Hätte man Marc Bäuerle im vergangenen Winter auf einem möglichen Meistertitel in der Staffel 5 der Stuttgarter Fußball-Kreisliga B angesprochen, der Trainer des TV 89 Zuffenhausen II hätte einen wahrscheinlich – zu Recht – für nicht ganz zurechnungsfähig erklärt. Satte zwölf Punkte betrug zeitweilig der Rückstand seiner Mannschaft auf den Tabellenführer PSV Stuttgart II – der Traum vom Aufstieg schien für den amtierenden Vizemeister bereits so weit entfernt wie das benachbarte Porsche-Werk von einer Südseeinsel. „Wir hatten ziemliche Verletzungsprobleme in der Hinrunde, aber wir haben uns in der Winterpause trotzdem vorgenommen, noch einmal so gut als möglich nach vorne angreifen zu wollen“, sagt Bäuerle.
Dass seine Mannschaft nach 30 Spieltagen tatsächlich ganz oben im Klassement zu finden war und zwei Punkte Vorsprung auf den Vizemeister Croatia Stuttgart II ins Ziel gerettet hat, war auf zweierlei Umstände zurückzuführen: Zum einen auf eine starke Serie mit 14 Siegen und nur einer Niederlage (gegen Croatia) in der zweiten Saisonhälfte. Zum anderen aber auch auf eine ziemlich kurios schwächelnde Konkurrenz. Der Vorrundenmeister PSV Stuttgart II (35 Zähler) sammelte in der Rückserie nur noch ganze 14 Zähler. „Da waren bei mehreren Spitzenmannschaften teilweise schon sehr überraschende Ergebnisse dabei, sodass wir uns noch einmal richtig gut herankämpfen konnten“, sagt Bäuerle. Am Ende waren es im Zweikampf mit den Kroaten zwar nur zwei Punkte Vorsprung für den Meister, aber ordentliche 17 auf den drittplatzierten ASV Botnang II.
Einer der wichtigsten Gründe dafür, dass sich die Zuffenhausener am Ende durchgesetzt haben und nun in der Kreisliga A ran dürfen, ist ganz sicher in ihrer Offensive zu suchen, wo ein Trio ganz besonders aufgetrumpft hat: Maurizio Celico, der erst in der Winterpause vom Nachbarn SSV Zuffenhausen gekommen war, traf in der Rückserie noch 20-Mal ins Netz, ebenso wie Franco Flemming, der schon vor sechs Jahren den exakt gleichen Weg gegangen war. Überragender Akteur beim TVZ-II-Aufstieg – nicht nur wegen seiner 32 Treffer – war jedoch der Spielmacher Alexander Iatan. „Er hätte selbst noch deutlich häufiger treffen können, wenn er nicht mindestens doppelt so viele Vorlagen für die Kollegen gegeben hätte“, lobt Bäuerle den 24-Jährigen. Dass Iatan in der Kreisliga B derart aufgetrumpft hat, war freilich keine Überraschung: In der Saison 2021/22 absolvierte der Mann mit den rumänischen Wurzeln noch vier Klassen höher 36 Saisonspiele für den Verbandsligisten FC Normannia Gmünd, davor ging er für den Wuppertaler SV in der A-Jugend-Bundesliga auf Torejagd und für die irische Jugend-Nationalmannschaft, ist er doch auf der grünen Insel geboren und aufgewachsen. „Er ist ein absoluter Glücksfall für uns und wir hatten auch keine Probleme, ihn zu halten, weil er eine Ausbildung in Mühlhausen macht und aktuell keine höherklassigen Ambitionen mehr hat“, sagt Bäuerle über seinen Topmann.
In der neuen Saison, die die TVZ-Zweite in der „Filderstaffel“. als in der A2, absolviert, während die Erste in der A1 bleibt, bekommt Iatan in Pantelis Doumtsis (zuletzt Omonia Vaihingen) eine erfahrene Anspielstation im Angriff. Der 40 Jahre alte Neuzugang war auch schon für den GFV Ermis Metanastis Stuttgart in der Bezirksliga aktiv und stand einst im Kader des Oberligisten VfB Neckarrems. „Wir freuen uns auf die Spiele gegen die weitgehend unbekannten Gegner, die ja auch uns nicht kennen“, sagt Bäuerle und gibt für seinen Kader mit insgesamt 28 Akteuren schon einmal die sportliche Vorgabe: „Wir waren schon in der Kreisliga B vom Umfeld her besser aufgestellt als viele höherklassige Teams. Ich denke, dass der Klassenverbleib ein absolut realistisches Ziel ist“, sagt Bäuerle, der bereits seine siebte Saison als verantwortlicher Coach bei der TVZ-Zweiten in Angriff nimmt.