Fußball – Nachspiel Der Fluch der letzten Spielminute
Ein schwarzer Tag für den Fußball-Landesligisten TSV Köngen, „gelöste Köpfe“ bei den Kickern des TB Ruit in der Kreisliga A – und ein faires Top-Spiel in Nellingen.
Ein schwarzer Tag für den Fußball-Landesligisten TSV Köngen, „gelöste Köpfe“ bei den Kickern des TB Ruit in der Kreisliga A – und ein faires Top-Spiel in Nellingen.
Im Amateurfußball sind es oft Nuancen, die den Unterschied ausmachen. Mit zunehmender Stabilität und gewonnener Zuversicht verändert sich das gesamte Spiel. Beim Verbandsligisten FC Esslingen ist der Glaube an das eigene Können jedenfalls zurück. Die Esslinger holten beim Zweiten FC Holzhausen beim 0:0-Remis einen Punkt – und es wäre sogar mehr drin gewesen. Die Formkurve des FCE zeigt nach oben, der in den vergangenen vier Partien dreimal kein Gegentor kassierte. Was ein Erfolgserlebnis mit einem Team machen kann, erlebte auch der TB Ruit beim 4:2-Sieg in der Kreisliga A gegen den TSV Wendlingen. „Der 4:1-Erfolg beim FV Plochingen II zuletzt hat uns gutgetan. Der Glaube war wieder da und im Kopf hat sich etwas gelöst“, erklärte TBR-Kapitän Dirk Schimmele.
Glück spielt im Sport dann aber doch auch eine Rolle. Der Vierte TV Nellingen kassierte im A-Liga-Topspiel zuhause gegen den Spitzenreiter VfB Reichenbach den späten 2:2-Ausgleichstreffer. TVN-Coach Thomas Gentner sprach vom „Fluch der letzten Spielminute, denn schon vor zwei Wochen haben wir in der Nachspielzeit deswegen gegen Wendlingen verloren“. Einig sind sich die Spieler und Verantwortlichen der KLA-Teams aber, dass es in der Liga weiterhin wahnsinnig eng zugeht und jeder jeden bezwingen kann.
Rein sportlich gesehen sprach Trainer Dominik Eitel nach dem 0:0-Remis seines FC Esslingen beim Zweiten FC Holzhausen von einem „sehr guten Auftritt“ und war zufrieden mit der Leistung seines Teams. Überschattet wurde die Partie aber bereits nach fünf Minuten durch die schwere Verletzung von Muhsin Alper Kocas, der sich nach einem Zusammenprall mit dem Holzhausener Keeper das Wadenbein brach. „Wir gehen davon aus, dass Kocas uns mindestens ein halbes Jahr fehlen wird“, erzählte Eitel. Die Personalsituation der Esslinger wir so noch enger, die unter anderem kurzfristig auf Kapitän Aleksandar Mojasevic verzichten mussten. Dafür halfen die A-Jugendspieler Kerem-Umut Tekin sowie Luka Eisenbart aus – und machten ihre Sachen laut Trainer Eitel „sehr gut“.
Es war ein kein guter Spieltag für die beiden Teams aus der Region. Besonders heftig traf es den Spitzenreiter TSV Köngen bei der 0:6-Klatsche im Spitzenspiel beim 1. FC Eislingen. Bereits zur Pause führten die Eislinger deutlich mit 4:0. „Im Prinzip war das Spiel für uns aber bereits nach 25 Minuten gelaufen. Es war ein schwarzer Tag, aber solche Spiele gibt es eben mal“, erzählte Köngens sportlicher Leiter Thomas Köhrer und fügte hinzu: „Man muss anerkennen, dass der Gegner uns in allen Belangen überlegen war und wir als Team komplett versagt haben.“ Aber Köhrer betonte auch: „Es war ärgerlich, aber kein Beinbruch. Es kann nicht immer Sonnenschein geben, dieses Mal war es ein starkes Gewitter.“ Zwar rangieren die Köngener immer noch auf der Spitzenposition, der Vorsprung auf den Verfolger Eislingen schmolz aber auf einen Punkt. „Wir wollen auf jeden Fall auf Platz eins überwintern“, sagte Köhrer.
