Fußball-Nachlese In der Milch stechen Mücken gleich heraus

Von Maximilian Hamm, und  

Der Verbandsliga-Letzte SV Fellbach ist der TSG Backnang nicht gewachsen. Keiner überzeugt so wie Joao Victor Schick beim TV Oeffingen. Paolo Barone und Kevin Woida bleiben beim TSV Schmiden II länger.

Wann geht es voran, und geht es in dieser Saison überhaupt noch voran? Dem SVF-Trainer Giuseppe Greco kann gerade nicht gefallen, was er  zu sehen bekommt. Foto: Maximilian Hamm
Wann geht es voran, und geht es in dieser Saison überhaupt noch voran? Dem SVF-Trainer Giuseppe Greco kann gerade nicht gefallen, was er zu sehen bekommt. Foto: Maximilian Hamm

Fellbach - Die Suche nach dem Spieler des Tages bei den Fußballern des SV Fellbach ist diesmal recht schnell beendet. Es hat sich am Samstagnachmittag in der Begegnung mit dem Tabellenführer TSG Backnang kein Akteur aufgedrängt. Ganz anders bei den Gästen, die das Verbandsliga-Spiel vor den rund 300 Zuschauern mit 3:0 gewonnen haben. Da wäre zum einen der umsichtige und spielstarke Shqiprim Binakaj, 30, der seit dieser Saison in Backnang spielt und davor jahrelang bei der SG Sonnenhof Großaspach in der dritten Liga aktiv war. Er markierte am Samstag das 1:0 für den Ligaprimus. Aber auch die beiden Ex-Fellbacher Mario Marinic, 35, und Thomas Doser, 30, gehören zu den Kandidaten. Mario Marinic war gewohnt torgefährlich und traf dann auch zum 2:0 für seine Mannschaft. Für den SV Fellbach hatte er in der Saison 2009/2010 in 16 Begegnungen 20 Treffer erzielt, bevor er sich in der Winterpause dem damaligen Regionalligisten VfR Aalen anschloss. Nach seiner baldigen Rückkehr zum SVF markierte er 17 Treffer in 13 Spielen. In der vergangenen Runde kam er in der Oberliga auf für ihn bescheidene 15 Tore, weil er monatelang verletzungsbedingt ausgefallen war. In dieser Saison führt er die Torschützenliste mit 22 Treffern an. „Man hat gesehen, dass wir oben stehen und der SV Fellbach unten. Wir wussten, der Führungstreffer ist ein Dosenöffner für uns“, sagte Mario Marinic. Sein Mitspieler Thomas Doser musste gegen Ende 2019 verletzungsbedingt pausieren, ist dieses Jahr aber wieder fit. Er kam in der 67. Spielminute für Savino Marotta auf den Kunstrasenplatz und erzielte fünf Minuten später den dritten Treffer für die Gäste. Es war das zweite Saisontor für den Abwehrspezialisten. „Wir waren erst nicht so dominant wie erhofft, aber nach der Pause hatten wir mehr Ballbesitz und Ballkontrolle“, sagte Thomas Doser, dessen Vertrag bei der TSG Backnang am Ende dieser Saison ausläuft; seine sportliche Zukunft ist noch ungewiss.

