurde einst zum Nachfolger von Klaus Haustein zwischen den SVB-Pfosten. Foto: Jürgen Renner
In der damals vierthöchsten deutschen Liga aktiv war Gerd „Capo“ Riehm beim GSV Maichingen. Als kleiner Junge wohnte er dem Entscheidungsspiel seiner Allmendkicker gegen den TV Gültstein bei, wodurch der Aufstieg in die II. Amateurliga geschafft wurde. Dort feierte Riehm Jahre später selbst sein Debüt und wurde Mitte der 70er-Jahre einmal sogar Torschützenkönig.
Gegenspieler in der Verbandsliga war einmal Bordell-König Jürgen Rudloff
Sein größter sportlicher Erfolg war jedoch nach der Ligenreform von 1978 der Aufstieg in die Verbandsliga. An so manches Duell erinnert sich Riehm noch zurück. Im Landesliga-Meisterjahr 79/80 spielte der GSV bei Aufsteiger FC Kickers Lützenhardt: „Da mussten wir uns in einem Hotel umziehen und 500 Meter durch den Wald zum Sportplatz laufen. Nach dem Spiel konnten wir den Swimmingpool im Hotel nutzen.“ Irgendwann sei der Bordell-König Jürgen Rudloff, der wegen Steuerhinterziehung ins Gefängnis muss, sein Gegenspieler vom FV Zuffenhausen gewesen.
Und dann war da noch das Jahr 1975: Der VfL Sindelfingen führte die Tabelle der II. Amateurliga an. Der Vorsprung schmolz immer mehr zusammen, am vorletzten Spieltag wollten die Mercedes-Benz-Städter gegen den GSV Maichingen den Deckel drauf machen. „Denen zeigen wir es“, hatten Riehm und Co. etwas dagegen. Sie gewannen mit 3:0. Der Rest ist bekannt: Der VfL, inzwischen mit Hans Gries als Trainer, verlor auch noch sein letztes Spiel bei den Stuttgarter Kickers Amateuren mit 0:2 und das darauffolgende Entscheidungsspiel gegen den gleichen Gegner mit 1:4.
„Das war meine größte Enttäuschung“, gibt der damalige Sindelfinger Alfred Tausch freimütig zu. Zumal er bei der Partie auf neutralem Platz in Leinfelden nach einem Pressschlag schon nach sieben Minuten vom Feld musste. „Der Staffelleiter war mehrmals bei unseren Spielen und hatte in seinem Aktenkoffer den Meisterwimpel dabei.“ Dieser wurde allerdings nie überreicht.
Tausch selbst war aber bereits 71/72 mit dem TV Darmsheim Meister der B-Klasse geworden, wechselte dann nach Sindelfingen („Ich wollte lieber gegen Ulm statt gegen Emmingen spielen“) und später noch zum GSV Maichingen. „Ich wollte 1979 ein Haus bauen, und die Maichinger haben mir einen Wechsel dadurch schmackhaft gemacht, dass sie mir Unterstützung mit Handwerkern zugesagt haben“, plaudert er aus dem Nähkästchen. Gebaut wurde dann nicht in Maichingen, sondern in Entringen, wo er heute noch wohnt.
Hans Zuber, dem als Trainer mit dem SV Deckenpfronn Anfang der 90er-Jahre der Durchmarsch von der Kreisliga A in die Landesliga gelungen war, war beim Entscheidungsspiel des VfL in Leinfelden als Zuschauer dabei. Er kickte damals bei den Kickers Amateuren, war aber verletzt.
Helmut Hörmann erzielte in einer Saison 81 Tore für den TSV Hildrizhausen
Zuvor hatte Zuber, der später mit dem TSV Ehningen die Meisterschaft in der Bezirksliga feiern konnte, 1971 mit dem VfL Sindelfingen den WFV-Pokal gewonnen, weshalb es im DFB-Pokal gegen die erste Mannschaft der Stuttgarter Kickers ging. Mit Dieter Wylezich, der sich viele Jahre das VfL-Trikot überstreifte, als Feldspieler im Tor wurden die Degerlocher mit 2:1 besiegt. Jener Wylezich, der Mitte der 80er mit über 40 Jahren beim TV Altdorf noch Bezirkspokalsieger und Meister der Kreisliga B wurde, war wie der damalige Mitspieler Rudi Brenken auch beim Stammtisch in Hildrizhausen.
Und der Gastgeber? Der 85-jährige Helmut Hörmann, langjähriger Vorsitzender des TSV Hildrizhausen, hat zwar nie in der Amateurliga gespielt, kann aber trotzdem mit einer imposanten Zahl aufwarten: 81 Treffer in der Saison 58/59 in der C-Klasse. Auch Siegfried Puskeiler, der in Hildrizhausen und beim TSV Dagersheim gekickt hatte, durfte nicht fehlen. Er hatte vor drei Monaten für die Stammtischler eine Stadionführung in der Stuttgarter MHP-Arena organisiert.