Hin- und hergerissen war Spielleiter Sascha Madeo nach der 2:4-Niederlage seines FV Neuhausen beim TSV Bad Boll. Er sprach davon, dass sein Team „zurecht verlor, weil wir zu einfache Gegentore kassiert haben“, aber es „wäre auch mehr drin gewesen, weil wir die besseren Chancen hatten, diese aber nicht genutzt haben“. Die FVN-Kicker rutschten so auf Rang zehn ab, haben aber noch einen Sechs-Punkte-Abstand auf den Abstiegsrelegationsplatz 13.
Ein Sieg und drei Niederlagen. Das ist die Bilanz des Spieltages der Teams aus der Region. Der Vorletzte TSV Berkheim verlor zuhause gegen den Dritten SV Ebersbach deutlich mit 1:4 und steckt weiter hinten fest. „Es war eine verdiente Niederlage, die Ebersbacher haben stark gespielt und führten zur Pause schon mit 2:0. Wir haben aber eine gute Reaktion auf die 0:11-Pleite beim 1. FC Heiningen gezeigt und kämpferisch gut dagegengehalten“, sagte Berkheims Abteilungsleiter Uwe Willinger.
Durch einen Lucky-Punch-Fernschuss in der Nachspielzeit verlor indes der TSV Denkendorf (Rang neun) beim Elften Türkspor Nürtingen. „Es war ein Spiel auf einem niedrigen Niveau, bei dem wir in Hälfte eins eigentlich gut in der Partie waren. Das späte Gegentor war schon sehr ärgerlich“, resümierte Denkendorfs spielender Co-Trainer Georgios Natsis und ergänzte: „Wir hatten zwar ein Stück weit mehr vom Spiel, waren aber nicht zielstrebig genug und hatten auch nicht allzu viele Großchancen.“ Als es in Hälfte zwei zu regnen begann, wurde das Spiel laut Natsis „etwas wilder und wir haben es versäumt, die eine gute Möglichkeit zu nutzen“.
Bereits am Donnerstagabend unterlag der FV Plochingen bei der TSG Salach mit 1:2. Die Plochinger rutschten mit 13 Punkten auf Rang zwölf ab und waren froh, dass der TSV RSK Esslingen den auf dem Abstiegsrelegationsrang 13 stehenden TSV Jesingen (elf Zähler) mit 2:1 bezwang. TSV-RSK-Spielleiter Thomas Schuler sprach von einem verdienten Sieg seines Teams. „Unser Spielaufbau und das Gegenpressing in Hälfte eins waren gut, aber das Salz in der Suppe, die Tore, fehlten“, erzählte Schuler und fügte hinzu: „In der zweiten Hälfte hat das Team dann das umgesetzt, was das Trainerteam gefordert hat. Moritz Raggs schöner Schlenzer zum 1:0 war der Dosenöffner, der Kopfball von Finn Hammerle dann die Erlösung.“ Trotz des 1:2-Anschlusstreffers der Jesinger kurz vor Schluss ließen die Esslinger aber am Ende nicht mehr viel anbrennen.
