Fußball – Nachspiel Eiskalte Nellinger und faire Sirnauer
Die Kreisliga-A-Kicker des VfB Reichenbach sind schlecht wie lange nicht mehr, die TSG Esslingen macht es wie der VfB Stuttgart und die Wasserspiele an der Katharinenlinde wirken nach.
Die Kreisliga-A-Kicker des VfB Reichenbach sind schlecht wie lange nicht mehr, die TSG Esslingen macht es wie der VfB Stuttgart und die Wasserspiele an der Katharinenlinde wirken nach.
Es gab am vergangenen Fußball-Wochenende ein paar Ergebnisse, die für abstiegsbedrohte Mannschaften einiges an Hoffen in das Bangen mischte. Aber wie das so ist, gab es auch Enttäuschungen. Fußball ist eben ein Sport der großen Emotionen.
„Ich bin gespannt“, sagte Dominik Eitel. Nach zuvor sechs Niederlagen in Serie hat der FC Esslingen nun zwei 4:0-Siege hintereinander geholt, gegen Schlusslicht VfR Heilbronn und bei der TSG Tübingen, die ebenfalls im Tabellenkeller drin hängt. Trainer Eitel ist nun gespannt darauf, wie sich die Mannschaft „gegen stärkere Gegner“ präsentiert. Dazu besteht bald Gelegenheit: Am Samstag (15.30 Uhr) tritt der Vierte SF Dorfmerkingen beim Drittletzten Esslingen an. Dessen Kicker dürften aber zumindest etwas selbstbewusster auflaufen, wozu auch die beiden Null-Gegentor-Spiele ihren Beitrag leisten.
Während der TSV Köngen mühsam die Tabellenspitze verteidigt – durch das 2:2 gegen den TV Echterdingen schmolz der Vorsprung auf einen Zähler zusammen –, herrscht beim FV Neuhausen eine Mischung aus Erleichterung und Jetzt-nicht-nachlassen-Stimmung. Der 3:1-Sieg im Duell beim TSV Plattenhardt war hart erkämpft und „verdient, weil wir am Ende schon besser waren“, wie der sportliche Leiter Sascha Madeo erklärte. Vor allem aber brachte er zwei Punkte, die die Neuhausener von Platz elf aus etwas entspannter nach unten schauen lassen. Aber es gilt eben: Bloß nicht nachlassen.
Auf der Stelle treten derweil der FV Plochingen (Abstiegsrang 14), der im Kellerduell gegen den Zwölften 1. FC Frickenhausen 4:4 spielte, sowie der TSV Berkheim (Relegationsrang 13), der beim Vierten TSV RSK Esslingen in der Nachspielzeit noch den 5:5-Ausgleich kassierte. TSV-RSK-Spielleiter Thomas Schuler sprach von „einem leistungsgerechten Remis bei den Wasserspielen an der Katharinenlinde. Der Regen ließ keinen Spielfluss zu und zog den Rasen in Mitleidenschaft“. Während der TSV RSK in der ersten Hälfte noch das bessere Team war, wendete sich laut Schuler „nach dem Pausentee das Blatt, weil wir zu harmlos agierten und den Gegner wieder ins Spiel kommen ließen“. Die Berkheimer führten zwischenzeitlich mit 5:4, doch es gab ja noch die Nachspielzeit. „Unser X-Faktor Till Hammerle erzielte dann doch noch den Ausgleich. Es war ein umkämpftes Spiel mit Derbycharakter und ein Wechselbad der Gefühle für Zuschauer und Spieler“, berichtete Schuler.
Mit etwas Abstand fällt die Bewertung oft anders aus – so auch beim spielenden Co-Trainer Georgios Natsis, der das 2:2 des Achten TSV Denkendorf beim Dritten 1. FC Donzdorf Revue passieren ließ. „Zunächst fühlte sich das Remis wie eine Niederlage an, weil wir bis zur Schlussphase geführt hatten und beim Favoriten bis dahin wenig falsch gemacht hatten. Einen Tag später kann ich die Partie als gewonnenen Punkt einordnen“, betonte Natsis und ergänzte: „Wir haben in der ersten Hälfte viel umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten. Nach der Pause wurden die Beine schwerer, dennoch war es ein gutes Spiel, auf das wir aufbauen können.“
Es wird sich in dieser superspannenden Saison nicht doch ein Favorit auf Meisterschaft und Aufstieg herauskristallisieren? Vielleicht schon. Der TSV Deizisau hat jedenfalls in der Rückrunde bislang alles gewonnen und ließ sich auch nicht vom TSV Notzingen aufhalten. „Es war ein souveräner Auftritt in allen Mannschaftsteilen und wir haben zu den richtigen Zeitpunkten die Tore geschossen“, sagte Spielleiter Thomas Stiehl zum 3:0. Und er fügte hörbar fröhlich hinzu: „Die Konkurrenz spielt auch für uns, wir machen einfach unsere Hausaufgaben.“
Der bisherige Dritte TSV Wendlingen kam nicht über ein 2:2 gegen das Kellerteam SC Altbach hinaus und den bisherigen Zweiten ASV Aichwald erwischte es beim 0:5 gegen den TV Nellingen richtig hart. ASV-Coach Jan Singer und der zweifache TVN-Torschütze Felix Gentner waren sich nach den „Nellinger Festspielen in Aichwald“ (Gentner) in ihrer Analyse einig. „Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen. Alle haben bis zum Schluss gekämpft und alles versucht – trotz des Rückstandes. Allerdings sind wir auf einen Gegner getroffen, der brutal effizient war. Insofern ist die Niederlage fair zu akzeptieren. Und wir sind noch vorne mit dabei“, sagte Singer vom neuen Dritten. Gentner war freilich allerbester Laune. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir Jungen Wilden so eiskalt sind. Wir haben die Schwächen des ASV ausgenutzt, die wir ausnutzen wollten“, sagte er. Die Aichwalder hätten gut gespielt, „aber nur bis 20 Meter vor dem Tor“. Das war der Unterschied an diesem Tag.