Auch die Verbandsliga-Fußballer des SV Fellbach haben  an sich – zumal mit den Winterzugängen – umsichtige und spielstarke Akteure in ihren Reihen. Doch das Zusammenspiel funktioniert noch nicht so, wie der Trainer Giuseppe Greco sich das wünscht. Nach zwei Niederlagen in diesem Jahr bleibt die Mannschaft auf dem letzten Tabellenplatz in der Verbandsliga. Doch der SVF-Coach steht nicht infrage, erst kürzlich hat er sich ja mit den Verantwortlichen um den Abteilungsleiter Mathias Fischer auf eine Vertragsverlängerung um drei Jahre geeinigt. Das war auch gar nicht der Grund, weshalb Dimitrios Moutas, 51, am Samstagnachmittag bei der Begegnung mit der TSG Backnang vorbeigeschaut hat. Der ehemalige Mittelstürmer mit Stationen in der Bundesliga beim VfL Bochum und den Stuttgarter Kickers war zuletzt beim Zweitligisten Karlsruher SC als Co-Trainer von Alois Schwarz tätig. Das Trainerduo wurde Anfang Februar von seinen Aufgaben freigestellt. Dimitrios Moutas wohnt unweit von Fellbach und hat in seiner Freizeit den 3:0-Sieg des Tabellenführers TSG Backnang angeschaut. „Da war ein deutlicher Qualitätsunterschied der beiden Teams zu sehen“, sagte der Trainer im Wartestand. Er ist auch gekommen, um die griechischen Akteure auf dem Feld zu beobachten. Im Backnanger Kader standen in Dimis Naoumis, Iosif Maroudis und Niklas Kalafatis gleich drei Spieler mit griechischen Wurzeln. Beim SV Fellbach sind die beiden Zugänge Charalambos Parharidis und Georgios Mahlelis Landsmänner von Dimitrios Moutas. Der ehemalige Profi hat auch in dieser sechsthöchsten deutschen Liga den einen oder anderen Spieler mit Qualität für höhere Aufgaben gesehen. „Bei uns in der Heimat würde man sagen: wie die Mücke in der Milch. Die stechen gleich heraus.“ Einer wie Shqiprim Binakaj zum Beispiel. Oder eben auch Mario Marinic.

Beim Zweitligisten VfB Stuttgart haben sie – etwa nach dem 2:0-Erfolg unlängst gegen Jahn Regensburg – Daniel Didavi zum „Unterschiedsspieler“ gekürt. Nach dem 2:1-Auswärtssieg der Landesliga-Fußballer des TV Oeffingen bei der SG Sindringen/Ernsbach hat der Trainer Haris Krak diesen Titel Joao Victor Schick verliehen, der auch unser Spieler des Tages ist. Haris Krak brachte den 22-Jährigen, den mit sieben Treffern in dieser Saison bis dahin erfolgreichsten Torschützen des TVOe, nach dem Seitenwechsel beim Stand von 0:1. „Er hat aus beruflichen Gründen die Vorbereitung nicht komplett mitmachen können, ihm fehlt noch die Kraft für 90 Minuten“, sagte der TVOe-Trainer. Joao Victor Schick, der eine brasilianische Mutter und einen deutschen Vater hat, war – wie berichtet – an beiden Oeffinger Toren beteiligt. „Er ist ein intelligenter, antrittsschneller Spieler. Er hat den Unterschied ausgemacht. Für uns ist Joao Victor Gold wert“, sagte Haris Krak.

Trainerdoppel haben bei den Fußballern des TSV Schmiden eine gute Tradition. Der zweiten Mannschaft geht gerade eines voran: Paolo Barone und Kevin Woida teilen sich seit Saisonbeginn die Aufgabe in der Kreisliga B. Auch mit dem Duo ist der TSV Schmiden II – trotz der 1:4-Niederlage zum Auftakt 2020 am Sonntag beim VfR Birkmannsweiler II – wieder unter den ersten fünf der Tabelle. Grund genug für die Verantwortlichen, dessen Dienstzeit in der Freizeit zu verlängern. Paolo Barone und Kevin Woida werden das Team zumindest bis zum Sommer 2021 anleiten. „Die beiden machen das zusammen. Und das funktioniert“, sagte Uli Ebert aus dem Spielausschuss der Schmidener Fußballabteilung. Paolo Barone hatte im Frühjahr 2018 seine Bemühungen beim TSV aufgenommen und zunächst Ottaviano Acri, der damals die zweite Vertretung anleitete, assistiert. Nach dessen Rückzug im Vorjahr blieb Paolo Barone im Traineramt. An seiner Seite fand sich Kevin Woida als gleichberechtigter Partner ein, der davor fast achteinhalb Jahre lang der zweiten Mannschaft des TV Oeffingen vorangegangen war.