„Es war eine sehr interessante Partie. Wir kamen über unser gutes Kurzpassspiel nach vorne, der Gegner eher über Konter sowie lange Bälle“, sagte Abteilungsleiter Ioannis Fotarellis, der das 2:2-Remis seines Spitzenreiters VfB Reichenbach im Top-Spiel beim Vierten TV Nellingen thematisierte und ergänzte: „Die Mannschaft lebt, der Trainer hat alles im Griff und und das Team hat Charakter gezeigt. Es war ein faires Spiel, was in der Vergangenheit nicht immer der Fall war.“ Das mit der Fairness sah auch Nellingens Coach Thomas Gentner so, bemängelte aber, „dass wir zu passiv waren und etwas zu viel Ballbesitz des Gegners zugelassen haben“ und haderte damit, dass „es zwar nüchtern betrachtet ein gerechtes Remis war, die Reichenbacher mit dem 2:2-Ausgleichstreffer aber das Spielglück auf ihrer Seite hatten“. Dazu hatte VfBR-Abteilungsleiter Fotarellis freilich die passende Antwort parat: „Das Spiel ist erst aus, wenn der Schiedsrichter abpfeift. Der Ausgleichstreffer war verdient.“
Die Reichenbacher rangieren durch das Remis immer noch auf Platz eins, der Zweite TV Unterboihingen machte aber mit dem 6:0-Sieg zuhause gegen die TSG Esslingen Punkte gut und hat nur noch zwei Zähler Abstand auf den VfBR. Nach dem Weggang von Coach Christian Mirbauer nach Jesingen, übernahm Co-Trainer Markus Kronewitter in Unterboihingen die Leitung. Kronewitter wird in der Rückrunde von Harald Mangold abgelöst, bleibt aber dem Club als Spieler erhalten. Mangold ist in der Region kein Unbekannter: Er trainierte zuletzt den Ligakonkurrenten TSV Wernau und war auch beim TSV Köngen als Coach tätig. Und was sagte der TSG-Pressewart Dominic Hornisch zur 0:6-Klatsche seines Teams beim TVU? „Unterboihingen war sicherlich keine sechs Tore besser als wir, aber wir haben es dem Gegner viel zu einfach gemacht. Es ist zwar keine Ausrede, aber die Verletztensituation bereitet uns Kopfzerbrechen“, sagte Hornisch.
Der Dritte TSV Wernau gewann bereits am Freitagabend gegen den TV Hochdorf mit 3:0, erledigte damit seine Hausaufgaben und bleibt am Spitzenduo mit 23 Punkten dran. Derweil ist laut Kapitän Schimmele beim 4:2-Sieg des Zehnten TB Ruit gegen den Fünften TSV Wendlingen „der Glaube an das eigene Können“ zurückgekehrt. „Wir sind in einer ausgeglichenen Partie gut reingekommen, sind unglücklich in Rückstand geraten, aber haben aufgrund einer Energieleistung das Spiel in Hälfte zwei auf unsere Seite gezogen. Es war ein verdienter Erfolg“, sagte Schimmele und ergänzte: „Aber es war wieder zu sehen, wie eng die Liga ist und dass man Woche für Woche an das Leistungslimit gehen muss.“
Rund läuft es beim Aufsteiger SC Altbach, der beim TSV Notzingen mit 3:2 gewann. „Wir haben uns gut zurückgekämpft und unsere Chancen konsequent genutzt. Nun sind wir seit sechs Spiele ungeschlagen, darauf können wir aufbauen“, sagte SCA-Abteilungsleiter Robin Prokein. Einen kleinen Dämpfer kassierte der TSV Deizisau beim 2:2-Remis beim Vorletzten FV Neuhausen II. Die Deizisauer führten durch Cedrik Grentz kurz nach der Pause mit 2:1, kassierten aber in der 65. Minute durch Neuhausens Samer Santos noch den Ausgleich. Deizisau rangiert auf Platz sieben und hat sechs Punkte Rückstand auf den Ersten Reichenbach.
Enger geht es in der B 1 nun auch nach der 2:3-Niederlage des Tabellenführers GFV Odyssia Esslingen beim TV Nellingen II zu. „Die Karten werden neu gemischt“, sagte Spielleiter Schuler dazu, der sich darüber freute, dass sein TSV RSK Esslingen II (Platz vier) beim 3:2-Sieg gegen den Sechsten TSV Deizisau I I Punkte gutmachte. „Es war ein Spiel auf Augenhöhe. Johannes Lipp erzielte das 1:1, verschoss dann einen Elfmeter, rappelte sich auf und machte mit dem 3:1 den Knopf an die Hose“, erzählte Schuler. Der Zweite TSV Baltmannsweiler gewann indes gegen die SG Eintracht Sirnau II deutlich mit 7:3. „Wir haben kein schlechtes Spiel gemacht, aber uns fünf der sieben Gegentore durch individuelle Fehler selbst eingeschenkt“, sagte SGE-II-Coach Patrick Funk.
In der Staffel 2 verlor der VfB Reichenbach II beim Absteiger und Zweiten TSV Wolfschlugen mit 0:3. „Wir haben dem Favoriten Paroli geboten, aber hatten nicht das Level, um dort etwas zu holen“, erklärte Abteilungsleiter Fotarellis.