Der Wendlinger Leid war der Altbacher halber Freud. „Durch einen eigenen Fehler gerieten wir in Rückstand, was natürlich sehr bitter war. In der zweiten Hälfte haben wir jedoch eine starke Reaktion gezeigt und sind mit viel Wille verdient in Führung gegangen. Umso ärgerlicher ist es, dass wir in der letzten Minute noch den Ausgleich hinnehmen mussten und in der Nachspielzeit eine hundertprozentige Chance vergeben haben“, sagte Altbachs Abteilungsleiter Robin Prokein nach dem 2:2 und blickt schon auf das Nachholspiel am Donnerstag (19.30 Uhr) gegen den neuen Vierten TV Unterboihingen: „Die Mannschaft hat gezeigt, dass wir uns vor den Teams in der oberen Tabelle nicht verstecken müssen.“
Zweiter – mit fünf Punkten Rückstand – ist jetzt der TSV Wernau nach dem 2:1-Erfolg beim VfB Reichenbach. Dessen Abteilungsleiter Ioannis Fotarellis bemängelt „die schlechteste Platzierung der vergangenen sechs Jahre“. Achter sind die Reichenbacher, so klingt das für manche Konkurrenten als Klagen auf hohem Niveau. Fotarellis übernimmt die Rolle des Mahners: „Uns haben zwölf Spieler gefehlt, aber das lasse ich nicht als Alibi gelten. Jeder muss alles geben.“
Die TSG Esslingen hat sich derweil auf Platz fünf vorgeschoben und die SG Eintracht Sirnau durch das deutliche 5:1 wieder auf den vorletzten Platz geschoben. „Es war so ein bisschen wie beim VfB gegen den HSV: Überzeugende Leistung in Verbindung mit einem hohen Sieg, der aber auch noch höher hätte ausfallen können“, fand TSG-Pressewart Dominic Hornisch und sprach der Mannschaft ein Kompliment dafür aus, „dass wir wieder stabiler und besser drauf sind als zu Beginn der Jahreshälfte.“ Ein besonderes Lob hatte er aber auch für die SGE für „einige Fair-Play-Aktionen, wie beispielsweise kurz vor dem 3:0, als der Ball nach einer Grätsche unsererseits noch knapp im Feld war und der Sirnauer Linienrichter fairerweise angezeigt hat, dass der Ball eben nicht im Aus war. Manche andere heben hier sicherlich die Fahne. Das war klasse und so soll es ja auch sein.“ Das dürfte die Sirnauer freuen. Ihr Pressewart Martin Schmid ärgerte sich aber über die „sehr schwache Leistung, wir sind die erste halbe Stunde nebenhergelaufen und haben dem Gegner beim Spielen zugesehen. Das ist schade, denn wir hatten die Wochen zuvor gegen ebenso vorne platzierte Mannschaften bewiesen, dass es auch anders geht.“
Das Sirnauer Höhenflügle hatte zuvor der TB Ruit beendet, für dessen Trainer Pascal Rückle sich das 3:3 im nächsten Kellerduell mit dem VfB Oberesslingen/Zell auch einen Tag danach noch „aufgrund des Spielverlaufs wie eine Niederlage“ anfühlte. „Es ist extrem ärgerlich, wenn man mit 3:2 führt und das Ding klarmachen hätte können“, führte er fort, „aber vielleicht hilft uns der Punkt am Ende dann doch noch.“ Der TBR ist Zehnter, der VfBOEZ kletterte zumindest auf den Abstiegsrelegationsrang.
Der B-1-Dritte TSV RSK Esslingen II gewann das Derby mit 4:2 und schielt nun – drei Punkte weniger als der Zweite TSV Baltmannsweiler – wieder mit einem Auge auf die Aufstiegsrelegation. „Nach zwei Niederlagen haben wir endlich mal wieder gepunktet. Es war ein verdienter Erfolg“, sagte TSV-RSK-Spielleiter Schuler. Spitzenreiter TSVW Esslingen gab sich keine Blöße und fuhr einen 20:0-Kantersieg bei der SGM Lichtenwald/Winterbach II ein. Auch die Baltmannsweilerer gewannen ihre Partie souverän mit 4:0 beim TB Ruit II. Der Kampf um den Aufstiegsrelegationsplatz bleibt aber noch spannend. Auch der TSV Deizisau II ist noch nicht ganz raus, hat durch das 8:0 gegen den TSV Scharnhausen aber wohl auch „den Klassenverbleib sicher“, wie Spielleiter Stiehl aus anderem Blickwinkel betont.
Funktionär Prokein vom SC Altbach II freute sich über den 2:1-Sieg bei der SGM Mettingen/Westcity United Esslingen, wünschte aber vor allem zwei verletzten SCA-Spielern gute Besserung. Und Trainer Patrick Funk von der SG Eintracht Sirnau II sprach nach dem 1:1 durch zwei Elfmeter gegen die TSG Esslingen II von „zwei verlorene Punkte, da wir deutlich mehr Chancen hatten als die Gäste.“