Fußball-Meisterserie: SG Weilimdorf Ein Comeback mit 80 Kisten Bier

Das Erfolgsteam der SG Weilimdorf hat in 26 Spielen 131 Tore erzielt und stellt den besten Torschützen der Staffel. Foto: /Holger Strehlow

Die SG Weilimdorf gewinnt eindrucksvoll die Meisterschaft in der Stuttgarter Kreisliga-B-Staffel 2 und kehrt damit nach fast zwei Jahrzehnten in die A-Klasse zurück. Außer dem Titelgewinn ohne Niederlage erfreut im Team ein kurioser Erfolg neben dem Platz.

Gleich in mehrfacher Hinsicht sind die Fußballer der SG Weilimdorf Gewinnertypen. Auf dem Spielfeld haben sie in der abgelaufenen Runde kein einziges Spiel verloren, erzielten 131 Tore und sicherten sich mit fünf Punkten Vorsprung die Meisterschaft und den Aufstieg – zuletzt spielten die Nord-Stuttgarter in der Saison 2005/06 in der Kreisliga A. Zudem waren sie auch auf einem anderen Terrain erfolgreich. Bei einem Gewinnspiel während des Frühlingsfests schlugen sie erbarmungslos zu. Der Lohn: 80 Kisten Bier.

 

Während der Gewinn des flüssigen Preises reine Glückssache war, war es der auf dem Sportplatz ganz und gar nicht. Vielmehr geplant und prima umgesetzt – und „das mit viel Herzblut für den Verein“, sagt Philipp Baltsios, der zusammen mit Marco Carrasco-Soto, Jörn Kanthak und Michalis Karasairlis (Torhüter) das Trainerteam bildete. Vielerorts eine bloße Floskel, bei der SG Weilimdorf indes gelebt. Der Coach geht in Sachen Vereinstreue mit bestem Beispiel voran. 200 Meter vom Sportplatz entfernt liegt sein Elternhaus, drei Jahre hielt er in der Jugend die Knochen für den Club hin, wanderte dann ab, um 2013 wieder zurückzukehren. Zuerst als Spieler, dann als spielender Co-Trainer und seit der Spielzeit 2021/22 ausschließlich als Anleiter. „Das ist mein Heimatverein, da wollte ich helfen, etwas aufzubauen“, sagt der 37-jährige Baltsios, der unter anderem einst für Ermis Metanastis Stuttgart in der Bezirksliga spielte. Und so wie ihm, geht es vielen im Team: Sie identifizieren sich mit dem Club. 90 Prozent des Meisterkaders hätten noch in keinem anderen Verein gespielt, tragen seit der F-Jugend das Weilimdorfer Trikot.

Für Chrysowalandis Kugiumtzidis gilt das zwar nicht. Aber: „Er kommt auch aus Weilimdorf und wollte mit seinen Kumpels zusammenspielen“, sagt Baltsios. Das Ergebnis: Der 23-Jährige avancierte mit 37 Toren zum Schützenkönig der Staffel.

Die enge Beziehung der kickenden Belegschaft zum Club von der Solitudestraße war indes nicht immer so. Ausschlaggebend für die Besinnung hin zu den Eigengewächsen war Corona. Vom Kader von vor der Pandemie blieben danach nur zwei Spieler übrig – einer davon ist Andreas Stadtmüller, der ebenfalls Teil des aktuellen Erfolgsteams ist. „Der Neuaufbau war der richtige Zeitpunkt, um die gute Nachwuchsarbeit zu nutzen und viele A-Jugendliche in die erste Mannschaft zu integrieren“, weiß Baltsios. Stück für Stück wurde das Mannschaftsgerippe immer größer und vor allem leistungsdichter. Im aktuellen Meisterjahr kamen 25 Akteure zum Einsatz – und alle hatten nicht nur das Zeug, um die Bank voll zu machen, sagt Baltsios. Soll heißen: Ausfälle waren kein Grund für einen Leistungsabfall. „Unser absolutes Plus gegenüber der Konkurrenz“, sagt der Coach, „auch in der Endphase konnten wir noch mittels Einwechslungen nachlegen und viele Spiele für uns entscheiden.“

Besagte Konkurrenz war zum Beginn groß, gleichbedeutend mit den acht ersten Mannschaften in der Staffel. Letztlich blieb ein Trio, bestehend aus der SKG Botnang dem FC Stuttgart-Cannstatt und eben den Weilimdorfern übrig. Als jene am vorletzten Spieltag im Gipfelduell in Botnang mit 1:0 siegten – der Torschütze hieß Niklas Janik – war die Entscheidung gefallen. Damit war der Titel eingetütet. Nebensache, dass es gegen den FC Stuttgart-Cannstatt dagegen zweimal nur zu einem 2:2 gereicht hatte. In der Abschlusstabelle hatten die Botnanger fünf Punkte Vorsprung auf ihre beiden hartnäckigsten Widersacher. Nach dem Meisterstück in Botnang ging es ungeduscht im Autokorso nach Hause aufs eigene Sportgelände. Im Schlepptau: der begeisterte Anhang aus der eigenen Ringerabteilung, der mit dem Rad gekommen war. Umgekehrt sorgen die Fußballer bei deren Kämpfen für gute Stimmung an der Matte.

Vor der Kreisliga A ist Baltsios nicht bange. Zwar hören seine Mitstreiter Carrasco-Soto und Kanthak aus zeitlichen Gründen auf, bleiben aber als Zuschauer erhalten – ihre Söhne Manuel beziehungsweise Finn stehen im Erfolgsteam. Unterstützung erhält Baltsios in Godspower „Bobby“ Ikeokwu. Dieser ist ebenfalls in Weilimdorf aufgewachsen, war zuletzt Spieler, hat aber nach zwei Achillessehnenrissen nun die Kickschuhe an den Nagel gehängt. Die Mannschaft bleibt derweil zusammen. Mehr noch: Neu hinzu kommt Meron Tsehaye (MTV Stuttgart), der langjährige Weilimdorfer Kapitän Heiko Gollub kehrt vom SV Rot zurück, und mit zwei weiteren Spielern sei man noch in Gesprächen. Darüber hinaus gesellen sich vier A-Jugendliche zum Kader.

Und was ist mit dem erwähnten zweiten Weilimdorfer Saisonerfolg? Ein Großteil wurde nach dem Botnang-Sieg geleert. „Bei der Meisterfeier kamen 50 Kästen weg, einige Flaschen dienten auch als Bierdusche für mich und unseren Abteilungsleiter Dirk Hoppmann“, berichtet Baltsios.

Zahlen und Daten

Die höchsten Siege 11:1 gegen SV Hoffeld II (A), 11:2 gegen SGM Steinhaldenfeld/Max-Eyth-See II (A), 9:0 gegen KF Kosova Bernhausen II (H), 7:0 gegen SKV Palästina Al Q’uds Stuttgart II (H), 7:0 gegen SKV Palästina Al Q’uds Stuttgart II (A)

Die höchsten Niederlagen – .

Die besten Torschützen Chrysowalandis Kugiumtzidis (37 Tore), Leon Üblacker (25), Niklas Janik (18), Paul-Noah Keim (8), Ioannis Nedos (8), Andreas Stadtmüller (8)

Die Dauerbrenner Leon Üblacker (25 Spiele), Lukas Teixeira (23), David Lozancic (22), Paul-Noah Keim (21), Andreas Stadtmüller (21), Ioannis Nedos (19), Shawn Christiansen (18), Niklas Janik (18), Chrysowalandis Kugiumtzidis (17)

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